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18. Juli 2018 18:53; Akt: 18.07.2018 18:53 Print

Das heisst es im Schreiben zu Gisels Rücktritt wirklich

von S. Spaeth - Wie trennt sich eine Bank von ihrem CEO, ohne ihm die Zukunft zu verbauen? 20 Minuten hat das Communiqué zum Abgang mit einem Experten angeschaut.

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So hat die Genossenschaftsbank den Abgang ihres CEO Patrik Gisel kommuniziert. Krisenkommunikationsexperte Sacha Wigdorovits hat für 20 Minuten das Schreiben von Raiffeisen analysiert. Der Verwaltungsrat der Raiffeisenbank befasste sich in den letzten Tagen mit der Personalie Gisel. Hans Geiger, Bankenexperte und emeritierter Professor an der Uni Zürich, sagte zu 20 Minuten: «Ende Jahr ist Gisel wohl nicht mehr bei der Raiffeisen.» Und tatsächlich: Am Mittwoch, 18. Juli, gibt Gisel seinen Rücktritt bekannt. Gegen Gisel, der das Amt des CEO seit 2015 innehat, spricht viel. Gisel ist seit 2000 bei der Raiffeisenbank und war jahrelang die Nummer zwei von Pierin Vincenz (Bild), der damals CEO war. Letzterem werden Vorwürfe wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gemacht. Sollte der ehemalige Vize-Chef von Vincenz' Machenschaften etwas gewusst und nichts gesagt haben, wäre das Grund genug, ihm nicht mehr zu vertrauen. Sonst stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass er über Jahre nichts davon gemerkt hat. Laut «Inside Paradeplatz» werden bereits zwei Kandidaten als Gisels potenzielle Nachfolger gehandelt: Raiffeisen-Finanzchef Christian Poerschke und Urs Gauch, der zurzeit das Departement Firmenkunden der Bank leitet. Vielen Beobachtern wäre es allerdings wohler, wenn der Neuanfang mit einem externen Kandidaten stattfände. Ausschlaggebend für die Wahl dürfte der VR-Präsident sein. Diesen Posten hat derzeit interimistisch Pascal Gantenbein (l.) inne, der aber Gisel bisher das Vertrauen aussprach. Es gibt Genossenschaftler, die sich offen gegen Gisel aussprechen: «Alle Verantwortlichen aus der Ära Vincenz müssen weg, auch der heutige CEO Gisel», zitiert etwa der «Blick» Marc Kaeslin, VR-Präsident der Raiffeisenbank Horw. Aus dem Untersuchungsbericht der Finma zur Vincenz-Affäre geht laut Medienberichten hervor, dass die Geschäftsleitung um Vincenz und Gisel ein sogenanntes Klumpenrisiko nicht erkannt hat. In seiner Kapazität als Informatikchef hat Gisel die IT-Plattform der Bank ersetzt – und sie funktioniert bis heute noch nicht richtig.

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Lange verteidigte er seinen Führungsjob und auch der Verwaltungsrat hat ihm noch bis vor kurzem öffentlich den Rücken gestärkt: Patrik Gisel, seit Oktober 2015 an der Raiffeisen-Spitze und Ziehsohn des gefallenen Raiffeisen-Übervaters Pierin Vincenz. Am Mittwochmorgen dann die Wende. Die Genossenschaftsbank informiert über Gisels Abgang per Ende Jahr. 20 Minuten hat das Schreiben mit dem Krisenkommunikationsexperten Sacha Wigdorovits analysiert.

Abtritt
Das schreibt Raiffeisen:
«Patrik Gisel hat sich entschieden, sein Amt als Vorsitzender der Geschäftsleitung per Ende des Jahres niederzulegen.»

Das sagt der Kommunikationsprofi:
«Es war längst klar, dass Patrik Gisel gehen muss. Er war zu nahe dran an dem in Verruf geratenen Pierin Vincenz. Weil der Verwaltungsrat Gisel aber nicht die Zukunft verbauen will, lässt man es nach einem freiwilligen Rücktritt aussehen. Die Formulierung hilft, dass beide Seiten ihr Gesicht wahren können. Rein rechtlich gesehen könnte es zudem durchaus stimmen, dass Gisel selbst gekündigt hat. Aber wohl erst nachdem der Verwaltungsrat ihn zum Rücktritt aufgefordert hat.»

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Reputation
Das schreibt Raiffeisen:
«Mit meinem Rücktritt möchte ich die öffentliche Debatte um meine Person und die Bank beruhigen und die Reputation von Raiffeisen schützen», begründet Patrik Gisel seinen Entscheid.

Das sagt der Kommunikationsprofi:
«Für die Reputation der Raiffeisen und den Neuanfang im Unternehmen ist es positiv, dass Gisel abtritt. Die Formulierung ist darauf ausgelegt, zu unterstreichen, dass der Rücktritt freiwillig war. Das Communiqué soll Gisel einen Abgang in Ehren ermöglichen. Das ist auch gut, so klar ist aber: In Fachkreisen glaubt niemand, dass er von sich aus gegangen ist. Das weiss auch der Verwaltungsrat.»

Integrität
Das schreibt Raiffeisen:
«Der Verwaltungsrat von Raiffeisen hält ausdrücklich fest, dass weder das Enforcement-Verfahren der Finanzmarktaufsicht noch die Zwischenresultate der unabhängigen Untersuchung zur Ära Pierin Vincenz Patrik Gisel aufsichtsrechtlich belasten – seine Integrität steht ausser Zweifel.»

