Prognosen

03. Januar 2016 09:35; Akt: 03.01.2016 09:35 Print

Das bringt 2016 für unsere Wirtschaft

von S. Spaeth - Erreicht der Euro-Kurs endlich die Marke von 1.15 Franken? In welche Richtung geht der Benzinpreis? Hier ein Ausblick darauf, was die Schweizer Wirtschaft erwartet.

Bildstrecke im Grossformat »
2015 wurden die Prognosen der Schweizer Konjunkturexperten vor allem von einem Ereignis durcheinandergewirbelt: der Aufgabe des Euro-Mindestkurses am 15. Januar. Hatten die Prognostiker für 2015 im Schnitt ursprünglich ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent veranschlagt, dürfte die Wirtschaftsleistung tatsächlich um lediglich 0,8 Prozent steigen. Die Schweizer Wirtschaft wächst 2016 stärker. So gehen die Experten der Zürcher Kantonalbank von einem Wachstum von 1,2 Prozent aus; der Bund rechnet sogar mit 1,5 Prozent. Und für 2017 rechnet der Bund mit 1,9 Prozent. Der Euro-Franken-Wechselkurs wird sich 2016 rund um 1.10 einpendeln, heisst es bei der Zürcher Kantonalbank. Sie geht davon aus, dass die Nationalbank auch 2016 gelegentlich am Devisenmarkt intervenieren wird, wobei der Umfang geringer ausfallen dürfte als in den Vorjahren. Der für Geschäftsbanken gültige Strafzins von minus 0,75 Prozent, den die SNB auf bei ihr gebunkerten Summen erhebt, dürfte bleiben. Die ZKB geht davon aus, dass die SNB keine Änderung der Zinspolitik vornehmen wird. (Im Bild: SNB-Chef Thomas Jordan und Andrea Mächler, Mitglied des Direktoriums.) Hunderttausende Kunden strömten in den vergangenen Monaten über die Grenze und gaben dort geschätzte 12 Milliarden Franken aus. Laut Experten wird sich der Einkaufstourismus 2016 auf hohem Niveau stabilisieren, was der Branche ein weiteres enttäuschendes Jahr bescheren dürfte. Neue Gäste ansprechen will Schweiz Tourismus in den Fernmärkten China und Nordamerika. Dabei blicken die Touristiker auf chinesische Individualtouristen, sie will man für längere und abwechslungsreichere Schweiz-Reisen motivieren. Fürs kommende Jahr geht die KOF von einer Zunahme der Hotelübernachtungen von 1,6 Prozent aus. «Wir befürchten, dass 2016 die Effekte der Frankenstärke weiterhin spürbar sein werden, gehen aber davon aus, dass sich die Rückgänge aus Europa langsam stabilisieren», heisst es bei Schweiz Tourismus. «Hypothekarnehmer können weiterhin mit tiefen Zinsen rechnen», hiesst es beim Hypotekenvermittler Moneypark. Laut Moneypark dürfte die Nachfrage nach Luxusimmobilien (Kaufpreis über 2,5 Millionen) abnehmen und die Preise sinken. Objekte in Preisklassen darunter bleiben stabil oder steigen leicht an. Der Rohölpreis befindet sich auf einem Rekordtief und kostet so wenig wie seit 2008 nicht mehr, das merkt man auch an den Tankstellen. «Der Erdölpreis ist aus Bewertungssicht sehr tief. Das Potenzial für deutlich tiefere Preise ist deshalb limitiert», heisst es bei der ZKB. Grund dafür ist das weltweite Rohöl-Überangebot.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Fast nie lagen die Schweizer Konjunkturexperten mit ihren Wirtschaftsausblicken so daneben wie fürs endende Jahr. Durcheinandergewirbelt hat die Prognosen vor allem ein Ereignis: die Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015. Die Folgen: Preissenkungen, Margenverluste, Jobabbau. Hatten die Experten für 2015 im Schnitt ursprünglich ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent veranschlagt, dürfte die Wirtschaftsleistung tatsächlich um lediglich 0,8 Prozent steigen. Das kommende Jahr macht hingegen Hoffnung auf Stabilität.

