«Branchenüblicher Lohn»

28. August 2018 16:05; Akt: 28.08.2018 17:50 Print

Das heissen die Phrasen im Job-Inserat wirklich

Ein Personalexperte schaut sich verbreitete Floskeln in Stelleninseraten an – und sagt, was sie wirklich bedeuten.

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Abgegriffene und ungenaue Formulierungen in Stellenausschreibungen sind oft verwirrend oder unverständlich für Stellensuchende. Was heisst es genau, wenn einem «zeitgemässe Arbeitsbedingungen» angeboten werden? Der HR-Experte Michel Ganouchi hat sich für 20 Minuten verbreitete Worthülsen in Stelleninseraten angeschaut und erklärt, was wirklich gemeint ist: «Teamfähigkeit ist der Klassiker unter den Floskeln. Das heisst, der passende Kandidat sollte sozialverträglich sein und mit Menschen sprechen und auch zuhören können. Das trifft doch auf jeden Job zu.» «Sie verstehen, was man Ihnen mitteilt. Schnell. Als ob schon jemals jemand mit langsamer Auffassungsgabe gesucht worden wäre.» «In einem dynamischen Umfeld zu arbeiten heisst: Es ist zuweilen chaotisch bei uns. Stellen Sie sich darauf ein.» «Bei diesem Job verdienen Sie für die gleiche Arbeit deutlich weniger, als Sie es in einer anderen Branche tun würden. Im vorliegenden Fall ist die Angabe berechtigt, weil sie aussagekräftig ist. NGOs zahlen in der Regel deutlich weniger als andere Arbeitgeber. Ansonsten gilt: Erwarten Sie nicht zu viel.» «Alle wollen etwas von Ihnen. Multitasking- und Priorisierungsfähigkeiten gehören zwingend dazu, um bei dieser Stelle erfolgreich zu sein.» «Alle wollen etwas von Ihnen. Multitasking- und Priorisierungsfähigkeiten gehören zwingend dazu, um bei dieser Stelle erfolgreich zu sein.» «Auch bei diesem Job arbeiten Sie viel. Auf die Uhr schauen ist nicht erwünscht.» «Wie bloss soll ich mir als Stellensuchender auf Grund der vagen Angaben vorstellen können, worum es sich dabei handelt? Bleiben wir realistisch. Traumjobs sind zum Träumen da.» «Hier liegt Tagträumen liegt nicht drin. Abarbeiten ist angesagt. Und bitte nicht zu viel nachdenken!»

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Abgegriffene und ungenaue Formulierungen in Stellenausschreibungen sind oft verwirrend oder unverständlich für Stellensuchende. Was heisst es genau, wenn einem «zeitgemässe Arbeitsbedingungen» angeboten werden? Was versteckt sich hinter dem Wunsch nach einem «hochmotivierten» Mitarbeiter?

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Haben Sie sich schon mal über Floskeln in Stellenausschreibungen aufgeregt?

Der Personalexperte Michel Ganouchi von der Firma Recruma hat sich für 20 Minuten verbreitete Phrasen in Stelleninseraten angeschaut und erklärt, was wirklich gemeint ist:

•Teamfähigkeit
«Teamfähigkeit ist der Klassiker unter den Floskeln. Das heisst, der passende Kandidat sollte sozialtauglich sein und mit Menschen sprechen und auch zuhören können. Das trifft doch auf jeden Job zu.»

•Rasche Auffassungsgabe
«Sie verstehen, was man Ihnen mitteilt. Schnell. Als ob schon jemals jemand mit langsamer Auffassungsgabe gesucht worden wäre.»

•Dynamisches Umfeld
«In einem dynamischen Umfeld zu arbeiten heisst: Es ist zuweilen chaotisch bei uns. Stellen Sie sich darauf ein.»

•(NGO-)Branchenüblicher Lohn
«Bei diesem Job verdienen Sie für die gleiche Arbeit deutlich weniger, als Sie es in einer anderen Branche tun würden. Im vorliegenden Fall ist die Angabe berechtigt, weil sie aussagekräftig ist. NGOs zahlen in der Regel deutlich weniger als andere Arbeitgeber. Ansonsten gilt: Erwarten Sie nicht zu viel.»

Interdisziplinäre Zusammenarbeit
«Alle wollen etwas von Ihnen. Multitasking- und Priorisierungsfähigkeiten gehören zwingend dazu, um bei dieser Stelle erfolgreich zu sein.»

•Speditive Arbeitsweise
«Bei dieser Arbeitsstelle liegt Tagträumen nicht drin. Abarbeiten ist angesagt. Und bitte nicht zu viel nachdenken!»

