Autosalon 2014

12. März 2014 12:51; Akt: 12.03.2014 18:12 Print

Das Elektroauto kommt nicht vom Fleck

von S. Spaeth, Genf - Alternative Antriebe sind am Autosalon nur eine Randerscheinung, weil die Hersteller mit konventionellen Wagen mehr verdienen. Marken, die den Öko-Hype nie mitmachten, profitieren.

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Elektro-Flitzer von BMW: Schafft er die Umsatzzahlen des E-Cars anzukurbeln? 2013 wurden in der Schweiz 9331 Autos mit Alternativantrieb verkauft, was einem Marktanteil von 3 Prozent entspricht. 1176 davon waren reine Elektrofahrzeuge (Marktanteil 0,38 Prozent). In diesem Jahr ist vom Öko-Hype nicht mehr viel zu spüren. «Pavillon Vert», der Ausstellern mit besonders umweltfreundlichen Antrieben vorbehalten war, ist verschwunden. Die Aussteller setzten auf Boliden mit konventionellen Motoren: 300 PS, viel Carbon und 100 Kilo weniger Gewicht: Der Opel Astra OPC Extreme ist eine kompromisslose Fahrmaschine für die Rennstrecke. Der britische Kleinserienhersteller Arash kommt mit dem Supersportler AF8 nach Genf. Sein Sieben-Liter-V8 leistet 558 PS. Als Getriebe steht ein manuelles Sechs-Gang-Getriebe zur Verfügung. 16 Schüler der italienischen Designschule IED waren beim Entwurf des Hyundai PassoCorto mitbeteiligt. Am Autosalon wird die Designstudie nun erstmals präsentiert. Porsche feiert auf dem Genfer Autosalon 50 Jahre 911 und macht sich mit dem neuen Porsche 911 GT3 gleich selbst das schönste Geschenk. Audi zeigt auf dem Genfer Autosalon den neuen TT. Der Sportwagen behält seine Ursprungsform bei, wird jedoch leichter und stärker. Im neuen TTS leistet ein Zweiliter-Vierzylinder-Turbo 310 PS. Der Lexus RC F Sport feiert in Genf Europapremiere. Geschaltet wird mit einer Acht-Gang-Automatik, unterstützt wird das Ganze von 450 PS. Mit dem Adam S präsentiert Opel das schnellste und sportlichste Modell der Baureihe: Ein aufgeladener Direkteinspritzer mit 150 PS macht den Kleinwagen zur Rennflitzer. Sticht durch sein Innenleben hervor: Der Volvo Estate Concept hat ein Tablet-artiger Touchscreen, der laut Volvo eine intuitive Bedienung ermöglicht. Der Top-Benziner kommt mit bis zu 300 PS, das stärkste Diesel-Aggregat leistet 210 PS. Flotter Franzose: Der neue Renault Twingo kommt mit Heckantrieb und vier Farben. Die Entwicklungskosten teilte sich Renault mit Mercedes. So sieht Skoda die Zukunft: Am Autosalon zeigen die Tschechen mit dem Skoda Vision C die Designstuide eines fünftürigen Coupés. Unter der Haube stecken 110 PS. Starker Motor, kleiner Verbrauch: Der VW T-Roc hat mit 4,18 Metern Länge nicht ganz Golf-Format, ist mit zwei Türen und zwei herausnehmbaren Dachteilen aber eher Lifestyle- statt Serienauto. VW-Tochter Giugiaro zeigt in Genf mit dem Parcour einen Mittelmotor-Flügeltürer in doppelter Ausführung. Der Italiener steht als Coupé und als Roadster auf der Messe.

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Noch vor eine paar Jahren schien die grüne Welle am Autosalon in Genf unaufhaltsam: Mit Elektro- und Hybridfahrzeugen feierte die Branche den Aufbruch in ein neues Zeitalter. Um die ökologischen Bemühungen zu unterstreichen, gab es in Genf sogar einen Pavillon Vert, der Ausstellern mit besonders umweltfreundlichen Antrieben vorbehalten war.

