Hoher Ölpreis

17. April 2018 10:41; Akt: 17.04.2018 10:41 Print

Sprit und Kerosin dürften bald teurer werden

von Isabel Strassheim - Die politische Lage lässt die Ölhändler bibbern. 20 Minuten erklärt warum. Und was das fürs Autofahren und Fliegen bedeutet.

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Vor dem Syrien-Bombardement durch die USA, Frankreich und Grossbritannien war der Ölpreis vergangene Woche auf das Dreijahreshoch von 73,09 Dollar pro Fass für die Sorte Brent gestiegen. Am Montag gab er leicht nach, er bleibt aber weiter um die 72 Dollar stehen. In drei Monaten könnte er im Extremfall bei 75 Dollar liegen, so die Bank Julius Bär. Sie geht aber eher von 65 Dollar im Sommer aus.

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Was hält den Ölpreis oben?
Im Markt ist Angst. Vor dem Angriff der USA, Frankreichs und Grossbritanniens auf Syrien waren an der Londoner Warenterminbörse 615'000 Wetten auf steigende Preise der Sorte Brent geschlossen worden. Das war laut der Frankfurter Commerzbank ein Rekord. Auch nach dem Bombardement gilt: «Die geopolitischen Spannungen sind nicht gänzlich vom Tisch und könnten in Kürze erneut eine Preisrally entfachen», so Eugen Weinberg von der Commerzbank. Angst machen aber auch mögliche neue Sanktionen der USA gegen den Iran.«Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei 50 Prozent», sagt Rohstoffanalyst Norbert Rücker von der Bank Julius Bär zu 20 Minuten.

Was bedeutet das für die Spritpreise?
Der Ölpreis auf den Rohstoffmärkten wirkt sich in der Regel schnell direkt auf die Konsumenten aus. Jedoch besteht nur knapp ein Drittel des Spritpreises aus Einkauf und Frachtkosten. Der Rest setzt sich aus Abgaben und Handelsspanne zusammen. Dennoch: «Die Entwicklung der Preise auf dem Weltmarkt kann sich schnell auf die Preise an den Schweizer Tankstellen auswirken, je nach Einkauf der Firmen», erklärt David Suchet von der Erdölvereinigung. Im März lag der durchschnittliche Preis für Benzin bleifrei 95 noch bei 1,54 Franken. Am 9. April stand er bei 1,61 Franken.

Steigen auch die Kerosin- und Flugticketpreise?
«Die Airlines werden keine Hemmungen haben, höhere Kosten auf Strecken mit wenig Konkurrenz weiterzugeben», sagt der frühere Belair-CEO Thomas Frischknecht zu 20 Minuten. Kerosin ist mit einem Anteil von rund einem Drittel an den Gesamtkosten ein wesentlicher Faktor für die Fluggesellschaften. Um besser planen zu können, haben sie meist 80 Prozent ihrer Kerosineinkäufe über 12 Monate preislich durch Terminkontrakte abgesichert, wie Frischknecht erläutert, der heute die Aviatik-Beratung 2assistu führt. Damit wirken sich die höheren Preise zwar zeitverzögert aus, aber die Absicherungskosten der Airlines steigen per sofort.

Wie beeinflusst der Franken den Ölpreis?
Rohöl wird weltweit in Dollar gehandelt. Liegt der Schweizer Franken zum Dollar tief, verteuert dies das Öl zusätzlich. Das ist im Moment der Fall. Der Dollar ist mit aktuell rund 0,96 Franken recht stark.

Was macht die OPEC?
Das Kartell der Ölförderstaaten OPEC hat sein Ziel fast erreicht, das es sich mit der Drosselung der Fördermenge vor mehr als einem Jahr gesetzt hatte. «Die Lager sind nicht mehr übervoll und Angebot und Nachfrage sind wieder in Balance», erläutert Rohstoffanalyst Rücker. Die Bestände der grössten Wirtschaftsnationen dürften gemäss der Internationalen Energieagentur bald unter das 5-Jahres-Niveau rutschen, wie von der OPEC angepeilt. Diesen Juni ist das nächste Treffen des Kartells und der Markt geht davon aus, dass die OPEC ihre Drosselung trotzdem über das Jahr 2018 hinaus verlängert.

