Trotz tiefem Ölpreis

27. November 2018 15:52; Akt: 27.11.2018 16:16 Print

Warum die Spritpreise so hoch bleiben werden

von Dominic Benz - Der Ölpreis ist seit Oktober im freien Fall. Dennoch wird das Tanken teurer. Grund ist der Rhein.

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Trotz Ölpreiszerfall ist das Tanken teurer geworden. Konkret bezahlte man laut TCS zurzeit für Benzin im Schnitt 1.63 Franken, an einzelnen BP-Tankstellen in Zürich sogar bis zu 1.68 Franken. Noch im Januar lag der durchschnittliche Preis bei 1.56 Franken. Das erstaunt, denn Seit Anfang Oktober ist der Ölpreis um rund 30 Prozent zusammengebrochen. Laut David Suchet, Sprecher der Erdölvereinigung, ist der tiefe Wasserstand des Rheins der Grund. «Weil der Pegel sinkt, können die Schiffe immer weniger Treibstoffe transportieren», sagt er auf Anfrage. Das verteuere den Import. BP-Sprecher Peter Kretzschmar sagt: «Normalerweise geben wir solche Preissenkungen schnell an die Konsumenten weitergeben, da der Wettbewerb uns dazu zwingt.» Der Ölpreis hat letzte Woche Jahrestief erreicht. Der Preis der Sorte WTI liegt derzeit bei rund 51 US-Dollar pro Fass. Auch bei anderen Sorten gibt es starke Einbrüche: Innert eines Tages wurde die Nordseesorte Brent um 5 Prozent billiger, bei Light Sweet Crude waren es sogar 7 Prozent. Seit Anfang Oktober ist der Ölpreis stark gefallen. Der Grund: Händler erwarten ein Überangebot bei gleichzeitig nachlassender Nachfrage – wegen der sich abschwächenden Konjunktur. Laut Analyst Lukman Otunuga von FXTM wetten die Investoren auf einen weiteren Preisverfall, «selbst wenn die Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) Anfang Dezember die Produktion drosseln sollten». Die Mitglieder der Opec und Vertreter anderer Ölförderländer treffen sich in zwei Wochen in Wien.

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Das Tanken ist derzeit so teuer wie zuletzt vor vier Jahren. Doch obwohl die Ölpreise in den letzten Wochen stark eingebrochen sind, bleiben Benzin und Diesel teuer. Das ist unüblich, denn meistens bewegen sich die Spritpreise im Einklang mit den Ölpreisen.

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Konkret bezahlt man laut TCS derzeit für Benzin im Schnitt 1.63 Franken, an einzelnen BP-Tankstellen in Zürich sogar bis zu 1.68 Franken. Noch im Januar lag der durchschnittliche Benzinpreis bei 1.56 Franken. Auch Diesel hat sich in dieser Zeit klar verteuert: Bezahlte man im Januar noch 1.65 Franken, sind es momentan bereits 1.81 Franken.

Rhein hat zu wenig Wasser

Die Ölpreise hingegen sind seit Anfang Oktober um rund 30 Prozent eingebrochen. Ein Fass der Sorte Brent kostet rund 60 Dollar. Der Preis liegt damit etwa so tief wie vor einem Jahr. Grund dafür sind Überangebot und die Angst vor einer nachlassenden Nachfrage wegen schwacher Konjunkturaussichten.

An der Zapfsäule ist der Preiszerfall aber nicht angekommen. «Die tieferen Ölpreise schlagen sich derzeit nur beschränkt im Benzinpreis nieder», bestätigt David Suchet, Sprecher der Erdöl-Vereinigung.

Grund sei der tiefe Wasserstand des Rheins. «Weil der Pegel sehr tief ist, können die Schiffe weniger Treibstoffe transportieren», sagt er auf Anfrage. Das verteuere die Einfuhren. Derzeit kostet der Transport für eine Tonne Benzin 209 Franken. Normal sind rund 20 Franken. Auch für Diesel sind die Kosten auf 190 Franken angestiegen. Gewöhnlich sind es nicht einmal 20 Franken. «Durch die hohen Transportkosten kommen die sinkenden Ölpreise kaum an den Zapfsäulen an», so Suchet.

