«Nicht alle überleben»

10. Mai 2012 15:24; Akt: 10.05.2012 16:01 Print

Den Shopping-Centern stehen harte Jahre bevor

von Sandro Spaeth - Die Schweiz zählt 170 Shopping-Center. Die Umsätze gehen fast überall stark zurück. Trotzdem kommen bald zehn neue Einkaufsparadiese hinzu – weitere zwanzig sind geplant.

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Derzeit gibt es in der Schweiz 168 Shopping-Center mit über 5000 m² Fläche. Bald könnten weitere hinzukommen. (Bild: GfK)

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Sie heissen Sihlcity, Seedam-Center oder Stücki und gehören zu den bekanntesten Einkaufstempeln der Schweiz. Allesamt hatten sie im letzten Jahr mit Umsatzeinbussen von 8 bis 10 Millionen Franken zu kämpfen. Schuld war der starke Franken, der die Kunden ins Ausland trieb und die Detailhändler zu Preissenkungen zwang. Beim grössten Einkaufsparadies der Schweiz (nach Umsatz), dem Glattzentrum, ging der Umsatz sogar um 35 Millionen Franken oder 5,2 Prozent zurück.

Übers Ganze gesehen verloren die Shopping-Center laut den Marktforschern von GfK insgesamt 1,9 Prozent an Umsatz – obwohl sich die Verkaufsflächen 2011 um 83 000 Quadratmeter vergrössert hatten. Im vergangenen Jahr hatten fünf neue Einkaufsparadiese eröffnet, darunter das Centro Ovale in Chiasso oder das Einkaufszentrum Rosenberg in Winterthur.

Umnutzen oder abreissen?

Trotz dieser wenig erfreulichen Zahlen des Shopping-Center-Markts geht die Expansion mächtig weiter. In den nächsten drei Jahren dürften weitere zehn Shopping-Center dazukommen. Bereits im Bau sind Malls in Nyon, Montey und Martigny. Weitere 19 Center sind in der Planungsphase, darunter die gigantische Mall of Switzerland (70 000 m², davon über 40 000 m² Detailhandel) in Ebikon bei Luzern. Bei zahlreichen Shoppingtempeln stehen zudem Modernisierungen an, denn die grosse Masse der Einkaufswelten wurde in den Siebzigerjahren gebaut.

Shoppingcenter im Überfluss? «Es hat bereits ausreichend Shopping-Center in der Schweiz», sagt GfK-Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener. Viel mehr Einkaufstempel als die heutige Zahl wird die Schweiz laut Hochreutener nicht vertragen, zumal es noch andere Läden und einen immer stärker werdenden Online-Handel gibt: «Der Wettbewerb wird härter. Nicht alle Shopping-Center werden überleben», so die Experten-Prognose. Mittelmässige und nicht positionierte Einkaufscenter dürften umgenutzt oder abgerissen werden.

Hohe Kaufkraft und Produktivität

Trotz getrübter Aussichten ist der Shopping-Center-Markt Schweiz für ausländische Investoren interessant. So drängt beispielsweise die spanische Inditex-Gruppe mit den Labels Zara, Massimo Dutti oder Bershka immer stärker auf den Schweizer Markt. Man schielt auf die hohe Kaufkraft von Herrn und Frau Schweizer sowie die interessante Quadratmeter-Produktivität. Diese Zahl gibt darüber Auskunft, wie gut ein Einkaufstempel läuft. Spitzenreiter ist mit 14 613 Franken Umsatz pro Quadratmeter das Glattzentrum, gefolgt vom wenig glamourösen Neumarkt im zürcherischen Altstetten (14 000 Franken pro m²).

«Diese im internationalen Vergleich enorm hohe Produktivität ist auf die grossen Lebensmittel-Händler als Hauptmieter zurückzuführen», erklärt Hochreutener. Zum Vergleich: Die Schickeria-Einkaufstempel Sihlcity oder Westside – die vor allem mit teuren Modelabels punkten – haben nur einen Quadratmeterumsatz von 7820 bzw. 7346 Franken.

Schwierige Suche nach Hauptmietern

Wichtigstes Erfolgsmerkmal für ein Shopping-Center ist laut Marcel Stoffel vom Dachverband der Schweizer Shoppingcenter-Branche (SCSC) die Lage. «Sie ist gegeben und kann anders als der Ladenmix oder die Kommunikationsstrategie nicht verändert werden.» Ein wichtiger Faktor sei zudem ein eigenständiges Konzept, das sich klar von der nahegelegenen Konkurrenz unterscheide.

