Schuhe als Anlage

13. Oktober 2016 18:10; Akt: 14.10.2016 14:30 Print

Das grosse Geschäft mit raren Sneakers

Leidenschaftliche Schuh-Sammler treffen sich auf der Veranstaltung «Sole Season» in Basel. Aus einer überschaubaren Fan-Szene hat sich ein Milliardenmarkt entwickelt.

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Fangen wir bescheiden an: Der Nike Air Mag wurde für versteigert. Der Erlös ging an eine wohltätige Stiftung für Parkinson-Patienten. Das ist kein Zufall, denn der an Parkinson erkrankte Schauspieler Michael J. Fox trug die Air-Mag-Turnschuhe im Film «Zurück in die Zukunft II». Nike lancierte daraufhin eine limitierte Serie von 1500 Stück. Für diese Glitzer-Sneaker muss man schon etwas tiefer in die Tasche greifen: Sie kosten rund Laut dem «Business Insider» hatte eine Boutique in Atlanta die Idee, einen eigentlich normalen Turnschuh mit Diamanten zu verzieren, um ihn dann öffentlichkeitswirksam an einen Rapper zu verschenken. Das trieb den Preis nach oben. Und schon gehts in die sechsstelligen Beträge: Auf der Auktionsplattform eBay erzielte ein Paar Nike Air Jordan 12 OVO den stolzen Preis von . Der glückliche Verkäufer hatte die Sneakers bei einem Konzert von Rapper Drake geschenkt bekommen. Noch mehr Versteigerungsglück hatte ein Balljunge, dem Basketball-Legende Michael Jordan seine gebrauchten Nike Air Jordan XII geschenkt hatte. Mit viel Geschäftssinn gesegnet, bot der Bub die Turnschuhe auf eBay feil - und verkaufte sie für Zur Abwechslung mal kein Modell von Nike. Der «Fire Monkey» vom Luxushersteller Bicion stösst auch preislich in ganz andere Sphären vor wie die vorangegangenen Sneakers. Der Sneaker mit weissen Diamanten und blauen Saphiren kam für rund unter den Hammer. Der Erlös wurde an eine Organisation gespendet, die Menschen in der Dritten Welt unterstützt. Was wäre eine Superlativen-Liste ohne Kanye West? Der Rapper hat den «Red October» für Nike designt. Obwohl bei der Farbauswahl nicht sehr kreativ - rot mit rot und etwas rot -, war der Sneaker bei der Markteinführung innerhalb weniger Minuten vergriffen. Nicht viel später tauchten die ersten Modelle auf eBay auf - ein Paar für den Preis von Experten spekulieren aber noch darüber, ob Kanye das Ganze nicht als PR-Coup inszeniert hat.

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Was früher Turnschuhe waren, heisst heute Sneakers – Schuhe, für die in US-Sammlerkreisen um die 20'000 Dollar bezahlt werden, die als Anlageobjekte dienen und für die es eigene Indizes gibt. So verrückt ist die Schweizer Szene zwar nicht, aber Sammler-Leidenschaft gibt es auch hier.

Am 6. November trifft sich die Community, die sogenannte Sneakerhead-Gemeinde, in Basel. «Sole Season» heisst die Veranstaltung, die in der «Halle 7 / Blinde Kuh» bereits zum dritten Mal über die Bühne gehen wird. Auf Facebook sind am Donnerstag 259 Sneaker-Fans verzeichnet, die die «Sole Season» besuchen wollen, die Veranstaltung hat 384 Likes und 401 Interessenten. Die Veranstalter erwarten rund 1000 Besucher. Das wären etwa gleich viele wie im letzten Jahr.

Sneaker-Raritäten

Für Aussenstehende kommt dieser Anlass, der seit 2014 durchgeführt wird, wie eine Tauschbörse daher. In Tat und Wahrheit treffen sich hier jene Fans, die Sneakers sammeln und sich darüber auch austauschen. Raritäten werden gezeigt, getauscht und verkauft. Mit 2 Franken ist der Eintrittspreis mehr als erschwinglich.

