Ungeklärte Fragen

17. April 2018 19:04; Akt: 17.04.2018 19:04 Print

Sechs Hürden für das selbstfahrende Auto

von R. Knecht - Noch werden autonome Autos in der Schweiz nur getestet. Sechs Hürden, die es noch zu überwinden gilt.

Experten halten vor allem das Gesetz und die Technik selbst für Faktoren, die die Einführung von selbstfahrenden Autos verlangsamen. (Video: rkn)
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Die Schweiz will zu einer Pionierin in Sachen autonomes Fahren werden – das haben Vertreter von Firmen wie SBB und TCS, aber auch vom Bundesamt für Strassen und Verkehr (Astra) beschlossen. Die grössten Hürden für das automatische Fahren in der Schweiz seien genau die gleichen wie auch überall sonst, sagt Jörg Beckmann, Geschäftsführer der Mobilitätsakademie des TCS, zu 20 Minuten. Was fehlt alles noch, bis die autonomen Autos aus der Testphase rauskommen?

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Was würden Sie in einem selbstfahrenden Auto tun?

• Gesetze
Die Technik eilt dem Gesetz voraus, sind sich Experten einig. Fabienne Perret, Leiterin Verkehr beim Beratungs- und Entwicklungsdienstleister EBP, geht davon aus, dass der Unterschied zwischen dem, was Autos können, und dem, was sie in der Schweiz aus regulatorischer Sicht dürfen, in den nächsten Jahren immer noch grösser werden wird. Michael Nikowitz, der sich in Österreich am Bundesministerium für Verkehr mit der Etablierung des rechtlichen Rahmens befasst, erklärt, dass das wegen der komplexen Technologie sehr schwierig sei.

• Technologie
Derzeit seien etwa verschneite Strassen eine Herausforderung für autonome Autos, sagt Beckmann vom TCS. Ein weiterer technischer Aspekt ist die sogenannte Redundanz, also dass selbstfahrende Systeme bei einem Ausfall die Kontrolle zuverlässig an einen Insassen übergeben, wie Experte Nikowitz erklärt.

• Datenschutz
Gerade nach mehreren aktuellen Datenskandalen ist der Schutz von Daten auch bei der Entwicklung von selbstfahrenden Autos ein prominenter Aspekt. «Daten dürfen nicht im Namen der Digitalisierung geopfert werden», betont TCS-Präsident Peter Goetschi. Einerseits gilt es, sicherzustellen, dass etwa Informationen über den Standort von Verkehrsteilnehmern nicht ohne deren Einwilligung weitergegeben werden. Andererseits ist laut Experte Nikowitz gerade auch die Cyber-Security ein grosses Thema. Daten, die das Fahrzeug fürs autonome Fahren benötigt, müssen etwa vor Hackerangriffen geschützt sein.

• Nutzerakzeptanz
Will der Nutzer überhaupt die Hand vom Steuer nehmen? «Das private, eigene Fahrzeug ist mit viel Emotionalität verbunden», so Beckmann vom TCS. Darum stelle sich die Frage, wie Nutzer komplett fahrerlose Autos annehmen würden. Hier seien derzeit Forschungsprojekte im Gange. Vor allem aus wirtschaftlicher Sicht ist der emotionale Aspekt wichtig: Dafür seien Konsumenten bereit zu zahlen, sagt Jürg Röthlisberger, Direktor des Astra.

• Mischverkehr
Automatisierte Autos müssen lernen, die Strasse mit menschlichen Fahrern zu teilen. Nikowitz rechnet damit, dass die beiden Fahrzeugtypen jahrzehntelang koexistieren werden. Momentan werde daran geforscht, wie in dieser Situation die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer gewährleistet werden könne.

• Ethik
Wer übernimmt die Verantwortung bei einem Unfall? Schränkt Automatisierung unsere Freiheit ein? Diese und ähnliche Fragen versucht Matthias Lutz-Bachmann, Mitglied der Ethikkommission fürs automatisierte Fahren der deutschen Bundesregierung und Philosophie-Professor an der Universität Frankfurt, zu klären. Aus seiner Sicht gilt es primär, die Autonomie des Menschen zu erhalten und Schäden zu verhindern. Eine Technologie, die darauf abzielt, Aufgaben des Menschen zu übernehmen, wirft viele ethische Fragen auf.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Driver am 17.04.2018 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    was für Mutige

    Wenn ich sehe wie (un)zuverlässig die Elektronik in meinem neuen, sogenannten Premiumfahrzeug funktioniert graut mir vor der Vorstellung das Fahren einem Computer zu überlassen

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  • Tom am 17.04.2018 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nö sieben!

    Ich bin die letzte Hürde, den ich werde nie im Leben in sowas rein sitzen!

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  • ueli fischer am 17.04.2018 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2040

    das wird noch 20 Jahre dauern...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Noa Barthlome am 18.04.2018 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Und Batterieautos

    Ich hab was Beunruhigendes gelesen, nämlich, dass es in wenigen Jahren nicht mehr genug Erdöl und damit auch nicht mehr Benzin gibt, weil die Menschen so viel davon gebraucht haben. Was meint ihr, wird autonomes fahren auch mit den neuen Batterieautos gehen?

  • Desirée Sommer am 18.04.2018 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    Für mich gut, da kein Fahrausweis

    Ich bin leider mehrmals durch die Prüfung gerasselt und habe deshalb kein Fahrausweis. Mit einem fahrerlosen Auto hätte auch ich die Möglichkeit, mich am Verkehr zu beteiligen. Ich denke, es geht vielen so. Natürlich wird dann der Verkehr zunehmen, aber bei Staus kann man dann lesen, stricken, sich schminken oder sogar ein Glas Wein trinken, was man jetzt ja noch nicht darf.

  • Meinereiner am 18.04.2018 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Kann kaum erwarten

    Selbst fahrende Autos wären super - dann könnte man endlich den ÖV abschaffen

  • Rudolf Baumann am 18.04.2018 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nur sinnvolle und logische Entwicklung

    Autonomes Fahren ist die einzig sinnvolle Weiterentwicklung des Autos. Der Mensch ist geboren um gefahren zu werden.

  • Shredder X am 18.04.2018 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Bis das soweit ist,

    wird noch einige Zeit vergehen. Ich bin dennoch davon überzeugt, dass das autonome Fahren ziemlich sicher kommen wird! Allein schon wegen der Zunahme des Individualverkehrs und den damit verbundenen und steigenden Sicherheitsanforderungen. Bezgl. der Technologie mach ich mir keine Sorgen, denn bisher fanden die Spezialisten immer eine technische Lösung, die ein hohes Mass an Sicherheit bietet. Man denke nur an all die technischen Errungenschaften, die wir heute schon haben, mit der man z. B. andere Planeten erreichen kann. Es wird sicher eine spannende Zeit, auf die man sich auch freuen kann.