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In diesem Jahr ist vom Öko-Hype nicht mehr viel zu spüren. PS statt Plug-In, der grüne Pavillon ist verschwunden. Alternativtechnologien seien in Genf nahezu unsichtbar, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Autoprofessor an der Universität Duisburg-Essen, zu 20 Minuten. Die Branche setze vermehrt auf konventionelle Antriebe, weil damit mehr Geld zu verdienen ist. Noch sind viele Käufer nicht bereit, für weniger Emissionen einen Aufpreis zu bezahlen. Für den konventionellen Antrieb sprechen aus Sicht der Autobauer grosse Stückzahlen, weit ausgereifte Technologie und damit geringere Entwicklungskosten.

Prognose 2015: Marktanteil der E-Cars sinkt

Zwar wurden die Autobauer zuletzt gezwungen, den durchschnittlichen CO2-Ausstoss ihrer Modelle bis 2020 unter den Grenzwert von 95 Gramm pro Kilometer zu senken, doch zur grossen Umstellung hat das nicht geführt. «Die Anforderungen an die Emissionswerte in Europa sind zu wenig streng – das kann man problemlos mit konventionellen Antrieben erreichen», sagt Experte Dudenhöffer.

Im wichtigen Automarkt Deutschland wurden 2013 lediglich 6400 Elektrofahrzeuge zugelassen, was einem Marktanteil von 0,2 Prozent entspricht. Gesamteuropäisch sieht es nicht viel besser aus. Etwas Schub dürften die Verkäufe von Elektroautos in Deutschland dank dem im Herbst lancierten BMW i3 erhalten, wodurch der Marktanteil 2014 auf 0,35 Prozent steigen könnte. Danach erwarten die Prognostiker des CAR-Instituts ein Absinken auf 0,25 Prozent.

«Tesla-Effekt» in der Schweiz

Etwas besser sehen die Zahlen für die Schweiz aus. 2013 wurden hierzulande laut Auto-Schweiz 9331 Autos mit Alternativantrieb verkauft, was einem Marktanteil von 3 Prozent entspricht. 1176 davon waren reine Elektrofahrzeuge (Marktanteil 0,38 Prozent). «Durch die Weiterentwicklung von Alternativantrieben ist die Akzeptanz beim Kunden gestiegen», sagt Auto-Schweiz-Direktor Andreas Burgener. Er erwähnt aber auch, dass der herkömmliche Verbrennungsmotor effizienter und damit umweltfreundlicher geworden ist – bei tieferen Kosten.

Den höheren Schweizer Marktanteil begründet Dudenhöffer mit dem sogenannten Tesla-Effekt. Will heissen: Der wohlhabende Schweizer ist eher bereit, einen Elektro-Flitzer als Zweit- oder Drittwagen zu fahren, während der Deutsche konservativer auf Mercedes, Porsche, BMW setzt.

Aus Pavillon-Vert wird Faltblatt

Grosse Hoffnungen in die Elektromobilität gesteckt hatte Renault-Nissan. Doch selbst der Gigant hat die Erwartungen inzwischen zurückgeschraubt. Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosen räumte Ende 2013 ein, dass sich der Markt nicht so entwickelt habe wie erwartet. Hauptgrund sei der schleppende Ausbau bei den Ladestationen. «Der Konzern hat wegen des Elektroauto-Experiments enorme Summen verloren», sagt Dudenhöffer.

Der Elektroauto-Hype in der gesamten Branche war auch von der Angst getrieben, Chinas Autokonzerne würden wegen staatlicher Eingriffe voll auf das Elektroauto setzen – und die westlichen Autobauer überflügeln. Daraus ist aber nichts geworden: Von den 16,3 Millionen letztes Jahr in China verkauften Autos haben weniger als 18'000 einen Elektromotor. «Die Profiteure sind jene Hersteller, die sich vom angeblichen Boom gar nie haben blenden lassen», sagt Dudenhöffer, darunter Volkswagen und seine Töchter Audi, Seat, Skoda sowie Toyota, Fiat und Chrysler.