«Die Community hier ist kuschelig und familiär», sagt Nadim Badinjki vom Edwin Surplus Store in Weil am Rhein gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Der Jeans-Laden tritt als einer der Sponsoren der Basler Veranstaltung auf.

Etwas grösser angerichtet wird in Zürich, wo sich die sogenannte Sneakerhead-Gemeinde zur «Sneakerness» jeweils Mitte April trifft. Zürich gilt neben Berlin, Amsterdam oder London als eine der europäischen Sneaker-Metropolen. Der eigentliche Hype spielt jedoch in den USA.

Einst Underground-Kult

Die «Sneakerhead«-Kultur gibt es bereits seit Jahrzehnten. Ursprünglich entstand der Kult in der Underground-Szene der Hip-Hop-Kultur. Es ging um Raritäten von Kultmarken wie Air Jordan oder Converse Chuck Taylor.

Doch jetzt hat sich aus einer überschaubaren Fan-Szene ein Milliardenmarkt entwickelt, den besonders die Sportartikel-Riesen wie Nike, Adidas oder Puma pushen.

Der Hype begann in den 1980er-Jahren, als Nike seinen «Airmax 1» oder Adidas den «Superstar» lancierten. Heute spannen die Konzerne spannen mit Rappern wie Kanye West oder Skatern zusammen oder sie orientieren sich an Filmen wie «Zurück in die Zukunft».

Daraus entstehen sogenannte Kollabos - Schuhe mit einem besonderen Design, orientiert eben an diesen Kollaborationen. Solche Sneakers, beispielsweise mit der Signatur eines Skaters, werden dann, im Voraus angekündigt, in limitierter Zahl auf den Markt gebracht.

Zum angekündigten Zeitpunkt sammeln sich lange Schlangen von Sneakerheads vor den Läden. Sie übernachten dort, um einen Platz möglichst weit vorne in der Schlange zu bekommen. Oder sie sitzen vor ihren Bildschirmen, um zum angekündigten Zeitpunkt ein begehrtes Modell zu ergattern. Da kann es dann vorkommen, dass der Riesenansturm schon mal Server zum Abstürzen bringt, erzählt Badinjski.

Heute ein Milliardengeschäft

Diese Jäger und Sammler in Sachen Sneakers kaufen dann nicht nur ein Paar, sondern zwei oder drei. Eines tragen sie selbst, eines stellen sie aus und ein weiteres verkaufen sie weiter. Und so entwickelt sich das Geschäft zur Geldanlage. An Online-Börsen werden Turnschuhe inzwischen wie Wertpapiere gehandelt.

Hier verwischt die Grenze zwischen Liebhaberei und Geldmacherei - kein Wunder angesichts des Wertsteigerungspotenzials der begehrten Ware. Das zeigt sich auf der Online-Börse der Sneakerheads.

Bei StockX werden limitierte Neuauflagen, aber auch Klassiker gehandelt. Das Unternehmen präsentiert seine Website im Stil einer Investment-Plattform – wie hoch welcher Schuh gerade im Kurs steht, wird anhand von Angebot und Nachfrage laufend ermittelt.

Das Ganze sieht aus wie bei Aktien, doch statt SMI, Dax oder Dow Jones stehen hier der Jordan- oder Nike-Index im Fokus. Der Index gibt an, welches geschätzte Volumen beispielsweise von Nike-Schuhen in den USA zu welcher Gesamtsumme innerhalb der letzten 24 Stunden verkauft wurde.

Das Angebot ist auf der Plattform unter dem Stichwort «Portfolios» zu finden. Dort finden sich dann so phantastische Angebote wie der «trumpcs» von Air Jordan zum Angebotspreis von 19'848 Dollar oder der «Jordan 4 Retro Eminem Carhartt» für 25'900 Dollar. Im Vergleich dazu muten Angebote wie das eines «soledoutcrew» für 292 Dollar wie wahre Schnäppchen an.

