Riesige Box, wenig drin

16. Januar 2020 06:54; Akt: 16.01.2020 06:54 Print

Darum sind die Päckli der Onlinehändler oft zu gross

von R. Knecht - Viel Luft im Paket: Manch eine Bestellung wird in einer unnötig riesigen Box geliefert – Händler sparen so Geld. Allerdings belastet das die Umwelt.

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Wieso kommt da eine praktisch leere Schachtel mit der Post? Wer online einkauft, wundert sich immer mal wieder über die halb leeren Pakete, die die Händler verschicken. Die unnötig grossen Päckli können zu einer erhöhten Umweltbelastung führen. Denn dadurch lassen sich Lastwagen mit weniger Sendungen füllen. Wenn deswegen zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt werden müssen, erhöht das den CO2-Ausstoss. Zudem wird bei grösseren Verpackungen grundsätzlich mehr Material verbraucht. Allerdings ist der Verpackungsprozess kürzer, wenn die Auswahl an Kartongrössen gering ist. Darum setzen viele Händler auf Standardgrössen. Bei Digitec Galaxus etwa gibt es acht solche Kartongrössen. Amazon hat rund 30 Boxgrössen. Digitec Galaxus schreibt auf Anfrage, es könne vorkommen, dass ein Mitarbeiter ein zu grosses Format wähle, wenn die passende Grösse am Arbeitsplatz vergriffen sei. Digitec Galaxus verpackt rund 50 Prozent seiner Pakete mit einer Maschine passgenau. Das reduziere den Verbrauch von Plastik-Füllmaterial. Mehrere Händler betonen, dass der Schutz des Versandguts an erster Stelle stehe: «Der Umwelteinfluss ist am grössten, wenn Produkte beim Versand kaputt gehen», schreibt etwa Zalando-Sprecherin Barbara Debowska. 2018 dürften Lieferanten im Schweizer Güterverkehr auf der Strasse rund 7 Milliarden Kilometer zurückgelegt haben. Laut Schätzungen von Ökonomen der BSS Volkswirtschaftliche Beratung und Verkehrsexperten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften dürfte die Fahrleistung im Güterverkehr mit Nutzfahrzeugen von 2018 bis 2023 um bis zu 90 Millionen gefahrene Kilometer steigen. Die Experten haben untersucht, wie man die Umweltbelastung durch den Versandhandel minimieren kann. Das sind ihre Lösungsansätze. Je mehr auf einmal ausgeliefert wird, desto weniger Fahrten braucht es. Für den Konsumenten heisst das, dass er idealerweise seine Onlinekäufe möglichst auf einmal und beim gleichen Anbieter tätigen sollte. Die Experten schlagen vor, dass Lieferanten auf ihren Touren kurzzeitig auf dem Trottoir oder an der Bushaltestelle parkieren dürfen: So müsse der Zulieferer nicht dreimal um den Block fahren, bis er einen Parkplatz findet. Es gilt zudem, die Erstzustellung zu verbessern, damit der Lieferant das Päckli weniger oft wieder mitnehmen muss. Das könne etwa mit grösseren Milchkästen oder zentralen Abholzentren bewerkstelligt werden. Insbesondere der Elektroantrieb wird in der Branche als nachhaltigere Alternative zum Verbrennungsmotor gehandelt. DHL etwa liefert Pakete in einigen deutschen Städten bereits heute mit E-Bikes. Würde der Gütertransport per Zug stärker gefördert, wäre es für die Versandhändler naheliegend, auf den Schienentransport zu setzen. Wie die Elektromobilität würde auch dieses Verkehrsmittel dazu beitragen, die Effizienz und Nachhaltigkeit bei der Zustellung zu erhöhen, so die BSS-Experten.

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Die unnötig grossen Päckli können zu einer erhöhten Umweltbelastung führen, sagt Fredy Dinkel vom Beratungsunternehmen Carbotech: Denn dadurch lassen sich Lastwagen mit weniger Sendungen füllen – wenn deswegen zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt werden müssen, erhöht das den CO2-Ausstoss. Dazu kommt, dass die Umwelt auch durch den erhöhten Materialverbrauch stärker belastet wird (siehe Box).

Händler sparen mit grösseren Schachteln

Warum verschicken die Onlinehändler denn die übergrossen Schachteln? Sie wollen die Zahl der Kartongrössen niedrig halten – denn so können sie Geld sparen, wie Stern.de schreibt. Die kleinere Auswahl macht die Arbeitsprozesse schlanker und Mitarbeiter müssen weniger Entscheidungen fällen – das spart Arbeitszeit. Gerade für besonders kleine Produkte fehlt dadurch aber die passende Schachtel.

Der grössere Karton koste den Händler praktisch gleich viel wie der kleinere. Bei den Versandkosten kommt es zudem vor allem auf das Gewicht und nicht auf die Grösse des Pakets an – solange die Schachtel nicht gerade als Sperrgut zählt, macht der grössere Karton auch den Versand in der Regel nicht teurer.

