Wilma

05. November 2019 14:16; Akt: 05.11.2019 14:20 Print

Das steckt hinter dem neuen Boarding der Swiss

Die Schweizer Airline führt einen neuen Boarding-Prozess ein. Wo gibts es jetzt Änderungen, und warum sind Experten skeptisch? Die wichtigsten Antworten.

Swiss führt die neue Boarding-Methode Wilma ein (Video: 20 Minuten).
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Die Swiss führt eine neue Boarding-Methode namens Wilma ein. Passagiere müssen daher schon bald genauer auf ihr Ticket schauen, um in der richtigen Reihenfolge ins Flugzeug zu kommen. Wie sieht das neue Verfahren also aus? Und was sind die Nachteile? Die wichtigsten Antworten:

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Was ist Wilma?

Beim neuen Boarding-Verfahren werden die Passagiere künftig danach aufgeteilt, ob sie einen Platz am Fenster, in der Mitte der Sitzreihe oder am Gang gebucht haben. Es spielt also keine Rolle mehr, ob man hinten oder vorn im Flugzeug sitzt. Im Englischen lautet die Reihenfolge also «Window-Middle-Aisle», was in der Airline-Branche mit «Wilma» abgekürzt wird.

Wie sieht die Boarding-Reihenfolge konkret aus?

Auf dem Flugticket wird es neben Abflug-Gate und Sitzplatznummer eine neue Rubrik geben, nämlich die Boarding-Gruppen 1 bis 5. Unverändert haben Familien mit kleinen Kindern sowie hilfsbedürftige oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Passagiere Vorrang. Dann erst dürfen unabhängig von ihrem Sitzplatz die Fluggäste der Gruppen 1 und 2 einsteigen, also privilegierte Vielflieger sowie Passagiere mit teuren Business- oder Ecoflex-Tickets. Dann folgen die Economy-Passagiere am Fenster der Gruppe 3, in der Mitte der Gruppe 4 und am Gang der Gruppe 5. Eine Ausnahme gibt es für Personen, die zusammen reisen: Sie werden in dieselbe Gruppe eingeteilt. Kinder werden also nicht von ihren Eltern getrennt, und auch Paare oder Gruppen können weiterhin zusammen einsteigen.

Was soll Wilma bringen?

Mit der neuen Boarding-Methode will die Swiss Zeit sparen und pünktlicher werden. Das Aufstehen der schon am Gang sitzenden Passagiere für alle, die später kommen und sich noch auf den Sitz in der Mitte oder ganz ans Fenster quetschen müssen, soll mit Wilma entfallen. Denn das kostet Zeit und blockiert den Gang des Flugzeugs. Tests haben gezeigt, dass sich mit
Wilma die Dauer des Boardings um rund 2 Minuten auf eine Viertelstunde verkürzen lässt. Letztlich ist für Airlines jede eingesparte Minute wichtig, denn viele Pünktlichkeits-Rankings registrieren erst Flüge mit über 15 Minuten Verspätung. Zusätzlich sollen mit Wilma die stressigen Konflikte minimiert werden, die beim Gerangel um den richtigen Sitz entstehen.

Was sagt der Experte?

Aviatik-Experte William Agius ist skeptisch. In der Theorie funktioniere das neue Boarding vielleicht, sagt er zu 20 Minuten. «In der Praxis ist es aber zum Scheitern verurteilt, wenn man die Methode nicht konsistent durchsetzt.» Ein Problem sieht Agius demnach darin, dass Gruppen, Familien oder privilegierte Passagiere trotzdem zusammen einsteigen können, egal, wo diese sitzen. Zudem müssten die Passagierströme bereits vor dem Gate richtig gelenkt werden. «Sonst verschiebt man die Problematik lediglich vom Innern des Flugzeugs nach draussen», so der Experte.

Was sind die Nachteile?

Ein Problem ist, dass die Boarding-Reihenfolge wohl kaum konsequent umgesetzt werden kann, denn viele Fluggäste sind zu Beginn des Boardings noch gar nicht am Gate und treffen erst später ein. Egal, wie gut eine Boarding-Methode ist – es können jeweils bis ganz am Schluss des Boarding-Prozesses Passagiere mit einem Fensterplatz ins Flugzeug kommen. Kritik gibts bereits von Passagieren im Internet. Viele glauben nicht, dass Wilma das Einsteigechaos beseitigt. Für sie ist das Gerangel um den knappen Platz in den Gepäckablagen oberhalb der Sitze verantwortlich für die Staus auf den Gängen. Weil die Airlines für jedes aufgegebene Gepäckstück die Passagiere zur Kasse bitten, nehmen die Reisenden immer mehr Handgepäck in die Kabine mit. Passagiere, die später kommen, haben oft keinen Platz mehr für ihr Handgepäck.

Wo wird Wilma eingesetzt?

Wilma führt der Lufthansa-Konzern ab dem 7. November über den Winter schrittweise auf Europa-Flügen der Lufthansa und ihrer Töchter Austrian und Swiss ein. Bei der Schweizer Airline wird die neue Boarding-Methode aber nur bei wenigen Flügen eingeführt. So etwa bei solchen ab Amsterdam, Kopenhagen, Palma de Mallorca, London City, Manchester, Dublin, Rom oder Florenz. Die Gesellschaften Air France und British Airways setzen schon seit längerem auf das Wilma-Boarding.