Welche Rolle spielen die USA?
Durch den höheren Ölpreis lohnt sich das Fracking in den USA schon seit einiger Zeit wieder. Dabei wird Öl aus tiefen Gesteinsschichten gesprengt. Dazu müssen Löcher gebohrt werden, in die ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien gepumpt wird, was teurer als die herkömmliche Ölförderung ist. Dank technischem Fortschritt sind die Kosten im Schnitt unter 40 Dollar pro Fass gefallen. «Die Anzahl aktiver US-Bohrungen ist in der Vorwoche auf 815 gestiegen, das ist der höchste Stand seit März 2015», sagt Commerzbank-Analyst Weinberg. Für die OPEC wird es damit immer schwieriger, die Preise zu kontrollieren. «Damit haben die USA stark an Macht auf dem Ölmarkt gewonnen», betont Rohstoffexperte Norbert Rücker. Die Gewichte auf dem weltweiten Ölmarkt verschieben sich so.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bleifrei am 17.04.2018 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Beschämend

    Abzocker machen damit einmal mehr gute Kasse mit einem sogenannten Konflikt, einfach erbärmlich!

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  • Mauro am 17.04.2018 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Hochpreisinsel für Reiche

    Was wir hier in der Schweiz immer mehr bezahlen als alle anderen, da fragt man sich schon ob wir hier eigentlich nur angelogen und gemolken werden. Und kommt mir nicht mit mehr Lohn usw. Die Schweiz ist langsam aber sicher nur noch für Reiche. Können ja die dann die Drecksarbeit machen für die wir jeden Tag aufstehen und buckeln für was eigentlich. Gruss von einem Arbeiter

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  • Christ am 17.04.2018 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sommer und nicht Kreise

    Krisen hat es immer gegeben, auch in den kalten Monaten. Die Preise werden aber immer pünktlich vor den Sommerferien erhöht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike am 18.04.2018 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Benzinpreisentwicklung

    Geht der Ölpreis von 120$ auf 60$ zurück, ändert sich am Benzinpreis fast nix. Geht er dann von 60$ auf 70$, so werden gleich 10 Rappen mehr für den Liter verlangt.

  • C.D am 18.04.2018 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Luxusgesellschaft

    An die, die mit ihren BMW und AUDI Proletenkarren hier ständig rumjammern,...es nützt nichts! Ihr seid alle selber schuld. Autofahren ist noch zu günstig, hoffentlich wird das in Zukunft viel viel teurer. Die wenigsten kaufen sich ein verbraucharmes Auto, also ist die Mobilität noch zu günstig! 3Liter Autos wie den VW Lupo oder AUDI A2 wurden nicht akzeptiert, weil Mobilität ist zu günstig! Es fahren überall diese Ölschlucker mit 10 oder mehr Liter verbrauch...ihr seid doch alle GAGA.

    • Janosh am 20.04.2018 12:41 Report Diesen Beitrag melden

      Der gieriger bezahlt doppelt

      Billige Auto sind nur für Reiche. Es sind gerade diejenigen, die nach jedem zweiten Jahr ein neues Auto kaufen können. Die können es sich leisten...

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  • Solo am 18.04.2018 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Auto für die Arbeit

    Abzocker sind auch unsere Regierung, die die Preise für die Konsumenten hochhält. Man ignoriert den Fakt, dass man auf ein Auto in manchen Jobs angewiesen ist. Das wird sich irgendeinmal finanziell rechen.

    • C.D. am 18.04.2018 15:51 Report Diesen Beitrag melden

      Luxusgesellschaft

      Auto leasen, 1 mal im Jahr neustes Smartphone, neuer Laptop, Computer, Spielkonsole, Ferien mit dem Flugi, Kreuzfahrt, moderne Mietwohnung, teure Möbel, auswärts essen, fertigfrass zuhause, 1-2, mal am Tag Fleisch konsumieren und und und....kein Wunder reicht das Geld für viele nicht!

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  • Manfred.Th. am 18.04.2018 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Wer wird Reich beim hohen Benzin Preis?

    Und wer Kassiert am Meisten???? Die Abzocker und was machen Sie mit dem vielen Geld? Nur um Ihre Taschen zu füllen. Um damit unnütze Dinge zukaufen Sie haben es ja, dass Geld dafür.

    • :) am 18.04.2018 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manfred.Th.

      "Die Abzocker"... :) sind wir das nicht alle? (Wenn man uns genügend Macht gibt)

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  • Willhelm Tell am 18.04.2018 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer und immer wieder einmal

    Aha, die Amis, Saudis und alle ihre Weggenossen brauchen also mal wieder Geld um ihre Kriegskassen zu füllen damit sie Russland weiter bedrängen können! Es wird langsam aber sicher Zeit dass der Ölpreis nicht mehr an den Dollar gekoppelt ist, dann wären die ewigen Kriegstreiber schnell in Bedrängnis!