Mehrere der geplanten Einkaufscenter-Projekte haben laut Stoffel Mühe, Hauptmieter zu finden. Dieses Misstrauen auf Seiten der Detailhändler darf als Indiz dafür gewertet werden, dass der Shopping-Center-Boom an seine Grenzen stösst. «Ohne diese sogenannten Anker-Mieter sind die Projekte meist tot», sagt Hochreutener. Hauptmieter wie Grossverteiler oder Elektronik-Giganten sorgen nämlich für entsprechende Kundenfrequenzen.


Die Giganten im Schweizer Shopping-Center-Markt
Umsätze in Millionen Franken (Quelle GfK)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kari am 10.05.2012 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    VCS ist mitschuldig ....

    Die Umweltverbände (allen voran der VCS) sind mitschuld daran, dass Einkaufscenter zum Teil nicht so laufen wie gewünscht. Denn ihre Forderungen bezüglich Parkplätze und Verkehr stehen manchmal mehr als nur quer zur Grösse eines Einkaufscenters. Bsp. ist das Sihlcity, welches direkt an der Autobahn-Ausfahrt steht und ein grosses Parkhaus hat. Jedoch hat der VCS verhindert, dass dieses Parkhaus auch richtig genutzt werden kann. Denn die Schranken dürfen nur eines gewisse Anzahl Mal auf und zu gehen pro Tag (egal ob das Parkhaus leer oder voll ist). Das nenne ich Stumpfsinn ...

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  • Vreni am 10.05.2012 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Alte Zeiten

    Da wäre mir doch ein kleines Dorflädeli viel lieber. Einfach so wie's früher war.

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  • Nik D. am 10.05.2012 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Malls in der Schweiz sind langweilig

    Ich glaube die Center funktionieren vorallem darum nicht weil alle die selben Läden haben, also Migros, Spar oder Coop, Fust/InterDiscount oder Mediamarkt, ein Baumarkt und ein Dosenbach oder andere Schuh-Discounter, etc. Verglichen mit richtigen Malls im Ausland (USA, Asien), die sich vom Angebot her unterscheiden, wirkt die Schweizer Mall-Landschaft langweilig. Darum hört auf neue zu bauen und packt interessante Labels in die bestehenden Malls oder reist die dinger wieder ab und macht ne Wiese draus.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Päde am 13.05.2012 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Qualität statt Grösse

    Die Grösse der Shopping-Center bringt leider keine Vielfalt. Die Mieten sind meistens so hoch, dass kleinere innovative Geschäfte,welche eine Differenzierung bringen würden, keine Chance haben, sich einzumieten. Das gleiche sieht man in den Innenstädte, wo die grossen Ketten ihre Eintönigkeit weiterverbreiten. Ich hoffe immernoch auf Vermieter, die wieder den Menschen in der Stadt oder im Dorf im Auge haben - das Gemeinwohl - und nicht die Rendite ihrer Immobilien. Solche Patrons gibt es leider immer seltener!

  • Martial Callair am 12.05.2012 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Das Shopping-Nonsens...

    Es ist sehr gut so. Zuviele Shopping-Centers ist eine Dummheit sondergleiche. Die Meisten sollen schliessen oder der Konkurs anmelden. Die bringen rein nichts, die Preise bleiben immer noch zu hoch un das Volk ist gesättigt. Jetzt haben wir andere günstigere Ausweichmöglichkeiten, das ist positiv!

  • Andreas am 12.05.2012 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu teure Mieten

    Würden die Mieten nicht so Horror sein, würde ich mir auch einen Laden suchen und mich selbstständig machen aber 11000. Franken für ein Geschäft direkt in Bern und auch noch nebengasse, sehe ich nicht ein...

  • Roland am 12.05.2012 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Blasen-Spirale soweit das Auge hinreicht

    Die Konsum-Gesellschaft muss / soll so die Bankrotte-CH-Wirtschaft unterstützen - es herrscht keine Einsicht, es wird weiter gewurstelt auf Kosten der Konsumenten.

  • Hans Ueli am 11.05.2012 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Shopping-Arena??

    Shopping-Arena ist sicher auch eines der grösseren Einkaufszentren der CH. Wo ist das??