Deflation

29. Dezember 2015 13:24; Akt: 29.12.2015 14:32 Print

Das Leben wird immer billiger

Die Preise in der Schweiz sinken im Durchschnitt auf breiter Front – im November um 1,4 Prozent im Jahresvergleich. Die Gründe.

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Preiserhöhungen sorgen regelmässig für Schlagzeilen – doch falls das Leben günstiger wird, will das niemand so richtig wahrhaben. Dabei sind purzelnde Preise mittlerweile vielerorts die Regel. In der Schweiz ging das Preisniveau per November um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach unten.

Diese Tatsache ist hauptsächlich auf drei Entwicklungen zurückzuführen, wie der verantwortliche Bereichsleiter für Konsumentenpreise beim Bundesamt für Statistik (BFS), Hans Markus Herren, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda erläutert.

  • Erstens ging es bei Erdölprodukten um markante 13,5 Prozent nach unten, was bereits rund ein Drittel des Rückgangs beim Preisindex erklärt.
  • Zweitens sanken die Verkaufspreise für Neu- sowie Gebrauchtwagen. Neue Fahrzeuge sind auf Jahressicht 4,5 Prozent billiger geworden und Occasions-Automobile wechselten ihre Besitzer für Summen, die im Schnitt 8,3 Prozent unter den Vorjahreswerten lagen.
  • Und drittens haben Pauschalreisen einen starken Einfluss darauf ausgeübt, weshalb das Leben in der Schweiz in den vergangenen zwölf Monaten günstiger geworden ist. Für solche Paketangebote mussten Kunden rund 3,3 Prozent weniger berappen.
Überall Rabattaktionen

BFS-Experte Herren erklärt, dass eigentlich der grösste Teil des Warenkorbes billiger geworden sei. Vor allem bei Importgütern rutschten die Preise und sanken auf Jahressicht um 4,4 Prozent. Die Preise für Inlandsgüter haben mit einem Minus von 0,3 Prozent dagegen nur geringfügig nachgegeben.

Betrachtet man die Art der Güter, die dem Preisindex zugrunde gelegt werden, so sind Waren in den vergangenen 12 Monaten in der Schweiz insgesamt um 3 Prozent billiger geworden. Die Preise von Dienstleistungen reduzierten sich allerdings lediglich um 0,3 Prozent.

In den Novemberzahlen des BFS fallen noch zwei weitere Entwicklungen auf:

  • Da sind einerseits die Preise für Schaumwein, die um markante 15 Prozent zurückgegangen sind. Das relativiert der Statistiker aber schnell, denn dieses Jahr hat der Detailhandel einfach nur schon viel früher Rabattaktionen bei Schaumweinen durchgeführt als 2014. In der Betrachtung zum Gesamtjahr gleichen sich solche augenfälligen Effekte aber wieder aus, da sie nur Verschiebungen zwischen den Monaten darstellen.
  • Die zweite Auffälligkeit gab es bei den Mieten. Diese weisen laut Herren normalerweise eine leicht steigende Tendenz auf. Im November sanken sie aber überraschenderweise um 0,4 Prozent, worin sich hauptsächlich die gesunkenen Hypothekarzinsen widerspiegeln dürften.
All diese Preisentwicklungen sind aber nur Durchschnittswerte für die Schweiz. Der Warenkorb, den das BFS seinem Konsumentenpreisindex zugrunde legt, ermittelt sich aus regelmässigen Erhebungen innerhalb der Bevölkerung. Diese sollen ein möglichst wirklichkeitsnahes Abbild von der Konsumsituation eines landestypischen Haushaltes liefern. Allein auf die Kategorie Wohnen und Energie entfällt daher ein Anteil von rund 25 Prozent des Warenkorbes, weil diese Bereiche auch rund ein Viertel der Ausgaben reflektieren.

Die eigene Inflation berechnen

Der einzelne Bürger wird sich aber fragen, weshalb er das gesunkene Preisniveau eventuell nicht so stark spürt, wie die BFS-Zahlen suggerieren, und er am Ende des Monats trotz gleichbleibender Einkäufe nicht mehr Geld im Geldbeutel hat. Die Preisänderungen, die jeder konkret spürt, hängen nämlich davon ab, was die Haushalte tatsächlich konsumieren.

