Fiat, Ferrari, Ronaldo

23. Juli 2018 19:15; Akt: 24.07.2018 07:39 Print

So wurde Marchionne zum Chef-Sanierer

von D. Benz / R. Knecht - Sergio Marchionne entschied beim Transfer von Ronaldo zu Juventus Turin mit. Das Wichtigste zum Leben des Fiat-Sanierers.

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Sergio Marchionne ist der erfolgreichste und schillerndste Manager Italiens. Nun soll der 66-Jährige im Universitätsspital Zürich um sein Leben kämpfen. Dort haben sich mehrere Dutzend Journalisten vor allem aus Italien eingefunden. Sie alle wollen mehr über den Gesundheitszustand von Marchionne erfahren. Wegen des Persönlichkeitsschutzes will das Spital allerdings den Aufenthalt des Unternehmers nicht bestätigen.

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Nervös sind sind nicht nur die Journalisten vor Ort. Marchionnes Zustand hat auch die Anleger in Alarmbereitschaft versetzt. Die Aktien von Fiat-Chrysler tauchten am Montag zeitweise um über 5 Prozent. Das zeigt, wie wichtig Marchionne für das Unternehmen ist. 20 Minuten hat das Wichtigste zum Leben von Sergio Marchionne zusammengestellt.

• Anfänge
Nachdem Marchionne 1983 als Wirtschaftsprüfer bei Deloitte angefangen hatte, ging es mit seiner Karriere steil bergauf. Er übernahm diverse Führungspositionen in Firmen und landete schliesslich in der Schweiz. So wurde er in den 1990er-Jahren Chef der damaligen Alusuisse und des Chemiekonzerns Lonza. 2002 übernahm er das Steuer beim angeschlagenen Warenprüfkonzern SGS, den er aus der Krise führte. Bei der Grossbank UBS sass Marchionne zudem im Verwaltungsrat.

• Fiat-Chrysler
Als Marchionne 2004 Chef des Autoherstellers Fiat wurde, stand das Unternehmen vor der Pleite. Hier zementierte der Manager weiter seinen Ruf als Sanierer. Er baute den Konzern um und führte neue Automodelle ein. 2014 fusionierte Fiat dann unter der Führung von Marchionne mit dem ebenfalls angeschlagenen US-Autobauer Chrysler. Der Schritt war ein Erfolg: Mittlerweile ist das Unternehmen Fiat-Chrysler mit den Marken Alfa Romeo, Maserati, Dodge oder Jeep wieder schuldenfrei. Im letzten Jahr verbuchte Marchionne gar einen Rekord: Der Gewinn verdoppelte sich auf rund 3,5 Milliarden Franken. Marchionnes Strategie kam an der Börse gut an. Der Aktienkurs des Autobauers legte seit dem Zusammenschluss um rund 350 Prozent zu.

• Ferrari
Seit 2014 war Marchionne Präsident von Ferarri, das damals zu Fiat-Chrysler gehörte. Im Jahr darauf gliederte der Manager das Unternehmen vom Mutterkonzern aus und brachte den Hersteller von Luxusautos an die US-Börse. Mit dem Verkauf von weniger als einem Zehntel der Aktien nahm Fiat Chrysler in der ersten Woche nach dem Börsengang fast 900 Millionen Franken ein. Der Wert der Aktien hat sich mittlerweile fast verdreifacht. Marchionne redete bei Ferrari zudem im Rennsport mit. Maurizio Arrivabene, Chef des Formel-1-Teams (F1), sagte am Wochenende zu Medien, er habe bei der Strategie immer mit dem Präsidenten zusammengearbeitet. Als der neue F1-Besitzer Liberty Media 2017 die Motorenregeln vereinfachen wollte, drohte Marchionne, Ferrari werde aus dem Sport aussteigen. Toto Wolff, Motorsportchef bei Mercedes, warnte das Medienunternehmen vor Marchionne: «F1 braucht Ferrari mehr, als Ferrari F1 braucht.»

