Lahme Entwicklung

07. Januar 2020 07:59; Akt: 09.01.2020 10:12 Print

Das sind die grössten Sorgen des Detailhandels

von Raphael Knecht - Einkaufstourismus, Kaufkraft, Preise: Das sind die Gründe, warum der Schweizer Detailhandel derzeit auf der Stelle tritt.

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Die Umsätze im Schweizer Detailhandel haben 2019 stagniert. Coop erzielte 2019 einen Umsatz von 30,7 Milliarden Franken, praktisch gleich viel wie im Vorjahr. Coop betont allerdings, dass der Nettoumsatz im Detailhandel um 1,4 Prozent gewachsen sei. Der Konzern zeigt sich zufrieden, denn das ist zwar weniger als die 2 Prozent im Vorjahr, die Wachstumsprognose für den gesamten Detailhandel liege für 2019 jedoch bei 0,1 Prozent. Auch bei der Migros gibt es Bedenken, was das Jahresergebnis betrifft – offiziell hat der Händler aber noch keine Zahlen präsentiert.

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Das sind laut dem Retail Outlook 2020 der Credit Suisse (CS) die Gründe, warum der Schweizer Detailhandel auf der Stelle tritt – und weshalb man sich in der Branche Sorgen machen muss:

Einkaufstourismus

Der Euro-Franken-Kurs ist im vergangenen Jahr stetig gesunken und zwischenzeitlich gar unter 1.10 gefallen. Das erhöht die Kaufkraft der Schweizer im Ausland. Hinzu kommt, dass die Preise in der Schweiz teils stärker angestiegen sind als in Deutschland, Frankreich und Italien. 2019 bezahlten die Schweizer 48 Prozent mehr als Deutsche und 41 Prozent respektive 42 Prozent mehr als Franzosen und Italiener. Auch dadurch wurde der Einkaufstourismus 2019 wieder attraktiver.

Kein Lohnwachstum

Hätten die Schweizer mehr Geld, könnten sie auch mehr ausgeben – nur blieb ein signifikantes Reallohnwachstum in den vergangenen Jahren aus, obwohl die Situation auf dem Arbeitsmarkt stabil ist. Laut der CS sind die Nominallöhne 2019 um 0,5 Prozent gestiegen, die Teuerung hat das aber praktisch komplett weggefressen. Die Kaufkraft verharrte somit auf Vorjahresniveau – schwierige Voraussetzungen für Wachstum im Detailhandel.

Schwache Zuwanderung

Da die Kaufkraft nicht steigt, bleibt die Zuwanderung ein Treiber für den Detailhandel. Doch auch davon kann die Branche laut CS nur bedingt profitieren. Denn sie verharrt seit 2018 auf einem Niveau von circa 60'000 Personen pro Jahr. Vor fünf Jahren waren es noch über 80'000 Personen. Die ständige Wohnbevölkerung wächst somit nicht so stark, wie es sich der Detailhandel wünscht.

Steigende Preise

In vielen Bereichen sind die Preise 2019 gestiegen. So etwa im Bekleidungsdetailhandel und im Bereich Haushalt und Wohnen um je 2,1 Prozent. Die Preisaufschläge sind laut CS allerdings nicht Ausdruck einer verstärkten Marktmacht der Detailhändler, sondern deuten auf höhere Beschaffungskosten hin. Insbesondere die Importkosten sind gestiegen. Entsprechend kämpfen die betroffenen Bereiche mit sinkenden Umsätzen: Bei den Kleidern beträgt das reale Minus fürs vergangene Jahr 6,7 Prozent.

Onlinehandel

Verkaufsflächen schrumpfen und die Zahl der Detailhandelsverkaufsstellen ist zwischen 2013 und 2017 von 53'000 auf 50'000 zurückgegangen. Die Schweizer Detailhändler engagieren sich auch bei den digitalen Kanälen, hier bekommen sie aber die internationale Konkurrenz zu spüren. Zwar dürfte der Rückzug von Amazon.com aus dem Schweizer Versandhandel etwas Erleichterung gebracht haben, dafür belasten grosse Player wie etwa Zalando den Schweizer Handel umso stärker.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Konsumenrtin am 07.01.2020 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unersättliche Gier

    Seid doch endlich zufrieden wie es ist, es kann doch nicht jedes Jahr mehr umgesetzt werden, wenn das alle machen, wie soll das gehen? Kommt endlich runter von diesem Trend und verkauft anständige , gesunde Ware und nicht aus der ganzen Welt, stellt es wieder in unserem Land her, so sind wir unabhängig, ist wichtiger

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  • Jelly am 07.01.2020 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht so

    Das nenne ich reine Umsatzgier und mehr nicht.

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  • cv am 07.01.2020 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erlaubter Diebstahl

    Die Preise in diesem Land sind schlicht und einfach eine Frechheit! Ich bin und war nie ein Einkaufstourist, würde ich aber in Grenznähe wohnen würde ich nur noch im Ausland einkaufen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Xxray am 16.01.2020 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaufkraft

    Ich glaube das die sogenannte Kaufkraft der Schweizer wesentlich tiefer ist als in den Statistiken angegeben. Wenn Miete,Krankenkasse Versicherungen bezahlt sind bleibt für den Normalverdiener nicht mehr viel um auszugeben!

  • Ossi am 15.01.2020 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Bock mehr

    Auf die Einheitspampe hier zu den überrissenen Preisen.

  • Klein AberFein am 12.01.2020 02:04 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst Vernichtung Anlage Internet Shop.

    Qualität würde helfen Schweizer zu sein. zum Beispiel, Fleisch ohne Wasser. Geschmack im Produkt. Verbot für zustell Rabatte für die Post und andere Zusteller. 7 Std für Chauffeure pro Tag und 5000 Fr mindest Lohn. Firmenversand Zuschlag von 10 Fr pro Paket. Zugunsten ÖV. Billig WAREN auf Kosten der Gesundheit und Qualität mit teuren folge Kosten. Schutz ist Zwingend.

    • Die Folgen am 12.01.2020 02:20 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn mann Haie züchtet

      Wird Mann selbst gefressen! Nur möglich wenn die Berner Lobbyisten Grosshandels Privilegien kleinen Unternehmen auch gewährt.

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  • Realist am 09.01.2020 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Objektiv

    Coop/Migros vs. Aldi/Lidl. Coop und Migros stellt sehr viele Nahrungsmittel selber her oder bezieht diese von z.B Milchbauern. Aldi und Lidl sind Discounter ohne eigene Hersteller. Coop und Migros gehören zahlreiche Schweizer Produktionsfirmen für die Nahrungsmittelherstellung. Gleich CH Arbeitsbeschäftigung, CH Lohn, CH Reinvestitionen für z.B. neue Produktionsanlagen, CH Ingineering, CH Instandhaltung und noch vieles mehr. Stellt euch vor, Coop, Migros und Landi gibt es radikal ab Morgen nicht mehr. Woher kommen dann die Lebensmittel? Umsatz gleich nicht Reingewinn und der schrumpft!

  • PB am 09.01.2020 01:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist erst der Anfang

    Die Décroissance kommt. Weniger ist mehr. Weniger aber besser. Aus der Region. Weniger Geschenke. Weniger Emissionen. Besser für die Umwelt und den Menschen.