Gegen Immoblase

13. Februar 2013 12:17; Akt: 13.02.2013 14:13 Print

Der Bundesrat verteuert die Hypotheken

Schärfere Eigenmittelvorschriften für Banken, die Hypotheken vergeben: Das will die Landesregierug, um die Immobilienblase zu verhindern. Die Finanzmarktaufsicht wollte zuwarten.

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Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und Finanzverwalter Serge Gaillard: Der Bundesrat verpflichtet die Banken bei Wohnhypotheken zu mehr Eigenmitteln. (Bild: Keystone)

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«Die Nationalbank und der Bundesrat haben mit Besorgnis die Entwicklung auf dem Wohnliegenschaftsmarkt und dem Immobilienmarkt beobachtet», sagte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf am Mittwoch vor den Bundeshausmedien. Bereits umgesetzte Massnahmen, darunter das von Hypothekarschuldnern mindestens verlangte Eigenkapital, hätten nicht ausreichend Wirkung gezeigt.

Die Nationalbank habe deshalb beantragt, den antizyklischen Kapitalpuffer zu aktivieren. Das bedeutet, dass die Banken für immobiliengesicherte Hypothekten über die ohnehin geforderten Eigenmittel hinaus 1 Prozent zusätzliches Kapital zurücklegen müssen.

Finma hätte noch warten wollen

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma hätte mit dem Aktivieren des Kapitalpuffers noch zuwarten wollen, wie sie schrieb. Sie hätte lieber erst die Wirkung der bisherigen Massnahmen abgewartet. So hatte sie es der Nationalbank empfohlen.

Viele Banken hätten bereits Reserven gebildet, sagte Widmer-Schlumpf. Nach ihren Angaben sind 15 bis 25 Prozent des ganzen Hypothekarvolumens von der Massnahme betroffen. Dieses belief sich Ende 2011 auf 797,8 Milliarden Franken. Der gesamte Puffer hat ein Volumen von rund 3 Milliarden Franken, wie Serge Gaillard, Direktor der Eidg. Finanzverwaltung, vor den Medien sagte.

Massvolle Massnahme

Widmer-Schlumpf sprach von einer «massvollen» Massnahme. Gemäss Eigenmittelverordnung hätte der Bundesrat die Möglichkeit, bis zu 2,5 Prozent zusätzliche Eigenmittel zu verlangen. «Damit will man die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors stärken, man will frühzeitig entgegenwirken, dass es zu einer Blase kommen kann», sagte die Finanzministerin.

Der Hauseigentümerverband (HEV) fürchtet aber, dass unter dem erhöhten Kapitalpuffer alle Haushalte und auch Gebiete ohne überhitzten Immobilienmarkt zu leiden haben. «Mit dem Puffer verteuern sich die Hypotheken und damit die Wohnkosten für alle, letztlich auch die Mieter», sagte HEV-Direktor Ansgar Gmür der Nachrichtenagentur SDA.

HEV: «Vorschriften treffen alle»

Der Verband hält es «per se nicht für falsch», mit geeigneten Massnahmen auf sogenannte Schwellenhaushalte zu zielen, die ihr Eigenheim knapp finanziert haben. Die Vorschriften träfen jedoch auch besser gestellte Haushalte. «Nun kommen alle ins Schleudern», sagte Gmür.

Weniger skeptisch ist der Baumeisterverband. Er begrüsse den bundesrätlichen Schritt, sagte Verbands-Vizedirektor Martin A. Senn auf Anfrage. «Die moderate Massnahme von 1 Prozent finde ich im derzeit tatsächlich etwas überhitzten Immobilienmarkt sinnvoll.»

Immoblase in Zürich, Genf und St. Moritz

Anzeichen für eine Immobilienblase hatte die Branche in den letzten Monaten in den Regionen Zürich, Genfersee und St. Moritz geortet. «Die SNB ist der Auffassung, dass sich das Problem auch an anderen Orten zeigt, nicht nur in diesen Regionen», sagte Widmer-Schumpf.

«Immobilienkrisen stellen eines der grossen Stabilitätsrisiken dar», ergänzte Gaillard. Niemand als die Nationalbank sei besser dafür geeignet, diese Risiken einzuschätzen. «Wir müssten schon gewichtige Gründe haben, um von den Empfehlungen der Nationalbank abzuweichen», sagte Gaillard.


Banken warnen vor steigenden Risiken

Auch die Banken selbst haben teilweise auf steigende Risiken im Immo-Bereich hingewiesen. Gleichzeitig betont aber jedes Institut, es verfolge eine vorsichtige Kreditpolitik und habe so die Risiken im Griff.

Der Immobilienblasen-Index der UBS, der alle drei Monate veröffentlicht wird, zeigt steigende Risiken an. Dennoch hält die Bank die Lage nicht für akut gefährlich. Eine Immobilienkrise sei die «vielleicht nächste, oder eventuell die übernächste Phase», sagte UBS-Chefökonom Daniel Kalt im Januar.

