Verluste, Kundenzahl, Gesetze

30. Mai 2019 20:01; Akt: 30.05.2019 20:01 Print

Darum verbrennt Uber Milliarden Dollar

von R. Knecht - Kaum an der Börse, hat Uber mehrere Milliarden Dollar verloren. Sechs Gründe für das schwache Debüt des Fahrdienstvermittlers.

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Uber CEO-Dara Khosrowshahi (Mitte) läutete am 10. Mai 2019 wie traditionell üblich die New Yorker Börsenglocke, um den Handelstag zu eröffnen. Er gab sich optimistisch. Am ersten Tag verloren die Aktien des Fahrdienst-Vermittlers jedoch über 10 Prozent ihres Werts und schlossen bei 37 Dollar ab. Uber bringt es dennoch auf eine beachtliche Gesamtbewertung von etwa 82 Milliarden Dollar und stemmt damit den grössten Börsengang seit dem des chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba im Jahr 2014. Uber lockt Anleger mit starkem Wachstum. 2018 stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um 42 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar. Uber steckt allerdings tief in den roten Zahlen. Besonders die Jungen nutzen lieber den Fahrdienst Uber, weil er günstiger ist als die normalen Taxis. Allgemein boomt die Shared Economy bei den Millennials, also der Generation mit den Jahrgängen 1981 bis 1997. In den Ferien gehts nicht ins Hotel, sondern in die private Unterkunft, die über die Plattform Airbnb gebucht wird. Statt ein Auto zu besitzen, setzen die Millennials lieber auf Carsharing-Plattformen wie etwa Mobility. Speziell an den Millennials ist, dass sie eine besondere Affinität zum Internet und allgemein zur digitalen Welt haben: Sie sind mit Computern und Smartphones aufgewachsen. Laut einer Studie der US-Notenbank (im Bild) setzen die jungen Menschen aber vor allem auf die Shared Economy, weil sie sich ein eigenes Auto oder ein vernünftiges Hotelzimmer in den Ferien nicht leisten können. «Wir haben herausgefunden, dass die Millennials niedrigere Realeinkommen haben als die Mitglieder früherer Generationen im gleichen Alter», so die Forscher der US-Notenbank. Zudem fanden die Studienautoren kaum Hinweise, «dass der Konsumgeschmack und die Konsumpräferenzen der Millennial-Haushalte geringer ausgeprägt sind als bei früheren Generationen». Anders gesagt: Viele Millennials nutzen etwa Airbnb, weil sie sich ein vergleichbares Hotelzimmer in den Ferien nicht leisten können – und nicht weil das Schlafen in einer fremden privaten Unterkunft so unglaublich aufregend ist. Die Studienautoren gehen davon aus, dass die Millennials die Leidtragenden der Finanzkrise sind. Diese hat es den jungen Menschen schwierig gemacht, viel Geld zu verdienen und zu sparen.

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Das Börsendebüt von Uber verlief alles andere als ermutigend: Innert zwei Tagen fiel der Aktienwert um über 10 Prozent auf unter 37 Dollar. Der Ausgabepreis lag ursprünglich bei 45 Dollar. Damit verlor die Firma mehrere Milliarden Dollar an Börsenwert.

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Kurz darauf sandte CEO Dara Khosrowshahi ein Memo an seine Angestellten: «Das Debüt lief nicht so gut, wie wir erhofft hatten.» Der Firmenchef erwarte auch für die kommenden Monate harte Zeiten. Wenn alle ihre Arbeit gut machten, könne sich das Blatt aber wenden.

«Es deutet wenig darauf hin, dass der Kurs der Uber-Aktie zu einem Höhenflug ansetzt», sagt Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer zu 20 Minuten. Dass es weiter bergabgehen könnte und weitere Milliarden an Börsenwert vernichtet würden, sei hingegen nicht auszuschliessen. Das sind die sechs Probleme, die Uber derzeit zu schaffen machen:

Milliardenverlust

Bisher konnte Uber keine Gewinne verbuchen. Im Gegenteil: Die Firma meldet jährlich Milliardenverluste. «Uber muss irgendwann Gewinne machen», sagt Andreas Herrmann, Wirtschaftsprofessor an der Universität St. Gallen. Khosrowshahi von Uber vergleicht seine Firma mit Facebook und Amazon – auch diese Firmen hätten lange keine Gewinne gemacht und einen harten Börsenstart erlebt. Doch heute seien die Titel an der Börse erfolgreich. Für Uber werde es gleich sein.

Selbstfahrende Autos

Um in die Gewinnzone zu gelangen, wäre es für Uber am einfachsten, wenn die Firma auf selbstfahrende Autos umsteigen könnte. Denn 60 Prozent der Kosten verursachen laut Herrmann die Fahrer: «Das scheint mir die entscheidende Baustelle zu sein.» Allerdings braucht der Wandel zum autonomen Fahren Zeit – und bis dann verbrennt auch die Selbstfahrsparte von Uber Geld: Laut «Techcrunch» gibt die Firma monatlich 20 Millionen Dollar für das Projekt aus – eine Viertelmilliarde im Jahr.

