4-Tage-Woche

04. November 2019 19:30; Akt: 05.11.2019 08:28 Print

Sollten wir jeden Freitag freihaben?

von B. Scherer - Weniger arbeiten für den gleichen Lohn führt zu mehr Produktivität und spart Strom. Doch die 4-Tage-Woche kann auch mehr Stress bedeuten.

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In Japan hat Microsoft den Arbeitern für 5 Wochen jeweils am Freitag freigegeben. Das Resultat: Die Arbeiter waren zufriedener und die Produktivität stieg um 40 Prozent. Auf dem Foto: Takashi Hirano, Chef des Rechtsdienstes von Microsoft Japan. Es stellt sich die Frage: Ist die 4-Tage-Woche die Zukunft für den weltweiten Arbeitsmarkt? Nicht unbedingt, denn laut der Arbeitspsychologin Nicola Jacobshagen könnte bei einer kürzeren Arbeitswoche das Stresslevel rasch ansteigen: Wenn Arbeitnehmer in vier Tagen gleich viel leisten müssen wie sonst in fünf Tagen, könnten viele innerhalb von einem Jahr ausbrennen und arbeitsunfähig werden. Nicht abzustreiten ist laut Jacobshagen aber der positive Effekt eines langen Wochenendes auf die Gesundheit der Arbeitnehmer. Wichtig sei dabei, dass am Wochenende auch keine Betreuungsarbeiten oder ... ... Haushaltsarbeiten geleistet werden müssten. Doch für viele ist dies schlicht nicht möglich. Auch können sich nicht alle Branchen eine 4-Tage-Woche leisten, wie beispielsweise Spitäler oder ... ... die Polizei. Arbeiten die Angestellten in diesen Branchen weniger, müssen mehr Arbeitskräfte eingestellt werden. Das neuseeländische Unternehmen Perpetual Guardian hat im Herbst 2018 permanent auf die 4-Tage-Woche umgestellt. In den letzten fünf Jahren ging in der Schweiz die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit bei Arbeitnehmern mit Vollzeitstelle durchschnittlich um 15 Minuten auf 41 Stunden und 7 Minuten zurück. Die Resultate der Studie beruhen auf einer repräsentativen Stichprobenerhebung von rund 120'000 Personen pro Jahr, die über einen Zeitraum von 18 Monaten befragt wurden. Dafür wurden von den gemeldeten Arbeitsstunden Absenzen und Ferientage abgezogen und allfällige Überstunden hinzugerechnet. Bei den 20-Minuten-Lesern sorgte diese Meldung für emotionale Kommentare. Viele bemängeln, dass ihre Arbeitsstunden nicht abgenommen hätten oder höher als der Durchschnittswert seien. Am längsten gearbeitet wird in Branchen wie der Land- ... ... und Forstwirtschaft: Hier beträgt die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit 45 Stunden und 35 Minuten. Der Ländervergleich des Bundesamtes für Statistik zeigt: Am höchsten ist die Arbeitszeit bei Vollzeitarbeitnehmenden in Island (42 Stunden und 54 Minuten). Die Schweiz liegt auf dem 2. Platz mit 42 Stunden und 36 Minuten. Danach ... ... folgt das Vereinigte Königreich mit 40 Stunden und 42 Minuten, dann ... ... Rumänien mit 40 Stunden und 36 Minuten. Auf dem zweitletzten Platz liegt ... ... Finnland mit 37 Stunden und 48 Minuten. Die geringste Arbeitszeit ... ... verzeichnet Frankreich mit 37 Stunden und 36 Minuten.

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Einen Tag weniger arbeiten für den gleichen Lohn – ein Wunschtraum? Nicht ganz: In Japan ist das für Microsoft-Angestellte Alltag geworden – für fünf Wochen. Das Unternehmen hat diesen Sommer den Versuch einer 4-Tage-Woche lanciert. Rund 2300 Arbeitnehmer hatten fünfmal freitags frei und erhielten weiterhin den gleichen Lohn.

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Die 4-Tage-Woche ist ...

Nicht nur die Zufriedenheit der Arbeiter stieg, auch die Produktivität nahm in dieser Zeit um rund 40 Prozent zu. Gleichzeitig sanken die Stromkosten um ein Fünftel und es wurde fast 60 Prozent weniger gedruckt. Somit lohnte sich das Unterfangen auch für Microsoft, wie das Nachrichtenportal «Mashable» schreibt.

Ist die 4-Tage-Woche die Zukunft für den weltweiten Arbeitsmarkt? Nicht unbedingt, sagt Michael Siegenthaler, Arbeitsmarktökonom der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich: «Nur weil die Produktivität der Arbeiter steigt, heisst das nicht, dass die Wertschöpfung der Firma insgesamt wächst.» Denn je mehr Stunden ein Unternehmen produzieren kann, desto mehr Ertrag entsteht. Das heisst: Schlussendlich zählt die Anzahl Arbeitsstunden.

Stress darf nicht steigen

Doch nicht nur aus Sicht der Unternehmen könnte eine 4-Tage-Woche kritisch sein. Laut der Arbeitspsychologin Nicola Jacobshagen könnte bei einer kürzeren Arbeitswoche das Stresslevel rasch ansteigen: Wenn Arbeitnehmer in vier Tagen gleich viel leisten müssen wie sonst in fünf Tagen, könnten viele innerhalb von einem Jahr ausbrennen und arbeitsunfähig werden. «Deshalb braucht es Langzeitstudien zu diesem Thema», so Jacobshagen.

