Achtung, Betrug!

08. Januar 2020 13:26; Akt: 08.01.2020 14:38 Print

Darum solltest du das Jahr 2020 ausschreiben

Wer Zeit sparen will und auf Checks oder Verträgen die Jahresangabe abkürzt, eröffnet Betrügern eine neue Möglichkeit für Fälschungen.

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Vollständige Jahresangaben bei der Vertragsunterzeichnung können Betrug vorbeugen. Folgende Änderungen für 2020 sollten Konsumenten ebenfalls wissen. Foto: 20min Handschriftliche Verträge mit gekürzten Jahresangaben können Betrüger leicht manipulieren. Das kann das Betrugsopfer viel Geld kosten. (KEYSTONE/Laurent Gillieron) Das Problem ist vor allem in den USA akut, wo Checks weit verbreitet sind. Die Polizei schlägt Alarm. (AP Photo/Damian Dovarganes) Das Jahr 2020 ist gestartet. Das ist ebenfalls neu dieses Jahr. (KEYSTONE/DPA/Karl-Josef Hildenbrand) SBB-Kunden müssen sich nächstes Jahr auf Verspätungen, Zugsausfälle und Umleitungen einstellen. Denn 2020 erreicht die Zahl der Baustellen bei der SBB einen neuen Höchstwert. Über 2 Milliarden Franken investieren die Bundesbahnen in ihr Schienennetz. Die grössten Arbeiten finden zwischen Genf und Lausanne, am Zugersee, beim Knoten Bern, zwischen Olten und Aarau sowie in der Nordwestschweiz zwischen Basel und Liestal statt. Einkaufstouristen müssen nächstes Jahr für mindestens 50 Euro in Deutschland einkaufen. Nur für Quittungen ab diesem Betrag erhalten sie den grünen Ausfuhrzettel, um die deutsche Mehrwertsteuer zurückzuerhalten. Das hat das deutsche Finanzministerium beschlossen. Ursprünglich wollte der deutsche Finanzminister Olaf Scholz (SPD) eine Grenze von 175 Euro einführen. Ab dem 1. Januar 2020 müssen Autofahrer nur noch eine obligatorische Weiterausbildung absolvieren. Das hat der Bundesrat bereits 2018 beschlossen. Der Kurs muss innerhalb von 12 Monaten nach dem Erhalt des Führerausweises auf Probe besucht werden. Er dauert 7 Stunden und wird an einem Tag durchgeführt. Bislang mussten Personen, die den Fahrausweis auf Probe besitzen, zwei Weiterbildungen besuchen. Die Deklaration von Auslandssendungen bis zu einem Gewicht von 2 Kilogramm erfolgt ab dem 1. Januar 2020 online. Für Sendungen in die USA gilt diese Regel bereits seit dem 1. Juli dieses Jahres. Wer das Onlineformular am Schalter durchs Postpersonal machen lässt, zahlt dafür 3 Franken. Bisher musste für Pakete ins Ausland nur ein grünes Deklarationspapier ausgefüllt werden. Post-Kunden erhalten ab Anfang Jahr Rabatt auf ihre Päckli: Wer sein Paket im Internet adressiert und frankiert, muss weniger zahlen. So gibt es ab 2020 für ein Paket bis zu 10 Kilogramm 1.50 Franken Abschlag. Ist das Päckli bis zu 30 Kilogramm schwer, sind es 3 Franken weniger. Das hat die Post mit dem Preisüberwacher vereinbart. Ab Juli 2020 erhöht die Postfinance die Gebühren für Einzahlungen am Schalter. Dann müssen Empfänger der Rechnungsbeträge rund 30 Prozent mehr bezahlen. Der Tarif für eine 50-Franken-Einzahlung mit einem orangen Einzahlungsschein oder einer neuen QR-Rechnung wird also von 90 Rappen auf 1.20 Franken erhöht. Postfinance wollte ursprünglich sogar eine noch stärkere Erhöhung der Gebühren, doch der Preisüberwacher legte dagegen sein Veto ein. Ab dem Jahr 2020 gilt für Personenwagen ein Zielwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer. Damit dürfen die Autos einer Hersteller-Flotte im Schnitt nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Ansonsten drohen den Herstellern hohe Bussen. Klein- und Privatimporteure müssen vor der Fahrzeugzulassung die CO2-Emissionen beim Bundesamt für Strassen bescheinigen lassen. Die CO2-Limite gilt aber nur für Neuwagen. Ab dem neuen Jahr wird es schwieriger, Früchte, Gemüse oder Pflanzen aus den Ferien heimzubringen: Neu braucht es für die Einfuhr von ausserhalb der EU ein Zeugnis. Denn laut Bundesamt für Landwirtschaft steigt durch Reisen, internationalen Handel und Klimawandel das Risiko, dass Schädlinge oder Pflanzenkrankheiten eingeschleppt werden. Bisher haben die Noten aus früheren Serien ihren Wert nach 20 Jahren verloren. Damit ist jetzt Schluss, wie der Bundesrat und das Parlament beschlossen haben. Ab der sechsten Banknotenserie aus den 1970er-Jahren können alte Banknoten künftig unbegrenzt bei der Nationalbank eingetauscht werden. Diese über 40 Jahre alten Noten haben somit ab dem 1. Januar 2020 wieder ihren aufgedruckten Wert. Die neue mittlere Prämie für alle Krankenkassenversicherten steigt 2020 um durchschnittlich 0,2 Prozent. Damit beläuft sie sich im Schnitt auf 315.40 Franken. Doch in zehn Kantonen müssen die Versicherten sogar weniger bezahlen: AG, BE, BS, LU, SH, SO, SZ, VD, ZG und ZH. In fünf Kantonen (AR, GR, NE, TI und VS) hingegen steigen die Prämien um über 1,5 Prozent. In den übrigen Kantonen beträgt das Plus zwischen 0 und 1,5 Prozent. Ab Anfang Jahr steigen die AHV-Beiträge. Der AHV-Lohnbeitrag wird für Arbeitnehmende um 0,3 Prozentpunkte angehoben und zwar von 8,4 auf 8,7 Prozent. Die Erhöhung wird zur Hälfte von den Arbeitgebern und zur Hälfte von den Arbeitnehmenden getragen. Die auf dem Lohn erhobenen AHV-, IV-, EO-, ALV-Beiträge belaufen sich damit 2020 auf 12,75 Prozent. 2019 waren es noch 12,45 Prozent.