Konzerne schmücken sich mit Star-Appeal

Die exorbitanten Preisunterschiede ergeben sich im Übrigen auch aus der Anzahl angebotener Paare. So werden am Donnerstag vom «soledoutcrew» 943 Paare angeboten, während es vom «trumpcs» nur 22 gibt. StockX taxiert das Volumen dieses gesamten Zweitmarkts auf mehr als eine Milliarde Dollar.

Für Branchengrössen wie Nike oder Adidas ist dieses Segment der Nischenangebote attraktiv. Über die Gewinnspannen bei limitierten Modellen verraten die Unternehmen nichts – aus «Wettbewerbsgründen», wie ein Adidas-Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erklärt. Fest steht aber auch so: Der Hype stärkt die Marke. Und Partnerschaften, wie Adidas sie bei Yeezy Boost mit dem Rapper Kanye West eingegangen ist, verleihen Star-Appeal.

(nag/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • President Camacho am 13.10.2016 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötiges Zeugs

    Na toll! Fünf bis sechsstellige Beträge für einen Sneaker der dann zu schade ist um in anzuziehen. Tut man es dennoch, sehen sie in kürzester Zeit so verschlissen aus dass man die gleich in die Tonne treten kann.

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  • A.Wurz am 13.10.2016 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Photo Nr .4 / Nike Air Jordan XII

    Dieser Schuh war so etwas von "geil"....damit springst du 5 cm höher als mit allen Anderen (zu dieser Zeit)...doch ACHTUNG an alle die dies als "Geldanlage" sehen....es gibt tausende Fälschungen...

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  • Psais am 13.10.2016 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hässlich

    Und ich muss mir immer ein Lachen verkneifen wenn ich Leute mit solchen Schuhen sehe. Finde die echt hässlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • davicito am 14.10.2016 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlos! Weil Klebstoff lässt nach.

    Der Klebstoff an den Sneakers hält nicht ewig! Bereits nach 2-3 Jahren lässt der Klebstoff nach. Deshalb ist es Sinnlos so viel Geld für Sneakers auszugeben die nicht einmal halten.

  • Erich am 14.10.2016 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Sammeln

    Ich habe nie verstanden, wieso man sich eine Sammlung von was auch immer zulegt...? Was gibt einem das? Was kann man damit anstellen?

    • Erich am 14.10.2016 12:17 Report Diesen Beitrag melden

      nicht wertend.

      Wieso Daumen runter? Das war eigentlich gar nicht wertend gemeint. Würde mich halt einfach wunder nehemen :)

    • Nicht Sammler am 14.10.2016 15:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Erich

      Ganz einfach, weil es Menschen gibt, denen die Sneakers gefallen und wenn die dann noch selten sind, dann kommen eben höhere Preise dabei raus. Das gleiche gilt für Briefmarkensammler und was man sonst noch so sammeln kann (eigentlich alles) :)

    • Erich am 14.10.2016 16:08 Report Diesen Beitrag melden

      Geld

      @Nicht Sammler: Also geht es schlussendlich dabei nur ums liebe Geld?

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  • airpresto am 14.10.2016 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nikesonmyfeet

    114 paar Nikes inzwischen und es werden immer mehr:D und dies auf Kosten von euch allen :P Arbeitslos

    • No Problem am 14.10.2016 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @airpresto

      Kauf ruhig noch ein paar mehr. Die paar 1000 Stutz machen uns arbeitende Bevölkerung nicht arm. Wir sind dafür reich im Kopf.

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  • Mann am 14.10.2016 01:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ballerinas

    Wenn schon dann schöne Ballerinas von Frauen! Aber sicher nicht stinkene grobklotzige Sneakers!

    • Fritz am 14.10.2016 12:18 Report Diesen Beitrag melden

      Nein danke

      Ballerinas sind die hässlichsten Frauenschuhe die ich kenne.

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  • L.S. am 13.10.2016 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtigstellung

    Der Nike Air Mag wurde für 104'000.- dollar via Auktionshaus verkauft. Der Erlös geht an die Michael J. Fox Foundation.