Schweizer Privatbanken

28. Februar 2011 09:06; Akt: 28.02.2011 10:48 Print

Das Schwarzgeld könnte bald ausbleiben

von Gérard Moinat - Steuer-CDs machten letztes Jahr einigen Schweizer Privatbanken das Leben schwer. Doch das war erst der Anfang: Bald droht neues Ungemach.

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Februar ist der Monat der Bilanzmedienkonferenzen. Auch für die Privatbanken. Julius Bär machte zum Monatsbeginn den Anfang und verkündete einen Neugeldzufluss von stolzen 8,8 Milliarden Franken für das Jahr 2010. Der Neugeldzufluss ist eine wichtige Kennzahl für die Banken: Je mehr Neugeld auf ihre Kundenkonti fliesst, desto mehr verdienen sie an Kommissionen.

Am Mittwoch letzter Woche gab schliesslich auch die Bank Vontobel bekannt, dass ihr im letzten Jahr neue Gelder in der Höhe von 5,5 Milliarden Franken zugeflossen seien. Und am Donnerstag überraschte die Basler Privatbank Sarasin mit einem Neugeldzufluss von insgesamt 13,4 Milliarden Franken.

Angesichts des schwierigen politischen Umfelds sind das ansehnliche Resultate. Doch wer genauer hinschaut, stellt fest: Julius Bär und Sarasin konnten vor allem in Asien Neugelder gewinnen, wo die wirtschaftliche Dynamik die Vermögen rasch wachsen lässt. Vontobel hingegen, die ihren zweiten Heimmarkt in Europa und speziell in Deutschland sieht, wehte ein deutlich rauerer Wind entgegen.

«Angies Plattensammlung»

Die Unsicherheit bezüglich gestohlener Datenträger, die Vontobel-Chef Herbert Scheidt an der Medienkonferenz salopp als «Angies Plattensammlung» bezeichnete, hinterlässt bei seiner Bank Spuren in den Geschäftszahlen. Hintergrund der Äusserungen waren CDs, die der deutsche Fiskus letztes Jahr kaufte, um Schwarzgeldern von deutschen Steuerpflichtigen im Ausland auf die Schliche zu kommen. Kanzlerin Angela Merkel hatte dem Kauf der illegal kopierten Steuerdaten ihren Segen gegeben.

Da auf einigen Disks angeblich Vontobel-Daten gewesen sein sollen, reagierten die deutschen Privatkunden prompt verunsichert. Sie vertrauten der Bank in der zweiten Jahreshälfte nur noch eine halbe Milliarde Franken Neugeld an. Zum Vergleich: Bis Mitte 2010 waren es noch eine Milliarde Franken gewesen.

Der wachsende Markt für gestohlene Bankdaten gibt einen Vorgeschmack auf das, was den Schweizer Privatbanken im wichtigen EU-Markt künftig noch drohen könnte: Das Versiegen des Schwarzgeldstroms – und somit ein guter Teil des Neugeldzuflusses.

Druck auf das Bankgeheimnis nimmt zu

Steuer-CDs sind nicht das einzige Problem der Schweizer Privatbanken. Auch mittels diverser Steueramnestien holten europäische Staaten schon Milliarden von Euro in ihre Hoheitsgebiete zurück. Kein Wunder: Experten schätzen, dass vier von fünf Franken der in der Schweiz betreuten europäischen Offshore-Gelder von rund 1100 Milliarden Franken nicht versteuert seien.

Die EU strebt angesichts solcher Zahlen einen automatischen Informationsaustausch an, mit dem die Kundendaten von EU-Bürgern auch auf Schweizer Banken ohne Rechtshilfegesuch abgerufen werden könnten. Das Deponieren von illegalen Geldern auf hiesigen Bankkonten wäre für Steuerpflichtige aus der EU somit nicht mehr attraktiv. Im Gegenteil müsste mit einem massiven Abfluss von unversteuerten Kundengeldern gerechnet werden

Konfrontiert mit solchen Horrorszenarien drängt die Schweiz darauf, möglichst rasch eine sogenannte Abgeltungssteuer einzuführen. Die anonyme Besteuerung von ausländischen Guthaben zuhanden der betroffenen Herkunftsländer soll die Forderung nach einem automatischen Informationsaustausch aus der Welt schaffen. Mit Deutschland und Grossbritannien verhandelt die Eidgenossenschaft bereits über ein solches Modell.

Diese Rettungsvariante hat allerdings ihren Preis: Die anonymen Konten sollen mit bis zu 30 Prozent besteuert werden. Vielen Kunden könnte das zu teuer sein – und sie dazu animieren, ihr Geld aus dem Land zu schaffen.

Die USA setzen Druck auf

Doch auch von der anderen Seite des Atlantiks weht der Wind gegen das Bankgeheimnis immer stärker. Die willentliche Verletzung amerikanischer Steuergesetze durch Kundenberater der UBS und nach Auffassung der US-Steuerbehörde IRS auch durch die Credit Suisse und eventuell weiteren Schweizer Banken, erhöhen den Druck auf das Bankgeheimnis weiter.

So tauchen am Horizont immer neue Monster auf: Der FATCA (Foreign Account Tax Compliance Act) der USA, ist der bisher weitestreichende Versuch der USA, Schwarzgelder ins Heimatland zurückzuholen. Ab 2013 müssen Banken weltweit sämtliche Vermögenswerte von amerikanischen Personen melden. Ohne Offenlegung fallen 30 Prozent Quellensteuer auf sämtliche Erträge und Kapitalgewinne an.

Privatbanken erwarten keinen Einfluss

Die Privatbanken allerdings geben sich auch angesichts solcher Gefahren nach wie vor gelassen. «Wir gehen davon aus, dass die Stärke des Schweizer Finanzplatzes mögliche negative Auswirkungen durch die Abgeltungssteuer mehr als wettmacht», sagt Vontobel-Sprecher Michael Pfister.

Und auch Julius Bär ist der Überzeugung, dass mögliche negative Auswirkungen auf die verwalteten Vermögen dank des weiterhin starken Vermögenszuflusses mehr als wettgemacht werden. Selbst dann, wenn andere EU-Länder in vergleichbare Verhandlungen mit der Schweiz eintreten sollten, so Julius-Bär-Sprecher Jan Vonder Mühll. «Julius Bär sieht keinen Grund, den mittelfristigen Zielbereich für Neugeldzuflüsse anzupassen.»

Ob eine Abgeltungssteuer überhaupt kommt, sei gemäss Sarasin-Sprecherin Franziska Gumpfer-Keller heute noch nicht entschieden. Zudem weise die Bank Sarasin aufgrund ihrer starken Schweizer Verankerung und der späten Internationalisierung einen unbedeutenden Anteil an unversteuerten Geldern auf. «Wir müssen deshalb kaum Abflüsse von Kundenvermögen befürchten», so Gumpfer-Keller. Unabhängig von der regulatorischen Entwicklung werde angestrebt, bis Ende 2012 keine nicht deklarierten Gelder mehr zu verwalten.