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Mit dem neuen Jahr hat auch ein neues Jahrzehnt begonnen. Es dürfte bei vielen noch eine Weile dauern, bis sie nicht mehr 2019 schreiben, wenn sie 2020 meinen. Eine weitere Neuheit mit dem neuen Jahr ist, dass die Abkürzung des Jahres zumindest 2020 nicht empfehlenswert ist. Behörden raten zur vollständigen Ausschreibung und schlagen Alarm.

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Schreiben Sie das Datum immer vollständig aus?

Wer beim Ausfüllen eines Vertrags, eines Checks, einer Rechnung oder Quittung das aktuelle Jahr mit 20 abkürzt, spart zwar Zeit, kann aber betrogen werden. Oft ist hinter der 20 genug Platz, um zwei weitere Zahlen einzufügen und damit die Jahresangabe zu fälschen. So wird aus 20 etwa 2019 oder 2021, Betrüger könnten so etwa den Zahlungsbeginn eines Vertrags, die Checkfrist oder Liefertermine abändern. Wenn man etwa einer Zahlung ab 15.1.20 zustimmt, könnten Übeltäter es so drehen, dass man ab dem 15.1.2019 zur Zahlung verpflichtet ist, und versuchen, das zusätzliche Geld einzutreiben. Auch die Gültigkeit vieler Gutscheine lässt sich einfach verlängern. Die Betrugsmöglichkeiten sind vielfältig.

Vollständig schreiben, um auf der sicheren Seite zu sein

Rechtsanwalt Martin Steiger findet die Empfehlung der Behörden sinnvoll, wie er auf Anfrage zu 20 Minuten sagt. «Ich erwarte nicht viele Betrügereien dieser Art, empfehle aber immer die volle Ausschreibung», sagt er. Als Alternative rät Steiger, einen Strich hinter die Jahresangabe zu machen. Ebenfalls empfehlenswert sei, das Datum gemäss internationalem Standard umzukehren. Wenn das Jahr zu Beginn des Datums steht, bleibt kein Platz für Fälschungen. Noch grösser sei die Betrugsgefahr jedoch bei Verträgen in digitaler Form wie etwa bei PDFs.

