Bilderberg kurios

10. Juni 2011 22:34; Akt: 10.06.2011 22:34 Print

Definitiv konspirativ

von Sandro Spaeth, St. Moritz - Wer sich an der «Geheimkonferenz» im Suvretta House aufhält, ist mittlerweile bekannt. Weniger klar ist, wer im Wald rund ums Nobelhotel herumschleicht.

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Vom 6. bis zum 9. Juni 2013 treffen sich die Bilderberger offenbar im Grove Hotel im britischen Ort Watford. Rund 140 Grössen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien sind zur Konferenz eingeladen. Aus der Schweiz nehmen 5 Personen teil – neben Josef Ackermann (l.) und Daniel Vasella (r.), die zu den Vorsitzenden gehören, wird erstmals auch FDP-Ständerat Felix Gutzwiller teilnehmen. Als das Treffen 2011 in St. Moritz stattfand, umfasste die Schweizer Delegation noch 10 Personen. Die Konferenz fand damals im St. Moritzer Nobelhotel «Suvretta House» statt. Die Bergidylle am Suvretta-Hang trügt. Das Hotel war streng bewacht. Überall war Sperrgebiet. Wanderwege in der Nähe des Hotels wurden polizeilich geschlossen, Zufahrten verbarrikadiert. Der Weg zum Haupteingang war gut gesichert. Sichtschutzwände verhinderten einen Blick auf die Mächtigen. Das Hotel glich einem Hochsicherheitstrakt. Überall Kameras... ...Polizei, Securitas... ...und Wächter mit Hunden. Aus aller Welt angereiste Aktivisten brachten sich in Stellung. Die Polizei hatte die Bilderberg-Kritiker hinter aufgemalte Linien verwiesen. Foto waren nur aus einer bestimmten Distanz erlaubt. Ansonsten zog die Polizei die Kamera ein. Auch die Zufahrtswege im Wald waren gesichert. Die Polizei verhandelte mit Aktivisten. Wer sich nicht an die Regeln hielt, wurde in Gewahrsam genommen. Die Aktivsten erwarteten die Welt-Elite mit Transparenten... ...und klaren Botschaften. Dann kamen sie endlich, die schwarzen Limousinen. Die Aktivsten stürmten auf die Strasse. Sie wollten u.a. den US-Milliardär David Rockefeller sowie Ex-US-Verteidigungsminister Henry Kissinger entdeckt haben. Wer hatte hier etwas zu verstecken? Bestätigt war die Teilnahme von Bundesrätin Doris Leuthard. In welchem Zimmer sie wohl übernachtete? Bei soviel Aufregung mutet es reichlich skurril an, dass das Suvretta House das Stattfinden der Bilderberg-Konferenz offiziell nicht bestätigen wollte. Die Polizei vermutete Spengstoff und ging hart gehen die Verdächtigen vor. Das Suvretta House wurde mit Scheinwerfern ausgeleuchtet. Sie habend sich dem Kampf gegen die «Global Mafia» verschrieben. Ein Team des TV-Kanals Russia Today interviewte den Aktivisten Mark Anderson. Das Pressezentrum im Hauptquartier der Bilderberg-Gegner.

Zum Thema
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Während im Suvretta House die Bilderberger die Weltordnung diskutieren, herrscht rund um das Nobelhotel verwirrender Ausnahmezustand. Zwischen den Bäumen rund ums Belle-Epoque-Haus verstecken sich Menschen. Ob es sich dabei um Polizisten, Aktivisten oder Reporter handelt, ist oft unklar.

Zahlreich vertreten sind die Sicherheitskräfte. Viele davon gehören zur Bündner Sondereinheit Kristall. Sie haben aufgerüstet, seit zwei italienische Aktivisten versucht hatten, sich Zutritt zum Tagungs-Gelände zu verschaffen und sich dabei eine blutige Nase holten.

Jeder ein Aktivist?

Auch der 20-Minuten-Online-Reporter ist den Sondereinheiten nicht geheuer. Auf dem Heimweg ins Hotel der Journalisten, das oberhalb des Suvretta House liegt und ein Passage am Meeting-Gelände nötig macht, werde ich angehalten und von Männern in Kampfstiefeln zur Rede gestellt. Die Fotokamera macht mich nur noch verdächtiger.

