Schweizer Lancierung

04. Dezember 2018 12:58; Akt: 04.12.2018 15:24 Print

Zum Marktstart setzt Juul auf 28-jährige Models

von R. Knecht - Seit Dienstag gibt es die E-Zigaretten von Juul in der Schweiz. Das sind die Fakten zum Schweizer Markteintritt der US-Firma.

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Juul will Schweizer Rauchern eine Alternative zum Tabak bieten. Die Werbung soll auf erwachsene Raucher gerichtet sein: Die Models sind mindestens 28 Jahre alt, so Juul. Auf dem Päckchen gibt es Nikotinwarnungen. Der Doppelpunkt sei ein Übersetzungsfehler, der demnächst korrigiert werde, sagt Schweiz-Chef Jonathan Green zu 20 Minuten. Einfach wird der Markteintritt für Juul in der Schweiz wahrscheinlich nicht. Die E-Zigarette steht wegen ihrer erhöhten Suchtgefahr bei Jugendlichen in der Kritik. In den USA spricht die Gesundheitsbehörde FDA bereits von einer «Epidemie», wie das Magazin «Der Spiegel» berichtet. Um die Regelung von E-Zigaretten in der Schweiz sorgt sich auch der Gesetzgeber. Ein neues Tabakproduktegesetz ist in der Vernehmlassung. Mitte 2022 soll es in Kraft treten. Juul teilt mit, man wolle mit den Regulierungsbehörden kooperieren. Eine Studie zeigt, dass die Mehrheit der Jugendlichen, die Juul einmal ausprobiert hat, das Produkt anschliessend weiter nutzt. Befragt wurden 437 kalifornische Highschool-Schüler. 68 gaben an, Juul schon einmal ausprobiert zu haben. Fast 60 Prozent von ihnen haben das Produkt in den 30 Tagen vor der Befragung weiter genutzt. Dagegen haben von 133 Schülern, die andere E-Zigaretten versucht hatten, nur 30 Prozent weitergedampft. Der Psychologe Thomas Eissenberg, Co-Autor eines Kommentars zur Studie, erklärt, dass die Resultate bedeuten könnten, dass «kapselbasierte E-Zigaretten bei dieser anfälligen Gruppe ein noch grösseres Risiko für eine Nikotinabhängigkeit darstellen als andere Nikotin- oder Tabakprodukte». 106 hatten bereits herkömmliche Zigaretten ausprobiert. Von ihnen hatten 28 Prozent in den letzten 30 Tagen geraucht. Für Markus Meury, Mediensprecher von Sucht Schweiz, liegt das hohe Abhängigkeitspotenzial von Juul darin begründet, dass eine Kapsel in den USA so viel Nikotin enthält wie ein ganzes Päckchen Zigaretten. Zudem werde das Nikotin in Form von Nikotinsalzen beigefügt, die deutlich stärker und schneller wirken als die Nikotinextrakte in herkömmlichen E-Zigaretten. Der Beteuerung des Herstellers, wonach Juul für Erwachsene und bestehende Raucher gedacht sei, kann Meury nichts abgewinnen. «Der Hersteller kann behaupten, was er will. Fakt ist, dass Juul gerade unter den Jugendlichen in den USA die grösste Verbreitung hat.» Für ihn liegt das daran, dass die Aromen klar auf Jugendliche ausgerichtet sind und sich die E-Zigarette dank der Form eines USB-Sticks gut vor Lehrern und Eltern verstecken lässt.

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Juul will 1,78 Millionen Schweizer Rauchern einen Weg bieten, vom Tabak wegzukommen. Das verkündete Firmengründer und Chief Technology Officer Adam Bowen am Dienstag in Zürich. Mit den E-Zigaretten bietet die Firma nach eigenen Angaben eine gesündere Alternative zur Verbrennungszigarette.

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Doch um die Firma gibt es Kontroversen: In den USA ist das Produkt nicht nur bei Tabakrauchern, sondern auch bei Jugendlichen, die vorher gar nicht geraucht haben, beliebt. Zudem ist der Nikotingehalt in den USA bei einer einzigen Kartusche so hoch wie in einem ganzen Päckli Zigaretten. Wie begegnet Juul diesen Problemen? Das sind die Fakten zum Schweizer Markteintritt:

• Nikotingehalt
Seit Dienstag sind die E-Zigis von Juul in der Schweiz erhältlich. In den USA gibt es Produkte mit 59 Milligramm pro Milliliter. Gesetzliche Richtlinien in der EU und der Schweiz besagen, dass Vaping-Produkte nicht mehr als 20 Milligramm Nikotin pro Milliliter enthalten dürfen. Darum hat Juul den Nikotingehalt in der Schweiz auf diesen Wert reduziert.

• Jugendschutz
Eine staatliche Regelung gibt es für E-Zigaretten derzeit nicht. Das Bundesamt für Gesundheit arbeitet noch daran, die Tabakverordnung auf nikotinhaltige Produkte auszuweiten. Die neue Verordnung soll 2022 in Kraft treten. Bis dann verspricht Juul, von sich aus Jugendschutz zu betreiben: Einerseits spreche die Werbung nur erwachsene Konsumenten an. Die Models seien mindestens 28 Jahre alt. Zudem arbeite Juul nur mit Partnern zusammen, die wie das Unternehmen selbst bereits den freiwilligen Kodex der Swiss Vape Trade Association unterschrieben haben. Die Altersbeschränkung von 18 Jahren werde sowohl im Detailhandel als auch online strikt durchgesetzt.

