Schmutzfink Transocean

23. Februar 2011 16:16; Akt: 23.02.2011 16:44 Print

Das schmierige Geschäft zieht wieder an

von Gérard Moinat - Zehn Monate nach der Explosion von «Deepwater Horizon» sind die Aussichten für Transocean blendend. Die Krise im arabischen Raum könnte für zusätzlichen Aufwind sorgen.

storybild

Der Ölplatformanbieter Transocean hat seinen Firmensitz in Steinhausen, Zug. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Explosion der Offshore-Plattform Deepwater Horizon, die am 22. April 2010 eine der schlimmsten Ölverschmutzungen der Geschichte auslöste, rückt am Mittwochabend wieder ins Rampenlicht. Der Erdölplattformbetreiber Transocean zieht Bilanz über das Katastrophenjahr.

Zur Erinnerung: Das Unglück im April riss ein Loch in den Meeresgrund des Golfs von Mexiko, aus dem bis August 2010 fünf Millionen Barrel Öl geflossen waren. Die Katastrophe setzte dem Aktienkurs des Tiefseebohrspezialisten entsprechend zu: Der Wert des Titels halbierte sich kurz nach der Kotierung an der Schweizer Börse am 20. April von 98 auf unter 50 Franken.

Mittlerweile hat sich die Transocean-Aktie aber wieder erholt und tendiert gegen 80 Franken. Und auch sonst lichten sich die Wolken für die Betreiberfirma der Katastrophen-Plattform allmählich: Analysten beurteilen die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr als vielversprechend.

Investitionen ziehen wieder an

«Ich erwarte von Transocean heute Abend einen positiven Ausblick auf das Geschäftsjahr», prognostiziert Martin Schreiber, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. Dafür gäbe es verschiedene Gründe.

Einer davon ist der steigende Ölpreis: Zieht dieser an, forcieren Erdölfirmen Investitionen in Ölplattformen und fragen die Dienstleistungen von Firmen wie Transocean wieder stärker nach. Seit Juni kletterte der Ölpreis für ein Fass der Sorte Brent von 70 auf mittlerweile über 100 Dollar. «Früher korrelierte der Aktienkurs von Transocean sogar fast eins zu eins mit dem Ölpreis», erklärt Schreiber.

Die Nachfrage nach dem schwarzen Gold dürfte zudem die Mietpreise, die Ölkonzerne Firmen wie Transocean für die Benutzung der Plattformen bezahlen, in die Höhe treiben. Transocean zählt unter anderem namhafte Erdölkonzerne wie BP, Exxon Mobil, Gazprom, Shell, ENI und Petroplus zu seinen Kunden.

2010 für die Ölförderung kein gutes Jahr

Ein weiterer positiver Aspekt für Transocean: Bisher hat sich bewahrheitet, dass BP sämtliche finanzielle Verpflichtungen der Ölkatastrophe übernimmt, so Schreiber. «Das stützt den Konzern.» Gemäss Fabian Häcki, Transocean-Analyst bei der Bank Vontobel, sind die laufenden Klagen in den USA dennoch eine der grössten Unsicherheiten für das Unternehmen.

Er geht aber nicht davon aus, dass das Verhältnis zum wichtigen Abnehmer der Transocean-Produkte, BP, belastet sei. «BP kann auf das Know-how des mit Abstand grössten Anbieters von Offshore-Plattformen nicht verzichten.»

Die Spätfolgen der Ölkatastrophe bilden gemäss Schreiber jedoch nach wie vor ein Restrisiko, das Transocean gegenüber seinen Konkurrenten benachteiligt: Während sich die Titel der gesamten Bohrbranche seit April 2010 erholten, blieb die Aktie von Transocean um gut ein Fünftel hinter der Konkurrenz zurück.

Umsatzrückgang für Transocean

Häcki rechnet damit, dass Transocean am Mittwoch einen Umsatzrückgang für das Gesamtjahr bekannt gibt. Im vierten Quartal 2010 sei das Fördermoratorium im Golf von Mexiko zwar aufgehoben worden, aber seither wurden noch keine Neubewilligungen erteilt.

Überhaupt war 2010 für die Ölförderung insgesamt kein gutes Jahr. Und da deren Geschäft spätzyklischer Natur ist, spüren die Zulieferfirmen der Erdölindustrie gemäss Häcki nach wie vor die Nachwirkungen der globalen Rezession.

Transocean leidet deshalb noch unter massiven Überkapazitäten, vor allem bei den Förderplattformen für Flachwasser und musste gut 40 seiner 139 Bohrschiffe- und Inseln einmotten. Häcki: «Dies führte zu Abschreibern von einer Milliarde Dollar.»

Krise in Nordafrika hilft

Die Investitionen der Ölkonzerne sollten aber dieses Jahr wieder langsam anziehen. Dank einem voraussichtlich anhaltend hohen Ölpreis, hoher Energienachfrage und einem allgemeinen Stimmungsumschwung dürfte Transocean die Talsohle aber überwunden haben, glaubt Häcki.

«Auch dürften die Tumulte im arabischen Raum dem Unternehmen zusätzlichen Auftrieb verleihen», so Häcki. Denn teures Öl aus dem Boden der Meere zu gewinnen, würde rentabler. Und sowieso habe die Tiefseebohrung in den nächsten Jahren riesiges Potenzial, da die auf dem Festland verfügbaren Ölreserven weitgehend erschlossen sind.

In den nächsten Jahrzehnten wird mit Investitionen von hunderten Milliarden Dollar in die Förderung des schwarzen Goldes gerechnet, für die Erneuerung bestehender Einrichtungen sowie für neue Bohrschiffe, Bohrinseln, Raffinerien und Pipelines.