Auch die Credit Suisse sieht trotz der anhaltend tiefen Zinsen und der hohen Nachfrage nach Hypotheken keine direkte Gefahr einer platzenden Immobilienblase. Letztmals hatte die Schweiz Anfang der 1990er Jahre einen Immobiliencrash erlebt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Ries am 13.02.2013 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Reine Geldbeschaffungsaktion für Banken

    Nicht zum ersten Mal stellt sich der Bundesrat in den Dienst der Banken. Deren Profite steigen und die Zeche zahlen wir, Das Wohnen wird nochmals teuer. Kopfschütteln über diesen Bundesrat ist angesagt

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  • Burri Wali am 13.02.2013 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Eveline

    Dass die Banken am tiefen Hypothekar Zinsniveau kein Interesse haben ist logisch. Dass der Bundesrat dem Bürger in den Rücken fällt um den Banken zu helfen finde ich Skandalös. Aber das kennen wir ja aus der Vergangenheit bereits.......

  • P. Muster am 13.02.2013 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn.

    Eigentlich würden die Faustregeln bzgl. Eigenmittel und Tragbarkeit und deren Einhaltung genügen. Hätten die Banken strikte darauf geachtet, dass sie nur 80% des Kaufpreises finanzieren und eine Amortisation verlangen, welche die Hypothekarschuld innerhalb von 20 Jahren auf 65% reduziert, und dabei darauf geachtet, dass die Tragbarkeit gewährleistet wäre (Hypozins, Ammortisation, Nebenkosten etc. sollten kleiner 33% des Nettoeinkommens sein.), so wäre alles i.O. Aber die Banken wollten immer mehr Hypotheken verkaufen, womit die Bankangestellten teils bald mit 100% hypoziert haben. Et voilà!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus Ries am 13.02.2013 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Reine Geldbeschaffungsaktion für Banken

    Nicht zum ersten Mal stellt sich der Bundesrat in den Dienst der Banken. Deren Profite steigen und die Zeche zahlen wir, Das Wohnen wird nochmals teuer. Kopfschütteln über diesen Bundesrat ist angesagt

    • Felix Bertschinger am 13.02.2013 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      le Chat

      Der Bundesrat agiert auf Computer gestützte Zenarien die von altbekannten Lobbyisten erstellt wurden. Die CH verliert seine Vorteile immer schneller aber die Nachteile bleiben. Viel Glück!

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  • Dominik am 13.02.2013 13:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pflästerli Politik

    Warum wird das Problem nicht an der Wurzel bekämpft? Ändert doch einfach endlich das Steuergesetz! Mit dem jetzigen System wird Schulden machen regelrecht begünstigt. Dumm ist, wer keine macht...

  • Burri Wali am 13.02.2013 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Eveline

    Dass die Banken am tiefen Hypothekar Zinsniveau kein Interesse haben ist logisch. Dass der Bundesrat dem Bürger in den Rücken fällt um den Banken zu helfen finde ich Skandalös. Aber das kennen wir ja aus der Vergangenheit bereits.......

  • P. Muster am 13.02.2013 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn.

    Eigentlich würden die Faustregeln bzgl. Eigenmittel und Tragbarkeit und deren Einhaltung genügen. Hätten die Banken strikte darauf geachtet, dass sie nur 80% des Kaufpreises finanzieren und eine Amortisation verlangen, welche die Hypothekarschuld innerhalb von 20 Jahren auf 65% reduziert, und dabei darauf geachtet, dass die Tragbarkeit gewährleistet wäre (Hypozins, Ammortisation, Nebenkosten etc. sollten kleiner 33% des Nettoeinkommens sein.), so wäre alles i.O. Aber die Banken wollten immer mehr Hypotheken verkaufen, womit die Bankangestellten teils bald mit 100% hypoziert haben. Et voilà!

  • Andreas Stalder am 13.02.2013 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Höhere Amortisation wäre sinnvoller

    Statt die Zinsen künstlich zu verteuern hätte man besser den Eigenmietwert gestrichen und dafür die Amortisation innert 25 Jahren auf 33% festgelegt. Denn das aktuell nur 1/3 amortisiert werden muss, dürfte der Gesellschaft künftig noch viele Probleme bereiten. Aber eben, die Schweiz fährt gerne "Sonderzügli", die es sonst nirgendwo gibt.

    • Supermario am 13.02.2013 13:26 Report Diesen Beitrag melden

      Was ist denn in 25 Jahren???

      Warum immer alles "tunnelisieren"??? Ein wenig Spielraum sollte auch den Hyposchuldnern noch zugemutet werden können. Oder hast Du vielleicht heute eine Ahnung, welche Einkommenssituation in 25 Jahren zu erwarten ist? Ich jedenfalls plane diesbezüglich höchstens auf 5 Jahre voraus!

    • G.A. am 13.02.2013 13:38 Report Diesen Beitrag melden

      Eigenmietwert und Scholdzinsabzug ..

      gehören abgeschafft, dann werden die "unnötigen" Hypotheken zurückbezahlt!

    • Dominik am 13.02.2013 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wie wahr

      Sie sprechen mir aus dem Herzen!

    • Franz Mahler am 13.02.2013 13:55 Report Diesen Beitrag melden

      Null-Amortisation

      Es gibt auch viele Hypotheken , die keinerlei Amortisation verlangen - das "muss" ist nicht absolut!

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