Unbezahlte Rechnung

20. November 2019 17:47; Akt: 22.11.2019 09:13 Print

Das kostet eine Mahnung bei deinem Handyanbieter

von B. Scherer - Wer seine Rechnung zu spät bezahlt, wird von Schweizer Telecomanbietern zur Kasse gebeten. Die Mahngebühren sind laut Konsumentenschutz aber viel zu hoch.

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Wer die Rechnung seines Telekomanbieters zu spät bezahlt, wird zur Kasse gebeten. Doch nicht jeder Anbieter verlangt gleich viel. Deshalb haben der Konsumentenschutz und Dschungelkompass.ch die Mahngebühren der grössten Telekomunternehmen unter die Lupe genommen. Alle untersuchten Anbieter versenden eine erste Zahlungserinnerung kostenlos. Diese kommt bei den meisten per SMS oder E-Mail. Nur UPC verschickt keine Zahlungserinnerung. Dafür ist die erste Mahnung per Post kostenlos. Anbieter wie Salt und Sunrise verlangen 30 Franken für die erste Mahnung. Auch Swisscom verlangt für die erste Mahnung per Post 30 Franken. Diese muss aber nicht bezahlt werden, wenn der Rechnungsbetrag innerhalb der neu gesetzten Frist beglichen wird. Übersicht zu den Mahngebühren der untersuchten Telekomanbieter. Sara Stalder, Geschäftsleiterin beim Konsumentenschutz, bemängelt die Mahngebühren. Diese seien zu teuer. Zudem: «Die Anbieter können den Anschluss sperren, da macht es keinen Sinn, dass sie vorab so hohe Gebühren verlangen.» So sperren fast alle untersuchten Telekomanbieter den Anschluss nach der zweiten oder dritten Mahnung. Eine Wiederaufschaltung erfolgt bei den meisten Anbietern kostenlos. Am teuersten sind Yallo und Lebara: Die Wiederaufschaltung kostet 75 Franken. Dabei sind Rechnungen der häufigste Grund, wieso es zu Streit mit dem Telekomanbieter kommt. Wer sich nicht einigen kann, wendet sich dann an die Ombudscom. Diese leitet, wenn nötig, ein Schlichtungsverfahren ein. Wie oft Swisscom, Sunrise, Salt und UPC solche Verfahren durchlaufen, war bisher unbekannt. Jetzt konnte SRF die Daten zum ersten Mal einsehen. Die Auswertungen von SRF zeigten: In den letzten fünf Jahren wurden über 6000 Schlichtungsverfahren durchgeführt. Über 3000 der Verfahren betrafen die vier grossen Schweizer Telekommunikationskonzerne: Swisscom, Sunrise, Salt und UPC. Die meisten Verfahren fielen auf Salt. Bei Salt machten falsche oder zu teure Rechnungen über 40 Prozent der Verfahren aus. Laut Salt-CEO Pascal Grieder habe Salt tatsächlich Probleme gehabt und diverse IT-Umstellungen hinter sich. Aber: «Das ist ein Bereich, in dem wir uns deutlich verbessert haben.» Roamingkosten und Vertragskündigungen sorgten ebenfalls für viele Ärgernisse bei den grossen Schweizer Telekom-Anbietern. Immer wieder stellt sich auch die Frage, wer von den grossen Schweizer Telekomfirmen bietet eigentlich das beste Netz? Die britische Firma Opensignal hat die Netze der Schweizer Telekom-Anbieter Swisscom, Sunrise und Salt analysiert und dabei die 4G-Verfügbarkeit oder die Download- sowie Upload-Geschwindigkeit gemessen: Bei der Verfügbarkeit von 4G ist der Gewinner. In 93 Prozent aller Verbindungsversuche haben die Sunrise-Kunden 4G-Empfang, wie der «Tages-Anzeiger» mit Verweis auf Opensignal schreibt. Während auch bei Swisscom die Quote über 90 Prozent liegt, schneidet Salt am schlechtesten ab. Hier schwenkten die Geräte öfter auf die langsameren Netze 3G und E um. Wer Inhalte aus dem Netz so schnell wie möglich auf das Smartphone laden möchte, ist hingegen bei der mit 40,4 Mbps im Schnitt am besten bedient. Klar langsamer ist die Download-Geschwindigkeit bei Sunrise (33,5 Mbps) und bei Salt (30,2 Mbps). Bei der Upload-Geschwindigkeit sind die Unterschiede weniger markant. Die Anbieter liegen fast gleich auf. Mit 12 Mbps liegt aber leicht vor Salt und Swisscom. Noch weniger Unterschiede gibt es beim Video-Erlebnis. Alle drei Anbieter erhalten im Test die Note «sehr gut» und erreichen über 68 von 100 Punkten. Das heisst: Sowohl bei Swisscom, Sunrise und Salt gibt es nur selten stockende Video-Bilder oder lange Ladezeiten. Unter dem Strich schneidet die dennoch leicht besser ab als die beiden anderen Anbieter. Bei der Latenzzeit geht es um die Verzögerung bei der Übertragung etwa eines Sprachsignals vom Sender zum Empfänger. Je kleiner die Latenzzeit also, desto besser. Gewinner ist hier die mit einer Latenzzeit von 30,8 Milisekunden. Etwas mehr haben Sunrise und Salt. Insgesamt haben aber alle drei Anbieter eine relativ kurze und damit «gute Reaktionszeit». Mit einem Schnitt von 34 Millisekunden gehören die Schweizer Anbieter sogar international zur Spitze. Auch über alle Kategorien gesehen spielt die Schweiz im Ländervergleich vorne mit. Insgesamt hat Opensignal die Netze in 87 Ländern analysiert. In fast allen Kategorien sind die Schweizer Anbieter in den Top 10 zu finden. Damit hat die Schweiz eines der besten Netze weltweit, schreibt der «Tages-Anzeiger». Bei der 4G-Verfügbarkeit schafft es die Schweiz hingegen nicht in die Top Ten und kommt mit einem Schnitt von 89,6 Prozent auf Platz 14. An der Spitze liegt Südkorea. Dort erhalten die Handy-Besitzer in 97,5 Prozent der Zeit eine 4G-Verbindung. Eine Quote von über 90 Prozent haben auch Länder wie Japan, Norwegen, die USA oder Schweden.

