«Herzensangelegenheit»

26. Juli 2018 20:03; Akt: 26.07.2018 20:09 Print

So will FDP-Dobler Franz Carl Weber umkrempeln

von R. Knecht - Kaum aus den Ferien zurück, wird Nationalrat Marcel Dobler mit Fragen zum Franz Carl Weber überhäuft. Nun erklärt er, welche Ansätze er verfolgt.

Bildstrecke im Grossformat »
Marcel Dobler, FDP-Politiker und Digitec-Mitgründer, ist einer von drei Investoren, die Franz Carl Weber gemeinsam von der französischen Ludendo-Gruppe gekauft haben. Dobler sitzt im Verwaltungsrat (VR) der FCW Group, die das Unternehmen gekauft hat. Ausser ihm ist auch der Schweiz-Chef von Franz Carl Weber, Yves Hugo Burger, im VR. Die Pressestelle von Franz Carl Weber bestätigte den Deal am 20. Juli 2018 offiziell. Dobler war allerdings bis am darauffolgenden Donnerstag in den Ferien und gab keinen Kommentar zu den Neuigkeiten ab. Marcel Dobler ist Mitbegründer des Onlinehändlers Digitec. 13 Jahre lang war er als CEO tätig. Als die Migros gross einstieg, ging Dobler von Bord. 2015 wurde er in den Nationalrat gewählt. Dem Vernehmen nach hat die Migros für den Elektronikhändler Digitec, den Dobler mit zwei Mitstreitern gründete, 42 Millionen Franken bezahlt. Das Traditionsunternehmen Franz Carl Weber ist der bekannteste Spielwarenhändler der Schweiz. Das Unternehmen wurde bereits 1855 gegründet. 2006 ging Franz Carl Weber an den französischen Spielwarenkonzern Ludendo über. In seiner Blütezeit gab es in der Schweiz über 50 Filialen von Franz Carl Weber. Heute gibt es noch rund 20. Im Bild: Die Verkaufsstelle in Winterthur im Jahr 1964. Der ehemalige Flagship-Store des Spielwarenhändlers an der Bahnhofstrasse in Zürich wurde 2016 geschlossen. Der neue Vorzeigeladen befindet sich am Bahnhofplatz. Der neue Store ist mit seinen 1650 Quadratmetern kleiner als der bisherige mit 2500 Quadratmetern. So erinnern sich unsere Leser an den Franz Carl Weber ihrer Kindheit.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bis am Mittwoch war FDP-Nationalrat Marcel Dobler, der letzte Woche zusammen mit zwei weiteren Investoren den Franz Carl Weber (FCW) von der französischen Ludendo-Gruppe zurückgekauft hat, noch in den Ferien. Kaum zurück, musste er Journalisten an einer Medienkonferenz von FCW Rede und Antwort stehen. Eines vorab: Zum Kaufpreis äusserte sich Dobler nicht.

Umfrage
Wirds mit Franz Carl Weber jetzt bergauf gehen?

Warum beteiligt sich der Schweizer Politiker und Digitec-Mitgründer überhaupt am Spielwarenhändler? Das sei für ihn eine «Herzensangelegenheit», sagt Dobler. Er habe viele Kindheitserinnerungen, insbesondere aus der Weihnachtszeit.

20 Minuten wollte zudem wissen, was der E-Commerce-Experte mit dem klassischen stationären Geschäft vorhat. «Es ist noch zu früh, um etwas völlig Konkretes anzukündigen», betont Dobler. Was für Ansätze die drei Investoren haben, verrät der Politiker im Gespräch mit 20 Minuten:

• Digitalisierung
Eins ist klar, für Franz Carl Weber ist es höchste Zeit, die Digitalisierung ernst zu nehmen. Eine besondere Herausforderung ist für Dobler dabei, dass der FCW sich gerade durch das Physische auszeichnet. Für ihn sei es etwa eine Kindheitstradition gewesen, den Weihnachtskatalog des Händlers zu durchforsten, Seiten mit gewünschten Spielzeugen herauszureissen und zu markieren. Dieses haptische Element wolle er nicht verlieren. Er könnte sich aber vorstellen, etwa den Wunschzettel zu digitalisieren, damit man ihn so mit den Familienmitgliedern teilen kann.

• Saisonale Branche aufbrechen
Im Vergleich zum Rest des Jahres läuft der Spielzeughandel bekanntlich vor allem zur Weihnachtszeit auf Hochtouren. «Diese Verkaufszyklen müssen wir aufbrechen», sagt Dobler. Da werde insbesondere das Marketing eine grosse Rolle spielen.

• Beratung ausbauen
«Die Beratung im FCW ist ganz klar eine Stärke, auf die wir uns konzentrieren müssen», erklärt Dobler. So sei es denkbar, dass die Beratung auch über neue Kanäle, etwa online, stattfindet. Die physische Präsenz im Franzki und die Möglichkeit, Spielwaren auszuprobieren, sollen aber weiterhin ein zentrales Element sein, was die Kundenberatung anbelangt.

• Mehr Extrawürste
Kundenwünsche sollen künftig mehr im Mittelpunkt stehen. «Wir wollen Kunden Vorteile bringen, die ihnen auch etwas nützen», sagt der neue Investor. Er habe auch schon eine Menge Ideen – mehr verraten will er derzeit aber nicht.

