Knall bei ABB

17. April 2019 11:02; Akt: 17.04.2019 18:19 Print

Das steckt hinter dem Abgang des ABB-CEO

von Dominic Benz - ABB-Chef Spiesshofer ist abgetreten. Was sind die Gründe? Warum jubelt die Börse? Die wichtigsten Antworten.

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Es ist der grosse Knall bei ABB: Ulrich Spiesshofer gibt per sofort seinen Posten als CEO ab. Das teilte der Schweizer Industriekonzern am Mittwochmorgen mit. Was steckt hinter dem Abgang? Und warum ist der Kurs der ABB-Aktie nach der Ankündigung im Hoch? 20 Minuten hat die wichtigsten Antworten:

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Was ist passiert?

Spiesshofer war seit 2013 Chef von ABB. Doch nach insgesamt 14 Jahren beim Konzern ist jetzt Schluss. Spiesshofer tritt überraschend ab, Präsident Peter Voser übernimmt interimistisch. Laut Mitteilung haben sich ABB und Spiesshoffer «drauf geeinigt, dass er von seiner Funktion zurücktritt». Der Suchprozess für einen neuen CEO wurde eingeleitet.

Wie soll man die offizielle Begründung interpretieren?

Laut dem Kommunikationsexperten Andreas Bantel hat ABB wie in solchen Fällen üblich eine codierte Sprache verwendet. So stehe das Wort «geeinigt» oft für eine Trennung ohne Einigkeit. «Das klingt nach Harmonie, damit man gegenseitig das Gesicht wahren kann», sagt Bantel zu 20 Minuten. Für ihn ist angesichts der Wortwahl klar, das der kleinste gemeinsame Nenner vorgelegen haben muss: «Man hat sich darauf geeinigt, dass man sich nicht einig ist.»

Was ist die Rolle der Grossaktionäre?

Zu den grössten ABB-Aktionären gehören die schwedischen Investorunternehmen Investor AB (10,7 Prozent) und Cevian Capital (5,3 Prozent). Letztere drängte seit Jahren auf eine Verschlankung der Konzernstruktur und eine Abspaltung der Stromsparte. Dagegen wehrte sich Spiesshofer. Ende 2018 gab ABB dem Druck nach und verkaufte die Sparte an die japanische Hitachi. Seit kurzem ist nun auch Artisan Partners mit 3 Prozent Grossaktionär. Die US-Investmentgesellschaft verlangt eine weitere Aufspaltung des Industriekonzerns.

Was steckt hinter Spiesshofers Abgang?

Spiesshofer dürfte sich gegen eine weitere Aufspaltung von ABB gewehrt haben. «Er ist ein Zusammenhalter», sagt Corina Hennig, Anlagespezialistin bei der Bank Cler, auf Anfrage. Offenbar habe es keinen Konsens über die künftige Firmenstruktur von ABB gegeben. Wie der Interimschef an einer Telefonkonferenz sagte, ist es wegen eines kulturellen Wandels bei ABB zu Spiesshofers Abgang gekommen.

Was kommt jetzt auf ABB zu?

ABB steckt mitten in einer Transformation. Mit der Abspaltung der Stromsparte ist der Konzern schmaler aufgestellt. Er konzentriert sich nun auf die neuen Geschäftsbereiche Elektrifizierung, Industrieautomation, Antriebstechnik sowie Robotik und Fertigungsautomation. Laut Anlagespezialistin Hennig dürfte der Ruf der Aktionäre nach einer weiteren Aufspaltung grösser werden. ABB selbst betont, die Unternehmensstruktur weiter vereinfachen und die angekündigten Kosteneinsparungen erzielen zu wollen.

Wie steht ABB da?

ABB hat gleichzeitig mit dem Rücktritt zwei Wochen früher die Zahlen für das erste Quartal präsentiert (siehe Box). «Diese sind solide», sagt Hennig. Die Zahlen habe man jetzt vorlegen müssen, da es sonst wegen des Chefwechsels Spekulationen gegeben hätte. ABB sei gut aufgestellt. Das Geschäftsmodell sei vereinfacht, die bisherige Matrixstruktur aufgelöst und die Kostenstruktur gestrafft worden.

Warum steigt der Aktienkurs?