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Die Rechnung achtlos beiseitegelegt oder schlicht kein Geld auf dem Konto gehabt, schon ist es passiert: Die erste Mahnung flattert ins Haus. Wer die Rechnung seines Telecomanbieters zu spät bezahlt, wird zur Kasse gebeten. Doch nicht jeder Anbieter verlangt gleich viel. Deshalb haben der Konsumentenschutz und Dschungelkompass.ch die Mahngebühren der grössten Telecomunternehmen unter die Lupe genommen.

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Alle untersuchten Anbieter versenden eine erste Zahlungserinnerung kostenlos. Diese kommt bei den meisten per SMS oder E-Mail. Nur UPC verschickt keine Zahlungserinnerung. Dafür ist die erste Mahnung per Post kostenlos.

Mahnungen sind zu teuer

Anbieter wie Salt und Sunrise verlangen 30 Franken für die erste Mahnung. Auch Swisscom verlangt für die erste Mahnung per Post 30 Franken. Diese muss aber nicht bezahlt werden, wenn der Rechnungsbetrag innerhalb der neu gesetzten Frist beglichen wird. Auch darf der Kunde in den letzten 12 Monaten keine Mahnung erhalten haben.

Für eine zweite Mahnung müssen Kunden von Salt, Sunrise und Swisscom erneut 30 Franken bezahlen. UPC verlangt dann 25 Franken.

«Ich finde diese Gebühren viel zu hoch», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin beim Konsumentenschutz zu 20 Minuten. Die Preise hätten sich einander angepasst, es bestehe kein Wettbewerb mehr. Zudem: «Die Anbieter können den Anschluss sperren. Das ist eine so grosse Bestrafung, da macht es keinen Sinn, dass sie vorab so hohe Gebühren verlangen.»

Wiederaufschaltung kann sehr teuer kommen

So sperren fast alle untersuchten Telecomanbieter den Anschluss nach der zweiten oder dritten Mahnung. Während bei Salt eine vollständige Sperrung nach der zweiten Mahnung für 50 Franken erfolgt, sperren Sunrise und Yallo nur einen Teil des Angebots: In einem ersten Schritt werden nur kostenpflichtige Dienste wie Roaming und ausgehende Anrufe blockiert. Die Annahme von Anrufen ist weiterhin möglich.

