Germania in Geldnot

10. Januar 2019 12:32; Akt: 10.01.2019 12:32 Print

Das müssen Schweizer Passagiere jetzt wissen

von Dominic Benz - Soll ich jetzt noch bei Germania buchen? Ist der Geld-Engpass der Anfang vom Ende? Die wichtigsten Antworten zu der in Schieflage geratenen Airline.

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Die Airline Germania ist ins Taumeln geraten. Es fehlt an Geld. Neben einem Verkauf ist selbst ein Grounding nicht mehr auszuschliessen. 20 Minuten klärt die drängendsten Fragen:

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Warum steht Germania vor der Pleite?
Die deutsche Airline Germania braucht Geld. «Germania prüft zurzeit mehrere Optionen einer Finanzierung, um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern», teilte die Gesellschaft am Dienstagabend mit. Germania steckt schon länger in Finanznot, wie das Branchenportal «Aero Telegraph» berichtet. Bis zum letzten 27. Dezember brauchte die Airline bereits 20 Millionen Euro, um weiterfliegen zu können.

Was bedeutet das für die Schweiz?
Germania hat mit der Germania Flug AG einen Ableger hierzulande und ist an diesem zu 40 Prozent beteiligt. Ab Zürich werden Flüge nach Palma, Teneriffa oder Sharm al-Sheikh angeboten. Inwiefern die Geldnot auch die Schweizer Airline betrifft, ist unklar. Sie verweist für Anfragen nach Deutschland. Dort heisst es: «Die Germania Flug AG ist eigenständig. Die Situation im letzten Jahr war aber für die gesamte Branche schwierig und betrifft auch die Schweizer Airline», erklärt Germania-Sprecher Lars Wagner. Man habe aber in der Schweiz einen stabilen Flugbetrieb.

Ist das der Anfang vom Ende?
Laut einem Branchen-Insider, der nicht genannt werden will, ist ein Grounding nicht ausgeschlossen. «Die Situation wird sich verschärfen», sagt er. Das Problem: Passagiere dürften momentan einen Bogen um Germania machen – die Luft für die Airline wird dadurch zusätzlich immer dünner. «Daher ist es wichtig, dass die Schweizer Airline schnellstmöglich klarmacht, inwiefern man von der Geldnot in Deutschland betroffen ist», sagt der Insider.

Soll ich jetzt noch bei Germania buchen?
Wer jetzt Germania-Flüge bucht, geht gewisse Risiken ein. «Wenn die Airline in Konkurs geht, ist das Geld der Passagiere verloren», sagt Philippe Strässle von der Fluggastrechte-Firma Airhelp. Zwar habe man als Kunde Anrecht auf Entschädigung. «Doch die Passagiere stehen immer zuletzt auf der Schuldnerliste.» Geld gäbe es selten zurück. Bei Buchungen über Reisebüros sehe es besser aus. «Die Veranstalter bieten Hilfe und Flugalternativen an», sagt Strässle. Vor allem bei Pauschalreisen habe man mehr Sicherheiten.

Wie reagieren die Reisebüros?
Erste Veranstalter lassen Germania fallen. «Aufgrund der aktuellen Situation haben wir online und auf sämtlichen Buchungssystemen alle Verkäufe von Germania-Flug-AG-Tickets als Vorsichtsmassnahme bis auf weiteres gestoppt», sagt Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir zu 20 Minuten. Auch in Filialen gibt es keine Germania-Tickets mehr. «Falls Kunden dennoch mit der Airline fliegen möchten, müssen sie eine Einverständniserklärung abgeben, dass wir als Veranstalter nicht haften», sagt Huguenin-dit-Lenoir weiter. Den Verkauf von einzelnen Linienflügen mit der Airline hat auch TUI Suisse vorübergehend eingestellt. Aber sonst hält TUI Suisse an Germania Flug AG fest: «Das ist ein wichtiger Partner, mit dem wir auch diesen Sommer viele Pauschalreisen durchführen», sagt Sprecherin Bianca Schmidt.

