Schläge und Beschimpfungen

13. Juli 2011 22:28; Akt: 14.07.2011 07:59 Print

Das Leiden in der «Chucks»-Fabrik

von N. Karmini und St. Wright, AP - Ein weiterer Skandal erschüttert die Firma Nike. In Indonesien wurden in einer ihrer Fabriken Angestellte misshandelt. Dort, wo die «Chucks»-Schuhe von Converse herkommen.

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Bei der Herstellung von Converse-Schuhen sind Arbeiter in indonesischen Fabriken misshandelt worden. Der Sportartikelhersteller Nike, dem Converse gehört, sieht sich damit erneut mit Vorwürfen konfrontiert, dass Partnerfirmen internationale Arbeitsstandards ignoriert und Angestellte unwürdig behandelt haben. 2001 hatte der US-Sportartikelhersteller angekündigt, jegliche Kooperation mit solchen Betrieben einzustellen.

Arbeiter indonesischer Zulieferer erklärten, sie würden von ihren Vorgesetzten mit Schuhen beworfen, ins Gesicht geschlagen und als Hunde und Schweine bezeichnet. Letzteres sind im grössten muslimischen Land der Welt schwere Beleidigungen. Nike räumte die Vorfälle ein, erklärte jedoch, wenig dagegen tun zu können.

Die Vorfälle traten in Fabriken von Zulieferern auf, die Converse-Schuhe herstellen. Den Hersteller der Trendschuhe «Chucks» hatte Nike 2003 gekauft. Nike teilte mit, dass alte Verträge das Unternehmen davon abhielten, Fabriken zu inspizieren und seinen Verhaltenskodex vollständig durchzusetzen. Recherchen der AP zeigen jedoch, dass das die Misshandlungen nicht vollständig erklären kann: Auch in einer Fabrik im indonesischen Sukabumi kam es zu Misshandlungen, die Produktion von Converse-Schuhen wurde dort erst 2007 begonnen.

«Bleiben und leiden oder etwas sagen und gefeuert werden»

«Wir sind machtlos», sagt eine Frau, die dort arbeitet. «Unsere einzige Wahl ist: Bleiben und leiden oder etwas sagen und gefeuert werden.» Die 10 000 überwiegend weiblichen Arbeiter der Fabrik verdienen etwa einen halben Dollar (0,36 Euro) pro Stunde. Von der Nachrichtenagentur AP interviewte Arbeiter berichteten, geschlagen und bis zum Bluten gekratzt worden zu sein. Weitere erklärten, nach Beschwerden entlassen worden zu sein.

Nike hat sich nach eigenen Angaben in den vergangenen beiden Jahren darum bemüht, auch die Converse-Fabriken in das Programm zur Einhaltung von Standards des Konzerns zu integrieren. Experten bezweifeln jedoch, dass Nike alles in seiner Macht Stehende tut, um Misshandlungen zu unterbinden. «Ich halte es für unmöglich, dass eine Firma mit der Grösse und Marktmacht von Nike nicht in der Lage ist, eine lokale Fabrik in Indonesien oder sonst wo von ihrem Verhaltenskodex zu überzeugen», sagte ein Professor für Unternehmensstrategie an der City University in New York, Prakash Sethi.

Eine Nike-Sprecherin erklärte, dass die Firma sich bei jeder Gelegenheit bemüht habe, neue Verträge abzuschliessen, die eine Einhaltung des Verhaltenskodex ermöglichten. Nike war nach jahrelanger Kritik 2005 der erste grosse Bekleidungshersteller, der die Namen und Standorte aller Fabriken offenlegte. Bis Ende des Jahres plant Nike, das auch für alle Tochterfirmen zu tun.

Die jüngsten Berichte stützen sich auf Interviews der AP mit Dutzenden von indonesischen Arbeitern und einen internen Bericht, den Nike der Nachrichtenagentur auf Anfrage zur Verfügung gestellt hat.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • W. Hartmann am 14.07.2011 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Label für faire Produktion

    Einfach schäbig, dass grosse Marken nach wie vor ihre Produkte zu Tiefstpreisen herstellen lassen und zu Höchstpreisen verkaufen. Ein Verhaltenskodex ist sicher richtig, dazu gehört aber auch ein einigermassen angemessener Mindestlohn und erträgliche Arbeitszeiten. Gut wäre, wenn solche Forderungen durch eine anerkannte Organisation überwacht und mit einem Label versehen würde, das dem Konsumenten erlauben würde festzustellen, ob die angebotene Ware unter humanen Bedingungen hergestellt wurde.

  • Rolf am 14.07.2011 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Boykott

    Ich boykottiere NIKE schon seit Längerem...

  • Erika M. am 14.07.2011 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    PRODUKTION ohne Voranmeldung besuchen!!!

    Es stimmt es ist schlimm, ich gehe jedes Jahr nach Kuta-Lombok z.meinem Bruder, gehe in die Stadt Mataram um dies und jenes einzukaufen unter anderem Turnschuhe v. Nike zu kaufen,der Preis ist 290'000Rupiah=Fr.29.00.Die Angestellten haben immer eine riesige Freude wenn Sie solche verkaufen.Die stehen unter Druck,da sie so und soviel verkaufen müssen.In der CH kann ich mir das nicht leisten Fr.139.00 je nachdem.Ich kaufe wirklich keine Schuhe mehr in der CH.Es wär gut wenn der Markenhersteller Unabhängig ohne VORANMELDUNG mal die Produktion aufsucht,mal sieht wie diese Arbeiter /IN arbeiten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf am 14.07.2011 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Boykott

    Ich boykottiere NIKE schon seit Längerem...

  • Silver am 14.07.2011 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Geld für Image

    Man kann keine anständigen Löhne in Europa oder Amerika bezahlen, wenn der grösste Teil des Budgets in Werbung und Imagekampagnen mit "kurzlebigen Stars" und in gestylte Konsumtempel gesteckt wird. Ich kaufe schon lange keine solchen Produkte mehr - sind auch qualitativ nicht besonders und es gibt genügend Alternativen, wenn man nicht Label-Geil ist.

  • Markus F am 14.07.2011 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn ihr meint..

    Ich mag meine Nike's und es ist mir eigentlich egal woher sie kommen. Dann kümmert euch doch auch noch gleich um das Fleisch auf euren Tellern.. Und wenn wir dabei sind : Handy's und Pc's werden auch nicht von Gotteshand gefertigt.

    • Sebastian S. am 15.07.2011 17:40 Report Diesen Beitrag melden

      Der Anfang ist die hälfte vom Ganzen

      Nur weil es noch mehr Arbeit gibt, ist das ein schlechter Grund nicht damit anzufangen, oder?

    • Lydia A. am 25.07.2011 15:03 Report Diesen Beitrag melden

      weniger denken - mehr handeln

      Man muss und kann nicht alles auf einmal ändern! Aber das heißt nicht, dass man nicht in kleinen Schritten damit anfangen kann...

    einklappen einklappen
  • Mike Hugi am 14.07.2011 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Wüsste nicht...

    wiso ich keine Nike Produkte mehr kaufen sollte... wer glaubt das es bei anderen Herstellern besser ist, der sollte mal die Rosa Brille ablegen...

  • Kurt C. Hose am 14.07.2011 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Augen öffnen!

    Die Ausbeutung ist nicht nur bei Nike & Co. ein alltägliches Thema. All die geschockten Kommentare stimmen mich traurig. Denn wer sich nur einmal umschaut und sich informiert, der sieht, dass die Ausbeutung ein Grundstein unseres Systems und somit auch eine Voraussetzung für unseren Wohlstand ist.