Sparen, Haus, Familie

29. August 2019 11:42; Akt: 29.08.2019 11:42 Print

So kann ich schon jetzt die Pensionslücke ausgleichen

Heute 30-Jährige erwartet bei der Pensionierung ein deutlich tieferes Pensionskassenvermögen. Das können sie tun.

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30-Jährigen schmilzt bis zur Pension ein grosser Teil des Pensionskassenguthabens weg. Sollten die tiefen Zinsen anhalten, haben sie im Rentenalter ein Drittel weniger aus der 2. Säule zur Verfügung, wie eine Untersuchung des Vergleichsportals Comparis zeigt. Welche Alternativen zur Pensionskasse gibt es? Experten nennen die Vor- und Nachteile.

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1. Auf eigene Faust sparen

Junge sollten jedes Jahr in die Säule 3a (freiwillige Vorsorge) einzahlen, rät Karl Flubacher vom VZ Vermögenszentrum. Das müsse nicht unbedingt der von der Steuer befreite Maximalbetrag von jährlich 6826 Franken – oder rund 570 Franken im Monat – sein. Auch weniger helfe schon. Allerdings gebe es praktisch keinen Zins. Flubacher rät deshalb zur dritten Säule mit Wertschriften, da die Rendite meist besser sei. Wer ab 30 den Maximalbetrag einzahle, könne bei einer Rendite von 2 Prozent pro Jahr bis zur Pensionierung 341'000 Franken ansparen. Der Experte weist aber darauf hin, dass dieses Geld zweckgebunden ist, es sich also nicht schnell abheben und für alles Mögliche ausgeben lässt.

2. Eigene Immobilie

Wer sich sein Pensionskassenvermögen für den Haus- oder Wohnungskauf auszahlen lässt, sitzt zwar in den eigenen vier Wänden. Doch Flubacher vom VZ rät von diesem Schritt ab, weil der Immobilienkauf die Pension verschlechtere. Dann fehlt das Geld zum Leben im Alter. Sollten sich Junge die Immobilie leisten, ohne das Pensionsgeld anzuzapfen, wäre das empfehlenswert. Doch könnten sich viele Junge eigenes Wohneigentum durch die stark gestiegenen Preise derzeit nicht mehr leisten. Laut Comparis-Experte Leo Hug ist ausserdem Fachwissen nötig, wolle man eine Immobilie als Anlageart nutzen. Eine Investition in eine Immobilie sei immer ein Risiko und könne etwa bei einem Immobiliencrash zu hohen Verlusten führen. Als mögliche Alternative rät Hug zu Immobilienfonds.

3. Länger arbeiten

Politisch ist eine Erhöhung des Rentenalters umstritten. Länger freiwillig zu arbeiten, kann sich lohnen, auch in Teilzeit. Ein Mann, der seine AHV-Rente erst mit 70 statt mit 65 bezieht, bekommt 31,5 Prozent mehr Rente, sagt Karl Flubacher. Bei der Frau sei es von 64 bis 69 um ein Jahr verschoben. Mit längerem Arbeiten lässt sich nämlich weiter in die dritte Säule einzahlen. Gegen ein höheres Rentenalter ist jedoch der Schweizerische Gewerkschaftsbund. Er hat dabei vor allem die erste Säule, nämlich die AHV im Fokus, wie Sprecher Thomas Zimmermann betont. Mit einer höheren AHV-Rente solle ein würdiges Leben im Alter möglich sein, ohne beim Staat noch Ergänzungsleistungen beziehen zu müssen. Die Arbeitgeber dagegen sind für eine Erhöhung des Rentenalters. Und zwar zusammen mit einer Zusatzfinanzierung, wie Martin Kaiser vom Schweizerischen Arbeitgeberverband sagt. Um wie viel länger gearbeitet werden müsse und wie hoch der Zustupf sein solle, um die Rentenlücke zu füllen, müsse alle paar Jahre neu beurteilt werden.

