Dating- und Lösch-Funktion

05. Mai 2018 13:34; Akt: 05.05.2018 13:34 Print

Die möglichen nächsten Facebook-Skandale

von R. Knecht - Facebook hat neue Produkte und Funktionen angekündigt, doch die Nutzer sind misstrauisch. 20 Minuten zeigt, warum.

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Facebook-CEO Mark Zuckerberg hat an der Entwicklerkonferenz des Unternehmens Neuigkeiten präsentiert. Doch Nutzer haben Gründe, misstrauisch zu sein. Obwohl das Unternehmen verspricht, dass auf der hauseigenen Dating-App keine Werbung gezeigt und auch keine Daten gesammelt werden, fürchten manche Nutzer, dass Facebook beim Flirten mitlesen will. Das neue Feature «History Löschen» soll Nutzern die Möglichkeit geben, gesammelte Daten zu löschen. Doch es ist derzeit nicht klar, welche Daten betroffen sind und ob die Löschung permanent ist. Zwar will Zuckerberg dafür sorgen, dass so ein Datenleck wie bei Cambridge Analytica in Zukunft nie wieder entstehen kann – dem verunsicherten Nutzer kann der CEO aber keine Garantie bieten. Was macht Facebook mit den Videodaten von Instagram? Merkt sich das Unternehmen, von welcher Marke meine Brille oder der Rucksack in der Zimmerecke ist? Schon kurz nach der Präsentation des Prototyps von Facebook Dating kam der Verdacht auf, dass Facebook die App direkt von der Dating-Plattform Hinge abgekupfert habe. Vom Aussehen über die Features bis zur Bedienung weist vieles darauf hin. Der Facebook Messenger soll neu Nachrichten übersetzen können. Dadurch könnte es merklich schwerer werden, einen Chatbot zu erkennen, der womöglich nur Werbung machen oder Daten sammeln will. Jürg Kobel, Experte für Social Media von der Webagentur Comvation, sagt zu 20 Minuten: «Das Misstrauen der Nutzer ist verständlich.» Facebook werde mit seinen Versprechen nun sehr vorsichtig sein. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Whatsapp-CEO Jan Koum beschlossen hat, den Mutterkonzern Facebook zu verlassen. Er und Mitgründer Brian Acton galten als Verteidiger des Datenschutzes und der Werbefreiheit des von Facebook 2014 übernommenen Diensts. Acton verliess das Unternehmen bereits 2017. «Der Abgang des Gründers hängt sicherlich auch mit dem aktuellen Datenskandal bei Facebook zusammen», sagt ZHAW-Dozent Michael Klaas zu 20 Minuten. (Bild: Jan Koum in München im Januar 2016) Laut Klaas wäre es für Facebook am einfachsten, innerhalb der App Werbung zu schalten – etwa Werbebanner, wie man sie aus anderen Apps kennt. Um die Werbung noch gezielter auszuspielen, sei es denkbar, dass Facebook beginnt, wie bei seinen anderen Diensten Daten aus den Konversationen zu nutzen. (Im Bild: Facebook-CEO Mark Zuckerberg an Facebooks Entwicklerkonferenz F8) Das ist allerdings momentan wegen Whatsapps End-to-End-Verschlüsselung nicht möglich. Diese sorgt dafür, dass nur die Gesprächsteilnehmer den Klartext der Konversation lesen können, nicht aber die Anbieter der App. «Die Verschlüsselung zu lockern, wäre für Facebook allerdings ein Eigentor», so Klaas. Schliesslich habe Mark Zuckerberg erst kürzlich vor dem US-Kongress betont, wie gut die Konversationen auf Whatsapp geschützt seien. Da Facebook gerade erst in einen Datenskandal verwickelt war, müssen Konsumenten trotz Koums Abgang aber noch nicht mit Whatsapp-Werbung rechnen: «Einschneidende Veränderungen, gerade was Whatsapp angeht, dürfte Facebook vorerst vertagt haben», so Klaas. Darum ging es bei dem Skandal: Mit einer App innerhalb von Facebook verschaffte sich Cambridge Analytica Zugriff auf die Daten von 50 Millionen Nutzern des sozialen Netzwerks. Aleksandr Kogan, Dozent an der Universität Cambridge, entwickelte eine an, wenn sie die App herunterladen und nutzen. Der Knackpunkt: Die App sammelte über die Facebook-Schnittstelle nicht nur Daten des Nutzers, der sie heruntergeladen hatte, , dass ihre Informationen zugänglich waren. Ruft seine Follower zum Löschen von Facebook auf: Brian Acton, Mitgründer von Whatsapp, an einer Konferenz in Laguna Beach, Kalifornien. (25. Oktober 2016) Facebook-Chef Mark Zuckerberg äusserte sich lange gar nicht zu dem Skandal, sagte dann aber in einer zweitägigen Anhörung vor dem US-Kongress aus. Die Datenanalysefirma Cambridge Analytica, die sich mutmasslich Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern verschafft hat, beurlaubte ihren CEO, Alexander Nix. (20. März 2018) Fiel auf eine Liste des britischen Senders Channel 4 herein: Cambridge-Analytica-Chef Alexander Nix verlässt sein Büro in London. (20. März 2018) Die US-Konsumentenschutzbehörde FTC untersucht einem Bericht der «Washington Post» zufolge auch Facebook. (Archivbild) Cambridge Analytica hat nach eigenen Angaben einen Grossteil seines Wahlkampfs bestritten: US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)