Ölstaaten entscheiden

Doch könnten die Tankstellenbetreiber nicht trotzdem den tiefen Ölpreis an die Autofahrer weitergeben? BP-Sprecher Peter Kretzschmar winkt ab. «Normalerweise geben wir solche Preissenkungen schnell an die Konsumenten weiter, da wir in hartem Wettbewerb stehen», so Kretzschmar. Doch die angespannte Transportsituation lasse auf den internationalen Märkten für Benzin und Diesel die Beschaffungskosten steigen. Und diese seien ausschlaggebend für die Tankpreise.

Grosse Hoffnung auf doch noch sinkende Spritpreise sollten sich die Autofahrer nicht machen, denn der Preiszerfall beim Öl dürfte ohnehin bald vorbei sein. Für ZKB-Rohstoffexperte Simon Lustenberger ist das nächste Treffen der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) am 6. Dezember in Wien entscheidend. «Wird eine Produktionskürzung beschlossen, dürfte der Ölpreis wieder auf 70 Dollar steigen», sagt er. Wird keine Einigung erzielt, sieht der Experte für den Ölpreis eine Seitwärtsbewegung beim Preis.

«Angespannte Versorgungslage»

Der Import von Sprit ist von der Schifffahrt abhängig. «Ein Viertel des Benzins und zwei Drittel des Diesel kommen über den Rhein in die Schweiz», sagt Suchet. Beim Heizöl sei das anders. Dieses werde lediglich zu 15 Prozent per Rhein transportiert. Die geringe Treibstoffmenge hat nun in der Schweiz zu einer Verknappung geführt. Laut Suchet musste der Bund Ende Oktober bereits Dieselreserven anzapfen. «Das beweist die angespannte Versorgungslage in der Schweiz», sagt Suchet.

Auch die Schweizer Rheinhäfen weisen auf die prekäre Situation hin. «Seit September haben wir in Basel und am Mittelrhein ausserordentlich tiefe Pegelstände», so eine Sprecherin. Für eine Schiffsladung benötige man derzeit zwei bis drei Schiffe. Das dürfte auch weiterhin so bleiben. «Aufgrund der momentan zur Verfügung stehenden Wetterprognosen ist noch keine Entspannung in Sicht», teilt das Bundesamt für Umwelt mit.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Georges, ZH am 27.11.2018 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    wenn man

    will, findet Mann immer eine Ausrede. Mal ist der Rhein zu tief, zu viel Wasser, der Dollar zu hoch, Ferien vor der Tür. Einfach nur um abzuzocken.

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  • andi kunz am 27.11.2018 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mal was neues

    spannend welche ausreden immer gefunden werden

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  • Jörg Frei am 27.11.2018 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .....

    ich liebe frankreich die gehen zu hundertausenden auf der strasse nicht so wie wir....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rentner I am 05.12.2018 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spritpreise

    Wieso Jammern hier rund 90% der Kommentatoren/innen - wenn Ihnen der Sprit zu teuer ist, dann steigt um aufs Bike und ÖV ich verstehe die heutige Gesellschaft immer weniger. Wir sind doch Schweizer und lassen uns doch von den 10 oder 20 Rappen nicht schrecken oder doch. Denkt dann schon mal an die Heiz- und Nebenkostenabrechnung die im Januar bestimmt kommt. Wünsche allen den Jammern hier schönen Tag.

  • von vieles müde am 01.12.2018 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    für alles, immer eine ausrede

    die Aussagen sind der Hammer, fehlt nur noch die Turbulenzen in Europa zu erwähnen .....Hauptsache Preis hoch behalten.

  • griffin9-5 am 29.11.2018 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht es wie in Deutschland.....

    Bei dieser Sache würde ich mal sagen man macht es wie in Deutschland! Eine Offenlegung der Preise! Da wurde nämlich festgestellt das die Preise nicht nur aufs Wochenende oder Urlaubszeit nein sogar zur Rushhour steigen! Für mich kann es einfach nicht sein das die Preise im Umkreis von 10km bis zu 10Rp. diverrieren!

  • Pius am 29.11.2018 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Rheintransporte

    Oesterreich ist immer billiger, weil es nicht am Rhein liegt!

    • Fritz am 01.12.2018 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pius

      Aber an der Donau. Schon mal was vom Rhein-Main-Donaukanal gehört?

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  • Thomas L. am 29.11.2018 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Frage zur Rheitheorie

    Warum sollte 1 Liter Diesel beinah 20 Rappen mehr beim Transport auf dem Rhein kosten als 1 Liter Benzin?