4. Familie unterstützt

Reicht die Rente nicht, könnten auch Kinder, Neffen, Nichten und weitere Familienmitglieder finanzielle Unterstützung bieten. Das ist in anderen Ländern üblich, kommt in der Schweiz aber selten vor. Laut Leo Hug von Comparis ist es in der Schweiz gerade anders herum und viele Eltern unterstützen ihre erwachsenen Kinder noch finanziell oder auch durch familiäre Hilfe, etwa mit Kinderbetreuung. Da aber liesse sich ansetzen: Für diese Betreuung könnten die Eltern ein Zusatzeinkommen von ihren Kindern erhalten, sagt Karl Flubacher vom VZ. Denn die jüngere Generation spare schliesslich so Geld für Kita-Plätze. Allerdings sind dann auch keine Steuerabzüge für die Kita-Kosten mehr möglich.

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 28.08.2019 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Angstmacherei?

    Wenn Tiefzinsen 30% meiner PK wegfressen, dann würde ich mein Geld gern lieber selber behalten und damit meine Rente erwirtschaften. Kann ja nicht sein, das man keine Strategien dagegen an- und umsetzt. Was arbeiten eigentlich für Pappenheimer bei der PK?

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  • Martin Schildknecht am 28.08.2019 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch!

    Die hohen Managementgehälter und dadurch -gebühren fressen es weg!

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  • Jörg Frei am 28.08.2019 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ....

    als ist es unnötig in die pension einzuzahlen!!! weil dass geld sowiso fehlt!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Koni Kunz am 29.08.2019 23:58 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocker

    PK dient nur den Geldinstituten. "Versicherte" wie auch Arbeitgeber machen zweite. Es war ein Leichtes in den letzten 7 Jahren Vermögen selbständig zu vervielfachen.

  • Mike F. am 29.08.2019 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Das ganze hat System !

    Das ist ALLES kein Zufall ! Den meisten geht es zu gut darum sind viele Blind ! Operation Libero ist das pure Gegenteil aber wir laufen zum 10 mal ins offene Messer !

  • Motzimuus am 29.08.2019 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Ich finde das nicht korrekt da werden wieder die Jungen gegen die Alten ausgespielt.Ich habe freiwillig mit 20.Jahren schon PK eingezahlt und AHV 40Jahre ich bekomme gleich nicht die volle Rente.Wieso macht ihr nicht endlich die Banken verantwortlich die sind Schuld,da sie kein Zins geben.Wieso kommt ihr immer ach die armen Jungen büssen und bekommen nichts.Und wir, was sollen wir sagen,als wir AHV eingezahlt haben,hat es noch keiner gegeben der AHV eingezahlt hatte die haben damals alle die volle Rente bekommen und wir haben nicht gejammert.Und hört auf die Jungen gegen die Alten zu hetzen.

  • kurz vor dem Auswandern nach Spanien am 29.08.2019 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ausrichtung der Politik in der Schweiz

    Ich habe gestern einige Kommentare verfasst und sehe, dass der Artikel immer noch die Gemüter bewegt und offensichtlich keine guten Argumente für unser System genannt wurden - die Politik sollte also dringend handeln! Eine Anmerkung: ein spanischer Gastarbeiter hat mir vor vielen Jahren den Unterschied zwischen einem Schweizer und Spanier erklärt. Der Spanier arbeitet zum leben und die Schweizer leben zum arbeiten! Unsere Politik ist danach ausgerichtet - auch die PK. Der Mittelstand blutet aus ...

  • ilas am 29.08.2019 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die alten habens

    und die 'alten' jammern immer. haben aber zu den goldenen zeiten gelebt, nicht von anfang an eingezahlt und bekommen aber volle ahv. not cool!!!!!!

    • frühpensioniert ohne AHV am 29.08.2019 22:18 Report Diesen Beitrag melden

      AHV versus Pensionskasse

      Hier wird die AHV und die Pensionskasse verwechselt! Bei der PK hat jeder nur Anrecht auf sein eigenes Alterskapital. Bei der AHV findet eine Umlagerung statt und nur anfänglich gab es Bezüger, die nicht einbezahlt haben. Bei fehlenden Jahren findet heute eine starke Kürzung statt. Die aktuelle Umlagerung ist aus sozialen Ueberlegungen gerechtfertigt, hingegen ist die Plafonierung bei Ehepaaren störend, da Konkubinats-Paare mehr AHV erhalten. Die Verfassung sieht eigentlich vor, dass die Familie gefördert wird. Sollte also berücksichtigt werden (and. Beispiel: Heiratsstrafe bei Bundessteuer).

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