Ausverkauf

11. Oktober 2018 16:03; Akt: 11.10.2018 17:51 Print

Das müssen Sie über den Börsenabsturz wissen

Der Einbruch an den US-Börsen macht Angst. Ist das der Beginn der grossen Korrektur? Und welche Rolle spielt Donald Trump? Die wichtigsten Antworten.

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Schwärzester Börsentag im laufenden Jahr: Der Dow-Jones-Index, der die grössten 30 US-Unternehmen umfasst, stürzte am Mittwoch um über 3 Prozent ab. Zu den grössten Verlierern gehörte Netflix. Die Titel des Unternehmens tauchten 8,4 Prozent. 6,2 Prozent büsste auch Amazon ein. Auslöser für den Absturz sind unter anderem Sorgen um das künftige Wirtschaftswachstum. Auch der Handelsstreit zwischen den USA und China dauert an. Zudem gibt es neue Spekulationen über aggressive Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed. Im Bild: Notenbank-Chef Jerome Powell. US-Präsident Donald Trump zeigt sich unzufrieden mit dem Kurs der US-Notenbank. «Ich denke, die Fed ist verrückt geworden», sagte Trump am Mittwoch vor einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania. Trump hat die Fed-Geldpolitik bereits mehrmals kritisiert, unter anderem im September, als die Notenbank zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins anhob. Die USA erlebten eines der längsten Aktienrallys in der Geschichte. Vor allem die Tech-Werte verbuchten massive Kursanstiege. Der technologielastige Nasdaq 100, der Anfang Oktober mit etwas über 7700 Punkten noch eine Bestmarke erreicht hatte, stürzte am Mittwoch um 4,44 Prozent auf 7044,50 Punkte ab. Dies war der höchste Tagesverlust in diesem Jahr. Die Schweizer Börse hat auch auf den Einbruch reagiert. Der SMI stand um die Miittagszeit rund zwei Prozent im Minus. Der grösste Verlierer war Julius Bär. Die Titel der Privatbank lagen über 4 Prozent im Minus. Wie sollen sich Privatanleger verhalten? «In solchen Phasen ist es wichtig, dass man Ruhe bewahrt, zumal es sich nicht um eine generelle Panik handelt», sagt VP-Bank-Chefökonom Thomas Gitzel. Besonders wichtig sei, dass man breit aufgestellt sei beziehungsweise das Vermögen diversifiziert habe.

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Die US-Börsen haben am Mittwoch den schlimmsten Handelstag seit acht Monaten erlebt. Was ist passiert?
Die Börse in New York erlebte am Mittwoch den schwärzesten Tag im laufenden Jahr. Und das nur kurz nach dem Rekordhoch von letzter Woche. Der Dow-Jones-Index, der die grössten 30 US-Unternehmen umfasst, stürzte gestern um über 3 Prozent ab. Noch schlimmer traf es den Nasdaq: Der Index der Technologiebörse verlor sogar über 4 Prozent. Zu den grössten Verlieren gehörte Netflix. Die Titel des Unternehmens tauchten 8,4 Prozent.

Wo liegen die Gründe für den Absturz?
Auslöser für den Absturz sind unter anderem Sorgen um das künftige Wirtschaftswachstum. Und auch der Handelsstreit zwischen den USA und China dauert an. Zudem gibt es neue Spekulationen über aggressive Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed. Für Nervosität sorgte auch US-Präsident Trump mit seinen Kommentaren zur Fed und zur Börsenentwicklung.

Was hat Trump zum Börsenabsturz genau gesagt?
Trump wurde über die Entwicklung an den Börsen informiert. Ein hochrangiger Regierungsvertreter habe das Geschehen als «Kurskorrektur» beschrieben, die «wahrscheinlich gesund» sei, berichtet CNBC. Dennoch hat Trump rasch einen Schuldigen für den Crash gefunden: die US-Notenbank Fed. «Ich denke, dass die Fed einen Fehler macht», so Trump auf eine Journalistenfrage. Und weiter: «Ich glaube die Fed ist verrückt geworden.» Trump hat die Fed-Geldpolitik bereits mehrmals kritisiert, unter anderem im September, als die Notenbank zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins anhob.

Darf ein US-Präsident seine Notenbank kritisieren?
«Donald Trump überschreitet rote Linien. Zwar haben Politiker auch schon in der Vergangenheit Notenbanken kritisiert, aber nie in dieser Art», sagt Chefökonom Thomas Gitzel von VP Bank Group zu 20 Minuten. «Für einen Präsidenten ist es äusserst ungewöhnlich, die Zentralbank so offen zu kritisieren», schreibt der Analyst Milan Cutkovic von Axitrader in einem Marktkommentar. Klar sei: Die US-Konjunktur boome, folglich sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die Fed Signale für weitere Zinserhöhungen liefere.

Was bezweckt Trump mit seinen Aussagen?
Trumps Angst ist, die US-Notenbank könnte mit höheren Zinsen das für seine Politik so wichtige Wirtschaftswachstum abwürgen. «Trump bezweckt mit seiner Kritik auch, dass sich der Dollar abschwächt, was der US-Exportwirtschaft zu Rückenwind verhelfen würde», sagt Gitzel. Mit Blick auf den heutigen Tag habe der Präsident das erreicht. Anders als die Marktteilnehmer dürfte sich die Fed von Trumps Aussagen aber nicht beeinflussen lassen.

Ist der Einbruch in den USA der Anfang einer grossen Kurskorrektur?
Die USA erlebten eines der längsten Aktienrallys in der Geschichte. Vor allem die Tech-Werte verbuchten massive Kursanstiege. «Da war teilweise viel Fantasie drin. Hier gibt es jetzt eine Korrektur», so Gitzel. Dass diese jetzt so plötzlich geschieht, sei nicht zu erwarten gewesen, dürfe aber nicht erschrecken. «Es ist eine Marktbereinigung, die gut und sinnvoll ist. Wir sehen vor allem Gewinnmitnahmen und keine generelle Marktpanik», sagt Gitzel. Der Dollar und der Franken seien als sogenannte sichere Häfen nicht stärker gefragt.

