Sidepreneurs

15. Februar 2019 11:19; Akt: 15.02.2019 11:19 Print

Sind Teilzeit-Unternehmer bessere Mitarbeiter?

Neben dem Brotjob am eigenen Start-up zu tüfteln, soll Mitarbeiter ideenreicher und motivierter machen. Das sagen Experten.

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Eine neue Studie zeigt, dass Mitarbeiter mit privater Unternehmertätigkeit, auch Sidepreneurs genannt, innovativer und motivierter sind als ihre Kollegen. Woran liegt das genau? «In grossen Unternehmen ist es für Einzelne schwierig, Innovationen voranzubringen. Wenn ein Mitarbeiter an einem eigenen Projekt arbeitet, setzt das neue kreative Energie frei, von der auch der Arbeitnehmer profitieren kann», erklärt David Griesbach, Innovationsberater und Wirtschaftsdozent an der Hochschule Luzern. Es sei auch nicht so, dass eine Firma ihre Mitarbeiter zwingend verliere, sobald sich diese voll auf das Start-up konzentrieren wollten: «Wenn ein Mitarbeiter in der gleichen Branche eine gute Start-up-Idee hat, besteht die Möglichkeit, dass die Firma in diese investiert», sagt Griesbach. Initiative Mitarbeiter sind in fast allen Branchen heiss begehrt. Denn durch die Digitalisierung verändern sich die Marktbedingungen rasant, Geschäftsfelder brechen weg und neue müssen gesucht werden. Bekannte Beispiele sind Uber und Airbnb. Die Start-ups haben innerhalb von ein paar Jahren die globale Taxi- und die Hotelbranche auf den Kopf gestellt. HR-Experte Michel Ganouchi von der Firma Recruma ist gegenüber der Idee von Teilzeit-Unternehmern skeptisch eingestellt: «Ich glaube nicht, dass Mitarbeitende mit gleichem Herzblut auf zwei Hochzeiten tanzen können. Leidenschaft und Energie werden oft beim Start-up liegen.» Der Brotjob diene als Risikominimierung. In Bezug auf das Thema Innovation schliesst sich Ganouchi unter einem Vorbehalt David Griesbachs Einschätzung an: «Sidepreneurs sind sicherlich mögliche Innovationstreiber. Ihren Fokus legen sie aber meist auf ihren eigenen Weg.»

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Angestellte, die in ihrer Freizeit am eigenen Start-up arbeiten: Diese Idee mag Chefs befremden. Eine Studie, die kürzlich im Journal of Management publiziert wurde, kommt nun aber zum Schluss, dass Firmen von solchen doppelt eingebundenen Mitarbeitern profitieren können.
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Die Studie zeigt, dass Mitarbeiter mit privater Unternehmertätigkeit, Sidepreneurs genannt, innovativer und motivierter sind als ihre Kollegen.

Woran liegt das genau? «In grossen Unternehmen ist es für Einzelne schwierig, Innovationen voranzubringen. Wenn ein Mitarbeiter an einem eigenen Projekt arbeitet, setzt das neue kreative Energie frei, von der auch der Arbeitnehmer profitieren kann», erklärt David Griesbach, Innovationsberater und Wirtschaftsdozent an der Hochschule Luzern.

Es sei auch nicht so, dass eine Firma ihre Mitarbeiter zwingend verliere, sobald sich diese voll auf das Start-up konzentrieren wollten: «Wenn ein Mitarbeiter in der gleichen Branche eine gute Start-up-Idee hat, besteht die Möglichkeit, dass die Firma in diese investiert», sagt Griesbach.


Dringend neue Geschäftsfelder gesucht

Initiative Mitarbeiter sind in fast allen Branchen heiss begehrt. Denn durch die Digitalisierung verändern sich die Marktbedingungen rasant, Geschäftsfelder brechen weg und neue müssen gesucht werden.

Bekannte Beispiele sind Uber und Airbnb. Die Start-ups haben innerhalb von ein paar Jahren die globale Taxi- und die Hotelbranche auf den Kopf gestellt.