«Ich bin Reporter», sage ich den drei Polizisten, was sie mir aber nicht wirklich glauben. Der Grund: Rund ums Suvretta House wimmelt es nur so von «Medienvertretern», da sich ein Grossteil der Aktivisten auch als Journalisten irgendwelcher Blogs bezeichnet. Also müssen Beweise her: Zum Glück reichen Ausweis, Visitenkarte und Hotelzimmerschlüssel aus. «Mit Polizeischutz» gehts zurück ins Hotel.

Der Kirchentrick

Derweil versuchen die Aktivisten alles, um sich so nahe wie möglich an die Mächtigen heran zu pirschen. Da behilft man sich schon mal der Religion, denn innerhalb der Sperrzone liegt eine Kirche. Drei Bilderberg-Kritiker wollen für eine friedliche Atmosphäre rund um die «Geheimkonferenz» beten, angeblich hatte ihnen ein Bischof zugesichert, der Weg zum Gotteshaus würde für Gläubige frei bleiben. Weit kommen die «Religiösen» aber nicht. Die Sondereinheit kennt keine Gnade.

Einige der jüngeren Aktivisten scheinen das Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei zu geniessen. Endlich sind sie der «Bedrohung» mal ganz nah. Das «Problem» oder die «Wurzel des Übels» ist mit der Bilderberg-Konferenz konkret und nur einige Hundert Meter von ihnen entfernt. Vereinzelte scheinen von der Idee, dass im Suvretta House ein böses Spiel getrieben wird, beinahe besessen. «Alles Verschwörungstheoretiker?», frage ich. Die Aktivisten halten dagegen. Es gäbe für alles Beweise, man müsse sie nur erkennen.

Auch Du ein Journi?

Im allgemeinen Durcheinander zwischen Aktivisten und Journalisten halte ich später einen Mann, der die Demonstranten fotografiert für einen Mitarbeiter einer Bild- oder Nachrichtenagentur. «Von welcher Agentur bist Du denn?», frage ich. Von so was ähnlichem wie einer Agentur, antworte er. Dann entdecke ich im halb geöffneten Reissverschluss seiner Outdoorjacke einen Police-Badge, worauf ich schnell aufs höfliche Sie umstelle. Gesprächig ist der Mann auch dann nicht. Definitiv konspirativ.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • maus am 09.06.2011 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    verschwörungstheorien=wahrheit!

    diese theorien kommen nicht von nichts... was haben sie den zu verheimlichen? wenn es nur ein harmloses treffen wäre, würde man die welt bestimmt noch so gerne informieren und eigenwerbung machen... die leute sollten endlich aufwachen und nicht mehr einfach alles glauben, was einem die politiker und medien erzählen. (bilderberg, 9/11, kriege...) oder wollt ihr euch gerne vera****** lassen? es ist eure wahl...

  • Pit Rorschach am 11.06.2011 06:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kritisch gedacht

    Hier sieht man, wieviel Ahnung die einfachen Menschen haben, was in der Welt ab läuft. Insidern sind die Zusammenhänge zwischen Bilderberger und dem, was auf dieser Welt geschieht, wohlbekannt. Doch hier zu lamentieren bringt nichts. Wen's interessiert: Es gibt Googel.

  • Rainer Heorld am 09.06.2011 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    einladung eines einfachen Menschen

    Nein, es gibt keine Weltregierung das hat die Vergangenheit schon gezeigt. Auch eine geheime Weltregierung gibt es nicht, warum auch. Dies treffen machen Sinn um Länder und Ihre Regierungen zu lenken und möglicherweise vor schlimmeren zu bewahren. Die Sache hat nur einen Haken, die mächtigen Menschen vergessen einen einfachen Menschen einzuladen und anzuhören. Der spricht dann für restlichen 6,93 Mrd. Menschen abzüglich der 130 Bilderberger! Sollten die Bilderberg das nicht berücksichtigen schaffen Sie sich sehr bald selber ab!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ricardo Granda am 13.06.2011 03:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ich weiss,dass ich nichts weiss

    Ich habe 173 Kommentare gelesen,und weiss über diese Bilderberger noch weniger als vorher.Wie kann man so viel über Menschen schreiben,die man nicht kennt,ausser vielleicht ein paar Namen?Und warum schreiben so viele Leute,über das,was dort besprochen wird,wenn man es gar nicht weiss?Und was soll so gut an den obigen Artikel sein? Das alles nennt sich nicht einmal,mit den Wölfen heulen,sondern, mit den Schafen blöken.

