Gewerkschaft

02. Februar 2019 21:02; Akt: 02.02.2019 21:02 Print

«Die Luxusreise der Post ist stossend»

von R. Knecht - 100 Manager der Swiss Post Solutions durften im Januar nach Vietnam reisen. Das sagt die Gewerkschaft zu den dadurch verursachten Kosten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Swiss Post Solutions (SPS) hat die Details zu den Kosten der Vietnam-Reise im Januar veröffentlicht. Rund 200'000 Franken bezahlte die Post-Tochter für Flüge, Übernachtungen im Fünf-Sterne-Hotel, Essen und Luxusparty.

Umfrage
Was halten sie von dem Reisli?

Die detaillierte Kostenaufstellung, die mittlerweile öffentlich zugänglich ist, beschwichtigt die Gewerkschaft Syndicom nicht.
In letzter Zeit habe es bei SPS viele Einzelfälle gegeben, wo das Unternehmen mit Angestellten «sehr knapp umging», sagt Syndicom-Zentralsekretär David Roth zu 20 Minuten.

So habe SPS Angestellte in die Frühpensionierung gedrängt. «Vor diesem Hintergrund ist es ziemlich stossend, dass die SPS einen solch übertriebenen Kaderausflug nach Vietnam und eine Party im Fünf-Sterne-Hotel macht», so der Gewerkschafter. Das sind seine Kritikpunkte – und das sagt die Post:

Grundlos nach Vietnam gehen

Die Hälfte der rund 200'000 Franken, die das Vietnam-Reisli insgesamt kostete, wurde durch Flugkosten verursacht. Dass die dreitägige Konferenz in Vietnam stattfand, begründet die Post etwa damit, dass die Manager den operativen Betrieb vor Ort besichtigten. «Es gibt keinen vernünftigen Grund, mit so vielen Leuten nach Vietnam zu gehen», hält Roth von der Gewerkschaft dagegen. Einige der über 100 Geschäftsleute seien etwa ausschliesslich fürs Geschäft in der Schweiz zuständig und hätten nichts mit der täglichen Arbeit in Vietnam zu tun.

5 Sterne buchen statt sparen

Die Post betont, dass das Budget für das jährliche Kadermeeting gleich geblieben ist wie in vergangenen Jahren. Der Grund sei, dass Hotels in Vietnam merklich günstiger seien als in der Schweiz. «103 Franken pro Nacht liegt nicht viel unter dem, was man in der Schweiz für ein Seminarhotel bezahlt – nur hat das dann halt keine fünf Sterne», sagt Gewerkschafter Roth dazu. In der Schweiz zu bleiben und sich mit einem weniger edlen Hotel zu begnügen, wäre eine Gelegenheit gewesen, beim Budget zu sparen.

Klassenunterschiede zelebrieren

Die meisten Teilnehmer flogen per Economyclass nach Vietnam. Dass SPS sich für einen günstigen Flug entschied, begrüsst Roth. Auffallend sei aber, dass die Geschäftsleitung ein Business-Ticket bekommen habe. Normalerweise sei der Grund, Businessclass zufliegen, dass man Platz zum Arbeiten brauche – oder zum Schlafen, damit man nach der Landung gleich weiterarbeiten könne. Da alle Teilnehmer auf der gleichen Geschäftsreise waren, wirkt es aber eher, als würde SPS die Klassenunterschiede bei seinen Managern zelebrieren, wie Roth sagt.

Nur die Manager motivieren

Die 18'905 Franken teure Party am Abend vor der Abreise diente laut Post «der Motivation und Wertschätzung von Mitarbeitenden und ihren Teams». Roth von Syndicom sagt zu 20 Minuten, er erwarte von SPS nun die gleiche Motivationsaktion für die normalen Angestellten: «Und zwar nicht in Form einer Party, sondern dadurch, dass die SPS-Angestellten endlich gleich gute Anstellungsbedingungen wie bei der Post selbst erhalten», so Roth. Der Mutterkonzern drücke bei den ausgelagerten Tochterfirmen wie SPS die Löhne, Zulagen und Rentenleistungen. Die SPS-Angestellten hätten 2018 weniger als halb so viel Lohnerhöhungen erhalten, wie die Totalkosten der Vietnam-Reise von 200'000 Franken betragen hätten.

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anti loser Manager am 02.02.2019 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur frech

    Einfach nur frech!!! Der Angestellte bekommt seit Jahren kaum eine Lohnerhöhung... und die Teppichettage macht ein Reisli...wahrscheinlich mit Happy End! Supi, ich löse mein Konto auf.

    einklappen einklappen
  • Postillion am 02.02.2019 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Fliegen?

    Hätten die nicht mit dem Postauto gehen können?...

    einklappen einklappen
  • Cs am 02.02.2019 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ex Mitarbeiter

    Die Party war für die Motivation? echt jetzt? Moderne Sklaverei der Firma zum Glück arbeite ich nicht mehr dort!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • FrankG. am 03.02.2019 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Grössenwahn"

    Nach über 50 Jahren Postkunde kündigte ich mein Konto, weil Posteinzahlunen regelmässig bis zu 5 Tagen verspätet eintrafen. Mit meiner Kündigung teilte ich mit: "Wenn mein Bank anfangen würde Hundefutter zu verkaufen, wäre ich auch dort nicht mehr Kunde". Von der Post bekam ich nie ein Dankeschön für die lange Kundentreue und auch keine Entschuldigung.

  • der kritiker am 03.02.2019 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeit, die Koffer zu packen...

    huch... und wie viel Spesengeld floss in den Bereich "Special Services"???

  • Wörni am 03.02.2019 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unhaltbar

    Die Verantwortlichen von Post müssen dringend aufräumen oder den Posten freigeben. Was die Post mit ihren Angestellten macht, ist untragbar. Wenn ich an unsere Pöstler denke, die bei Schnee und Regen gestresst durch unseren Ort fahren, ist dringend Handlungsbedarf. Das wird jetzt dringend Chefsache, eingreifen ist gefragt.

  • frankyBoy am 03.02.2019 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Schleudersucht"

    Auf solche Art wird Geld verschleudert, dan schließt man wieder einige Filialen weil sie zu teuer sind.

  • Bruno Ineichen am 03.02.2019 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Steuerbare Einkommen?

    Bei kleineren Unternehmungen wird das steuerlich nicht akzeptiert und wird als Gewinn aufgerechnet. Beim Teilnehmer würde das als AHV- und Steuerpflichtiges Einkommen aufgerechnet. Aber die Massstäbe sind unterschiedlich. Das ist höchst unmoralisch und verwerflich.

    • der kritiker am 03.02.2019 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bruno Ineichen

      das ist so. nimmt mich wunder, was die Revision hier unternommen hat... nächster Skandal ist wohl schon vorprogrammiert.

    einklappen einklappen