Taskforce gegründet

11. Mai 2011 18:54; Akt: 12.05.2011 08:15 Print

Das Wettrüsten gegen die Skimming-Banden

von Adrian Müller - In Deutschland mussten Privatbanken wegen Sicherheitsmängel einen Drittel ihrer Geldautomaten austauschen. In der Schweiz geht nun eine Task-Force gegen Bancomat-Betrüger vor.

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In Basel haben Betrüger den falschen Kartenleser gleich in den Automaten eingebaut. Von aussen ist nichts zu sehen.... ...doch unter der Verdeckung klafft ein mit einem unbekannten Gerät herausgebranntes Loch. Hier haben die Betrüger das falsche Kartenlesegerät eingesetzt und... ...dann die Öffnung mit einem Kleber verschlossen. Doch auch mit anderen Tricks können Bankomat-Betrüger ihre Opfer um Tausende von Franken erleichtern. Besonders perfid: Eine direkt im Sichtschutz des Bankomaten versteckte Kamera zeichnet die Eingabe des Pin-Codes auf. Den Miniatur-Kameras reicht ein stecknadelgrosses Loch zum Ausspähen der Geheimnummer. Der neuste Trick ist «Cash Trapping»: Im Dezember 2011 warnt Hersteller Wincor Nixdorf vor der Masche, dass dem Kunden ein defekter Bankomat vorgegaukelt wird. Um Kreditkarten-Daten oder Bargeld zu ergaunern, manipulieren «Skimmer», wie die Diebe im Fachjargon heissen, die Bankautomaten mit raffinierten Mitteln. In diesem Fall wurde die Originaltastatur (rechts oben) mit einem Aufsatz versehen (links). Im Beispiel unten wurde gleich die ganze Frontplatte ersetzt. Hier hat sich jemand ganz viel Mühe gegeben: In eine gefälschte Frontplatte wurde sogar Elektronik für eine Statusanzeige und den Kreditkartenleser eingebaut, inklusive Akkupack. Hier sollte aber schon der Laie misstrauisch werden: Stümperhafte und lose Kartenaufsätze, die in niedersächsischen Bankautomaten entdeckt wurden. Manchmal muss man aber tatsächlich zweimal hinsehen, bis man die immer professioneller angefertigten Kreditkarten-Fänger entdeckt. Auch hier wurde eine nahezu perfekte Installation gebaut, um später Kreditkarten zu klonen. Hier installierten findige Pin-Diebe eine Miniatur-Kamera, die in einem Prospekthalter untergebracht ist und alle Tastatureingaben mitfilmt. Klar werden hier alle Kreditkarten akzeptiert: Hinter der Abdeckung filmt eine Spion-Kamera das Tastaturfeld. Das Abwehrsystem von Synfis erkennt 30 Arten von Manipulationen und stört das Magnetfeld von Skimming-Modulen. Das hat seinen Preis: Pro Automat kostet die Gegenmassnahme etwa 1500 Franken.

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Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ein neuer Fall von Skimming-Betrug in der Schweiz auffliegt. Diese Missbräuche nehmen seit Sommenr 2010 massiv zu. Nun rüsten die Schweizer Banken auf: «Wir haben eine Task Force Geldausgabeautomaten gebildet», sagt Thomas Sutter, Sprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung, zu 20 Minuten Online. Zusammen mit den Automatenherstellern und Zahlungsverkehr-Anbietern würden Gespräche betreffend Anti-Skimming-Massnahmen geführt und der Austausch mit der Polizei gepflegt. Die Task-Force umfasse sieben Sicherheitsspezialisten verschiedener Schweizer Banken.

Wettlauf gegen die Bancomat-Betrüger

Die Offensive gegen die Skimming-Banden kommt nicht von ungefähr: «Deren Methoden werden immer raffinierter», sagt Arman Portmann, Dozent für Informationssicherheit an der Hochschule Luzern. Es sei zunehmend ein Katz- und Maus-Spiel zwischen den Banken, der Polizei und den Betrügern festzustellen.

Die Skimming-Betrüger bereiten nicht nur den Schweizer Geldinstituten Kopfzerbrechen: Wie die «Financial Times» berichtet, haben die Deutschen Privatbanken wegen Sicherheitsproblemen 2010 fast einen Drittel ihrer Geldautomaten austauschen lassen. Inbesondere bei Geräten des Herstellers Wincor Nixdorf seien Sicherheitsmängel aufgetreten.

Die Schweizer Banken sind offenbar
davon weniger betroffen: «Wir haben keine Bancomaten ausgetauscht», sagt Franz Würth, Sprecher der Raiffeisenbanken. Die meisten Schweizer Geldinstitute würden Automaten des amerikanischen Nixdorf-Konkurrenten NCR verwenden.

Das Wettrüsten gegen die Skimming-Betrüger läuft auch in der Schweiz auf Hochtouren: «Wir rüsten unsere Automaten laufend mit neuer Anti-Skimming-Software aus», betont Würth. Trotz der Massnahmen verzeichnete die Raiffeisenbank dieses Jahr bislang rund 50 Skimming-Fälle. Dies sei deutlich mehr als in den vergangenen Jahren, so Würth.

Betrug in der Migros-Filiale

Die Betrüger weiten derweil ihr Aktionsgebiet aus: «Neuerdings werden mobile Bezahlstationen, etwa in Restaurants, präpariert und so die Bank- und Kreditkartendaten ausspioniert», sagt Martin Boess, Geschäftsleiter Schweizer Kriminalprävention SKP. «Man muss also nicht nur beim Bargeldbezug am Bancomat, sondern auch in der Beiz vorsichtig sein mit seinen Bankkarten», warnt Boess. Die Betrüger haben sogar die Ladenkassen entdeckt: Ende April flog ein Betrugsversuch im Obi-Baumarkt in Schönbühl fehl. Wie der Täter das Kartenlesegerät manipulieren konnte, ist noch unklar. Laut «Radio Energy Bern» hat der Täter in diesem Fall sogar in der Filiale übernachtet und sich währenddessen am Apparat zu schaffen gemacht.

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