Umfrage
Wie wird sich 2016 ihre finanzielle Lage verändern?
18 %
13 %
53 %
8 %
8 %
Insgesamt 2453 Teilnehmer

• Die Schweizer Wirtschaft nimmt Fahrt auf
Die Schweizer Wirtschaft wächst 2016 stärker. So gehen die Experten der Zürcher Kantonalbank von einem Wachstum von 1,2 Prozent aus; der Bund rechnet sogar mit 1,5 Prozent. Was die hiesige Konjunktur 2016 dämpft, ist der weiterhin überbewertete Franken. «Die Grosswetterlage für die Schweiz bleibt darum bewölkt mit einzelnen Aufhellungen», schreibt die St. Galler Kantonalbank. Der starke Franken bleibe der Nationalbank ein Dorn im Auge. Für 2017 rechnet der Bund sogar mit einem Wachstum von 1,9 Prozent.

• Der Euro-Kurs pendelt sich bei 1.10 Franken ein
Im September hat der Euro-Kurs kurzzeitig die Marke von 1.10 Franken geknackt. Sie wurde zuvor von Industrie und Politik zum anzustrebenden Wert erklärt – hart, aber erträglich. Seit Wochen notiert sich der Euro aber bei 1.08 Franken. «Der Euro-Franken-Wechselkurs wird sich 2016 rund um 1.10 einpendeln», sagt Anastassios Frangulidis, Chefökonom der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Eine weitere Aufwertung des Euros gegenüber dem Franken bedürfe einer noch stärker wachsenden europäischen Volkswirtschaft. Frangulidis geht davon aus, dass die SNB auch 2016 gelegentlich am Devisenmarkt intervenieren wird, wobei der Umfang geringer ausfallen dürfte als in den Vorjahren.

• Die Schweizer Negativzinsen bleiben
Wer Geld auf einem Sparkonto liegen hat, geht wegen des Negativzinsumfeldes Ende Jahr nahezu leer aus. Daran dürfte sich 2016 nichts ändern. Der für Geschäftsbanken gültige Strafzins von minus 0,75 Prozent, den die SNB auf bei ihr gebunkerten Summen erhebt, dürfte bleiben. «Ich gehe davon aus, dass die SNB keine Änderung der Zinspolitik vornehmen wird», sagt Frangulidis. Nach Jahren die Leitzinsen angehoben hat Mitte Dezember die US-Notenbank Fed. Die ZKB geht davon aus, dass die Fed 2016 weiter an der Zinsschraube drehen wird. Keine Änderung an ihrer expansiven Geldpolitik dürfte dagegen die Europäische Zentralbank (EZB) vornehmen.

• Die Schweizer shoppen für 12 Milliarden im Ausland
Kein Jahr war für den Schweizer Detailhandel so schwierig wie 2015. Hunderttausende Kunden strömten in den vergangenen Monaten über die Grenze und gaben dort geschätzte 12 Milliarden Franken aus. Laut Experten wird sich der Einkaufstourismus 2016 auf hohem Niveau stabilisieren, was der Branche ein weiteres enttäuschendes Jahr bescheren dürfte. Und gross angekündigte Preissenkungen auf breiter Front, wie sie nach dem Mindestkurs-Aus vollzogen wurden, dürften der Vergangenheit angehören. Wachsen wird lediglich der Online-Handel.

• Der Gästeschwund aus Europa stabilisiert sich
Das Mindestkurs-Aus war für die Tourismusbranche ein Schock. Über Nacht wurden Ferien in der Schweiz für Ausländer um rund 15 Prozent teurer, weshalb ein Teil der Gäste ausblieb. Wird es 2016 besser? 2015 sei über alle Märkte gesehen kein schlechtes Jahr gewesen, sagt Schweiz-Tourismus-Sprecherin Daniela Bär. Fürs kommende Jahr geht die KOF von einer Zunahme der Hotelübernachtungen von 1,6 Prozent aus. Dabei gilt es aber zu beachten, dass der Faktor Wetter nicht vorauszusehen ist. «Wir befürchten, dass 2016 die Effekte der Frankenstärke weiterhin spürbar sein werden, gehen aber davon aus, dass sich die Rückgänge aus Europa langsam stabilisieren», so Bär. Neue Gäste ansprechen will Schweiz Tourismus in den Fernmärkten China und Nordamerika.

