Aktienmärkte

18. Juni 2011 15:04; Akt: 19.06.2011 08:04 Print

Der Börsenweisheit letzter Schluss

von Hans Peter Arnold - Die alte Börsenregel «Sell in May and go away...» hat sich dieses Jahr bewahrheitet: Die internationalen Kurse tendieren abwärts, mit Aktien lässt sich derzeit kaum Geld verdienen.

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New York Stock Exchange: Die Nervosität an den Aktienmärkten steigt. (Bild: Keystone/EPA/Peter Foley)

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Die Luft an den Aktienmärkten ist draussen. Mittlerweile tendiert der Swiss Market Index (SMI) wieder unter dem Stand von Anfang Jahr. Der Rückgang um rund 5 Prozent ist zwar nicht dramatisch. Allerdings notiert der Schweizer Leitindex 35 Prozent unter dem Rekordhoch von 2007. Langfristige Investoren von Schweizer Blue Chips können sich an diesem Trend nicht erfreuen.

Beim Dow Jones Industrial sieht es auf den ersten Blick etwas besser aus. Der älteste Börsenindex notiert derzeit 14 Prozent unter dem historischen Rekordhoch. Doch auch das mag den Schweizer Investoren kein Lächeln abgewinnen: Die US-Aktien haben nämlich - umgerechnet in Franken - mehr als ein Viertel ihres Werts verloren. Schuld ist der Dollar-Crash. Unter dem Strich sind deshalb die Verluste für die Inhaber von US-Aktien noch grösser.

Es soll noch schlimmer kommen: Der Trend der Auftragsbücher in der Industrie zeigt weltweit abwärts. Um zwei Prozentpunkte schwächte sich der entsprechende Indikator von Goldman Sachs ab. Die Investmentbank fasst jeweils monatlich die Länderumfragen der Einkaufsmanager zusammen. Immerhin: Fast alle Länder weisen nach wie vor auf eine expandierende Wirtschaft hin. Von Rezession (noch) keine Spur. Trotz Frankenstärke zeigen die Trends für die Schweizer Wirtschaft weiter aufwärts, wie ebenfalls aus der Umfrage unter Einkaufsmanagern hervorgeht.

Der Pleitegeier kreist

Die Schuldenproblematik der Staatshaushalte verunsichert die Börsianer aber immer mehr. Der Pleitegeier kreist nicht nur über Griechenland, Portugal, Irland oder Spanien. Auch die USA und Japan stehen am Rande einer Pleite. Besonders kritisch ist die Situation in Japan: Die Milliardenhilfe nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe macht das Loch in der Staatskasse noch grösser. Die Besteuerung des Konsums ist ein Ausweg, drückt aber erst recht auf die Konsumstimmung.

Einstieg Ende September vorteilhafter

Gegen steigende Kurse in den kommenden Monaten spricht jedoch insbesondere die Statistik. Die Sommermonate gelten generell als schwache Börsenmonate. Auch in diesem Jahr scheint sich das Bösensprichwort «Sell in May and go away» («Verkaufe im Mai und renne davon»)zu bewahrheiten. Seit Anfang Mai verloren SMI und Dow Jones je 6 Prozent. Historisch gesehen droht im September der grösste Rückfall, im Schnitt verliert der US-Leitindex in diesem Monat 83 Punkte. Das errechnete 20 Minuten Online aufgrund der Zahlenreihe von 1980 bis heute. Nimmt man die Veränderungen in Prozenten zum Massstab, dann lag der durchschnittliche Verlust im Monat September bei -1,3 Prozent. Gegen Ende September sind also Aktienkäufe besonders lohnend; dann können Investoren günstig zugreifen. Oder wie es heisst: «And remember to come back in September» («Und denke daran, im September zurückzukommen»). Der April war im Schnitt mit einem Plus von 2,3 Prozent der erfolgreichste Monat, gefolgt vom November (+2,0 Prozent) und Dezember (+1,5 Prozent). Investoren sollten also im Winterhalbjahr auf Aktien setzen.