Dominique Roten, Sprecher des Konsumentenforums, erwartet keine massiven Betrugsfälle dieser Art in der Schweiz, wie er auf Anfrage sagt. Da Verträge hierzulande immer im Doppel unterzeichnet würden, sei ein solcher Betrug zwar nicht unmöglich, aber schwierig. Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, sagt: «Ich empfehle, bei jedem handschriftlichen Zahlungsvorgang das Jahr immer vollständig zu schreiben, um auf der sicheren Seite zu sein.»

Problem bekannt, noch keine Beweise

Auch Schweizer Finanzinstitute kennen das Problem der Betrugsmöglichkeit bei abgekürzter Jahreszahl. Die UBS etwa ist sich der Problematik bewusst, wie Mediensprecherin Laura Urech auf Anfrage sagt. Die UBS sensibilisiere ihre Kunden entsprechend. Welche Massnahmen die Bank tätigt, wollte Urech aber nicht sagen.

Das Problem ist vor allem in den USA akut, wo etwa Checks weiter verbreitet sind als in der Schweiz. Deshalb warnen die US-amerikanischen Behörden grossflächig. Ira Rheingold, Direktor des Verbands der nationalen Verbraucherrechtsanwälte, wird in verschiedenen Medien wie folgt zitiert: «Wenn Sie ein Datum auf ein Dokument schreiben, verkürzen Sie das Jahr nicht.» Zwar gebe es noch keine Beweise, dass jemand auf diese Weise betrogen wurde. Doch auch die Polizei in den USA rät, 2020 stets vollständig zu schreiben, um Betrugsmöglichkeiten zu verringern.

(fpo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beni am 08.01.2020 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei Verträgen?

    Also wenn ich einen Vertrag unterzeichne, erhalte ich ja eine Kopie davon, dann kann die Gegenseite noch so viele Zahlen einfügen, solange die auf meiner Kopie nicht vorhanden sind, sind sie nichtig.

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  • Bruno am 08.01.2020 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Danke für den Hinweis!

  • Rolf Lehner 2020 nach Christus am 08.01.2020 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut gemeint

    Guter Ratschlag. Freundliche Grüsse.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pieter am 09.01.2020 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch kein neues Jahrzehnt

    Das neue Jahrzehnt beginnt erst in einem Jahr. Die Zehner-Jahre sind erst abgeschlossen, wenn das zehnte, also das aktuelle, vorbei ist. Das ist, wie mit den zehn Äpfeln im Korb, die alle gegssen werden müssen, bevor der Korb leer ist. Das war übrigens beim Jahrtausendwechsel das grosse Thema und sollte nun allen klar sein.

    • Karl Ranseyer am 09.01.2020 08:37 Report Diesen Beitrag melden

      Pieter

      Vor allem sollte langsam klar sein, dass das nur die Tüpfli-Schiisser interessiert. Alle anderen nehmen den pragmatischen und intuitiven Ansatz. Und sie werden es auch nicht ändern, egal, wie oft und lange ihr nervt.

    • Christofero am 09.01.2020 09:47 Report Diesen Beitrag melden

      O-tes Jahr?

      Also das 0-te Jahr, das Jahr nach der Geburt, zählt also nicht? Da gibts noch nichts? nicht existent? oder was???

    • Mandalayon am 09.01.2020 12:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Christofero

      Das Jahr 0 gibt's nicht in unserer Zeitrechnung. Es gibt das Jahr 1 nach Christus. Das Jahr zuvor ist das Jahr 1 vor Christus. Das 1. Jahrzehnt geht also vom 1.1.1 bis zum 31.12.10, das 2. Jahrzehnt vom 1.1.11 bis 31.12.20 etc. bis wir nun im Moment im 202. Jahrzehnt vom 1.1.2011 bis 31.12.2020.

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  • Dummbrot am 09.01.2020 07:05 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Quatsch

    Das wäre letztes Jahr auch schon gegangen. 12.10.19 hätte ich ja dann locker zu 12.10.1998 ändern können....

  • Swissgirl am 09.01.2020 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die sind euch immer einen schritt voraus

    Sie haben Betrüger mit diesem Artikel gerade auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht. Zudem wenn ihr darauf kommt, haben Betrüger das schon lange festgestellt.

  • Bachel am 09.01.2020 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neues Jahrzehnt

    Danke für den Tipp! Das neue Jahrzehnt beginnt übrigens erst am 1.1.2021.

  • Pesta Lozzi am 09.01.2020 05:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch sind keine Fälle aufgetreten....

    ....Aber jetzt ist die Möglichkeit bekannt.