Kriminalität, Datenhandel, Hacker

23. Februar 2019 20:19; Akt: 23.02.2019 20:19 Print

Darum sollte man seine Daten schützen

von R. Knecht - Beim Datenschutz geht es um das Recht zur Selbstbestimmung. Das gibt man schnell auf, wenn man seine Daten unbedacht mit Firmen teilt.

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Schweizer haben weniger Vertrauen in internationale Internetkonzerne. Dazu gehören Facebook, Google und Co. Dafür verwenden 35,1 Prozent ein eigenes Passwort für unterschiedliche Dienste. Nicht einmal die Hälfte ist sich allerdings ihrer Privacy-Einstellungen auf Social Media bewusst. Es werden auch weniger private Daten geteilt. «Firmen können mit Nutzerdaten eigentlich alles anstellen», sagt Datenschutzexpertin Ursula Sury von der Hochschule Luzern zu 20 Minuten. Die Bedenken sind laut der Expertin also gerechtfertigt. Daten können für illegale Zwecke genutzt werden. Das klassische Beispiel: Gelangen Konto- oder Kreditkartennummern in die falschen Hände, erscheinen Ende Monat plötzlich dubiose Zahlungen auf der Abrechnung. Meistens werden Daten gesammelt, um so digitale Profile von uns zu erstellen – etwa zu Werbezwecken. Das funktioniert aber nicht so gut, wie man hoffen würde. «Jemand könnte eine Arbeitsstelle oder einen Job nicht bekommen, nur weil es einen Fehler in seinem digitalen Profil gibt», sagt Sury. Manche Firmen sammeln Daten, um sie an Dritte zu verkaufen. Damit verliert der Nutzer komplett die Kontrolle über die Daten. Wer etwa bei einem Wettbewerb seine Handynummer angibt, die weiterverkauft wird, erhält dann plötzlich Werbeanrufe, obwohl er dieser Datennutzung nie zugestimmt hat. Selbst wenn die Firma nicht vorhat, Daten zu missbrauchen, besteht die Gefahr, dass sie im Darknet landen. Dies, wenn das Unternehmen die Daten nicht genügend schützt und Ziel eines Hackerangriffs wird. «Viele Unternehmen verarbeiten die Daten gar nicht bei sich selbst», so Sury. Stattdessen geben sie sie an einen externen Dienstleister weiter. Und selbst diese Provider würden oftmals noch einmal eine dritte Firma hinzuziehen. Somit reicht es für die Nutzer nicht mehr, dem Unternehmen zu vertrauen, das die Daten verlangt.

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Facebook will die Handynummer, Google fragt dauernd nach einer Kreditkarte und Migros sammelt Informationen über das Shopping-Verhalten: Den Schweizer Konsumenten wird die ewige Gier nach Daten zu viel, wie eine Studie von der Preisvergleichsplattform Comparis zeigt. Das habe vor allem damit zu tun, dass sie sich von Internetunternehmen wie Facebook und Google stärker bedroht fühlten.

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«Firmen können mit Nutzerdaten eigentlich alles anstellen», sagt Datenschutzexpertin Ursula Sury von der Hochschule Luzern zu 20 Minuten. Die Bedenken sind laut der Expertin also gerechtfertigt. Es gehe dabei vor allem um das Recht zur Selbstbestimmung: «Informationen gehören genauso zu einer Person wie ein Haar oder ein Arm», so Sury. Dass eine Person das Recht habe, zu bestimmen, was mit ihrem physischen Körper passiert, sei seit Jahren akzeptiert. Dass das gleiche Prinzip für Daten gelten sollte, werde noch zu wenig verstanden.

Hier sind fünf Gründe, warum man seine Daten nicht teilen sollte:

Kriminelle Aktivitäten

Daten können für illegale Zwecke genutzt werden. Das klassische Beispiel: Gelangen Konto- oder Kreditkartennummern in die falschen Hände, erscheinen Ende Monat plötzlich dubiose Zahlungen auf der Abrechnung – wer hat da einen Flug gebucht und damit das Konto leergefegt? «Im Darknet kann man ganze Sammlungen von gestohlenen Kontonummern kaufen», sagt Sury.

Fehlprofilierung

Meistens werden Daten gesammelt, um digitale Profile von uns zu erstellen – etwa zu Werbezwecken. Das funktioniert aber nicht so gut, wie man hoffen würde. Nur weil man etwa auf Netflix einmal einen Film über ein bestimmtes Thema geschaut hat, meint der Algorithmus danach, man interessiere sich für dieses Thema. Dabei berücksichtigt Netflix nur, dass man den Film geschaut hat, nicht aber die Gründe für die Wahl. Dieser eher harmlose, aber typische Fall zeigt, dass die digitale Profilierung nicht unbedingt der Wahrheit entspricht. Das kann laut Sury grosse negative Konsequenzen haben: «Jemand könnte eine Arbeitsstelle oder einen Job nicht bekommen, nur weil es einen Fehler in seinem digitalen Profil gibt.»