Zudem könne eine verkürzte Arbeitswoche nicht in jeder Branche eingeführt werden: Zum Beispiel in Spitälern oder bei der Polizei herrschen andere Arbeitsbedingungen als bei Microsoft. «Eine 4-Tage-Woche könnte in manchen Branchen nur mit mehr Personal ermöglicht werden.»

Siegenthaler von der KOF leuchtet es ein, dass gerade ein Unternehmen wie Microsoft ein solches Experiment startet: «Firmen, die freiwillig eine verkürzte Arbeitswoche einführen, dürften sich das aus Produktionsgründen eher leisten können», so Siegenthaler. Auch ziele das Unternehmen möglicherweise darauf ab, mit attraktiveren Arbeitsbedingungen bessere Arbeitskräfte zu gewinnen.

Zu hohe Lohnkosten

In vielen Branchen sei eine Reduktion der Arbeitszeit bei gleichbleibendem Lohn finanziell aber nicht tragbar, «weil die Lohnkosten pro Stunde steigen.» Aus diesem Grund habe etwa die Massnahme in Frankreich, die Arbeitswoche auf 35 Stunden zu senken, nicht wie erhofft die Anzahl der Beschäftigten erhöht: «Um Kosten zu senken, haben Firmen Arbeitskräfte mit Maschinen ersetzt oder neue Standorte im Ausland aufgebaut.» Also ist es sogar zu mehr Arbeitslosigkeit gekommen.

Viele Arbeitgeber dürften nur dann für eine 4-Tage-Woche zu haben sein, wenn die Arbeitnehmer das Pensum und den Lohn reduzieren. «Doch viele wollen nicht auf 20 Prozent ihres Lohns verzichten», so Siegenthaler.

Nicht abzustreiten ist laut Arbeitspsychologin Jacobshagen hingegen der positive Effekt eines langen Wochenendes auf die Gesundheit der Arbeitnehmer: «Wer einmal im Monat ein langes Wochenende macht, ist erholter und motivierter für die Arbeit», so die Expertin. Wichtig sei dabei, dass an dem Wochenende auch keine Haushaltsarbeiten geleistet werden müssten und man keine Kinder oder ältere Verwandte betreuen müsse. Für viele sei dies aber schlicht nicht umsetzbar.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J J am 04.11.2019 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das geht sehr wohl auf

    Ich habe jahrelang 80% also 4 Tage gearbeitet. Meinen Job hatte ich von meinem Vorgänger übernommen, der 100% 'gearbeitet' hatte. Im Gegensatz zu meinen Kollegen arbeitete ich ohne Kaffeeklatsch etc. Ich bin der Meinung, dass das tatsächlich stimmt, dass man effizienter arbeitet, wenn man dafür mehr Freizeit hat. Und ich arbeitete auch dann, wenn es mir mal nicht so gut ging, denn ich wusste, dass ich an meinem freien Donnerstag Zeit zum regenerieren hatte..

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  • Lokführer manuel am 04.11.2019 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle idee

    Finde ich eine sehr gute Idee. Dann wäre unser Lokführer Problem auch gelöst. Ihr müsst einfach am Freitag Zuhause bleiben oder zu Fuss gehen oder das Auto nehmen :)

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  • Pausen Clown am 04.11.2019 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    Sofort Einführen Dali dali

    Wir können es uns eh Leisten wer wenn nicht die Arbeitnehmer in der CH soll sich das Leisten können. Also wann kann man darüber Abstimmen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 05.11.2019 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das wäre logisch...

    Vier-Tage Woche würde völlig reichen, und nicht mehr als 8-Stunden Tag. Der Mensch ist schon lange überfordert, arbeitet teilweise für Drei. Druck, Mobbing, das geht auf die Dauer nicht mehr. Um zu produktiv sein muss man unbedingt das Arbeitspensum reduzieren!

  • Wutzi am 05.11.2019 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    2.5 Tage die Woche

    Ich denke meine 50% reichen... Lebe ja nicht zum arbeiten.

    • Heidi am 05.11.2019 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wutzi

      Schliess mich an, reicht vollkommen, wenn man nicht im Konsumwahn ist.

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  • der spiegel am 05.11.2019 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein danke. adieu merci

    also ich bin dafür, dass für den gleichen lohn auch noch samstags gearbeitet werden muss.

  • Plankton am 05.11.2019 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Hab ne Mega Idee

    Jede Firma soll beides anbieten. Wer es schafft, 5 Tage die Woche Produktiv zu arbeiten verdient 6'000.-. Die, die es nicht schaffen, werden runter gestuft oder die, die es wünschen nur 4 Tage und da verdient man gute 3'000.-. Mal schauen, wieviele es dann doch auf einmal schaffen, 5 ganze Tage Produktiv zu arbeiten. Und nur mal so am Rande, also mir ist es lieber 5 Tage zu arbeiten und dabei mal nen Käffchen zu schlürfen und zu quatschen, statt 4 Tage wie ne Maschine das Programm abzuarbeiten.

    • Martial2 am 05.11.2019 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Plankton

      Alles falsch, man sollte während der Arbeitszeit effizient und produktiv sein. Eine bis zwei Pausen am Tag gehören dazu. Eine 4-Tagen Wochen würde bestimmt reichen. Andere Länder können sowas nur in der Schweiz geht's nicht, warum das?

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  • Sonija am 05.11.2019 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitswütige Welt!

    Das geht in unserer arbeitswütigen Welt sowieso nicht!! Irgendwann arbeiten wir 7 Tage die Woche. Freizeit und Erholungszeit wird es dann kaum mehr geben.

    • Martial2 am 05.11.2019 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sonija

      Ja richtig, dann sterben viele Menschen an Herzinfarkt und erreichen nicht ein Mal ihre Pension. Schon einige Mal erlebt...

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