Wie soll ich mich als Privatanleger verhalten?
«In solchen Phasen ist es wichtig, dass man Ruhe bewahrt, zumal es sich nicht um eine generelle Panik handelt», sagt Gitzel. Besonders wichtig in dieser späten Phase des Konjunkturzyklus sei, dass man breit aufgestellt sei beziehungsweise das Vermögen diversifiziert habe. Und: Es gelte, Klumpenrisiken zu eliminieren.

Wie geht es an der Schweizer Börse weiter?
Der Schweizer Leitindex SMI stand am Donnerstagmittag knapp 2 Prozent im Minus. Damit fielen die Verluste zuerst geringer aus als am gestrigen Tag in den USA beziehungsweise am frühen Morgen in Asien. «Das liegt daran, dass die Anleger über Nacht einen etwas nüchterneren Blick auf den Einbruch in den USA gewonnen haben», so Gitzel. Der Chefökonom der VP-Bank geht davon aus, dass sich der Abwärtstrend in den nächsten Tagen abschwächen wird. Am Ende des Börstentages schloss der SMI mit 2,85 Prozent im Minus. Am meisten an Wert verloren die Titel von Zurich Financial Services und Roche mit je 3,8 Prozent.

(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick Anik am 11.10.2018 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Panik

    Da sind wir etwas mehr als 5% vom Allzeithoch entfernt, nach einem fast 10-jährigen Bullenmarkt und die Leute drehen gleich durch? Stellt euch auf volatilere Zeiten an den Märkten ein!

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  • Frank W. am 11.10.2018 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Spekulanten

    werden es verschmerzen. Ein Spieler muss halt auch mit Verlusten rechnen

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  • Marcel Ospel am 11.10.2018 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genug ist nicht genug

    Wir wissen ja, dass sich die Erreignisse an der Börse immer wieder wiederholen.. Eine Finanzkrise kommt früher oder später sowieso wieder, da die Banker für Kursgewinne und mehr Geld alles in Kauf nehmen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Blender am 17.10.2018 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Sommerschlussverkauf

    Einmal mehr rappelt es an der Börse, leider verdient zurzeit niemand mehr wirklich viel im Westen. Im Osten sieht es da schon anders aus, der Huan wird kommen. Wenn der Dollar fällt, wird's ein Wunder geben :)

    • Xeno72 am 22.10.2018 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      na ja@Blender

      Ist auch in China nicht alles Gold, was Glänzen vorspielt.

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  • M.G. am 14.10.2018 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Volatilität

    3 Dinge machten die Welt volatiler, Container, Computer und Internet. Es wurden ab 1995 viele politische Kontrollmechamismen der Wirtschaft abgeschafft. So kann heute theoretisch die Krise eines einzigen mittleren Unternehmens irgendwo auf der Welt eine globale Krise auslösen. Dazu kommt der automatisierte Hochfrequenzhandel und nicht zu vergessen viele Millionen asiatischer Kleinzocker die alle nach dem gleichen Muster handeln. Da laufen informationstechnische Kettenreaktionen ab. Wie oft musste schon der Börsenhandel zeitweilig ausgesetzt werden weil niemand diese Lauffeuer aufhalten konnte?

    • Xeno72 am 14.10.2018 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      irrelevant@M.G.

      Noch einmal: Daytrading, bei dem übrigens über 4 von 5 der Hobbyzocker längerfristig alles verlieren, beeinflusst die längerfristigen Kurse von Wertpapieren kaum. Es ist wirklich gut untersucht.

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  • Marc am 13.10.2018 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Experten oder was?!

    Interessant, wie viele Experten sich hier tummeln, ihr müsst ja alle stinkreich geworden sein, mit so viel Fachwissen!:)))

    • Xeno72 am 13.10.2018 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ja@Marc

      Gute Bemerkung.

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  • Hmm am 13.10.2018 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessanter

    Wäre Das, was wir nicht wissen müssen.

    • Xeno72 am 13.10.2018 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hmm

      Hä?

    • Hmm am 15.10.2018 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Xeno72

      Müssen.. Dürfen.. Egal wie mans nennt..

    • Hmm am 15.10.2018 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Xeno72

      Beispiel: Was müssen sie (den Medien nach) über z.B den Crash 1929 wissen? Über den "Crash" 2008? Irgend ein verdrehter Quatsch -hauptsache man bleibt friedlich zuhause-, oder die Hintergründe und Wirkmechanismen?

    • Xeno72 am 15.10.2018 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      geh lesen!@Hmm

      Es gibt hervorragende Literatur über den Crash von 1929 (und etwas weniger über den von 2008, aber auch schon viel). Es ist eines der bestuntersuchten Ereignisse der Wirtschaftsgeschichte. Die besten Wirtschaftshistoriker der Welt haben dieses Paradeereignis bis ins Detail untersucht.

    • Hmm am 15.10.2018 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Xeno72

      Literatur und "News" sind zweierlei. Was Sachbücher betrifft, gebe ich ihnen recht. Aber zeigen sie mir nur einen Zeitungsartikel (bzw. etwas für die breite Masse).

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  • Nicola Gallo am 12.10.2018 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angst

    Die Medien wurden wider mal bezahlt um Angst zu machen. :D

    • Xeno72 am 13.10.2018 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nicola Gallo

      Was wäre denn der Sinn davon? Die Wahrheit ist wie meist banal: Das Buzzword "Crash" gibt Clicks.

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