Internet-Telefonie

05. Juli 2016 20:01; Akt: 05.07.2016 20:52 Print

Das Ende des Wählscheiben-Telefons

Bessere Sprachqualität und Sperrliste für unerwünschte Anrufe: Die Swisscom setzt ganz auf Internet-Telefonie. Analoge Telefonie hat ausgedient.

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Aussterbende Technologie: Die analoge Telefonie steht vor dem Aus. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Die Digitalisierung der Telefonie in der Schweiz macht Fortschritte. Mittlerweile telefonieren 1,3 Millionen Festnetzkunden der Swisscom übers Internet. Ende 2017 wird der analogen Sprachtelefonie der Stecker gezogen. Ab dann hat das gute alte Wählscheibentelefon endgültig ausgedient.

Es hätten bereits 60 Prozent des Kundenbestandes auf die Telefonie übers Internetprotokoll (IP) umgestellt, sagte Beat Döös, Leiter der Umstellung auf die IP-Technik bei der Swisscom, am Dienstag vor den Medien in Zürich: «Wir sind auf Kurs.» Es sei realistisch, dass die Swisscom bis Ende 2017 alle analogen Anschlüsse umgestellt habe.

Aussterbende Technologie

Der grösste Telekomkonzern der Schweiz hatte bereits im März 2014 angekündigt, Ende 2017 die analoge Sprachtelefonie knapp 160 Jahre nach der Erfindung durch Johann Philipp Reis zu beerdigen. Die analoge Telefonie stehe vor dem Aus, sagte Döös: «Es gibt immer weniger Ersatzteile und Spezialisten.» Kaum ein Hersteller entwickle diese Technologie noch weiter.

Ab Ende 2017 brauchen auch die Kunden, die weiterhin nur mit der Swisscom telefonieren wollen, einen Router, um ihr Telefon anzustecken. Das gute alte Wählscheibentelefon habe damit ausgedient, erklärte Döös. Auch ISDN-Telefone bei Privatkunden würden nicht mehr funktionieren. Das sei aber kein grosses Problem mehr. Denn heute hätten nur noch 4 Prozent aller Privatkunden ISDN.

Anders sieht es bei den KMU aus, wo ISDN noch wesentlich verbreiteter sei. Diesen werde ein Router angeboten, mit dem ISDN-Telefone weiterhin benutzt werden könnten, erklärte Döös.

Bei Stromausfall aufs Handy umleiten

Der Nachteil der Internettelefonie ist, dass bei einem Ausfall des Routers oder des Stroms nicht mehr telefoniert werden kann. Zudem ist die Ortung des Anrufers nicht mehr möglich. Das alte Analogtelefon funktioniert dagegen unabhängig von der Stromversorgung zu Hause und kann geortet werden.

Mit der Internettechnologie kann dafür die Festnetznummer von zu Hause auch im Ferienchalet genutzt werden. Wenn das Ferienhaus aber brenne, würde bei einem Notruf von dieser Nummer aus die Feuerwehr an den Wohnort statt zum Ferienhaus fahren. «Denn die Feuerwehr weiss ja nicht, dass ich im Ferienhaus bin», sagte Döös.

Das Problem habe die Swisscom heute so gelöst, dass der Kunde eine Nutzung der Festnetznummer von unterwegs bestätigen müsse. Allerdings kämen bereits heute 80 bis 90 Prozent aller Notrufe vom Handy. Um die Erreichbarkeit bei einem Stromunterbruch sicherzustellen, könne man heute schon das Festnetztelefon aufs Handy umstellen. Damit sei man weiterhin erreichbar, falls der Strom ausfalle.

Lösung für Lifttelefone

Sonderanwendungen wie beispielsweise Lifttelefone, Alarmanlagen oder Haustechnikgeräte seien eine grosse Herausforderung, gestand Döös ein: «Wir gehen davon aus, dass es 100'000 Liftanlagen mit Telefon, 100'000 Alarmanlagen und 100'000 sonstige Sonderanwendungen gibt. Das sind gut 10 Prozent aller Festnetzanschlüsse.» Allerdings seien für alle solche Fälle bereits heute Lösungen vorhanden.