So leiden Raucher logischerweise unter Preissteigerungen bei Zigaretten, während Nichtraucher solche Effekte oft nicht einmal bemerken. Auf die eingangs erwähnten Waren wie Erdölprodukte, Autos oder Pauschalreisen bezogen bedeutet dies, wer kein Fahrzeug anschafft, nicht regelmässig tankt und keine Paketangebote für seine Ferien bucht, spürt die derzeit vorhandenen deutlichen Preisreduktionen auch nicht.

Auf der Internetseite des BFS können Interessierte daher die Preisentwicklung ihres eigenen Warenkorbes ausrechnen lassen, was besonders spannend ist, wenn das Kaufverhalten stark vom statistischen Durchschnitt abweicht.

Knacknuss Krankenkassenprämien

Und schliesslich stellen die steigenden Krankenkassenprämien häufig noch einen Streitpunkt bei der Inflationsberechnung dar. Diese Ausgaben sind mittlerweile für viele Familien der zweitgrösste Posten nach dem Wohnen und belasten daher stark. Allerdings fliessen sie im Schadenfall wieder an die Haushalte zurück und dienen daher nur der Finanzierung eines bestimmten zukünftigen Konsums.

Zudem setzen sich die Prämienentwicklungen aus Preis- und Mengenänderungen zusammen. In einem Preisindex fliessen aber vermehrte Arztbesuche oder Spitalaufenthalte nicht direkt ein. Sehr wohl sind aber einzelne Gesundheitsleistungen im Warenkorb wie ambulante Behandlungen, Zahnarztbesuche und Medikamente enthalten. Und letztere sind auf Jahressicht 2,5 Prozent billiger geworden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Visionär am 29.12.2015 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ist ja mal wieder alles gut -oder nicht?

    Ich glaube hier stimmt etwas nicht... Es wird (auch wegen der salonfähig gewordenen Dumpinglöhne) immer weniger verdient und die KK-Kosten steigen unaufhörlich (für meine Familie geht für diesen Posten allein ein viertel meines Lohnes drauf). Ausserdem steigen die Mieten auch fast jährlich... Was also nützt mir, wenn ich 3% (vielleicht 100.- Fr. p.M.) weniger bei den Lebensmittel bezahle, aber auf der anderen Seite drei bis vierhundert Franken mehr für die oben genannten Ausgaben aufwenden muss?

    einklappen einklappen
  • Epilog am 29.12.2015 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosumguter vielleicht, nicht aber das Leben

    Wenn man überhaupt Geld übrig hat zum Shoppen. Ansonsten ist der Artikel purer Hohn.

    einklappen einklappen
  • bkl25er am 29.12.2015 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles ausser..

    die kk-prämien, steuern, versicherungen etc. es wäre ja zu schön wenn ende monat etwas vom hart erarbeiteten geld übrig bleiben würde ohne sich etwas gegönnt zu haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • F.N. am 04.01.2016 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gier und keine Ethik

    so genannter "knacknuss KKPrämien" ist ein küstlichliches Problem, deren Lösung von den Lobbyisten im Parlamrnt und im BR mit allen Kräften gebremst wird. Pas Problem ist das Gier den Politikern und ihre ethische Einstellung.

  • Christian am 30.12.2015 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    wie lange geht dass noch

    in den Statistiken wird nur ein Teil der Lebenshaltungskosten einberechnet. KK. Mieten. Versicherungen. Energie. Auto. ÖV ec. werden gar nicht erwähnt. Wir dürfen nicht in der Feien Natur unsere Zelte bauen jeder muss eine Wohnung haben. Versicherungen sind auch vorgeschrieben und Mobilität ist ein Muss im Job Vorgeschrieben vom der Arbeitslosenversicherung. Das Leben wird Teurer und der Lohn bleibt seit Jahrzehnten gleich. Es gibt Firmen bei denen geht der Lohn nicht mal die Teuerung rauf.

  • Möndu am 30.12.2015 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Statistik

    Das Leben wird immer billiger...fÜR DIE REICHEN...sollte es wohl heissen.

  • bürger am 30.12.2015 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sparen

    ok, ok, wir werden in zukunft halt nun unser auto verspeisen. somit kann man ja auch die versicherung einsparen, und das benzin, und die reparaturkosten, und die vignette, und und und.. woau ist das günstig

  • Bürgerwürger am 30.12.2015 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht meine Realität

    was nützt es mir, wenn ich Sachen, die ich nicht benötige immer billiger werden, dafür die Sachen, die ich brauche teurer werden und ich um meine Stelle bangen muss, weil die Firma ins Ausland auslagert.