Europaweiter Streik

10. August 2018 21:23; Akt: 10.08.2018 21:23 Print

Das sind die Probleme der Billig-Airlines

Streikende Piloten, unzufriedene Passagiere, angeklagte Manager: Bei Billig-Airlines sind die Preise niedrig, dafür gibt es eine ganze Reihe anderer Probleme.

Der Streik der Ryanair-Piloten hat begonnen (20M/Glomex).

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Am Freitag und Samstag bleiben während 24 Stunden viele Flugzeuge von Ryanair am Boden. Es ist der bisher grösste Streik in der Geschichte der irischen Fluggesellschaft.

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Marktführer Ryanair ist nicht die einzige Billig-Airline, die mit Problemen kämpft. Vor einem Jahr ging Air Berlin in Konkurs und beim Konkurrenten Easyjet häufen sich Kunden-Reklamationen.

Der Hauptgrund für die Probleme der Airlines ist gleichzeitig ihr grösster Trumpf: die tiefen Ticketpreise. Wie der Name schon sagt, ist das Geschäftsmodell von Billig-Airlines, möglichst niedrige Flugpreise anzubieten. Um das zu erreichen, muss überall im Unternehmen gespart werden, was zu folgenden Problemen führt:

• Unzufriedene Mitarbeiter

Für die Mitarbeiter der Airlines sind die Auswirkungen der Sparmassnahmen gravierend, denn die Personalkosten eines Unternehmens sind im Normalfall einer der grössten Kostenfaktoren. Um diese zu drücken, ist es bei den Billigairlines üblich, dass die Piloten nicht fest angestellt sind. Das hat zur Folge, dass sie nicht bezahlt werden, wenn sie krank sind. Zudem müssen sie ihre Sozialabgaben aus der eigenen Tasche bezahlen, und das von einem Lohn, der im Vergleich zu Berufskollegen traditioneller Airlines klein ist.

Bei Ryanair ist die Lohn-Situation der Piloten besonders brisant. So verdient ein Co-Pilot laut der «Zeit» bei Ryanair umgerechnet gegen 29'000 Franken brutto im Jahr, was etwa 2400 Franken im Monat entspricht. Bei der Lufthansa würde er laut «Stern» für eine ähnliche Position mehr als das Doppelte verdienen.

• Zu wenige Piloten

Laut einem «Zeit»-Artikel gehen Ryanair die Piloten aus. Dies liege nicht daran, dass es zu wenige Piloten auf dem Markt hätte, sondern an den im Vergleich zur Konkurrenz schlechten Arbeitsbedingungen. Das Unternehmen kämpft mit einer hohen Personalfluktuation und ist weiter auf Expansionskurs. Dadurch muss das Unternehmen nicht nur offene Stellen besetzen, sondern auch neu geschaffene. Darum rekrutiere das Unternehmen mittlerweile ausserhalb von Europa.

• Unzufriedene Passagiere

Passagiere spüren den Spardrill der Billigairlines etwa an der beschränkten Beinfreiheit im Flieger sowie daran, dass an Bord für Essen und Trinken bezahlt werden muss und dass streng kontrolliert wird, ob das mitgebrachte Handgepäck nicht zu gross ist. Durch die vermehrten Streiks verlieren sie das Vertrauen in die Fluggesellschaften und möglicherweise die Lust, noch einmal bei ihnen zu buchen.

Laut William Agius, Aviatik-Experte der ZHAW, wissen die meisten Passagiere aber, worauf sie sich einlassen, wenn sie so günstige Flugtickets kaufen: «Reisende haben sich daran gewöhnt, dass es zu Problemen kommen kann, wenn sie bei einer Billig-Airline buchen.»

• Knapper Flugplan

Um Kosten zu sparen, sollen die Maschinen der Billigfluglinien so viel Zeit wie möglich in der Luft verbringen. Daher werden Flüge teilweise im Halbstundentakt eingeplant. Da der Luftraum in Europa gerade im Sommer sehr gut ausgelastet ist, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Verspätungen, was wiederum bei den Fluggästen und dem Personal für Unzufriedenheit sorgt.

• Rechtliche Schwierigkeiten

Gegen Billigairlines wird immer wieder wegen des Verdachts ermittelt, absichtlich scheinselbstständige Piloten anzustellen. Zurzeit ermittelt zum Beispiel laut der «Süddeutscher Zeitung» die Staatsanwaltschaft Konstanz wegen dieses Verdachts gegen vier Ryanair-Manager.

(vay)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R.H. am 10.08.2018 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    Verbietet diese Billig Fliegerei

    Das Problem sind nicht die Billig Air-Lines, sondern der Geizhals Tourismus der Billig Fluggäste.

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  • Swiss Co Pilot am 10.08.2018 21:42 Report Diesen Beitrag melden

    No Billigairlines

    Darum keine Billigairlines Fliegen, die machen die eigenen Mitarbeiter sowie andere Airlines kapput, bevor sie selber in den Konkurs laufen.

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  • milchbubi am 10.08.2018 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ryanair und co verbieten

    Mal ganz ehrlich, Billig Airlines sind gerade auch die Verursacher des Klimawandels. Warum muss man denn Flüge machen auf einer Distanz kleiner als 500 Km? Ja und genau jeder macht ein Aufschrei wegen Umweltschutz, aber gleichzeitig fliegen immer mehr...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ChrisB am 13.08.2018 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kerosin besteuern

    Es wäre schon viel gewonnen, wenn das Kerosin besteuert werden müsste und dieses Geld den Bahnen zugute kommen würde. Für die Umwelt wäre so bereits viel getan.

  • eine Rentnerin am 13.08.2018 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss nur teurer aber nicht besser

    Eine Maschine der Swiss musste vor zwei Tagen kurz nach dem Start wegen eines technischen Problems zurück nach Zürich. Liegt es am Alter der Maschinen? An Schlechtem Unterhalt?

  • Tom59 am 11.08.2018 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Billig

    Willst du billig fliegen bleibt der Angestellte auf der Strecke liegen.

  • Berni am 11.08.2018 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Geht uns nichts an

    Das ist ein europäischer Arbeitskampf. Damit haben wir doch nichts zu tun. Ich verstehe gar nicht, warum sich manche hier über ein legitimes Grundrecht wie Streik so aufregen. Bei uns passiert sowas nicht, weil unsere Arbeitgeber alle sehr fürsorgende Patrons sind, die zu ihren Leuten schauen.

    • Urs am 11.08.2018 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Berni, so ist es

      Die praktizieren Direkte Demokratie am Arbeitsplatz. Das muss man sich mal vorstellen: am Arbeitsplatz! Und jeder, der Gewerkschaftsmitglied ist, darf mit abstimmen. Am Arbeitsplatz - dort ist es doch total unwichtig. Demokratie gehört nicht in Betriebe.

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  • Daisydream am 11.08.2018 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Jobkiller

    Ich frage mich wirklich, ob sich die Leute bewusst sind, dass sie mit ihren Streiks eventuell den eigenen Job killen. Keine Flüge, kein Geld. Irgendwann ist diese Airline bankrott und alle stehen auf der Strasse. Und es ist doch jedem freigestellt, sich nach einem anderen Job umzusehen, wenn ihm die Arbeitsbedingungen nicht zusagen.

    • stets so sein am 11.08.2018 15:27 Report Diesen Beitrag melden

      Wird bei Ihnen

      Informieren Sie sich doch bitte mal ausserhalb von 20' über die Ryanair znd deren Machenschaften. Seit Tagen wir europaweit darüber berichtet.

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