Alusuisse, UBS, SGS

25. Juli 2018 14:13; Akt: 25.07.2018 15:43 Print

Marchionne und seine Stationen in der Schweiz

von S. Spaeth - Der Fiat-Sanierer Sergio Marchionne ist am Mittwoch in Zürich gestorben. Der Topmanager lebte in Schindellegi und machte wichtige Karriereschritte in der Schweiz.

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Sergio Marchionne ist am Mittwoch im Universitätsspital Zürich gestorben. Für den Topmanager spielte die Schweiz eine wichtige Rolle. Der offizielle Wohnsitz von Sergio Marchionne war das Steuerparadies Schindellegi, das zur Gemeinde Feusisberg zählt. Er wohnte in der Luxusüberbauung Sunset (Bild). Wegen seines Wohnsitzes im Kanton Schwyz gehörte Marchionne zu den reichsten Menschen in der Schweiz. Laut «Bilanz» hatte er ein geschätztes Vermögen von 550 Millionen Franken. 1997 stieg der studierte Philosoph, Anwalt und Wirtschaftsprüfer bei Alusuisse zum CEO auf. Bei der Firma traf Marchionne Christoph Blocher und Martin Ebner, die beide namhafte Anteile am Konzern besassen. Nach der Fusion von Alusuisse mit der kanadischen Firma Alcan wurde der stets locker gekleidete Manager Chef des abgespaltenen Chemie- und Pharmaunternehmens Lonza mit Sitz in Basel. 2002 wurde Marchionne zum Chef des Genfer Warenprüfkonzerns SGS gerufen. Von 2006 bis letztes Wochenende war er Präsident des Genfer Unternehmens. Von 2007 bis 2010 sass der bekannteste Manager Italiens im Verwaltungsrat der sich damals in Schieflage befindenden UBS. Vor dem Unispital Zürich hatten sich im Vorfeld des Todes von Marchionne etliche Journalisten eingefunden. Der Unternehmer trat kurz vor seinem Tod sowohl als Chef von Fiat-Chrysler ... ... als auch von Ferrari zurück. Entscheidend soll Marchionne auch beim Millionen-Deal zwischen Fussballstar Cristiano Ronaldo und Juventus Turin gewesen sein. Ronaldos neuer Arbeitgeber ist im Besitz der italienischen Familie Agnelli. Über die Gesellschaft Exor kontrolliert sie Fiat-Chrysler und Ferrari. Marchionne zeigte sich nicht nur eigenwillig in seinem Unternehmertum. Auch bei der Kleiderwahl setzte er auf Konsequenz: dunkler Pulli, dunkle Hosen.

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Am Ende ging alles sehr schnell. Nur rund drei Tage nachdem der Fiat-Chrysler-Konzern (FCA) darüber informiert hatte, Sergio Marchionne müsse aus gesundheitlichen Gründen alle seine Ämter beim italienisch-amerikanischen Autobauer abgeben, ist der Topmanagers gestorben. «Sergio Marchionne, ein Mann und Freund, ist fort», teilte der Fiat- und Ferrari-Präsident John Elkann am Mittwochmittag mit. Marchionne verstarb im Alter von 66 Jahren im Universitätsspital Zürich. Nach einer Schulteroperation war es zu unerwarteten Komplikationen gekommen.

Das sind die Bezugspunkte von Segio Marchionne in der Schweiz:

• Wohnort:
Der offizielle Wohnsitz von Sergio Marchionne war das Steuerparadies Schindellegi (SZ), das zur Gemeinde Feusisberg zählt. Marchionne war 2016 aus Walchwil (ZG) in den Kanton Schwyz umgezogen und soll neben dem DKSH- und Kühne+Nagel-Verwaltungsratspräsidenten Jörg Wolle gewohnt haben. Der ehemalige Fiat-Chef wohnte in der Luxusüberbauung Sunset hoch über dem Zürichsee. Er pendelte zwischen Schindellegi und seinem Zweitwohnsitz Turin, wo er im Fiat-Verwaltungsrat sass. Marchionnes Frau und die Kinder leben in der Romandie.

• Einer der Reichsten:
Aufgrund seines Schweizer Wohnorts wurde der italienisch-kanadische Manager in die «Bilanz»-Liste der 300 Reichsten aufgenommen. Er wird auf Rang 181 geführt. Das Magazin schätzt sein Vermögen, das unter anderem von Beteiligungen an Ferrari und CNH, eines Herstellers von Lastwagen und Traktoren, stammt, auf 550 Millionen Franken.

• Chefposten bei Alusuisse und Lonza:
Marchionne machte sich einen Namen als Sanierer. Diese Qualitäten waren auch bei seinen Engagements in der Schweiz gefragt. 1997 stieg der studierte Philosoph, Anwalt und Wirtschaftsprüfer bei Alusuisse zum CEO auf, kurz nachdem er als Finanzchef von Kanada in die Schweiz geholt worden war. Bei Alusuisse traf Marchionne Christoph Blocher und Martin Ebner, die beide namhafte Anteile am Konzern besassen und im Verwaltungsrat sassen. Nach der Fusion von Alusuisse mit der kanadischen Firma Alcan wurde der Italo-Kanadier Chef des abgespaltenen Chemie- und Pharmaunternehmens Lonza mit Sitz in Basel. Marchionnes Deal mit der Abspaltung soll Ebner und Blocher je rund 500 Millionen Franken eingebracht haben.

• Sanierer bei SGS:
2002 wurde Marchionne als Sanierer zum CEO des Genfer Warenprüfkonzerns SGS gerufen. Innerhalb von zwei Jahren trennte er sich von 3000 Mitarbeitern. Hier waren die Qualitäten des Managers gefragt, womit er später Fiat zum Erfolg führte. Er setzte enorm hohe Ziele, von denen er sich laut der «Bilanz» felsenfest überzeugt zeigte. Marchionne reüssierte auch bei SGS, was der italienischen Fiat-Besitzer-Familie Agnelli, die auch an SGS beteiligt war, imponierte. Umberto Agnelli berief ihn 2004 zum CEO von Fiat. Mit SGS blieb Marchionne in Kontakt: Von 2006 bis letztes Wochenende war er Präsident des Genfer Unternehmens.

• Verwaltungsrat bei der UBS
Auch die Schweizer Grossbank UBS setzte auf die Hilfe des Italo-Kanadiers. Von 2007 bis 2010 sass der bekannteste Manager Italiens im Verwaltungsrat der sich damals in Schieflage befindenden Bank. 2008 musste der Staat der Bank unter die Arme greifen. Die relativ kurze Amtszeit war jedoch prägend, denn er war mitverantwortlich für die Absetzung von CEO Marcel Rohner. Marchionne war bei der UBS Mitglied im Governance- und Nominating-Komitee, zuständig für die Einhaltung von Vorschriften und die Besetzung von Chefposten.