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Die Wellen um den Datenskandal haben sich noch nicht gelegt, da kündigt Facebook schon eine ganze Reihe von neuen Features und Produkten an. Da dürfte man den Nutzern eine gesunde Portion Paranoia nicht übel nehmen.

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Das sind die Befürchtungen, die die an der Entwicklerkonferenz F8 vorgestellten Produkte hervorrufen könnten. Jürg Kobel, Experte für Social Media von der Webagentur Comvation, gibt jeweils seine Einschätzung dazu.


• Facebook liest beim Flirten mit
An der F8 hiess es, auf der neuen, hauseigenen Dating-App soll weder Werbung gezeigt noch sollen Daten gesammelt werden. Das scheint aber ein grosses Versprechen, wenn man bedenkt, dass CEO Zuckerberg gerade erst vor dem US-Kongress auf nachdrückliche Weise erklärt hat, dass Werbung das Gratis-Modell von Facebook finanziere. Manche Nutzer fürchten, dass Facebook irgendwann doch anfängt, das Flirt-Portal mit Werbung vollzupflastern – oder noch schlimmer: dass das Unternehmen seinen Werbekunden die Flirtgespräche der Nutzer zur Verfügung stellt.
Kobel: «Das Misstrauen der Nutzer ist verständlich. Facebook dürfte sehr vorsichtig sein, zu viel zu versprechen.»


• «History Löschen» ist ein Feigenblatt
Die Funktion «History Löschen» soll Nutzern erlauben, gesammelte Informationen vom eigenen Account zu löschen. Doch scheinen nicht alle Daten betroffen zu sein. Bereits bei der Ankündigung hiess es, dass Facebook gewisse Informationen trotzdem noch mit Entwicklern teilen werde. Solange bezüglich der Wirkung von «History Löschen» keine absolute Transparenz herrscht, bleiben Nutzer misstrauisch.
Kobel: «Solange genau kommuniziert wird, was gelöscht wird, ist die Funktion eine gute Idee. Die Frage ist vor allem, ob Daten auch wirklich definitiv gelöscht werden oder weiterhin irgendwie abrufbar bleiben.»


• Die Tore für Datensammler sind wieder offen
Der Review-Prozess für Facebook-Apps läuft wieder. Das heisst, neue Apps können wieder auf die Plattform gelangen. Theoretisch heisst dass, dass das nächste Cambridge Analytica bereits an einer Schnüffel-App arbeiten könnte. Cambridge Analytica hatte über ein Datenleck bei Facebook Informationen von bis zu 87 Millionen Usern abgegriffen. Zwar will Zuckerberg dafür sorgen, dass so ein Datenleck in Zukunft nie wieder entstehen kann – dem verunsicherten Nutzer kann der CEO aber keine Garantie bieten.
Kobel: «Ich glaube Zuckerberg schon, dass er alles versucht – aber 100-prozentige Sicherheit gibt es nie.»


• Instagram schaut sich im Zimmer um
Jetzt bekommt auch die Facebook-Tochter Instagram ein Videochat-Feature. Was macht der Mutterkonzern mit den dadurch entstehenden Videodaten? Merkt sich das Unternehmen, von welcher Marke meine Brille oder der Rucksack in der Zimmerecke ist? Überraschen würde das wohl kaum jemanden, denn zu Werbezwecken dürfte sich das lohnen. Das wäre dann ein weiterer Schritt, mit dem Facebook den Nutzern indirekt die Kontrolle entzieht: Bei Videos ist es im Vergleich zu Fotos oft schwieriger, zu kontrollieren, was alles im bewegten Bild sichtbar ist.
Kobel: «Klar, Facebook kann in Bildern vieles erkennen. Bei Videos stellt sich aber vor allem die Frage, wie man die Daten von Personen schützt, die etwa im Hintergrund auftauchen und gar nicht wissen, dass sie gefilmt werden.»