Acht Standardgrössen

Amazon etwa arbeitet mit rund 30 Boxgrössen, bei Digitec Galaxus sind es acht. Der grösste Schweizer Onlinehändler schreibt auf Anfrage, es könne vorkommen, dass ein Mitarbeiter ein zu grosses Format wähle, wenn die passende Grösse am Arbeitsplatz vergriffen sei.

Bei Amazon ist die Erklärung eine andere, wie Sprecher Thorsten Schwindhammer sagt: «Ist eine Kartonage zu gross, liegt das in der Regel daran, dass die Stammdaten eines Produktes falsch im System hinterlegt sind.» Darum sollten Kunden dem Konzern Feedback geben, falls sie Pakete mit zu viel Leerraum erhalten.

Passgenaue Verpackung

Digitec Galaxus will in Sachen Verpackung nachhaltiger werden. Die Firma setzt darum Maschinen ein, die Pakete passgenau in Karton verpacken. Das reduziere den Verbrauch von Füllmaterial, sagt Sprecher Alex Hämmerli: «Allein 2019 konnten wir so mehr als 16 Tonnen Plastik einsparen.»

Derzeit wird etwas mehr als die Hälfte der Bestellungen bei Digitec Galaxus mit diesen Maschinen verpackt. Der Händler baut die Anlage derzeit aus und peilt eine Quote von 70 Prozent an.

Eine ähnliche Anlage verwendet auch die Competec-Gruppe, zu der etwa Brack.ch gehört. Sprecher Daniel Rei sagt, man habe sich dafür entschieden, weil man so Material sparen, die Fahrten zum Paketverteilzentrum der Post reduzieren und schnelle Lieferungen gewährleisten könne.

Notwendiges Füllmaterial

Mehrere Händler betonen, dass der Schutz des Versandguts an erster Stelle stehe: «Der Umwelteinfluss ist am grössten, wenn Produkte beim Versand kaputtgehen», schreibt Zalando-Sprecherin Barbara Debowska. Im Gegensatz etwa zu Digitec Galaxus hält Zalando darum das Füllmaterial für nötig, da die Boxen sonst eingedrückt würden.

Der Kleiderhändler wolle aber möglichst viel Recyclingmaterial verwenden, heisst es weiter. 2018 waren es über 34'000 Tonnen Verpackungsmaterial, 89 Prozent davon aus erneuerbaren Ressourcen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • anotherUser am 16.01.2020 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    und nicht wiederverwertbar

    Zu grosse Boxen sind das eine. Aber viel mehr stört mich die Tatsache, dass die verwendeten Boxen nicht mehr wiederverwendet werden können. z.B. bei Brack und Digitec wird der Deckel aufgeklebt und öffnen muss man die Box über die Mitte mit einem Reissmechanismus. Das dumme dabei ist, dass die Box so zu 99% nicht mehr vernünftig genutzt werden kann. Leider werden kaum mehr die früher üblichen Boxen genutzt... das ist m.E. fast schlimmer als eine zu grosse Box

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  • CaptainLonestarr am 16.01.2020 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besonders Wichtig!

    Gerade bei Kleidergrössen ist die Polsterung der Waren besonders wichtig!

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  • Evi am 16.01.2020 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Früher war vieles besser... heute zählt nur Geld Geld Geld... egal ob es zu Lasten der Umwelt geht... Traurig ....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chleefeufi am 17.01.2020 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich

    Und es geht wieder mal nur ums Geld, und Umwelt ist also egal.Es muss einfach mal ein Riegel geschoben werden, manche dürfen sich alles erlauben.So kann man für die Umwelt nichts verbessern ganz klar

  • Gkkcgkn am 17.01.2020 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Früher war "alles" besser

    Früher war alles brsser alles klar. Ihr hattet 2 Weltkriege, die Juden wurden gejagt und noch vieles mehr und du dagst, dass früher alles besser war. Das einzige, das besser wahr, war der Klimaschutz.

  • Eigentlich Gerne am 16.01.2020 23:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ladenshopping wäre schon toll...

    Aber leider hats ja in den Läden kaum mehr Ware am Lager (speziell Elektronikware) Dann heisst es nur: Haben wir nicht da, müssen wir bestellen. Da kann ich mir den Gang in den Laden sparen und gleich direkt bestellen - und muss das Zeug erst noch nicht durch die Stadt schleppen...

  • Silvana am 16.01.2020 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zerbrochene Windeln

    Meine Pampersbestellung muss immer gut gepolstert sein, die Windeln könnten ja zerbrechen oder? - Ironie Off

  • Dani am 16.01.2020 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich finde es gut

    Das die Schachtel soooo gross sind,den so wird das packet nicht einfach im Milchkannen gestopft und eventuelles am Abend geklaut. So muss er klingeln,und mit der Post ap hast du eine Ankündigung und kannst den Tag frei wählen wann es kommen soll.