Coronavirus

10. März 2020 20:47; Akt: 12.03.2020 09:30 Print

Geisterflüge für die Quote – Swiss sperrt sich noch

Aus Angst vor dem Verlust der begehrten Start- und Landerechte führen Airlines sogenannte Geisterflüge durch. Die Swiss macht noch nicht mit.

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Fast keine Passagiere auf einem Flug der Swiss von Zürich nach London am 10. März. Einige Fluglinien führen für die Quote bereits Geisterflüge durch. Die Swiss macht noch nicht mit, muss die Quote aber auch erfüllen. Den Fluggesellschaften entstehen durch die Ausfälle wegen des Coronavirus Milliardenschäden. Die Airlines reagieren mit unterschiedlichen Massnahmen. (Bild: Ricky Coll via Reuters) Weil die Geschäfte einbrechen, will die Austrian Airlines jetzt Kurzarbeit einzuführen. In einer internen Mitteilung, die 20 Minuten vorliegt, schreibt der Vorstand den Mitarbeitenden: «Mit Kurzarbeit können wir auf eine geringere Nachfrage reagieren, finanzielle Hilfsmittel von der Regierung beantragen und dadurch kurzfristig unsere Unternehmen entlasten.» Man sei sich bewusst, dass dies keine leicht verdaulichen Nachrichten seien, so der Konzern. Die Austrian Airlines gehört wie die Swiss zur deutschen Lufthansa-Gruppe. Bei der Swiss heisst es auf Anfrage: «Kurzarbeit ist bei uns momentan kein Thema.» Laut Sprecherin Karin Müller werden aber derzeit alle möglichen Massnahmen diskutiert, um vorbereitet zu sein, sollte sich die Situation weiter verschärfen. Die angeschlagene britische Regionalfluggesellschaft Flybe hat mit sofortiger Wirkung ihren Betrieb eingestellt. Noch am Mittwoch hatte es Krisengespräche über eine Rettung gegeben, allerdings ohne die erhoffte Lösung für die Finanzprobleme der Gesellschaft zu finden. Doch der Ausbruch des Coronavirus liess bei Flybe die Buchungszahlen einbrechen. Das hat eine schlimme Situation verschlimmert. Darum ist Flybe nun endgültig am Ende. Die Fluglinie mit Sitz im südwestenglischen Exeter hätte wegen anhaltender Verluste beinahe schon im Januar aufgegeben. Grossbritannien verliere mit der Gesellschaft «einen ihrer grössten regionalen Vermögenswerte», sagte Flybe-Geschäftsführer Mark Anderson in einer Mitteilung. Flybe hatte in der Vergangenheit mit der britischen Regierung über einen staatlichen Rettungskredit in Höhe von etwa 123 Millionen Franken verhandelt. Doch das hatte andere Fluggesellschaften auf den Plan gerufen. Willie Walsh, Chef der British-Airways-Mutter International Airlines Group (IAG), kritisierte im Januar in einem Brief an die Wettbewerbshüter der EU-Kommission, der Deal sei ein «eklatanter Missbrauch von öffentlichen Geldern». Virgin Atlantic wollte erreichen, «dass der Steuerzahler die Rechnung für ihr Missmanagement begleicht», sagte Walsh.

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Fluggesellschaften haben wegen des Coronavirus zahlreiche Flüge gestrichen. Bei der Swiss sind es bis zu 50 Prozent. Es entstehen Milliardenschäden. Doch mit den gestrichenen Flügen stehen die Airlines vor einem weiteren Problem: Laut einer EU-Regel müssen sie mindestens 80 Prozent der Flüge in einer Saison durchführen. Ansonsten verlieren sie die begehrten Start- und Landerechte, die sogenannten Slots.

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Nur um die Quote zu erfüllen, führen einige Fluggesellschaften bereits «Geisterflüge» durch, wie die britische ««Times»» schreibt. Ohne Passagiere, aber dennoch mit hohem Kerosinverbrauch und ohne wirtschaftlichen Nutzen. Die Swiss macht dieses Spiel noch nicht mit, obwohl auch sie die Quote erfüllen muss, wie ein Sprecher gegenüber der «Luzerner Zeitung» sagt.

Die Branche will nun, dass die Quote von 80 Prozent zumindest bis Ende Juni nicht mehr erfüllt werden muss. Die europäische Vereinigung der Slot-Koordinatoren beantragte am Sonntag eine entsprechende Aussetzung der Regel bei der zuständigen EU-Kommission, wie Peter Dellenbach von der Schweizer Slot Coordination in dem Bericht sagt. In den nächsten Tagen soll die Entscheidung der Kommission fallen. Laut dem Bundesamt für Zivilluftfahrt gab es solche Ausnahmen etwa schon bei der Sars- und der Bankenkrise.

(fpo)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandro am 10.03.2020 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krank

    Wie kaputt ist diese Welt eigentlich? Da reden wir ständig vom Klimaproblem, dann taucht das Virus auf und niemand interessiert sich mehr dafür. Dem Mensch geht es heute nur noch drum sein Geld zu vermehren und ja keins zu verlieren. Dafür machen wir sogar unseren Planeten sinnlos kaputt. Da kann ich einfach nur noch den Kopf schütteln.

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  • Selbstdenkerin am 10.03.2020 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnfreie Massnahme

    Alle Welt versucht sich ökonomischer zu bewegen und hier soll sinnlos Unmengen an Geld verpufft werden, die Umwelt geschädigt und Personal missbraucht werden, um eine Quote zu erfüllen???

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  • Fred am 10.03.2020 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dummheit hoch drei

    Unglaublich, wie dumm die Menschheit geworden ist. Die Digitalisierung und Globalisierung hat uns in eine so unflexible Lage gebracht. Wo bleiben die wahren Leader in solchen Situationen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rainer Winters am 15.03.2020 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Geisterzüge der Deutschen Bahn

    Geisterflüge? Geisterzüge:

  • Burgdorfer P am 13.03.2020 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    EU-Regel

    Die USA haben diese Regel kurz-spitz ausgesetzt (Danke DT) - warum schläft hier die EU??

  • Dani89 am 12.03.2020 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Flüge

    Warum müssen auch eigentlich 68 Flüge pro Woche nach Amerika fliegen?! Warum reichen da nicht zwei Stück am Tag, mit einem Anflugsort. Schliesslich gibt es immer noch Inlandflüge. Man stelle sich vor, wie es wäre, wenn das Bahnnetz wie das Flugnetz funktionieren würde. Chaos pur.

  • Lindsey am 12.03.2020 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Quoten gibt es also nicht nur ...

    ... bei den Linken. Beides gleichermassen absurd.

  • Carrie am 12.03.2020 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die Lösung wäre ganz einfach

    Momentane Start- und Landerechte weltweit einfrieren, Quotenjagd unterbrechen bis alles vorüber ist und danach von mir aus weiter wie gehabt.