• Verkaufsstellen
Einer der ersten Verkaufspartner ist Valora, wie Schweiz-Chef Jonathan Green zu 20 Minuten sagt. Juul bietet die Produkte etwa an K-Kiosken, Press & Books und bei Avec an. Dazu kommen unabhängige Vape-Stores und der Onlineshop von Juul. Die Firma sei zudem mit weiteren Detailhändlern im Gespräch.

• Gesundheit
Juul betont, dass die Produkte zwar Nikotin enthalten, dass beim Vaping aber viel weniger Schadstoffe entstehen, als bei der Tabakverbrennung. Darum sei Vaping viel weniger schädlich als Tabak.

• Verpackung
Auf den Päckchen gibt es gut sichtbare Nikotinwarnungen. Ansonsten sei die Verpackung «neutral gestaltet», verspricht Juul. Tatsächlich sind die Päckchen hauptsächlich in Weiss gehalten. Die Warnung lautet: «Dieses Produkt enthält Nikotin: das sehr stark abhängig macht.» Der Doppelpunkt sei ein Übersetzungsfehler, der demnächst korrigiert werde, sagt Schweiz-Chef Green zu 20 Minuten. Die Firma weist zudem daraufhin, dass Juul für die Aromen bewusst Bezeichnungen gewählt hat, die auf Erwachsene ausgerichtet sind. Sie heissen: Golden Tobacco, Mint, Mango und Royal Creme. Jugendliche sollen sich nicht eigens davon angesprochen fühlen.

Auf der Packung hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. (Bild: rkn)

• Preis
Für ein Dampfgerät inklusive Ladestation und vier Kartuschen empfiehlt Juul einen Preis von 49.95 Franken. Ein Nachfüllpaket mit vier Kartuschen kostet 17.95 Franken.


Ein Interview mit Schweiz-Chef Jonathan Green finden Sie später auf 20 Minuten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Muro83 am 04.12.2018 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medienhype für nichts

    Wieso machen die Medien so eine Hype darum. Es würde sich niemand dafür interessieren.

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  • Di Fa am 04.12.2018 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NoSmoke

    Ich bin seit 6 Monaten Nichtraucher = 6 x 300 CHF = 1.800 CHF gespart. Habe für 1.000 Kleidung gekauft - das ist echt viel.

  • DLB am 04.12.2018 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Juul

    Habe die Juul seit einigen Monaten. Seither habe ich (w,22) aufgehört zu rauchen und benutze die Juul auch mitlerweile immer weniger. Ich persöndlich finde diese alternative super!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Vapestore.ch am 04.12.2018 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vape On.

    Probierts aus. Ich bin auch mit dem Dampfen, vom rauchen los gekommen. Wenn es mit der Juul nicht funktioniert, besucht einen Vapestore. Dort findet ihr unzählige andere Modelle, die vieleicht besser zu euch passen. Pod-Systeme wie die Juul oder BO (von Jwell) sind eher teurer, dafür eifacher im handling. Ein Pod hat ca. 200 Züge. Wenn ihr die schwächere variante nehmt, dann nehmt ihr mehr Züge. Ein Pod sollte aber schon für einen Tag reichen. Vape On!

  • Elias Truttmann am 04.12.2018 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jugendschutz top

    Der Jugendschutz am ersten Verkaufstag ist wasserdicht. Man kann die Dinger nämlich weder bei Press & Books noch bei K-Kiosk kaufen. Die Alterskontrolle via Adresse auf der Webseite funktioniert nicht und die Kontrolle via Ausweis dauert ewig. Fazit: 100% Jugendschutz. Umsatz für Juul am ersten Tag: 0.

  • ds dingsda am 04.12.2018 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    von der einen sucht zur andern und

    am schluss, dampft und raucht man beides! kenne zu viele, denen es inzwischen so geht....nein danke, das ganze werben sollte verboten werden! kommt mir vor wie, steige vom walkman auf ein digitales gerät wie ipod um und alles wird gut, nur dass das nicht so schädlich ist.....hauptsache man konsumiert weiter, neumodisch und hip....mit ev. noch mehr umkosten...

  • Marc am 04.12.2018 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Frage an die Kenner

    Wie lange hält denn so eine Kartusche? Oder mit wie vielen Zigaretten ist das vergleichbar?

    • Dario Gallo am 04.12.2018 19:51 Report Diesen Beitrag melden

      Antwort vom Kenner

      Etwa 200 Züge. Man kann es aber nicht wirklich mit Zigaretten Zügen vergleichen. Eine Zigarette wird (meistens) fertig geraucht, also 7-8 Züge. Beim dampfen kannst du aber auch nur 1 oder 2 Züge nehmen. Ich nutze ein anderes Modell: BO von Jwell. Dort reicht mir eine Kartusche 2 manchmal 3 Tage.

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  • Thomas am 04.12.2018 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne = Besser!

    Bin seit 3 Wochen Nichtraucher. Die beste Entscheidung meines Lebens. Der Geschmackssinn ist wieder da, das morgendliche Husten verschwunden.