Hohe Teuerungsraten

04. März 2011 08:38; Akt: 04.03.2011 09:21 Print

Das Gespenst der Inflation geht um

von Gérard Moinat - Die Inflationssorgen in der Euro-Zone nehmen zu. Doch ein Blick auf die grössten Hyperinflationen zeigt: Die gegenwärtige Inflationsrate ist ein Klacks.

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Der steigende Ölpreis birgt Gefahren: Die hohen Energiepreise trieben im Februar die Teuerungsrate im EU-Raum auf 2,4 Prozent. Das ist der höchste Stand seit zweieinhalb Jahren; die maximal tolerierbare Inflationsrate der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt bei 2 Prozent.

Die europäischen Notenbanker haben deshalb bereits zum Kampf gegen eine steigende Teuerung geblasen. «Die Anti-Inflations-Rhethorik von EZB-Chef Jean-Claude Trichet ist ziemlich scharf», kommentiert ein Ökonom von HSBC Trinkaus gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. «Er sendet Signale, dass die Inflation als Problem wahrgenommen wird, und er bereitet die Märkte damit offenbar auf eine frühere Zinserhöhung vor.»

Trotzdem beschlossen die Währungshüter des Euro-Raums an ihrer Sitzung am Donnerstag, den Leitzins nicht zu erhöhen. Die Märkte erwarten den Zinsschritt nun erst im Spätsommer.

Kaum so verheerend wie auch schon

Auch mit dem erwarteten Zinsschritt ist eine Inflation auf ähnlich hohen Niveaus, wie sie zu Zeiten der schlimmsten Hyperinflationen der letzten hundert Jahre wütete, aber unwahrscheinlich (siehe Bildstrecke).

Steven H. Hanke, Professor an der Johns Hopkins Universität, hat das Phänomen Hyperinflation untersucht. Im 20. Jahrhundert erlebte die Welt ganze 17 solcher Wirtschaftskatastrophen. Von Hyperinflation spricht man im Allgemeinen ab einer monatlichen Inflationsrate von 50 Prozent.

Hankes Erkenntnisse: Hyperinflationen treten normalerweise erst nach einer Serie von extremen politischen und sozialen Konstellationen auf. Beispielsweise im Zusammenhang mit Kriegen oder wegen der Fiskalpolitik extremistischer Regierungen.

Für die Schweiz muss man sich also keine Sorgen machen. Weder ist die durchschnittliche Inflationsrate von 0,7 Prozent im Jahr 2010 besonders hoch, noch gibt es eine Staatsschuldenkrise. Zudem ist die Schweizerische Nationalbank unabhängig von den EZB-Entscheiden.