Dynamic Pricing

05. November 2018 05:37; Akt: 05.11.2018 06:25 Print

So tricksen uns Online-Shops bei den Preisen aus

von V. Blank - Morgens 100 Franken für die Jeans, abends 150: Viele Onlinehändler experimentieren mit dynamischen Preisen. Sie dabei zu ertappen, ist aber schwierig.

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Bei Hotels oder Flügen haben sich die Konsumenten zähneknirschend damit abgefunden: Je nach Zeitpunkt der Buchung bekommen sie die Übernachtung in Berlin oder den Trip nach New York billiger oder teurer.

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Dynamische Preise finde ich...

Mittlerweile arbeiten aber auch Mode- oder Elektronik-Onlineshops mit dynamischen Preisen. Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat das Phänomen kürzlich untersucht. Das Ergebnis: 15 der 16 untersuchten Händler – darunter etwa Zalando – schraubten regelmässig an den Preisen in ihrem Onlineshop. Manche taten das bei einzelnen Produkten sogar täglich.

220 Euro Preisunterschied

Die Untersuchung zeigt auch, wie gross die Preisunterschiede für dasselbe Produkt beim selben Händler sein können – je nachdem, an welchem Tag man es kauft. So kostete etwa eine Hose bei Zalando 120 Euro weniger als am nächsten Tag. Der Preis für ein Samsung Galaxy S 8 bei Mediamarkt schwankte um 220 Euro.

Die Untersuchung wurde in Deutschland durchgeführt. Experimentieren auch Schweizer Onlinehändler mit dynamischen Preisen? «Die Vermutung liegt nahe, aber zugeben wird es wohl keiner», sagte Malte Polzin, E-Commerce-Experte und Dozent an der Hochschule Luzern zu 20 Minuten.

«Konsument wird an der Nase herumgeführt»

Dynamische Preise bleiben ein Tabuthema für die Händler – nachvollziehbar, findet Polzin: «Der Konsument wird dadurch schon ein wenig an der Nase herumgeführt.» Das Risiko, dass die Kunden verärgert auf Preisänderungen reagieren, sei entsprechend gross.

Nur: Meist bemerken die Kunden die dynamische Preisgestaltung gar nicht. Die Algorithmen, die dahinterstecken, seien mittlerweile sehr ausgefeilt, so Polzin: «Vor allem eingeloggte Kunden bekommen in der Regel denselben Preis angezeigt.» Auf die Schliche kommt den Händlern also höchstens, wer sich nicht einloggt und von verschiedenen Geräten aus den Onlineshop besucht.

Kunden finden es unfair

Den weit verbreiteten Ärger über Preisänderungen bestätigt eine Studie der Universität Köln. Sie hat ergeben: Wenn Onlineshop-Kunden von variablen Preisen Wind bekommen, empfinden sie das meist als unfair – sogar dann, wenn sie davon profitieren.

Dass viele Onlinehändler dieses Risko trotzdem eingehen, hat einen simplen Grund: Sie wollen die Erträge optimieren. E-Commerce-Experte Polzin: «Was ist der maximal mögliche Preis, zu dem ich mein Produkt verkaufen kann? Wie weit muss ich runter, damit ich die Anzahl der Verkäufe steigere?» Das seien die Fragen, die die Onlineshops mit dynamischen Preisen beantworten wollten.

Abhängig vom Einkaufspreis

Das Preis-Jo-Jo gibt es nicht nur bei international tätigen Anbietern wie Zalando und Mediamarkt. Auch beim Schweizer Onlinehändler Digitec Galaxus kann es sein, dass beispielsweise dasselbe Handy-Modell am Morgen weniger kostet als am Mittag.

Man betreibe aber keine dynamische Preisgestaltung, betont Sprecher Alex Hämmerli. Ausschlaggebend für den Verkaufspreis seien hauptsächlich die Einkaufspreise: «Wenn wir bei einem Zwischenhändler beispielsweise 50 Handys zu günstigen Konditionen bekommen, geben wir den Preisvorteil an unsere Kunden weiter.» Wenn das Kontingent ausverkauft sei, komme die nächste Ladung Handys vielleicht von einem teureren Zwischenhändler – «und dann erhöht sich auch unser Verkaufspreis», so Hämmerli.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • LUZ93 am 05.11.2018 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrüger

    Ganz krass finde ich diese Mediashop artigen Sender auf dem TV die Schmuck verkaufen wollen... da steht teilweise einfach irgend ein Startpreis habe ich so das Gefühl... Start 6840 Euro jetzt nur noch 160 Euro greifen sie zu... eh sorry das ist doch Betrug sowas. Geht gar nicht.

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  • Kain E. Ahnung am 05.11.2018 07:49 Report Diesen Beitrag melden

    Schuss nach hinten

    Hose online bestellt, hat gepasst, wollte zweite bestellen, 25 Stutz teurer! Hose woanders bestellt. Schlussendlich entscheidet der Konsument, was geht und was nicht.

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  • Nina am 05.11.2018 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich meide solche Shops

    Ganz einfach, wenn man merkt, dass ein Online Shop ständig die Preise zum eigenen Nachteil abändert, meidet man diesen Shop für 6 Monate. Solche unsympathischen Praktiken muss man nicht belohnen. Wenn das alle tun, dann gibt es solche Gebahren bald nicht mehr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chl am 05.11.2018 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt?

    Was genau ist jetzt neu daran? Nur weil viele es nicht merken und/oder merken wollen geht es weiter so. Mal schauen wann die ersten Filialbetriebe damit starten....

  • Giovanni lamour am 05.11.2018 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dynamisch

    Ist doch amüsant eure Kommentare zu lesen und wie taktisch alle vorgehen um der beste Schnäppchenjäger zu sein. Und 90 % machen dies während der Arbeitszeit.

  • Tristan15 am 05.11.2018 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Der Preis entscheidet

    Der Onlinehändler mit dem grünen Balken agiert genau so. Wenn ein Interessent ein spezieller Artikel mehrmals anklickt, wird ihm der Preis über Nacht automatisch erhöht!

  • Phil Schreiber am 05.11.2018 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    AMAZON / KINDLE

    Kindl bzw. der Amazon-Büchsershop machte das bei mir auch... Bücher für einen neue Account waren einiges preiswerter als diejenigen für einen bereits länger bestehenden Account. Ein Schelm, wer Böses denkt...

  • Fritz am 05.11.2018 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke?

    Neulich konnte ich bei einem Online Shop nichts kaufen, ohne ein Konto zu erstellen. Es war nicht möglich, als Gast zu bestellen. Ich habe natürlich kein Konto angelegt und andreswo als Gast bestellt. Jetzt weiss ich wieso und werde nie ein Konto anlegen, ich lasse mich doch nicht ver...