• Juventus Turin
Neben Marchionne ist die treibende Kraft hinter Fiat-Chrysler und Ferrari die italienische Familiendynastie Agnelli. Sie kontrolliert über ihre Beteiligungsgesellschaft Exor die Firmen. Marchionne selbst sass im Vorstand von Exor. Im Besitz der Gesellschaft ist auch der Fussballclub Juventus Turin. Die Familie Agnelli zahlte jüngst 112 Millionen Euro für den Superstar Cristiano Ronaldo. Bei den Transferverhandlungen war laut italienischen Medien jeweils auch Marchionne dabei. Er habe letztlich den Agnellis die Zustimmung für den Deal gegeben. Der Millionen-Transfer hat die Mitarbeiter zweier Fiat-Werke in Süditalien auf die Barrikaden gebracht. In Rage sind sie, weil sie nur 1000 Euro pro Monat verdienen, während Ronaldo in den kommenden vier Jahren 120 Millionen Euro kassiert – also 2,5 Millionen Euro monatlich. Die Mitarbeiter hatten daher zum Streik aufgerufen.

• Vermögen
Marchionne hat der Familie Agnelli, der unter anderem Fiat und Ferrari gehören, Unmengen an Geld beschert. Schätzungen zufolge soll sich der Wert der von der Familie kontrollierten Firmen seit Marchionnes Einstieg bei Fiat bis heute verzehnfacht haben, wie die «New York Times» schreibt. Mit seinen eigenen Aktien am Konzern ist auch Marchionne zu viel Geld gekommen: Die «Bilanz» schätzt sein Vermögen auf 500 bis 600 Millionen Franken. Dank seinem Wohnsitz im Kanton Schwyz zählt der Millionär damit zu den 300 Reichsten im Land.

• Outfit
Marchionne ist in Sachen Kleidern ähnlich veranlagt, wie es Steve Jobs war. Der verstorbene Apple-Chef lief stets im Rollkragenpulli und in Jeans herum. Auch Marchionne tritt fast ausschliesslich in dunkler Hose, einem Hemd und einem dunklen Pulli darüber auf, während die Angellis sich stets in Anzug und Krawatte präsentieren. In den Kleiderschränken seiner Wohnsitze soll der Unternehmer jeweils etwa 30 gleiche Pullis und Jeans-Modelle haben. Eine Ausnahme bei seinem Outfit machte Marchionne, als er 2017 den Rekordgewinn bei Fiat-Chrysler verkündete: Einen Tag lang trug er eine Krawatte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tanja am 23.07.2018 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Ist es momentan nicht egal was oder wer er ist? Wenn er als Mensch um sein Leben kämpft wünsche ich ihm und seiner Familie alle Kraft auf Erden!

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  • Fred am 23.07.2018 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pietätlos!

    Muss man den wirklich zu allem und jedem Thema eine Umfrage mit irgendwelchen dämlichen Fragen machen?

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  • V. Gorin am 23.07.2018 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grande, wünsche ihm viel Glück!

    Grande personaggio! Leider sind solche Manager heute Mangelware. Wenig Worte grosse Taten. Er hat immer geliefert...ist auch ok, wenn solche Manager auch viel verdienen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nasaluna am 24.07.2018 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    saubere Motoren

    er ist ein sensationeller visionär er hat elektro schon abgeschrieben bevor andere angefangen habe zu bauen.

  • Sandro Sommer am 24.07.2018 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Fiat und Lancia

    Mag sein, dass er finanziell gewieft war, aber was aus Fiat und noch schlimmer was aus Lancia geworden ist, ist ein Graus. Lancia gibt es praktisch nicht mehr und Fiat hat ein veraltetes und wenig attraktives Programm. Wenn ich denke, welch hinreissende Modelle man mit diesen Marken machen könnte.

    • peter am 24.07.2018 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sandro Sommer

      wenigsten gibt es Alfa und Fiat noch. ohne ihn würde es die auch nicht mehr geben

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  • Marco am 24.07.2018 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur 1000 Euro

    Die Fiat Angestellten in Süditalien verdienen nur 1000 Euro monatlich. Das stimmt so nicht. Das ist ein netto netto netto Lohn. Abgezogen sind sämtliche Pensionsabzüge, Steuern, Krankenkasse usw. Und ein Kaffe kostet auch 4 x weniger als bei uns.

  • Ella am 24.07.2018 03:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der gute Mensch von Chieti

    Das Alter ist ein Massaker. Auch die Guten werden nicht verschont.

  • kurt am 24.07.2018 01:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wieso nicht Italien

    hier schreiben viele wieso nicht in Italien. Frage. wieso sollte er dafür nach Italien reisen wenn er hier wohnt? welche Logik