«Fakelaki»

02. März 2010 07:36; Akt: 02.03.2010 07:45 Print

Der Briefumschlag unter dem Tisch

Griechenlands Wirtschaft und Gesellschaft befinden sich fest im Griff der Korruption. Jährlich bezahlt jeder Grieche durchschnittlich gegen 2000 Franken Schmiergeld – auf den Ämtern, auf der Bank oder gar beim eigenen Arzt.

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1355 Euro, rund 1983 Franken, Schmiergeld pro Jahr: Soviel zahlten die Griechen 2009 durchschnittlich an Bestechungsgeld, wenn sie die Ausstellung eines Führer- oder Fahrzeugscheins beschleunigen, eine Baugenehmigung kaufen, schneller in ein öffentliches Krankenhaus aufgenommen oder die Ergebnisse einer Steuerprüfung manipulieren wollten. Immerhin, die Zahl hat abgenommen: 2008 lag das durchschnittliche Bestechungsgeld bei 2011 Franken. Das geht aus einer Untersuchung von Transparency International (TI) Griechenland für das Jahr 2009 hervor, die der Tageszeitung «Die Welt» vorliegt.

Im privaten Bereich etwa bei Anwälten, Ärzten oder Banken stieg die durchschnittliche Bestechungssumme sogar deutlich, wie die Zeitung schreibt. Hier zahlten Griechen 2009 durchschnittlich 2446 Franken Fakelaki - Bestechungsgeld, das gewöhnlich in einem Briefumschlag unter dem Tisch übergeben wird. Ein Jahr zuvor waren es 2305 Franken.

6000 Griechen befragt

Grundlage der Untersuchung ist dem Bericht zufolge eine Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Public Issue im Auftrag von TI unter 6122 erwachsenen Griechen durchführte. Den Meinungsforschern gaben 13,4 Prozent der Befragten zu Protokoll, dass von ihnen Bestechungsgeld verlangt worden sei.

Transparency International kalkuliert laut der Zeitung, dass griechische Haushalte 2009 insgesamt 1.1 Milliarden Bestechungsgeld zahlten: 676 Millionen Franken an Staatsdiener, 475 Millionen im privaten Sektor. Die Summe der Bestechungsgelder wäre damit in nur zwei Jahren um gut 23 Prozent gestiegen: 2007 kalkulierten die Korruptionsforscher mit einer Gesamtbestechungssumme von 935 Millionen Franen.

Grosse Dunkelziffer

Diese Zahlen gäben nur einen kleinen Teil der Korruption in Griechenland wider, denn längst nicht jeder Befragte gebe die Zahlung zu. Zudem «erfassen wir nur die sogenannte kleine Korruption also die Bestechungsgelder, die Privatleute an Staatsdiener und im privaten Bereich zahlen», sagte der Chef von Transparency International Griechenland, Konstantin Bakouris, der Zeitung. «Die wirklich grosse Korruption auf Staats- und Unternehmensebene, wie etwa beim Siemens-Bestechungsskandal, wird von uns nicht einmal erfasst. Dabei ist sie weit verbreitet.»

(ap)

sentifi.com

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