Die Swisscom sei in engem Kontakt mit den Liftherstellern. Tendenziell würden heute immer mehr Mobilfunktelefone in Lifte eingebaut. Man könne aber auch eine Kombination von Festnetz- und Mobilfunktechnologie in Liften verwenden, sagte Döös. Die meisten Handyantennen seien mit Batterien ausgestattet, so dass das Mobilfunknetz bei einem Stromausfall noch eine Stunde funktioniere.

Auch die Notrufzentralen des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) müssen ihre Technologie umstellen. Das SRK bietet etwa Armbänder mit Alarmtasten an. Man sei mit dem SRK in Gesprächen, sagte Döös der Nachrichtenagentur sda. Für die Kunden solcher Armbänder ändere sich nichts.

Endlich eine Spamliste

Das Telefonieren mit der Internettechnologie habe aber auch eine Reihe von Vorteilen, sagte Döös. So könne die Festnetznummer von unterwegs aus beispielsweise mit dem Handy genutzt werden. Und die Sprachqualität sei besser. Zudem erscheint im Display nicht mehr nur die Nummer des Anrufers, sondern sein voller Name, sofern der Anrufer diesen nicht hat sperren lassen.

Ebenfalls kann der Kunde eine individuelle Sperrliste mit Nummern von lästigen Anrufern einrichten. Zusätzlich biete die Swisscom ab Ende Jahr einen Spamfilter, der unerwünschte Werbeanrufe verhindere, sagte Döös. Dieser Filter basiere auf einer dynamischen schwarzen Liste, die selbstlernend sei.

Auch Sunrise evaluiere mögliche Lösungen gegen unerwünschte Werbeanrufe, sagte Sprecher Roger Schaller. Diese sollen in rund einem Jahr eingeführt werden. Beim Kabelnetzbetreiber UPC war bislang niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

(ij/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rene am 05.07.2016 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Digitalitis

    Man wird ja quasi dazu gezwungen auf digital zu wechseln. Digital ist das Telefon nicht mehr in Betrieb wenn das Internet nicht funktioniert.

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  • inox am 05.07.2016 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachteil.

    Wenn es ein Langfristigen Strom ausfall gibt, kann man auh das Mobliephone nicht laden, sprich: hat man 1 Woche kein Strom, ist es vorbei mit Telefonieren, auch keine Ambulanz, Polizei etc. wird passieren, ist aber ein Fehler.

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  • Christal am 05.07.2016 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Störung

    Dann können wir nur hoffen, dass die Swisscom weniger Netzwerkstörungen hat als die SBB. Und unser Stromnetz nicht überlastet wird

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ip Leidender am 06.07.2016 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Swisscom = Gauner

    Bei der Umstellung wird man GEZWUNGENE den Modemrouter der Swisscom zu benutzen. Dieser ist altmodisch und lässt sich kaum konfigurieren. Die Swisscom rückt die Verbindungsdaten persistent nicht raus, so dass kein anderer Modemrouter benutzt werden kann (Angeblich wegen Sicherheitsbedenken..). Die deutsche Telekom gibt die Daten aber frei....

    • Herbert Meier am 06.07.2016 17:40 Report Diesen Beitrag melden

      Du bist freiwillig bei Swisscom

      Antwort an Ip Leider: Es gibt Alternativen zu Swisscom. Ich bin bei der Schweizer Firma Telephoenix AG. Da haben Sie freie Router- und Telefonapparat Auswahl. Ich nutze die FritzBox 7490. Auch die SIP Parameter erhalten Sie um diese zum Beispiel mit einer IP App auch auf dem Handy zu nutzen. Die unterstützen mindestens 3 Geräte gleichzeitig mit einer Nummer. Und das viel günstiger.

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  • B. F. am 06.07.2016 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Digitalisierung = erhöhte Stromkosten

    Ich finde es total daneben, dass alle Nutzer zur Digitalisierung gezwungen werden, meine beiden älteren Nachbarinnen (78+90 Jahren alt) sind alles andere als begeistert und selbst ich (Mitte 40) finde es ehrlich gesagt einfach unnötig und ärgerlich! Möchte mal wissen, was das an Stromkosten verursacht, wenn die ganze Zeit der Router an sein muss?

