45 Franken pro Pack

18. Juli 2017 07:39; Akt: 18.07.2017 07:39 Print

Das Milliardengeschäft mit den Rasierklingen

von K. Wolfensberger - Gillette und Wilkinson liefern sich vor Gericht einen Patentstreit. Es geht um viel Geld. Die Klingenpreise sind laut Branchenkennern viel zu hoch.

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Rasieren ist ein Milliardengeschäft. Im Kampf um Marktanteile schenken sich die grossen Hersteller nichts. Die Schwergewichte Gillette und Wilkinson stehen deshalb derzeit in Düsseldorf vor Gericht. Sie streiten sich dort über Patente für Rasierklingen. Der Entscheid des Gerichts wird für Dienstag erwartet.

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Ein Blick auf die Preise der Klingen zeigt, was auf dem Spiel steht. Knapp 45 Franken kosten beim Grossverteiler acht Stück der Gillette-Fusion-Pro-Glide mit fünf Messern. Acht Klingen Hydro 5 von Wilkinson gibt es für gut 21 Franken. Viel zu viel, wenn es nach der Stiftung für Konsumentenschutz geht. Deren Leiter Politik und Wirtschaft, André Bähler, sagt zu 20 Minuten: «Grund für diese Preise sind die Margen und hohe Marketing-Ausgaben.»

Gerade bei Gillette fliesse enorm viel Geld in die Werbung mit Stars wie Roger Federer, Tiger Woods, Thierry Henry, David Beckham oder aktuell Thomas Müller. Bähler rät daher: «Statt die teuren Gillette- oder Wilkinson-Klingen können Konsumenten die Eigenmarken der Detailhändler kaufen.» Diese seien qualitativ in Ordnung, aber deutlich günstiger.

Neue Konkurrenz aus dem Netz

Die hohen Preise haben Konkurrenz aus dem Internet auf den Plan gerufen. Zum Beispiel Thomas Gmünder. Auf seiner Website Shavemaster.ch verkauft der Luzerner günstige Klingen aus China. «Da ich auf teure Werbung verzichte und ohne Zwischenhändler arbeite, bin ich viel günstiger», so Gmünder zu 20 Minuten. Er ist überzeugt, dass bei grossen Marken nur wenige Rappen in die eigentliche Produktion fliessen.

Laut Christopher von Hallwyl vom Online-Händler Shave-lab.com ist einer der Hauptgründe für die hohen Preise bei Gillette und Wilkinson, dass es bis vor wenigen Jahren kaum Konkurrenzprodukte zu den beiden Marken gab. Er sagt zu 20 Minuten: «Konsumenten hatten gar keine andere Wahl als die vorgegebene Preise zu bezahlen. Es handelte es sich um eine Art Monopol.» Dies wiederum bedeute, dass Preis und Qualität in diesem Geschäft meist in keinem Zusammenhang stünden.

Produzenten verdienen sich «goldene Nase»

Ähnlich argumentiert Martina Waser. Die Geschäftsführerin des Online-Shops Shavejack.ch betont: «Markenproduzenten verdienen sich im Geschäft mit Rasierklingen eine goldene Nase.» Es gebe kaum Gebrauchsgegenstände des täglichen Bedarfs, die so überteuert seien. «Ein grosser Teil des Geldes, das für Rasierklingen ausgegeben wird, fliesst in teure Werbemassnahmen und in die Taschen der Hersteller – aufgrund sehr hoher Margen», so Waser.

Dabei gibt es – wie bei vielen anderen Produkten auch – noch das Problem der Hochpreisinsel Schweiz. Wie dieses umgangen werden kann, zeigt Thomas Bleiker. Sein Unternehmen Mcshave.ch vertreibt Marken-Rasierutensilien. Bleiker bezieht seine Ware aus dem Ausland und kann so tiefere Preise anbieten. Er sagte zu 20 Minuten: «Gillettes Rasierklingen sind gut, aber völlig überteuert.»

Hersteller wehren sich gegen Kritik

Die Hersteller lassen die Kritik an ihren Preisen nicht auf sich sitzen. Auf Anfrage widersprechen Wilkinson und der Gillette-Mutterkonzern Procter & Gamble den alternativen Anbietern und betonen, dass der Grund für die teuren Preise die hohen Produktionskosten seien. «Die Herstellung verlangt hochmoderne Technik. Durch intensive Forschung werden die Klingen stetig optimiert, um die beste Produktqualität zu bieten», so eine Wilkinson-Sprecherin. Die Endpreise würden ausserdem vom Detailhandel und nicht von den Produzenten festgelegt, betont Procter & Gamble.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schorsch am 18.07.2017 07:57 Report Diesen Beitrag melden

    Old-Style

    Ich rasiere mich seit 25 Jahren nass - mit einem eisernen Hobel und auswechselbaren, herkömmlichen Rasierklingen. Leider findet man die immer weniger. Das ist erstens am billigsten und zweitens die sauberste und angenehmste Methode. Auf den Schnickschnack mit 3, 4 oder 5 Klingen kann man getrost verzichten. Das ist nur Marketing. Und das Schönste ist davor das Einpinseln mit dem Dachshaar-Pinsel ;-)

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  • Natti am 18.07.2017 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Deutschland...

    ... ist wie immer eine tolle Alternative um die Klingen zu kaufen. Lasst euch nicht abzocken Leute.

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  • Toni am 18.07.2017 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aliexpress ist die lösung

    Auf aliexpress gleiche qualität und viel viel günstiger. Wer kauft sich schon die überteuerten klingen hier?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • AntonMeier am 21.07.2017 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Anzocke ohne beispiel

    Es ist mir verleidet, jeden Monat 50 Franken fürs rasieren auszugeben. Desswegen trage ich kurzbart und habe weniger Probleme mit der Haut. Eine Frechheit, was für klingen verlangt wird, die nach drei mal rasieren stumpf sind.

  • Alfred A. am 20.07.2017 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht auch günstig

    Nicht nur Gillette und Wilinson machen gute Klingen. Es gibt Kassensturz Testsieger, die weit günstiger sind.

  • Dave t am 19.07.2017 05:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Shavemaster kratzt

    Habe bei Shavemaster bestellt, die Klingen kratzen schon wenn sie ganz neu sind. Etwa so wie Gilette nach 2 Wochen benutzen... China Quality, ist dann zu teuer dafür dass sie nichts taugen

  • Makus am 19.07.2017 02:10 Report Diesen Beitrag melden

    BIC kaufen

    Diese Rasierer sind recht günstig, und sanft. Gilette meide ich, weil diese eine Monopolstellung haben

  • _uhu am 19.07.2017 00:11 Report Diesen Beitrag melden

    Titel vs. Inhalt

    ...ok, das mit den Margen habe ich geschnallt. Aber um was geht es nun im Patentstreit?