Was also ist aus der grünen Welle des Autosalons Genf geworden? Nicht gerade viel. Alle umweltfreundlichen Fahrzeuge, die weniger als 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen, sind in einem Faltblatt zusammengefasst, das am Eingang verteilt wird. Optimistisch sieht das Ganze Andreas Burgener von Auto-Schweiz: Fast jeder Hersteller habe auch hocheffiziente Modelle mit Alternativantrieben ausgestellt.

In einer Pressemitteilung schreibt der Salon: Dieses Jahr seien in den Messehallen über 65 Modelle zu finden (7,2%), die weniger als 100 Gramm CO2 pro Kilometer ausstössen. Im Jahr davor lag der Wert bei 10 Prozent.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ratlos am 12.03.2014 21:22 Report Diesen Beitrag melden

    Akku

    Warum soll ich ein Elektroauto kaufen, wenn ich mich bereits täglich über meinen Handy-Akku ärgere?

  • rk am 12.03.2014 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Graue Energie

    Ein sparsamer Dieselmotor ist deutlich umweltfreundlicher als ein Elektro - oder Hybridmotor. Die graue Energie für das Herstellen von Batterien ist katastrophal. Zusätzlich kommt hinzu, dass das Produzieren von Strom mit Kohle ein regelrechter Hype ist. So ist das Produzieren sowie der Gebrauch von E-Fahrzeugen nicht wirklich unweltfreundlich oder gut sondern nur ein weiterer Markt für die Produzenten.

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  • Thierry Gschwind am 12.03.2014 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Nur mit immensen finaziellen Vorteile..

    In Norwegen werden Elektro-Autos vom Staat gefördert, und zwar massiv. Beim Kauf gibt es keine Steuern, nicht einmal Mehrwertsteuer, das Auto is dann etwa die Hälfte bis ein Drittel des Preis eines Benziner in der selben Klasse. Man bezahlt keine Fahrzeugabagebn und keine Maut. Man hat spezielle Parkplätze mit Gratisstrom. Man darf auch der Busspur fahren, während alle anderen im Stau stehen. Folge: Grösste E-Autodichte der Welt. Leider geht das Konzept nicht in der Schweiz, weil normale Fahrzeuge nicht soviele Steuern drauf haben, um E-Autos richtig biller zu machen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris Fogg am 14.03.2014 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    E-Auto wirklich die Lösung?

    Leider ist das E-Auto nicht die Lösung. Woher kommen die Batterien, woher die seltenen Materialien dafür? Fliesst dies in die Ökobilanz ein?

  • Urs Balsiger am 13.03.2014 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Trete vor und hebe die Hand

    Wer von den Elektroautogegnern hat schon mal einen Monat ein E-Auto gefahren? Ich fahre jetzt seit 10 Monaten E-Auto und will nie mehr zurück in die automobile Steinzeit!

  • Marcel am 13.03.2014 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Chevrolet hat bestes Konzept im Moment.

    Einfach einen Chevy Volt kaufen. Ein Elektroauto mit unbegrenzter Reichweite dank Reichweitenverlängerer (1.4l Benzinmotor wenn die Batterien leer sind).

  • PD am 13.03.2014 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naiv

    Wer glaubt eigendli das Elektroautos sauber seien. Das sind Dreckschleudern... Ottomotor ist sauberer.

  • wechsler am 13.03.2014 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so logisch

    aktuell werden neben riesigen ölvorkommnissen sehr grosse erdgasdepots für die nutzung erschlossen. es will gar niemand einen anderen antrieb, das business ist viel zu big mit den herkömmlichen verbrennungsmotoren.

    • Albert Pike am 13.03.2014 16:59 Report Diesen Beitrag melden

      öll industrie

      ich befürchte das es eine Weltweite Revolution braucht. Von den jetztigen Wirtschaftseliten kann man nicht erwarten das die mit den erneuerbarer Energie um die Ecke kommen. Warum? Weil es derartige Technologien bereits gibt und sie unter Verschluss gehalten werden. Es Grüsst freundlich die Öll Mafia

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