Kundenzahl

Weil die Entwicklung der selbstfahrenden Autos noch sehr lange dauern dürfte, müsse Uber schnell auf grössere Kundenzahlen kommen, sagt Dudenhöffer. Um das zu erreichen, brauche die Firma einerseits Partnerschaften mit anderen Anbietern. Andererseits müsse sie Leute überzeugen, dass sie für Uber fahren sollten: «Bisher hatte man die Fahrer eher als Deppen behandelt», so der Auto-Professor.

Geschäftsmodell

Weltweit gibt es Widerstand gegen das Geschäftsmodell von Uber. Das hat laut Herrmann zum unerfreulichen Börsengang beigetragen. Auch in der Schweiz wird Uber von den Gewerkschaften kritisiert: Das Unternehmen versuche seine Pflichten als Arbeitgeber zu umgehen, heisst es bei der Unia. Uber sehe seine Fahrer gar nicht als Angestellte und verweigere ihnen bestimmte Versicherungs- und Vorsorgeleistungen.


Uber erntet Kritik für sein Geschäftsmodell. (Video: 20M, mit Material von Keystone)

Gesetz

Eine weitere Baustelle sind laut Herrmann die länderspezifischen Besonderheiten, etwa bei der Rechtssprechung. Sie erschweren Uber den Markteintritt: So sind die Dienste von Uber etwa in Buenos Aires nicht erlaubt – obwohl die Firma Argentinien als grössten Wachstumsmarkt bezeichnet und die App auch in der Hauptstadt genutzt wird, wie Citylab.com berichtet. Der Grund für solche Probleme ist, dass die Firma in vielen Ländern als Transportdienstleister gilt, obwohl Uber sich als Fahrervermittler sieht. «Es ist gar nicht so leicht, mit einem Geschäftsmodell die Welt zu erobern», sagt Herrmann.

China

Uber würde gern nach China vordringen, denn das Land sei der Parademarkt für Fahrdienstleister, sagt Dudenhöffer. Doch der Markt ist vom einheimischen Konkurrenten Didi besetzt. «Uber hatte sich da eine blutige Nase geholt, und mit Trump kann man sich keine Freunde in China machen», so der Autoexperte. Laut Dudenhöffer kann Uber China bis auf Weiteres vergessen.

sentifi.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nina am 30.05.2019 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschäftsmodell muss angepasst werden

    ..und das kostet. Für die Fahrer müssen Sozialleistungen und Versicherungen auch in anderen Ländern gefordert werden. Alles andere ist Profitmacherei auf dem Rücken von zukünftigen Sozialfällen.

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  • grml am 30.05.2019 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so!

    Ich wünsche jedem Investor von Herzen dass er alles verliert. Wer in die gnadenlose Ausbeutung von Menschen investiert hat nicht nur das, sondern schlimmeres verdient. Genauso wünsch ich jedem Zalandokunden dass er irgendwann gezwungen ist auch in so einem Ausbeuterbetrieb zu arbeiten. Leider ist die Welt selten gerecht...

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  • uber am 30.05.2019 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    in guter gesellschaft

    na ja, tesla macht praktisch auch nur verluste und wird dennoch in den himmel gehoben. halt us markt. da muss man nicht mit gewinnen und leistung überzeugen sondern lediglich mit träumereien...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • WhoNows am 03.06.2019 22:09 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Kapitalismus

    Werden dumme Professoren die von der grundlegenden Thematik nichts verstehen (Vieleicht nicht dumm sondern nur faul) gefragt ob ein Unternehmen, welches sie ja nicht kennen da keinen wirklichen Bezug zur Privatwirtschaft, erfolgreich sein kann? Ist wie die I-Watch oder der Tesla nur ein Marketing-Gebilde das hoffentlich genug Dumme anlockt bevor es untergeht.

  • DR am 03.06.2019 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfahrung USA

    War gerade in Las Vegas . Uber an jeder Ecke und es funktioniert unkompliziert. Für 7Dollar war meine Gruppe ruckzuck vom Strip in Old Vegas. Perfect with a smile. 5Dollar Trinkgeld und die Fahrer leben nach Rückfrage ganz gut. Nebendran auf den Strassen nur verwarlose Menschen. Denke Uber ist ok. Alles andere war Käse und überteuert. Die Einsteigskoordinatoren an den Hotels kann man vergessen. Ohne Handgeld geht gar nichts. Es muss nicht Uber sein, aber der Ansatz stimmt.

  • John Galt am 31.05.2019 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Richtung

    Diese unsägliche Überregulierung schadet der Wirtschaft und solchen Unternehmen enorm, es ist schade, dass der Staat versucht diese Firmen kaputt zu machen. Sie sind immerhin die einzigen die moderne innovative Lösungen bringen und nicht wie die Taxiunternehmer einfach jahrzehntelang nur abkassieren wollten. Ein Uberfahrer ist selbstständiger Freelancer, das geht den Staat noch Uber etwas an, Uber liefert nur die Platform. Ich reise viel international und brauche überall nur noch Uber und aus Prinzip kein Taxi mehr. Last die Unternehmer in Ruhe und zieht mit, ansonsten geht ihr halt unter.

  • Ober Ego am 31.05.2019 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Mir egal

    Ist mir doch egal wenn die Fahrer für 05 Rappen den Johann machen, Hauptsache ich komme billig ans Ziel !

  • Teleblocher am 31.05.2019 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Fortschritt

    Aller Anfang ist schwer. Uber ist ein Superkonzept der freien Marktwirtschaft, das sich von den sozialistischen Fesseln gelöst hat. Danke Uber!