    • Peter Müller am 06.07.2016 20:12 Report Diesen Beitrag melden

      Stromverbrauch

      Man kann den Router natürlich bei Abwesenkheit ausstecken, aber dann kommt die Mitteilung, man sei momentan nicht erreichbar. Die selbe Ansage, wie wenn der Anschluss wegen ninhtbezahlen der Rechnung gesperrt wurde :-(

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  • Denise am 06.07.2016 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Strahlung verträgt der Mensch nicht

    Wir wollen kein digitales Telefon haben, denn die sehr hohen Strahlen sind gesundheitsschädlich füruns Menschen. Viele Personen leiden schon jetzt unter dieser Flut der Strahlung, mehr geht nicht.

    • Aurora Borealis am 06.07.2016 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Denise

      Stell dir vor ich habe gehört davor kann man sich schützen. Einfach ein Telefon mit Schnur kaufen dies am Router anschliessend und WLAN deaktivieren am Router (per Knopf) und das Ding strahlt weniger, als das Gerät auf welchem du deinen Kommentar verfasst hast. Soweit ich weiss, ist das ein Desktop-PC mit Akustikkoppler. Wenn nicht, ist deine Angst vor Strahlen nichts weiter als Heuchlerei, sorry. Ich habe, IP-Telefonie und bin, hochzufrieden. Ich würde dir das ja gerne zeigen, aber die Strahlenbelastung in meinem Haus wäre für dich wohl lebensgefährlich. ;-)

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  • Sandra am 06.07.2016 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Digitalisierung bringt Strahlung

    Die Swisscom verschweigt, dass die Digitalisierung der Telefonie sehr hohe Strahlung mit sich bringt. Mir tun schon die strahlengeplagten Menschen leid, die nicht mehr wissen, wo sie leben sollen.

    • Franz Lipp am 06.07.2016 14:26 Report Diesen Beitrag melden

      Digitalisierung kann nicht strahl

      Diese Aussage ist prinzipiell falsch. Digitalisierung hat nun gar nichts mit Strahlung zu tun. Vermutlich verwechselst Du das mit der Übertragungstechnologien wie VDSL, WiFi und Powerline. Hast Du jedoch einen Glasfaseranschluss und benutzt in Deinen vier Wänden kein Wifi oder Powerline, so bist Du schon relativ strahlungsfrei. Zusätzlich würde ich Dir aber empfehlen, alle LED-Lampen, Schaltnetzteile etc. zu verbannen, da diese Technologien sehr stark strahlen. Aber auch hier reden wir nicht von der Digitalisierung...

    • Peter Müller am 06.07.2016 20:09 Report Diesen Beitrag melden

      Keine LED-Strahlung

      Natürlich strahlenLampen immer Licht aus, wenn sie leuchten. Aber elektromagnetische Strahlung haben Gleichspannungs-LED keine.

    • Franz Lipp am 06.07.2016 22:18 Report Diesen Beitrag melden

      Die Vorschaltelektronik strahlt

      Jein Peter Müller - im Prinzip der DC LED bin ich gleicher Meinung. Die im Handel üblichen Leuchtkörper mit LED Technologie sind mit einer Vorschaltelektronik versehen, welche die EN 62493 Norm einhalten sollten. Das tun sie aber in den seltensen Fällen. Mit einem alten Kurzwellenradio kann man das Prasseln der Störstrahlung mehr als deutlich hören - wenn sie nicht bereits von Powerlinesignalen überdeckt werden...

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  • Müller Max am 06.07.2016 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Swisscom

    Swisscom? Ist das nicht die Firma, welche dieses Jahr schon x-Ausfälle bei IP Telefonie, Internet und TV hatte? Es braucht schon eine Portion Dreistheit dazu, nach all den Pannen die IP-Telefonie so zu pushen.

    • Ernst Gut am 06.07.2016 17:34 Report Diesen Beitrag melden

      Es gibt Alternativen zu Swisscom

      @ Müller Max: Es gibt auch andere bessere Telefongesellschaften. Einfach mal unter der Prividerliste suchen. Dort hat es sehr gute Firmen mit viel günstigeren Preisen. Mein Provider hat auch Failback Solution bei Ausfall des Internets. Zum Beispiel auf Sprachbox oder andere Nummer. Ich bin seit 3 Jahren beim neuen Provider. Noch nie einen Ausfall und beste Qualität.

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