• Gewinn an zweiter Stelle
«Ich bin nicht eingestiegen, um Geld abzuführen», sagt Dobler. Ihm gehe es darum, die Marke zu schützen. Auf die Frage, ob er sich als Retter von FCW sehe, sagt er nur: «Es freut mich, dass ich den FCW unterstützen kann.» Langfristig müsse das Unternehmen aber natürlich auch profitabel sein.

• Kontakte mit China
Zusammen mit den beiden Schweizer Investoren sitzt auch Florian Sieber, stellvertretend für die deutsche Simba Dickie Group, im neuen Verwaltungsrat von FCW. «Der Spielzeughersteller hat extrem gute Kontakte zu Produzenten», erklärt Dobler. Sie sitzen etwa in China. Diese Beziehungen seien äusserst wichtig für die Strategie des Schweizer Händlers.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beat am 26.07.2018 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fcw Zentrallager

    Ich arbeitete über 10 Jahre bei Fcw im Zentrallager . Die Zeit blieb mir in guter Errinnerung. Als das Zentrallager geschlossen wurde, hat es mich sehr getroffen.

    einklappen einklappen
  • adima am 26.07.2018 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Timing, gute Chancen!

    Ich bin ziemlich sicher, dass Dobler gute Voraussetzungen mitbringt, um FCW wieder ziemlich stark zu machen. Das Timing ist ideal, die Connections bewährt, die Marke noch angesehen und das Kapital (auch das 'graue') für die Investitionen reichlich fundiert. Die Generation die mit FCW aufgewachsen ist - und sich bewusst entschieden hat, für den Service, die Qualität und ein bisschen 'Magie' sogar mehr zu bezahlen - hat jetzt statistisch das perfekte Alter, um die Kaufkraft und die Nachfrage an Spielwaren für den Nachwuchs aufzubringen... Das unternehmerische Flair von Dobler gefällt mir!

    einklappen einklappen
  • Siciliano am 26.07.2018 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo für den Mut!

    lLeider wurde FCW immer kleiner, trotzdem gingen getne dort hin, bis zum Schluss. Bitte in Baden AG wieder einen Shop eröffnen. PS: momentan hat es viele Flächen zu mieten.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan am 31.07.2018 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2. Geschichte FCW

    Der Verkäufer wahr sehr entsetzt von seiner Aussage den das Plüschtier war ein Diesiger Hersteller von Karl s Lagerfeld Katze und hat eine limitierte Auflage. Also nicht zum Spielen für Kinder geeignet. Zum Glück meldete sich ein Finder beim Supermarkt und konnte zum gute Story beenden. Aber was solls wenn man einem Kind so eine grosse Freude bereiten sollte. Ist der Wert nicht massgebend. Finde die Geschichte amüsant und lustig.

  • Stefan am 31.07.2018 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1. Geschichte Plüschtier FCW

    Meine Enkelin hat ein Knabe Geboren und dessen Schwager schenkte Ihm in Franz Carl Weber ein Plüschtier eine Katze. Den kleinen Bub hängt am diesem Plüschtier sehr muss überall dabei haben. Beim Einkaufen im Supermarkt bemerkte Sie meine Enkelin das dass Plüschtier verloren hatte. Darauf hin Informierte Sie den Vater und wollte ein das selbes Plüschtier wieder kaufen und ging in den FCW. Dabei fragte er nach dem selben Plüschtier. Woran er antwortet er habe die Plüschkatze am Bub geschenkt und manchmal wenns nicht mehr Hygienisch gewesen ist in den Waschmaschine gewaschen.

  • Kayleigh am 28.07.2018 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Marcel Dobler, gratuliere Ihnen!

    Wenn es jemand schafft, dann er. Tipp von einer jungen Mom: natürlich ist in diesem Business der Verkauf von dem ganzen - sagen wir mal - Star Wars, Superman, Batman-Zeugs, usw. unumgänglich, weil die Kinder einfach darauf stehen. Wir halten unsere Kinder möglichst auf Distanz, wenns um diese Dinge geht. Das kommt so oder so. Herr Dobler, schauen Sie mal das Holzspielzeug-Angebot von Night&Lee in der UK an. Einfach genial! Oder für grössere Kinder Kugelibahnen zum Selberbauen. Kinder wollen entdecken, kreativ sein. Viel Erfolg!

  • Emilio am 28.07.2018 00:29 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur reden sondern es Tun

    In der heutigen Zeit eine Unternehmung zu übernehmen und für die Zukunft Investitionen zu tätigen ist eine Herausforderung. Zum Glück gibt es Personen die anpacken können und es Tun. Viel Erfolg für den Franz Carl Weber.

  • Skeptiker am 27.07.2018 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Bin skeptisch

    Entweder holt man die Kunden mit Emotionen und erlaubt sich so etwas höhere Margen, oder aber man machts wie die Amag und konzentriert sich auf leichtgläubige Kunden durch Dauerwerbungs-Beschuss. Ansonsten geht heute alles über den Preis und schnelle Lieferung. Oder eben, vor Ort kaufen, gleich mitnehmen und nicht mehr bezahlen als online. Manor hat hier z.B. ein riesen Potential, aber meist zu schlechte Preise.