• Facebook Dating ist geklaut
Dass Dating-Apps einander ähnlich sehen, ist wohl kaum zu verhindern. Schon kurz nach der Präsentation des Prototyps von Facebook Dating kam allerdings der Verdacht auf, dass Facebook die App direkt von der App Hinge abgekupfert habe. Vom Aussehen über die Features bis zur Bedienung weist vieles darauf hin. Und überraschen würde es eigentlich auch nicht, nachdem Facebook vor zwei Jahren die Stories-Funktion von Snapchat mir-nichts-dir-nichts für Instagram kopiert hat.
Kobel: «Es ist gut möglich, dass Facebook erst mal bei der Konkurrenz abgeschaut hat. Das ist frech, aber der Konzern hat nun mal die Macht und die Anwälte, um so etwas zu tun.»


• Übersetzung maskiert Werbung
Der Facebook Messenger soll neu Nachrichten übersetzen können. Dadurch könnte es merklich schwerer werden, einen Chatbot zu erkennen, der womöglich nur Werbung machen oder Daten sammeln will. Denn wenn man normalerweise mit einem Algorithmus spricht, kann man den künstlichen Gesprächspartner oft noch anhand der eingeschränkten Eloquenz entlarven. Wenn der Chatbot aber Russisch spricht und eine Übersetzung angezeigt wird, wird schnell unklar, ob die Sprachgewandtheit des Gegenübers wirklich so niedrig ist oder ob es einfach an der Übersetzung hapert.
Kobel: «Momentan werden die Möglichkeiten von Chatbots noch ein bisschen überschätzt. Und fragwürdige Übersetzungen würden eher dazu führen, dass die Kommunikation abbricht.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • The Guescht am 05.05.2018 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raus aus...

    ...der Datensammelstelle. Ich habe mein Profil vor 3 Wochen gelöscht und darf sagen, ich vermisse es absolut nicht. Kann es nur empfehlen!!!

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  • Domi am 05.05.2018 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Delete

    Deswegen habe ich fb vor einigen monaten gelöscht ist viel besser ohne

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  • Michelle am 05.05.2018 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der gläserene mensch

    Heute kann man noch fb und whatsapp löschen, doch was ist mit anderen anbieter, wie telegram, wechat, threema usw.? Ob die nicht auch bald das gleiche machen? Schliesslich möchte jeder anbieter viel geld verdienen. Irgendwann können wir uns ohnehin nicht mehr davor drücken, alles läuft nur noch über das internet und man muss immer mehr preis geben, sei es beim abschliessen eines handyabos oder bei sonst was. Und irgendwann bekommen wir einen chip reingepflanz und wer ihn rausreisst ist ein krimineller. Manche filme sind schon realität geworden und andere werden zur realität.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Deville Luc am 07.05.2018 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deine Zukunft

    Dieser sogenannte Skandal wurde nur gebraucht um neue Gesetze zu verabschieden die uns in Zukunft zu einem gläsernen Menschen machen, dann spielt es keine Rolle ob du noch ein Facebookprofil hast oder nicht denn deine Daten (private Fotos usw) musst du aus Sicherheitsgründen preisgeben ob du willst oder nicht denn sonst kannst du weder Auto fahren noch fliegen bzw. gar nicht mehr am Leben teilnehmen. Und warte ab, es kommt noch besser denn dieser Chip muss vielleicht gar nicht kommen denn unser Smartphone ist damn der Schlüssel zum Leben.

    • marko 33 am 07.05.2018 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Deville Luc

      Genau das ist meine Meinung

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  • David M. am 06.05.2018 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abfindung!

    Eigentlich sollte die schweiz eine Sammelklage einreichen und eine gewaltige Abfindung verlangen! Oder dürfen das nur die US Behörden von Schweizer Firmen machen?

  • Heidi Heidnisch am 06.05.2018 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Totale Kontrolle

    Der nächste grosse Skandal wird sein, wenn plötzlich herauskommt, dass Suggarbörg ein Android ist, und Facebook schon längst von CIA/NSA & Co. befehligt wird. Gibt es etwas Schöneres für einen machthungrigen Staat als die totale Kontrolle?

  • ds am 06.05.2018 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Zweck

    Habe FB mal for 4 jahren ca ein halbes Jahr gehabt aber mich dann gefragt..was kümmern mich anderen ihre Probleme und vorallem wiso sollte es mich interessieren wo sie ihre Wochenenden und Ferien verbringen?

  • Rico Steiner am 06.05.2018 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stop Facebook!

    Ex VW-Chef riskiert sein ganzes Vermögen, obwohl VW seither der grösste Automobilhersteller war. Doch Zuckerberg, stehlt Daten, zerstört Familien, missbraucht Datenschutz, und was hat er am Ende gesagt!? SORRY. Im ernst, diese Gesetze sollte man alle revidieren. Zuckerberg sollte eigentlich schon lange sitzen. Ich empfehle allen FB umgehend zu löschen!