Das sagt der Kommunikationsprofi:
«Die Bank will mit diesem Statement unterstreichen, dass zum heutigen Zeitpunkt nichts gegen Patrik Gisel vorliegt. Es ist ein Gebot der Fairness ihm gegenüber, dass Raiffeisen dies ausdrücklich erwähnt. Schliesslich geht es ja auch um Gisels berufliche Zukunft.»

Nachfolgersuche
Das schreibt Raiffeisen:
«Ich werde mein Amt bis Ende 2018 ausüben und damit eine geordnete Übergabe der Geschäftsführung garantieren. Selbstverständlich werde ich den Verwaltungsrat auch beim Prozess zur Suche meines Nachfolgers unterstützen», lässt die Raiffeisen-Medienstelle als ergänzendes Statement Gisels verbreiten.

Das sagt der Kommunikationsprofi:
«Dass Gisel seine Unterstützung bei der Nachfolgersuche anbietet, ist eher unglücklich. Der Verwaltungsrat wird das auch nicht in Anspruch nehmen. Er wird sich durch eine der grossen auf solche Stellenbesetzungen spezialisierten Rekrutierungsfirmen unterstützen lassen. Letztlich wird die Finanzmarktaufsicht Finma dabei ein entscheidendes Wort mitreden.»

Zukunft
Das schreibt Raiffeisen:
«Ich hoffe, dass mit diesem Schritt wieder vermehrt die hervorragenden Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Raiffeisen sowie die guten Resultate im Vordergrund stehen werden», lässt die Raiffeisen-Medienstelle als ergänzendes Statement Gisels verbreiten.

Das sagt der Kommunikationsprofi:
«Das ist eine Botschaft gegen innen. Gisel will Wertschätzung gegenüber seinen Untergebenen zeigen. Es ist davon auszugehen, dass es jetzt ruhiger wird in der Raiffeisen-Affäre. Noch ist aber offen, was die laufenden Untersuchungen zutage fördern.»

Was Gisel Anfang März zum Abgang von Pierin Vincenz sagte, sehen Sie im Video:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Deine Oma am 18.07.2018 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas gehört geändert!

    In der Migros "klaut" eine Mitarbeiterin ein paar Bananen die zum wegwerfen gedacht waren und kriegt die Kündigung, hingegen lassen es die sogenannten Leistungsträger unserer Gesellschaft mächtig krachen und werden für schlechtes Verhalten noch belohnt. Das Problem liegt am fehlerhaften System wie unsere gesamte Gesellschaft aufgebaut ist! Aber was solls, es scheint ja so in dieser Welt das man nur weiterkommt, wenn man auf der dunkeln Seite der Macht ist. Somit sind Verhaltensregeln wie teilen, helfen, etc. die man im Kindergarten lernt im späteren Leben eher von Nachteil!

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  • Tito am 18.07.2018 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Millionen

    Hätte ein Mitarbeiter 2 Stufen unter ihm das Selbe gemacht wie er, könnte dieser heute nie mehr arbeiten, weil ihm alles rechtlich mögliche gedroht hätte.

  • karin am 18.07.2018 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Die richtige Frage ist:

    müsste er nicht auch schon lange in U-Haft sitzen. 5 Jahre nichts gesehen oder gehört....das ist die richitge Frage, nicht ob er eine Abgangsentschädigung erhält.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • nils brandenberg am 18.07.2018 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    next ceo

    rolf olmesdahl soll es sein! aus den befreiten fesseln von gisel wuerde olmi outperformen. die it-problematik ist nicht auf seinem mist gewachsen - er hat das, was man noch korriegieren konnte korrigiert.

  • Ehrenmann alter Schule, heute 82. am 18.07.2018 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Man erkenne: Es ist kein Unterschied.

    Unsere Elite besteht aus Ehrenmännern und Ehrenfrauen. Es gibt ungeschriebene Gesetze unter Ganoven, was dasselbe ist, wie die ungeschriebenen Gesetze unter Ehrenleuten. Es gibt keinen Unterschied.

  • emf949 am 18.07.2018 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Genossen

    Die Genossen der ersten Klasse haben den Wort gesprochen: die Genossen der zweiten Klasse können sich wieder voll der Arbeit widmen.

  • Tiberius am 18.07.2018 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wandel

    Gut, dass es jetzt langsam anfängt, dass Banker und Wirtschaftsbosse, zwar noch rudimentär, aber doch zur Rechenschaft gezogen werden. Ein nächster Schritt wird dann sein, auch Politiker/Innen klar zu machen, dass sie letztendlich mit einer juristischen Aufarbeitung ihres Handelns zu rechnen haben. Vielleicht dauert das noch ein paar Jahre, aber ein Wandel ist spürbar.

  • Kurt L. am 18.07.2018 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Charakter

    Wenn dieser Herr, Charakter zeigt verschwindet er Heute noch und nicht erst Morgen. Eine Genossenschaft ist die Raiffeisen schon lange nicht mehr. Beispiel Raiffeisen Herznach: Diese Bank wird Umgebaut,das Personal abgebaut, Automaten aufgebaut.Ganz tolle Ideen. So wird Optimiert um Gisel den Abgang zahlen zu können