Warum gibts Wilma nicht ab Zürich?

Laut Swiss hat man bereits mit Einführung des Economy-Light- Tarifs, der kein aufgegebenes Gepäck im Flugpreis enthält, zahlreiche Massnahmen ergriffen, um die Handgepäckmenge und damit auch das Boarding-Verfahren besser zu steuern. «So ist die Handgepäckkontrolle am Gate bereits ein standardisierter Prozess», sagt ein Sprecher auf Anfrage. Diese Massnahmen hätten sich bewährt und seien nicht ohne weiteres mit dem neuen Boarding-Verfahren vereinbar. In Zürich und Genf stiegen die Passagiere daher weiter nach der bisherigen Boarding-Methode ins Flugzeug.

(Mit Material der SDA)

(dob)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jacky am 05.11.2019 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin FA

    Ich bin FA und sehe es jeden Tag, wie verpeilt Fluggäste sein können. Ich hoffe sehr, denke aber kaum, dass diese Methode eine positive Wirkung haben wird. Wenn die Passagiere auf ihren Plätzen sitzen, müssen sie noch schnell etwas aus dem Hatrack holen oder müssen noch schnell auf's WC oder haben den komplett falschen Sitz eingenommen. Die Passagiere sind einfach unberechnbar.

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  • Martin Hess am 05.11.2019 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geordnetes Boarding

    Als Vielflieger begrüsse ich diese Art von Boarding. Es gibt nichts schlimmeres als die Wenigflieger, die kaum, wird der Aufruf zum einsteigen gegeben alle aufstehen und ein riesiges Chaos vor dem Schalter verursachen. Manchmal kommt es mir vor, wie eine Herde wilde Tiere. Genauso sollte es auch beim verlassen des Flugzeugs geschehen. Auch da können es die meisten Passagiere nicht wahrhaben, dass nach dem das Flugzeug die Parkposition erreicht hat, einige Zeit vergeht, bis man aussteigen kann.

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  • Tombeo am 05.11.2019 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Probieren wir es doch zuerst mal aus ...

    ... meckern können wir dann immer noch ....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • srf1 am 10.11.2019 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    TV Dokumentation

    Am kommenden Donnerstag erscheint eine Dokumentation im Fernseher. Ist die Erde wirklich nur noch zwei Grad von einer Klimakatastrophe entfernt? Was: Dok - Der Klimawandel Wo: SRF 1 Wann: 14. November um 20:05 Uhr ..........:........:..

  • kein Befürworter von WILMA am 07.11.2019 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Problem Gepäckablage für Gangsitzer

    Hauptproblem wird sein, dass die Gangsitzer (bin ich auch) dann nur noch volle Gepäckablagen vorfinden und das ist nicht okay. Es gibt zuviele, welche als Handgepäck den halben Hausrat mitschleppen und dann die Gepäckablage mehrer Passgiere belegen. Dies war bisher der Grund, warum ich möglichst schnell einsteige....ich bleibe dafür Sitzen bis es wirklich zum Aussteigen kommt und nicht schon kurz nach der Landung im Gang wartend auf den Auslass.

    • srf1 am 10.11.2019 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @kein Befürworter von WILMA

      Am kommenden Donnerstag erscheint eine Dokumentation im Fernseher. Ist die Erde wirklich nur noch zwei Grad von einer Klimakatastrophe entfernt? Was: Dok - Der Klimawandel Wo: SRF 1 Wann: 14. November um 20:05 Uhr ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

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  • Lukas am 07.11.2019 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    In anderen Ländern funktionierts!

    War letzthin in Südamerika ... dort hat dies, sowohl bei nationalen wie bei internationalen Flügen, mit den 6 Boarding-Gruppen perfekt funktioniert. Personen, welche zu früh anstanden und somit die falsche Boarding-Gruppe hatten wurden konsequent zurückgewiesen. Evt. muss man bei uns die Passagiere etwas erziehen bis es funktioniert...

    • srf1 am 10.11.2019 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lukas

      Am kommenden Donnerstag erscheint eine Dokumentation im Fernseher. Ist die Erde wirklich nur noch zwei Grad von einer Klimakatastrophe entfernt? Was: Dok - Der Klimawandel Wo: SRF 1 Wann: 14. November um 20:05 Uhr 1-

    • Samuel K. am 10.11.2019 17:20 Report Diesen Beitrag melden

      @ srf1

      Und was haben Ihre Kommentare mit Flugzeug-Boarding zu tun???

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  • Susu am 07.11.2019 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Why not

    Interessante Methode. Wäre gut wen man es beim Aussteigen regeln würde, damit nicht alle immer schon aufstehen sobald man am Boden ist. Wäre doch einfacher ein System zu haben wo Reihe für Reihe rausgeht und nicht alle durcheinder^^

    • Freier Mensch am 07.11.2019 21:07 Report Diesen Beitrag melden

      Aehmm sorry

      aber aussteigen können nun wirklich nicht zuerst die Hintersten. Weshalb da viele schon nach dem Andocken aufstehen kann ich mir nur durch fehlende Erfahrung erklären.

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  • Ady am 07.11.2019 07:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ja super erklärt das wissen wir alle auch

    Aber was sind die Gründe und wie man es verbessern könnte?