Das Muster soll sich wiederholen

Nicht alle Beobachter sehen schwarz: Ralf Wiedenmann, Chefökonom der Vontobel-Gruppe, wiegelt jedoch gegenüber 20 Minuten ab: «Auch wenn die jüngsten Wirtschaftszahlen aus den USA schwächer ausgefallen sind, ist die Angst vor einem double dip - einer zweiten Rezession - übertrieben.» Die US-Autoproduktion sei zwar im April wegen des Tsunami-bedingten Ausfalls japanischer Autozulieferer regelrecht eingebrochen. Die japanischen Autozulieferer sollten jedoch schnell wieder auf die Beine kommen. Insgesamt sollte die US-Wirtschaft um zwei Prozent wachsen. Vontobel ist auf längere Sicht optimistisch. Der Swiss Market Index, der nun gegen 6000 Punkte tendiert, soll Ende Jahr bereits wieder auf 7000 Punkten notieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kocher Rodolfo am 19.06.2011 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Börsenweisheiten

    Ein Börsianer kann so ziemlich alles verlieren, aber seine Erfahrung nicht. Man muss an der Börse nicht alles wissen und mitmachen, sondern nur alles vestehen.

  • Ramon am 19.06.2011 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Der Währungscrash steht vor der Türe

    Wenn ich diese Woche Schlagzeilen lese wie "Die Bank Lloyds hat bereits ihre Kunden darüber informiert, dass Europa das finanzielle Armageddon drohe und der Totalverlust von Bankguthaben und Lebensversicherungen nicht mehr ausgeschlossen ist"; Spätestens dann überlege ich mir echt, mein gesamtes Vermögen (inkl. Pensionskasse etc.) auszuzahlen zu lassen und in physisches Gold und Silber anzulegen. Denn wenn der Währungscrash kommt - und er kommt garantiert - dann ist das digitale Buchgeld innert Sekunden Geschichte.

  • Börsianer am 19.06.2011 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Auch wenns runter geht Geld verdienen

    "mit Aktien lässt sich derzeit kaum Geld verdienen"? Nun, wenns runter geht muss man halt einfach die Gegenposition einnehmen (Short gehen). Dann lässt sich genau gleich viel Geld verdienen wie wenn die Aktien steigen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Börsianer am 19.06.2011 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Auch wenns runter geht Geld verdienen

    "mit Aktien lässt sich derzeit kaum Geld verdienen"? Nun, wenns runter geht muss man halt einfach die Gegenposition einnehmen (Short gehen). Dann lässt sich genau gleich viel Geld verdienen wie wenn die Aktien steigen.

  • Ramon am 19.06.2011 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Der Währungscrash steht vor der Türe

    Wenn ich diese Woche Schlagzeilen lese wie "Die Bank Lloyds hat bereits ihre Kunden darüber informiert, dass Europa das finanzielle Armageddon drohe und der Totalverlust von Bankguthaben und Lebensversicherungen nicht mehr ausgeschlossen ist"; Spätestens dann überlege ich mir echt, mein gesamtes Vermögen (inkl. Pensionskasse etc.) auszuzahlen zu lassen und in physisches Gold und Silber anzulegen. Denn wenn der Währungscrash kommt - und er kommt garantiert - dann ist das digitale Buchgeld innert Sekunden Geschichte.

  • peter brogle am 19.06.2011 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    vorwärtsmachen

    ja soll endlich die schweizer industrie vorwärtsmachen mit erneuerbaren energie know how, was ja schon lange in den schubladen liegt, oder aber liegen sollte, wenn die mnacher doch so nachhaltig denklen können.

  • Kocher Rodolfo am 19.06.2011 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Börsenweisheiten

    Ein Börsianer kann so ziemlich alles verlieren, aber seine Erfahrung nicht. Man muss an der Börse nicht alles wissen und mitmachen, sondern nur alles vestehen.