Datenhandel

Manche Firmen sammeln Daten, um sie an Dritte zu verkaufen. Für den Nutzer ist allerdings nicht nachvollziehbar, was eine solche Drittpartei mit den Informationen vorhat. Damit verliert er komplett die Kontrolle über die Daten. Wer etwa bei einem Wettbewerb seine Handynummer angibt, die weiterverkauft wird, erhält dann plötzlich Werbeanrufe, obwohl er dieser Datennutzung nie zugestimmt hat.

Hackerangriff

Selbst wenn die Firma nicht vorhat, Daten zu missbrauchen, besteht trotzdem die Gefahr, dass sie in die falschen Hände geraten. Was, wenn ein Unternehmen die Daten nicht gut genug schützt und von Hackern angegriffen wird? Dann landen die Informationen trotz aller Versprechen des Unternehmens womöglich doch im Darknet. Je nach Firma seien die Bedenken diesbezüglich gross, sagt Sury.

Outsourcing

«Viele Unternehmen verarbeiten die Daten gar nicht bei sich selbst», so Sury. Stattdessen geben sie sie an einen externen Dienstleister weiter. Und selbst diese Provider würden oftmals noch einmal eine dritte Firma hinzuziehen. Somit reicht es für die Nutzer nicht mehr, dem Unternehmen zu vertrauen, das die Daten verlangt. Und gerade bei sensiblen Daten, wie etwa im Gesundheitswesen, stelle sich noch die Frage, ob sie womöglich sogar im Ausland landen, wo andere und teils lockerere Sicherheitsbestimmungen gelten würden als in der Schweiz.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Betroffener am 23.02.2019 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    Freier Datenhandel?

    Frage: Verkauft Swisscom unsere Handydaten an Callcenter? Habe in letzter Zeit Anrufe z.B. Krankenkassen Verkäufer auf Handy!

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  • Ehemaliger Student bei Sury am 23.02.2019 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daten sammeln ist oft ein unnötiger Luxus

    Und wenn man schaut, was viele ungefragt über sich selber posten, frage ich mich, warum Firmen nicht einfach diese Daten nehmen. Denn was öffentlich ist, darf man lesen.

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  • Thea am 23.02.2019 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Comparis

    Comparis sammelt selbst auch Daten von verschiedensten Plattformen. Die kennen beispielsweise bald jede Wohnung in der Schweiz samt Standort, Grundriss und Preis, die irgendwann mal auf irgend einer Plattform ausgeschrieben wurden. Und Wohnungen sind noch lange nicht das Einzige, was sie sammeln!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 24.03.2019 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da bin ich vorsichtig...

    Wenig bis keine Informationen der Sozialmedien preisgeben. Cumulus wie auch Coop-Karte meiden, das bringt nicht sehr viel, ausser Ärger!

  • Kritiker am 25.02.2019 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daten als Bezahlung

    bei google und facebook zahle ich wenigstens mit meinen Daten für den Dienst, der mir geboten wird. Darüber kann man diskutieren, viel mehr stört mich der Datenhunger von Firmen, bei denen man bereits mit Geld für die Leistung zahlt, so wie z.b. Netflix, Sony Playstation oder besonders Apple. Entweder umsonst oder keine Daten sammeln, beides ist inakzeptabel

  • Wer was macht genau? am 25.02.2019 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ungekehr

    Nicht der Nutzer gibt eigene Daten an die Firmen, sondern die Firmen unrechtmässig verkaufen unsere Daten weiter und machen sehr grosses Geld daraus und die Politik unternimmt dagegen nichts.

  • Ria. S am 24.02.2019 23:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    man akzeptiert oder kann es nicht verwenden...

    man muss überall irgendwelche Zustimmungen geben...und wenn nicht, kann man das Programm vergessen. Ein leerer Computer nützt aber auch nicht viel. Man kann natürlich auf Computer, Smartphone und auf das Leben selbst verzichten. Dann passiert nichts mehr....das ganze Zeugs ist nicht mehr aufzuhalten....

  • Jeremy am 24.02.2019 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Krass ist

    Dass jeder Kommentar auf Youtube vom US-Militär sofort gespeichert wird. Zudem auch gleich noch alle vorhanden Daten des Kommentar Schreibers und welches Kommando für den User zuständig ist. Eucom, Africom, Centcom, Pacom. Beschränkt sich nicht nur auf Youtube.

    • ... am 24.02.2019 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jeremy

      Ja, ich verstehe dass sie Angst haben. Aber wir müssen jetzt auch nicht mit Verschwörungen anfangen. Haben sie eine Ahnung wieviele Kommentare täglich geschrieben werden?

    • Marco am 24.02.2019 16:26 Report Diesen Beitrag melden

      @...

      Die Dokumente die uns Edward Snowden zur Verfügung gestellt hat sind auf Wikileaks online Verfügbar. Nix Verschwörungsteorie! Falls Sie des Englishen mächtig sind können sie es selber lesen. Alle YouTube Kommentare eines Tages können Sie problemlos komprimiert Zuhause auf einer Festplatte speichern das ist speichertechnisch kein Problem.

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