Eine komplette Sperrung kostet auch bei Sunrise und Yallo 50 Franken. Eine Wiederaufschaltung erfolgt bei den meisten Anbietern kostenlos. Am teuersten sind Yallo und Lebara: Die Wiederaufschaltung kostet 75 Franken.

Alle Leistungen sind teurer geworden

Die Mahngebühren haben sich laut Analyse in den letzen Jahren deutlich erhöht. Vor zehn Jahren kostete eine Mahnung bei Swisscom noch 15 Franken, bei der UPC-Vorgängerin Cablecom 10 Franken. Auch neue SIM-Karten sind bei den meisten Anbietern viel teurer geworden. Zudem verlangen die meisten Telecomanbieter seit einiger Zeit sogar Gebühren für die Zustellung einer Papierrechnung.

Stalder kritisiert diese Entwicklung: «Vordergründig locken die Telecomanbieter mit Rabatten Kunden an, im Hintergrund erhöhen sie die Gebühren.» Für die Konsumenten werde es damit immer schwieriger, die verschiedenen Angebote zu vergleichen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani am 20.11.2019 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erste Erinnerungen kostenlos!

    Eine Rechnung ist schnell einmal vergessen, das kann ich verstehen, aber die ersten Zahlungserinnerungen sind ja bei allen gratis. Spätestens dann sollte man eben einzahlen, wer es dann wieder vergisst oder absichtlich nicht bezahlt, ist selber schuld. Die Gebühren sind also zwar hoch, aber gut vermeidbar.

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  • Dänu am 20.11.2019 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fristgerecht bezahlen. Punkt.

    Bezahlt man die Rechnungen fristgerecht, hat man keine Mahnung und Kosten zu befürchten. So einfach ist das.

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  • Züri Horner am 20.11.2019 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2019

    Bezahlt einfach die Rechnungen, dann gibt es keine Mahngebühr. Die Zahlungsmoral in der Schweiz wird immer bedenklicher.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fabian am 21.11.2019 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Floskeln von Swisscom

    stimmt leider so nicht ganz. Swisscom sagt die erste Mahnung koste nix, aber damit meint sie allgemein 1 Mahnung innerhalb von einem Jahr. hat man mehr, wird einem sofort bei der ersten erinnerung die 30 Franken draufgehauen. Man erhält auch keine Zahlungserinnerung

    • M. Einung am 21.11.2019 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fabian

      dann würde ich es mit pünktlich Bezahlen versuchen. Swisscom hat ja die Leistung bereits erbracht. Fast ein wenig frech, ihr Kommentar (Kopfschüttel)..

    • struppilu am 21.11.2019 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fabian

      Doch und zwar bekommt man eine Zahlungserinnerung per SMS und zwar mit neuem Zahlungsziel.

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  • empty()set am 21.11.2019 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Salt: 0 + 20 Franken

    Ich habe bei Salt einmal eine Mahnung über 0 Franken plus 20 Franken Mahngebühr erhalten. Ich hatte die Rechnung zwar (ausnahmsweise) zu spät bezahlt, aber noch vor sie die Mahnungen verschickt haben. Von einer Zahlungserinnerung ganz zu schweigen. Der Kundendienst war nicht nur uneinsichtig, er hat dieses Vorgehen sogar verteidigt. Für mich ist dieses Verhalten nicht nachvollziehbar.

  • YousefAli am 21.11.2019 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    ......

    Wisst ihr was komisch ist bei Lebara sind Anrufe günstiger mit Prepaid als mit einem Lebara Abo. Mit Prepaid zb nach Iran 15 Rappen pro Minute, mit Abo 25 rappen. Wenn also Prepaid dann kommt nur Lebara in Frage. Bei eine,m Abo kann man aber innerhalb 2 Monaten künden, man ist also nicht an lange Laufzeiten gebunden

  • Tom am 21.11.2019 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zahle die nie, kommt auch selten vor.

    Es geht auch einfach. Wenn die mahnung kommt die alte rechnung bezahlen ohne die mahngebür. Mahngebühren werden nicht gemahnt oder betrieben wenn man sie nicht zahlt.

  • Prepaid am 21.11.2019 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bezahl nur was du brauchst!

    Macht nur noch Prepaid- Abos. Dann gibt es keine Mahnungen mehr und das Problem ist gelöst.