Die Börse jubelte nach dem Rücktritt. Der Aktienkurs legte um über 6 Prozent zu. Für die «Handelszeitung» ist das Plus «ein schwungvoller Tritt in den Allerwertesten, ein Kick zur Tür hinaus». Auch für Hennig ist die Kursexplosion bitter für Spiesshofer. Die Investoren würden damit zu verstehen geben, dass der «Bremser» nun endlich weg sei. Die Hoffnung auf einen steigenden Aktienkurs ist gross. Seit Jahren dümpelt dieser bei 20 Franken herum. In der CEO-Zeit von Spiesshofer hat der Kurs (ohne Dividende) um minus 0,24 Prozent nachgegeben. Zum Vergleich: Der Schweizer Aktienindex SPI legte in derselben Zeit um 50 Prozent mehr zu.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fred am 17.04.2019 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    ABB ohne Strom

    ABB hat Strom im Kerngeschäft. Warum drängen Grossaktionäre auf Abspaltungen von Strom bezogenen Geschäftsteilen? Weil diese unrentabel sind? Weil die Grossaktionäre Interessen in dem haben, was mit dem abgespaltenen Teil nach der Abspaltung passiert? Oder hoffen die Grossaktionäre auf einen kurzweiligen Aktienkursaufschwung? Aktionäre haben oft Eigeninteressen, welche dem Unternehmen schaden können. Traurig für das Unternehmertum.

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  • Ehemaliger Lehrling am 17.04.2019 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach Schade

    Die Stromsparte ist das zukünftige Geschäft, da ABB als erste Firma den Stromschalter inklusive Patente entwickelt hat. Dieser Markt wird wird zukünftig riesiges Potenzial haben. Ich als langjähriger Aktionär kann dies nicht nachvollziehen. Die Japaner wittern das grosse zukünftige Geschäft. Aber eine kurzfristige Denkweise scheint modern zu sein. Einfach Schade, hatte vor 60 Jahren in dieser Firma (dazumal MFO) meine Lehre absolviert.

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  • Paul Barnevik am 17.04.2019 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Der neue CEO a.i., VRP Voser, soll gemäss Radio SRF auch gegen weitere Abspaltungen sein. Was macht die Übung für einen Sinn? Den Heuschrecken geht es doch nur darum, den Laden auszunehmen. Wie ist Spiessenhofer vertraglich abgesichert oder anders herum gefragt, wieviele Millionen Abgangsentschädigung müssen ihm ausbezahlt werden?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ralph am 19.04.2019 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Marodes Unternehmertum

    ABB ist schon lange keine Referenz für eine nachhaltige betriebswirtschaftliche Entwicklung mehr. ABB steht für Spekulanten ohne Bezug zum Geschäft der ABB. So wird dieses Unternehmen an die Wand gefahren. Was tut eigentlich die Politik in der Schweiz. Man schaut, dass solcherlei charakterloses Spielen mit dem Schicksal der Arbeitnehmer auch noch mit einem verräterischen Rahmenabkommen flankiert wird. Pfui.

    • Xeno72 am 19.04.2019 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Himmel hilf@Ralph

      Sie wollen jetzt aber schon nicht, dass der Bund die ABB kauft, oder?

    • Martial2 am 21.04.2019 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ralph

      ABB erzielt soweit es bekannt ist, immer noch riesigen Umsätze und tollen Gewinne, mit Geschäfte auf die ganze Welt... Für dieser Konzern sehe ich keine Gefahr!

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  • Malo am 18.04.2019 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Verrechnungssteuer befreit

    Was gut ist an ABB die Dividenden sind Verrechnungssteuer befreit. Darum ist der Titel auch attraktiv.

    • Xeno72 am 18.04.2019 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Chabis@Malo

      Bitte was?

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  • Mit Arbeiter am 18.04.2019 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Seht doch das Gute

    ABB muss sich den Maerkten anpassen. Das geht besser mit 4 eigenstaendigen, kleineren Firmen als einer uebeholten historischen Struktur. Besser fuer alle: Fuer Buetzer, Kunden und Aktionaere (Pensionskassen)

    • seppentoni am 20.04.2019 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mit Arbeiter

      Sicher nicht für die Büetzer. Die haben nun Japaner als Chefs. Die machen früher oder später den Laden in der Schweiz dicht.

    • Martial2 am 21.04.2019 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @seppentoni

      Keine Japaner sondern vorwiegend Deutsche Manager. Anscheinend ist ein Schweizer nicht fähig dazu!

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  • SD1980 am 18.04.2019 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtiger Vergleich

    50% entspricht dem SPI mit Dividenden, es werden Äpfel mit Birnen verglichen. Der Unterschied ohne Dividende ist mit über 26% SPI-Performance immer noch hoch

  • Roland am 18.04.2019 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Irreführender Vergleich

    "...In der CEO-Zeit von Spiesshofer hat der Kurs (ohne Dividende) um minus 0,24 Prozent nachgegeben. Zum Vergleich: Der Schweizer Aktienindex SPI legte in derselben Zeit um 50 Prozent mehr zu...." Wer einzelne Aktienperformance mit dem SPI Index vergleicht, versteht rein gar nix vom Börsengeschäft.

    • Xeno72 am 18.04.2019 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roland

      Wird aber am laufenden Band gemacht. Über die Sinnhaftigkeit lässt sich natürlich streiten. Diese Benchmark ist aber für einmal keine Eigenkrwation von 20M.

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