•Hoch motiviert
«Auch bei diesem Job arbeiten Sie viel und sollten zeigen, dass Sie es gern tun. Auf die Uhr schauen ist nicht erwünscht.»

•Traumjob
«Wie bloss soll ich mir als Stellensuchender auf Grund der vagen Angaben vorstellen können, worum es sich dabei handelt? Bleiben wir realistisch. Traumjobs sind zum Träumen da.»

•Zeitgemässe Arbeitsbedingungen
«Sie erhalten Lohn und Ferien. Cool, nicht? Nicht zu viel und nicht zu wenig von beidem. Vielleicht noch etwas Kaffee. Spass beiseite: Der Begriff zeitgemäss ist interpretationsbedürftig. Während bei den einen Arbeitgebern Homeoffice, flexible Arbeitszeiten usw. darunterfallen, sind bei anderen noch nicht einmal fünf Wochen Ferien gemeint. Fragen Sie den Arbeitgeber, was er denn genau darunter versteht.»

Gemäss dem HR-Experten Ganouchi hat der Gebrauch von Floskeln in Stellenanzeigen verschiedene Ursachen: «Ratlosigkeit und mangelnde Sensitivität im Umgang mit Sprache ist verbreitet. Aus Zeitgründen wird zudem oft von anderen Stellenanzeigen kopiert, was man für geeignet hält.» Ganouchi rät Unternehmen, ganz auf abgegriffene Formulierungen zu verzichten. «Floskeln bringen null Mehrwert. Weder für Unternehmen noch für Kandidaten. Sie sind reine Platzverschwendung.»

(vay)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max König am 28.08.2018 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...

    Oder mit anderen Worten: Viel Arbeit, wenig Lohn.

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  • Dave74 am 28.08.2018 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Naja. Wenn man bedenkt, dass wohl viele HRler gar nicht mehr wissen, wer was wo macht, wie sollen die denn ein vernünftiges Inserat verfassen? Und man wills eigentlich auch gar nicht so genau wissen. Dies war jedenfalls meine Erfahrung, als ich den HR offerierte doch mal einen halben Tag bei uns zu arbeiten um eine Einsicht zu bekommen. Ich habe sogar meine Zwischenzeugnisse quasi selbst geschrieben und das in einem halbstaatlichen Betrieb. Mein Tipp: vor der Bewerbung den ev. künftigen Chef anrufen.

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  • Severin am 28.08.2018 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kann ich nur lachen

    In meinem Job-Inserat stand, man müsse entscheidungsfreudig sein. Habe mich nun schon öfters entschieden nicht Arbeiten zu gehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kurt W. am 30.08.2018 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Böse Entwicklung

    Bald gehen die Schweizer nach Deutschland arbeiten und wohnen. Wollen wir wetten?

  • Remo T. am 29.08.2018 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    Bester Spruch war..

    vor ca. 30 Jahren von meinem Damaligen Chef. Ein Vorstandsvorsitzender einer grossen Firma. Er sagte. Hätte ich nicht so gute Mitarbeiter die auch Einsatzbereit sind wenn es mal eng wird, dann würde ich wie viele andere dieses Blatt Papier in der Hand halten. Den Antrag vom Arbeitsamt. Das war ein Super Chef. Hat alles für seine Mitarbeiter gemacht und sich nie Lumpen lassen. Leider in Pension.

  • B. Suter am 29.08.2018 05:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Experte?

    Um das zu beurteilen brauchts echt einen "Experten"?

  • Jürg Walser am 29.08.2018 02:25 Report Diesen Beitrag melden

    Unbescheiden?

    Das beste Stelleninserat das ich je gelesen habe war für eine Lehrstelle: Zu vergeben, Lehrstelle zum/r BüroassistentenInn. GymnasiumabgängerIn bevorzugt. Alles klar?

  • que.b am 28.08.2018 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    go out

    Leute wacht auf CH ist ein Sklavenland! Beklagt euch nicht und macht das beste draus... seit klug und spart euch das Geld zusammen! Und verlasst die CH früher und geniesst das weitere Leben im Ausland!

    • Xsasan am 29.08.2018 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @que.b

      Dann machen Sie bitte den Anfang, Danke :)

    • René A am 29.08.2018 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      Wie recht er doch hat!

      Auswandern setzt aber "Eier" voraus und meiner Erfahrung nach fehlen die den meisten Schweizern. Und, Sklaven (Schuldner) können das Land gar nicht verlassen. Also que.b, geniess dein Leben wie ich es auch tue und lass die Knechte knechten. Es ist jeder selber seines Glückes Schmied. So wie man sich bettet so liegt man!

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