    • D.G. am 13.06.2011 21:59 Report Diesen Beitrag melden

      Gehirn einschalten und nachforschen

      Wie wäre es mit Google benutzen?

    • Yuek Koc am 13.06.2011 22:57 Report Diesen Beitrag melden

      Geheim! Hat da jemand was zu verbergen?

      Man weiss ja kaum was über diese Bilderberger und genau das ist ja das Problem. Wenn sich die "selbsernannte" Elite und Weltlenker seit 1954 im geheimen Treffen und die Weltöffentlichkeit erst (keine Ahnung) vielleicht in den 80ern mitbekommen hat dass so ein Jähliches Treffen stattfindet ist doch schon nicht normal oder ist da jemand anderer Meinung. Wie verteidigt man diese Geheimhaltung? Warum gibt in einer Demokratie überhaupt etwas geheimes? WEr nichts unanständiges und unmoralisch vorhat, diskutiert doch dies in der Öffentlichkeit damit ein gesellschaftlicher Konsens gefunden wird.

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  • I want Real Change ! am 12.06.2011 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Träumer!

    Denkt ihr, dass es gut ist, blind dieser Elite zu vertrauen. Ihnen blinden Glauben zu schenken, dass alles in bester Ordnung ist? Glaubt ihr, dass diese Elite / diese Globalisten wirklich an unserer Meinung interessiert sind? Dieser blinde Glaube ist gefährlich! Aber Hey! Jeder muss später selbst die Verantwortung übernehmen und die Konsequenzen tragen. Wir haben euch gewarnt, aber ihr nehmt euch ja nicht die Zeit und setzt euch ernsthaftig mit diesem Thema auseinander, lieber glaubt ihr blind den Medien. Wake up!

  • Stefano Bollmann am 11.06.2011 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    als Einheimischer ein Problem mit Gegner

    Ich bin ja nicht direkt ein Bilderberg gegner, ob es gut oder schlecht ist was die tun wag ich nicht zu beurteilen. Aber was bestimmt nicht gut ist, sind die Gegner für unsere Region. Sie kommen von ganz Europa und führen sich hier auf als seien sie zuhause. Von Benehmen und Anstand kann keine Rede sein. Ich kann nicht einmal normal in St. Moritz in den Coop gehen, ohne dass mich die Polizei fragt wohin ich will, woher ich komme, von wo ich bin. Und das nur weil sich Kritiker und Gegner nicht zu benehmen wissen. Wenn ich ein Problem habe, dann mit den Aktivisten.

    • Philip T. am 13.06.2011 00:06 Report Diesen Beitrag melden

      Überlegen!

      Warum hast du ein Problem mit den Aktivisten, wenn du einkaufen gehst, und nicht mit der Polizei? Sie ist es doch, die dich stört! Man bräuchte eigentlich keine Polizei. Überleg mal, wer sie außerdem finanziert, ja du nämlich auch.

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  • PoisonHeadcrab am 11.06.2011 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Intransparenz kann auch gut sein.

    Wohl der Grund wieso diese Treffen Geheim und Intransparent sind ist einfach der, damit da frei über alle möglichen politischen/ökonomischen Sachen geredet und ausgetauscht werden kann. Da müssen die Politiker eben nicht auf ihre Äusserungen achten sondern können ihre ehrlichen Meinungen austauschen, was eine ziemlich gute Sache ist.

  • Pit Rorschach am 11.06.2011 06:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kritisch gedacht

    Hier sieht man, wieviel Ahnung die einfachen Menschen haben, was in der Welt ab läuft. Insidern sind die Zusammenhänge zwischen Bilderberger und dem, was auf dieser Welt geschieht, wohlbekannt. Doch hier zu lamentieren bringt nichts. Wen's interessiert: Es gibt Googel.