Steuersünder

20. Juli 2012 07:24; Akt: 21.07.2012 10:46 Print

Daten-CDs lohnen sich vor allem für Deutsche

von Elisabeth Rizzi - Wer mit Steuersünder-CDs Geld machen will, muss nach Deutschland gehen. Andere Länder zeigen wenig Interesse an geklauten Daten. Aus gutem Grund.

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Der Rächer der deutschen Steuerzahler: Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans soll innert Wochenfrist zwei Steuersünder-CDs gekauft haben. (Bild: Keystone)

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Nordrhein-Westfalen frohlockt: Die CD-Käufe der Regierung schrecken ab. 6370 Schwarzgeldhorter mit Bezug zur Schweiz haben sich seit 2010 selbst angezeigt. Allein diesen Juni verzeichnete das deutsche Bundesland 93 Eingaben. Das gab die Regierung diese Woche stolz bekannt.

Obwohl andere Länder in der Eurozone weiss Gott mehr auf zusätzliche Einnahmen von Steuersündern angewiesen wären als Deutschland, hat bisher kein anderer Staat Daten-CDs gekauft. Zwar hat Italien von den 2009 aus der HSBC-Filiale in Genf gestohlenen Daten profitiert. Doch war dieser Datenträger von den französischen Behörden (zumindest nach offizieller Lesart) ohne Bezahlung sichergestellt worden.

Beliebte Sprachnähe

David Hürlimann, Steueranwalt bei der Kanzlei CMS von Erlach Henrici AG, führt die Zurückhaltung der anderen Länder vor allem auf die Legalitätsfrage zurück. «Überall stellt sich die Frage, ob ein Staat Beweismittel mit strafbaren Handlungen erlangen darf oder nicht», erklärt er. Frankreich beispielsweise operiere in diesem Bereich im Gegensatz zu Deutschland noch mit grösserer Zurückhaltung.

Dennoch gibt es laut Heiko Kubaile, deutscher Steuerexperte bei der Wirtschaftsprüfung KPMG Schweiz, weitere Gründe, weshalb der Handel mit Schweizer Bankkundendaten vor allem in Deutschland blüht: «Für Deutsche war die Schweiz nicht zuletzt wegen der Sprachnähe ein beliebter Standort.» Tatsächlich liegt in der Schweiz zudem klar mehr Geld aus Deutschland als aus anderen Ländern.

Studien schätzen die deutschen Ersparnisse in der Schweiz auf zwischen 260 und 360 Milliarden Franken (davon gut 60 bis 90 Milliarden Schwarzgeld). Das ist gut ein Drittel mehr als das von den Italienern hierzulande geparkte Geld. Die Franzosen haben in Zürich, Genf und Lugano nicht einmal ganz 100 Millionen Franken liegen.

Kommt noch hinzu, dass die deutschen Steuersünder sich leicht fassen lassen. Es sind meist «kleine Fische». Viele von ihnen verfügen nicht über hochkomplexe und schwer überblickbare Anlagevehikel, wie sie Grossanleger verwenden. Laut verschiedenen Experten legt der Durchschnittsdeutsche bloss zwischen 500 000 und 1,5 Millionen Franken in der Schweiz an. Oft handelt es sich um mittelständische Unternehmer und Personen, die aufgrund der Kriegs- und Enteignungs-Erfahrungen im Osten einen sicheren Hafen suchen.

Viel mehr Potenzial

Vor diesem Hintergrund relativieren sich allerdings auch die 6370 Selbstanzeigen. «Die Behörden würden durch das Steuerabkommen mehr Steuergelder einkassieren als über den Kauf von weiteren Daten-CDs», glaubt Kubaile. Immerhin dürften wohl gut zwischen 200 000 und 300 000 Deutsche in der Schweiz Geld liegen haben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pat am 20.07.2012 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oho

    Wann kriegen wir eine CD mit Bankdaten von Schweizern mit Konten in Deutschland?

    einklappen einklappen
  • rh am 21.07.2012 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wissen wie

    Ich kenne auch jemanden der in einer Kaderposition arbeitet und kein Steuerbares Einkommen hat. Die wirklich Reichen die Steuern sparen wollen haben ihr Vermögen so angelegt das es steuerfrei ist"ganz legal". Die in der CH Geld anlegen sind nur kleine Fische und haben keine Ahnung wie man Geld oder Vermögen so anlegt das man dafür keine oder nur wenig Steuern bezahlt.

  • Martin am 20.07.2012 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    So, so:

    Herr Hürlimann:«Überall stellt sich die Frage, ob ein Staat Beweismittel mit strafbaren Handlungen erlangen darf oder nicht» Die Antwort: Nein, darf er nicht! Vor Gericht sind nur Beweise zulässig, welche auf legalem Weg beschafft wurden. Das war auf jedenfall früher einmal so. Aber heute machen die Juristen sowieso, was sie wollen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • peter deutsch am 22.07.2012 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist der falsche Weg!Armes Deutschland! 

    Das Geld kommt doch nicht überwiegend im Koffer in die Schweiz! Die Deutschen sollten sich mal Gedanken machen auf welchen wegen die Steuersünder ihr Geld ins Ausland verschaffen und sich bereits solange das Geld noch in Deutschland ist Wege finden das es recht mässig versteuert wird. Unfähigkeit der deutschen Politik auf andere Länder abzuwälzen die sicher demokratischer regiert werden ist ja fast schon peinlich!

  • rh am 21.07.2012 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wissen wie

    Ich kenne auch jemanden der in einer Kaderposition arbeitet und kein Steuerbares Einkommen hat. Die wirklich Reichen die Steuern sparen wollen haben ihr Vermögen so angelegt das es steuerfrei ist"ganz legal". Die in der CH Geld anlegen sind nur kleine Fische und haben keine Ahnung wie man Geld oder Vermögen so anlegt das man dafür keine oder nur wenig Steuern bezahlt.

  • Dani am 21.07.2012 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuerhinterzieher

    Ich bekomme langsam den Eindruck, das fast alle reicheren Deutschen kriminelle Steuerhinterzieher sind. Ich finde es richtig das alle ihre Steuern bezahlen. Jeder Angestellte ob in D oder CH muss dies auch. Wenn sich die Banken sperren und unsere Regierung diese noch unterstützt, ist es nicht mehr alls normal, das sich die Deutsche Regierung die Daten durch ein Hintertürchen beschafft.

  • Auto fahrer am 20.07.2012 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wie du mir.

    Wenn die Deutschen das Abkommen so umgehen, sperren wir doch einfach die Autobahn für sie. Mal schauen wie lange es geht.

    • Vignetten Verkäufer am 22.07.2012 02:14 Report Diesen Beitrag melden

      So ich nicht dir

      Gar nicht lange, weil wir dann geschätzte 2 Mio. Vignetten weniger verkaufen...

    einklappen einklappen
  • rolf am 20.07.2012 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Sind nur kleine Hehler Straftäter?

    Wer wissentlich geklautes kauft ist ein Hehler. Die Deutschen kaufen geklaute Bank-Daten - also ist das hehlerei. Ob sich die Deutschen aktiv oder passiv verhalten spielt bei der Schwere der Straftat eine Rolle, nicht aber ob es eine Straftat ist. Demzufolge hat sich Deutschland lediglich vom Auftrags-Diebstahl zum Hehler "verbessert". Private Hehler sind also Gauner, öffentliche Hehler aber sind halt einfach Politiker.