Atomkatastrophe

29. März 2011 12:10; Akt: 29.03.2011 13:18 Print

Das japanische Volk soll die Zeche zahlen

Japan denkt über die Verstaatlichung des AKW-Betreibers Tepco nach. Dem Konzern drohen Forderungen in Milliardenhöhe. Das Volk davon zu überzeugen, dürfte schwierig sein.

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Die japanische Regierung erwägte die Firma Tepco, die in Fukushima das Atomkraftwerk betrieb, zu verstaatlichen. (Bild: Keystone)

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Auch mehr als zwei Wochen nach dem Tsunami gibt es wenig Hoffnung, dass die Techniker und Hilfskräfte die Atomkatastrophe rasch eindämmen können. Seit Montag ist zudem klar, dass es in einem Reaktor von Fukushima zu einer Kernschmelze gekommen ist.

Laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo prüft die Regierung nun die Verstaatlichung der Energiekonzerns Tepco, welcher in Fukushima eine Reaktorruine besitzt, die wohl wird zubetoniert werden müssen. Eine Verstaatlichung sei eine Option, sagte der Minister für die Nationale Strategie, Koichiro Gemba. «Es ist logisch, darüber zu diskutieren, wie Tepco in Zukunft funktionieren sollte».

Die offizielle Haltung der Regierung ist noch eine andere. «Zu diesem Zeitpunkt» erwäge die Regierung nicht die Verstaatlichung des Unternehmens, so Regierungssprecher Yukio Edano. Und der Energieriese Tepco, der in Japan über 44 Millionen Kunden mit Strom versorgt, liess verlauten, ihm seien keine solchen Pläne bekannt. Dabei gilt es zu bedenken: Zuletzt hatten sowohl Tecpo wie auch die Regierung stets selektiv und nicht immer offen informiert. Die Zeitung «Yomiuri Shimbun» berichtete am Dienstag unter Berufung auf Regierungskreise, die Regierung erwäge bei der Aktiengesellschaft eine Mehrheit zu übernehmen.

Kredit für Entschädigungen

Seit Beginn der Katastrophe hat der Akteinkurs von Tepco – nachdem die Aktie zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt worden war – mehr als zwei Drittel ihre Wertes verloren. Zudem hat auch das Image von Tepco in der japanischen Öffentlichkeit stark gelitten. Das Volk vom Sinn einer Verstaatlichung des angeschlagenen Energiekonzerns zu überzeugen, dürfte daher schwierig sein, zumal auf den Betreiber des AKW in Fukushima gewaltige Entschädigungszahlungen zukommen könnten.

Tepco hat laut dem «Wall Street Journal» angekündigt, sich auf dem Kapitalmarkt zwei Billionen Yen beschaffen zu wollen, was umgerechnet 22,4 Milliarden Franken entspricht. Ob der Stromkonzern diese Summen an Geschädigte auszahlen muss, hängt von der Einstufung der Katastrophe durch die Regierung ab: Stuft Japan den Reaktorunfall als Folge einer «schwerwiegenden Naturkatastrophe mit ausserordentlichem Charakter» ein, kommt Tepco glimpflich davon. In diesem Fall müsste der japanische Staat für den Grossteil der Schäden aufkommen.

Staat zahlt sowieso

Dass der Staat für einen gewissen Teil der Schäden aufkommt, gilt aber bereits jetzt als sicher. Der Minister für die Nationale Strategie deutete an, dass der Staat die Kosten übernehmen könnte, die Tepco selbst nicht zahlen kann. «Da der Staat Atomenergie gefördert hat, ist es notwendig, dass der Staat letztlich die Verantwortung übernimmt», so Koichiro Gemba.


(sas/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andreas Dietrich am 29.03.2011 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Überraschung

    Teure Energie! Verkrüppelte Kinder, krebserregendes Trinkwasser, höhere Steuern etc. Warum hauen die Japaner nicht einfach ab? Weil dem, der auch nur für Ferien, jetzt seinen Arbeitsstelle verlässt, sofort gekündigt wird! Sowas nennt man Zwangssolidarität oder besser AKW-Knast. - Aber Hauptsache der Strom für die Industrie war billig.

  • api bat am 29.03.2011 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    volk trägt schulden und hat kein gewinn

    Wann kommt die gewinnsteuer auf Aktien denn oben gelesen tragen wir ja schon die schulden und das einknicken von unternehmen!!! mehr soziale gerechtigkeit!

  • G.Z. am 29.03.2011 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Nun denn

    Jetzt soll Japan mal durchrechnen, wie günstig diese Energie wirklich war... diese Rechnung wird gesalzen sein!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alles im Griff? am 05.04.2011 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    Gewinne für die Zocker

    Verluste für das Volk. Was in Japan abläuft würde in der Schweiz nicht besser gemacht. Auch unsere AKW-Verantwortlichen haften bei einem Gau nur für die Kaffeekasse, für den Schaden würde der Steuerzahler und seine nächsten Generationen haften.

  • Todsicher am 29.03.2011 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Ist die Katastrophe nicht aufzuhalten

    erhöht man einfach die Grenzwerte und die AKW's sind sofort wieder sauber. Allfällige gesundheitliche Probleme der Menschen können somit nicht den Strahlungswerten unter dem Grenzwert zugeordnet werden und die Betreiber sind aus der Haftung entlassen. Eine perverse Art der Problemlösung auf Kosten der Natur und der Menschen. Längst haben wir begriffen, dass AKW-Betreiber ihre Sicherheitskonzepte nicht beherrschen. AKW-Strom wird wohl zur teuersten Energie, rechnet man die Störfälle, die Katastrophen, die Flickarbeit und die Folgekosten für kommende Generationen mit ein.

  • Andreas Dietrich am 29.03.2011 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Überraschung

    Teure Energie! Verkrüppelte Kinder, krebserregendes Trinkwasser, höhere Steuern etc. Warum hauen die Japaner nicht einfach ab? Weil dem, der auch nur für Ferien, jetzt seinen Arbeitsstelle verlässt, sofort gekündigt wird! Sowas nennt man Zwangssolidarität oder besser AKW-Knast. - Aber Hauptsache der Strom für die Industrie war billig.

  • landschäftler am 29.03.2011 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Arten Energie zu sparen gibt es viele...

    Energie sparen kann jeder, wenn er oder sie es will. Z.B. kann man in der Freizeit auch mal wieder handarbeiten oder basteln, statt elektronische Spiele zu machen. Wer spielen will; wie wäre es wieder mal mit Eile mit Weile etc; ist doch auch lustig?

  • G.Z. am 29.03.2011 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Nun denn

    Jetzt soll Japan mal durchrechnen, wie günstig diese Energie wirklich war... diese Rechnung wird gesalzen sein!