• Hypotheken bleiben günstig, Preise von Luxusimmobilien sinken
Gute Aussichten für Leute, die 2016 Wohneigentum erwerben wollen. «Hypothekarnehmer können mit tiefen Zinsen rechnen», sagt Stefan Heitmann vom Hypothekenvermittler Moneypark. Dabei könnten sich die Konditionen von Bank zu Bank und Region des Objekts massiv unterscheiden. Dieses Phänomen wird sich laut Heitmann 2016 verstärken. Der Trend hin zum Eigenheim bleibt, denn die Schweiz hat mit rund 40 Prozent eine der tiefsten Wohneigentumsquoten in Europa. Laut Moneypark dürfte die Nachfrage nach Luxusimmobilien (Kaufpreis über 2,5 Millionen) weiter abnehmen und die Preise sinken. Objekte in Preisklassen darunter bleiben stabil oder steigen leicht an.

• Das Überangebot an Erdöl sorgt für günstiges Tanken
Der Rohölpreis befindet sich auf einem Rekordtief und kostet so wenig wie seit 2008 nicht mehr, das merkt man auch an den Tankstellen. Ein Liter Bleifrei 95 kostet derzeit vielerorts unter 1.40 Franken. «Der Erdölpreis ist aus Bewertungssicht sehr tief. Das Potenzial für deutlich tiefere Preise ist deshalb limitiert», heisst es bei der ZKB. Einen starken Anstieg ist aber aufgrund des aktuellen Überangebots an Erdöl sowie der herrschenden geopolitischen Lage nicht zu erwarten.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • einkaufstourist am 03.01.2016 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einkaufstourismus

    klar, solange die Abzockerei anhält wird sich auch im Einkaufstourismus nichts ändern. Absolut verständlich. Und kommt nicht wieder mit der Mär, dass die hohen Schweizer Löhne verantwortlich sind. Angemessen höhere Preise würde man bezahlen, aber sicher nicht was hier abgeht.

    einklappen einklappen
  • Guschdi am 03.01.2016 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    Eine Antwort bei eurer Umfrage fehlt, nämlich: Mein Lohn bleibt gleich, aber ich werde dafür sorgen, dass meine Einkäufe billiger werden!

    einklappen einklappen
  • Bald Ex Unternehmer am 03.01.2016 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Nacht

    Unsere Prognosen ist bereit auf Stein gemeisselt: Wir schliessen unseren Laden auf ende März 16. Warum sollte das 2016 besser sein als das 2015? Das war unsere hauptsächlichste Frage zu unserer Entscheidung.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Eisbärin am 05.01.2016 00:39 Report Diesen Beitrag melden

    Bin ich

    Bin ich Alt oder zu Jung für das denken und für die Wirtschaft. Ich wollte es ignorieren, aber meine Doofheit ist stärker

  • Warnung am 04.01.2016 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    Darum verschlafe ich

    Darum verschlafe ich auch bei der Arbeit und die Wirtschaft auch mein Leben. Ich habe viel Schlaflosigkeit, hilft ein starker Kamillentee, am Morgen ein Sprung in den Bodensee, das ist gesund und stärkt den Charakter. Aber aufgepasst, nicht zuweit hinausschwimmen, man weiss nie, wann die nächste "Seegfröhrni" kommt.

  • Kreuzung am 04.01.2016 23:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft ist mir egal

    Wirtschaft ist mir egal, ich beschäftige mich lieber mit. Unterschied von Monolog zum Dialog. Das ist wie beim Autofahren, sie wollen immer nur grün haben an der Ampel, alle anderen haben den ganzen Tag rot. Haben sie es jetzt verstanden Mister X ? Falls immer noch nicht, versuchen sie es sich bildlich vorzustellen, sie sind nicht allein auf der Welt, es wäre ihnen doch zu langweilig, gell.

  • René B. am 04.01.2016 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Wirtschaft

    Schweizer Wirtschaft ist sehr schlecht für mein denken. Greife die Leute lieber an, darum ist mir die Wirtschaft auch egal. Mein Job hasse ich, ich hasse das Arbeitsleben.

  • Sayadina am 04.01.2016 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Greife die Leute

    Greife die Leute lieber an, darum ist mir die Wirtschaft auch egal.