Wie sind die Probleme einzuordnen?
Laut Germania verursachten Kerosinpreise, Währungsturbulenzen sowie Verzögerungen bei Lieferung und Inbetriebnahmen neuer Flugzeuge «grosse Belastungen». Für den Insider hat die eher kleine Germania eine kritische Grösse und ist zu wenig klar positioniert. Zudem sei die Unabhängigkeit ein Problem. «Germania ist weder in einem Airlineverbund noch in einem grossen Touristikkonzern eingebunden.»

Würde ein Verkauf helfen?
Das nötige Geld könnte Germania einerseits von einem Investor kriegen, der an eine Zukunft der Airline glaubt. Andererseits wäre der Verkauf eine Option. Käufer könnte eine andere Airline sein, die sich damit Zugang zum deutschen und Schweizer Markt verschafft, sagt der Insider. Am einfachsten sei es, wenn die Airline nicht in Einzelteilen, sondern als Ganzes verkauft werde.

Geht die Pleiten-Serie in der Branche weiter?
Seit langem ist eine Konsolidierung im Gang. Allein im letzten Jahr sind viele kleine Anbieter wie Skywork, Primera Air oder Small Planet vom Markt verschwunden. Für den Branchen-Insider ist klar: «Die Bereinigung in der Branche geht weiter.» Das Sagen im Markt hätten die grossen Gesellschaften. In der Schweiz seien daher fast alle kleineren und unabhängigen Airlines verschwunden. «Allein überleben können nur noch Nischenanbieter.»

sentifi.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Didi am 10.01.2019 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Pleite ist Geschäftsmodell!!!

    Das ist das Geschäftsmodell zahlreicher Airlines: Billigflüge werden unter den Selbstkosten angeboten. Die Manager und Gründer dieser Airline zahlen sich selber aus diesen Einnahmen ihr stolzes Gehalt. Anschliessend gehen diese Airlines trotz Staatshilfe pleite und die Gläubiger bleiben auf den Schulden sitzen. Die Supermanager gründen dann die nächste Airline, welche die Infrastruktur der Pleiteairlines zum Schnäppchenpreis aufkaufen und sich dabei als "Retter" feiern lassen. Ein paar Jahre folgt dann die nächste Pleite und so geht das noch lange munter weiter ...

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  • mark insider am 10.01.2019 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    alle haben probleme

    es sind alle airlines knapp an geld, nur darüber wird nicht gesprochen, alle haben die gleichen probleme nur meistens nicht denselben geldgeber

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  • Tom am 10.01.2019 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist geil

    Irgendwann sind die Ticketpreise dann bei 1 CHF angekommen und dann bergreift auch der letzte das man solche Billigflieger nicht unterstützen sollte....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 11.01.2019 22:20 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    es hat zu viele Airlines auf dem Planet. Und man hat es vor 10 Jahren prophezeit, dass ein naher Zukunft einige Airlines vor allem in Europa die Tore schliessen werden. Weil es nicht mehr rentiert.

  • Ernst Kappeler am 11.01.2019 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Das Geld zu verlieren", ...

    ... ist das kleinere Übel! Echt ärgerlich ist, wenn man einen Ersatzflug bezahlen muss und das u.U. zum mehrfachen Preis oder kurzfristig schlicht kein Ticket mehr zu haben ist!

  • Fredi am 11.01.2019 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    manchmal

    Ich hänge gerne meinen Dödel raus, damit er frische Luft bekommt.

    • Feuersturm am 11.01.2019 20:34 Report Diesen Beitrag melden

      @Fredi

      Du hast den Sinn des Lebens erkannt! Hut ab!

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  • Die Fliegen aber noch, eben um 15h30 UTC am 11.01.2019 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    startete ein Maschine ab den Kanaren

    Richtung Leipzig, am Airport Lnzarote sind sie auch noch Präsent.

  • Der Kanaren-Flieger Binter sei seit am 11.01.2019 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    09.01.2019 auf der Insolvenzseite, von

    einer trudelnden Norwegischen Gesellschaft wird in einem entsprechenden Chat auch Geschrieben.