«Brotjob nur als Risikominimierung»

HR-Experte Michel Ganouchi von der Firma Recruma ist gegenüber der Idee von Teilzeit-Unternehmern skeptisch: «Ich glaube nicht, dass Mitarbeitende mit gleichem Herzblut auf zwei Hochzeiten tanzen können. Leidenschaft und Energie werden oft beim Start-up liegen.» Der Brotjob diene als Risikominimierung.

Im Bezug auf das Thema Innovation schliesst sich Ganouchi unter einem Vorbehalt David Griesbachs Einschätzung an: «Sidepreneurs sind sicherlich mögliche Innovationstreiber. Ihren Fokus legen sie aber meist auf ihren eigenen Weg.»

(vay)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vlad am 15.02.2019 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Sidepreneur???

    Und ich dachte schon, Influencer sei das Unwort des Jahrzehnts...

  • Bölimaa am 15.02.2019 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Job für's Leben, Firma für's Alter

    Wenn man selber eine Firma hochzieht, dann werden einem eben auch Abläufe bewusst, welche ein "normaler" Mitarbeiter oft gar nicht bemerkt. Man weis warum man diesen Job zusätzlich macht und es kommen mehr neue Ideen von aussen herein. Da man nicht jeden Tag das selbe macht ist auch die Motivation um einiges grösser.

  • Büro Gummi am 15.02.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Die sind meistens nicht da

    wenn man sie braucht und verdienen trotzdem mehr, komisch nicht?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kunigunde am 18.02.2019 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Schöner, schneller, stärker, höher...

    Der Lebensirrsinn nimmt kein Ende. Und wie lautet die genaue Definition von "besser"? Warum sind wir nur so oberflächlich, unhinterfragend und undifferenziert geworden?

  • Tea Pit am 16.02.2019 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Software

    In der Software Entwicklung hat man oft ein paar Stunden Arbeitszeit pro Woche für eigene Projekte, die nicht selten der Firma nutzen. Ist für beide Seiten ein Gewinn. Das sollte auch in anderen Bereichen eingesetzt werden.

  • Skai am 16.02.2019 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Chancen und Risiken

    Es ist eine Chance, nebst einer oft etwas eingerschänkten Tätigkeit im Hauptberuf, auch noch ein Unternehmen aufzuziehen, die vielseitige Tätigkeit ist inspirierend und man ist ausgeglichener. Persönlich arbeite ich nach 8.4 Stunden noch weitere 30 bis 90 Minuten zwei drei mal pro Woche, plus 4 Stunden am Wochenden in eigener Sache. Interessenkonflikte drohen besonders wenn die Infrastruktur am Arbeitsplatz genutzt wird, oder die gleichen Kunden angegangen werden.

  • A.Surrer am 16.02.2019 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Erfahrungen mit Teilzeit

    Mitarbeiter gemacht. Da hapert es oft an der Arbeitseinstellung (nicht nur bei denen, doch dort am sichtbarsten), und kein einziger war nebenbei noch mit seinem "Start-UP" beschäftigt. Die Chefs hätten das Geld das sie diesen Leuten bezahlen lieber unter den FTE's verteilt. Ernsthaft, so im Schnitt erledigten die in 8.4h eine Arbeit für welche ich max 30 Minuten brauchte...Oft waren die eigentlich nur am Arbeiten, um 2 Tage in der Woche mit Erwachsenen verbringen zu können.

    • Biene am 18.02.2019 09:38 Report Diesen Beitrag melden

      @A.Surrer

      Hm..seltsam. Normalerweise ist es gerade andersrum. Teilzeitler erledigen in z.B. 60% Arbeitspensum dasselbe wie Vollzeitmitarbeiter in 100%! Das ist eigentlich erwiesen. Wenn man weniger arbeitet ist man oft in dieser Zeit effizienter. Ich weiss nicht, wo sie arbeiten, aber das ist oft nicht so wie Sie beschreiben.

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  • Der Querdenker am 16.02.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt aus die Situation an.

    Teilzeit arbeiten ist insofern in Ordnung wenn die Summe der Tätigkeiten auch dem Stellenpensum entspricht und das Arbeitsverhältnis im Monatslohn ist sowie die Abwesenheit auch respektiert wird.