Zuckerberg im US-Kongress

11. April 2018 20:24; Akt: 12.04.2018 00:53 Print

«Wir sammeln Daten über Leute ohne Facebook»

Am zweiten Tag im Kongress wurde Mark Zuckerberg noch einmal gelöchert. Viele Antworten blieb er jedoch schuldig.

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist persönlich von dem aktuellen Datenskandal bei dem Online-Netzwerk betroffen. In einer Anhörung im US-Kongress am Mittwoch sagte Zuckerberg auf eine entsprechende Frage, dass auch seine Informationen an das umstrittene Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica gegangen seien. Weitere Details dazu gab es zunächst nicht.

Zuckerberg stellte sich an zwei Tagen in Folge Fragen in Ausschüssen des Senats und des Abgeordnetenhauses. In beiden Fällen gelang es den Politikern nicht, den 33-jährigen Milliardär mit kritischen Fragen ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Insbesondere die Senatoren fielen bei der fünfstündigen Anhörung am Dienstag mit lückenhaftem Wissen über die konkrete Funktionsweise und das prinzipielle Geschäftsmodell von Facebook auf. Damit liessen sie Zuckerberg Raum für Ausweichmanöver.

Daten von Nicht-Facebook-Nutzern

Im Abgeordnetenhaus wehte dem Facebook-Chef am Mittwoch ein härterer Wind entgegen und die Ausschuss-Mitglieder unterbrachen öfter seine Ausführungen. Zuckerberg musste häufiger als am Vortag sagen, dass er einzelne konkrete Details nicht auf Anhieb parat habe.

Aufhorchen liess Zuckerbergs Aussage, dass auch Daten über Leute gesammelt würden, die nicht bei Facebook registriert sind - «aus Sicherheitsgründen», sagte er. Über diesen Umstand wurde früher schon geschrieben, doch so deutlich ausgesprochen hatte ihn bislang noch niemand, am allerwenigsten Zuckerberg selbst.

Bei dem aktuellen Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor mehr als vier Jahren Informationen von Facebook-Nutzern unrechtmässig an die Firma Cambridge Analytica weitergereicht, die später unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump arbeitete.

Dabei ging es nicht nur um die Daten der rund 300'000 Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Der Daten-Zugriff für App-Entwickler liess diesen breiten Einzug von Informationen von 2007 bis 2014 zu.

Nach Einschätzung von Facebook könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein - darunter potenziell von gut 70 Millionen Amerikanern. Cambridge Analytica selbst erklärte, man habe Daten zu 30 Millionen Nutzern erhalten. Facebook wusste seit Ende 2015 von der unerlaubten Datenweitergabe - gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass sie vernichtet worden seien und informierte die betroffenen Nutzer nicht. Das wird erst jetzt nachgeholt. Auf welchem Wege auch Zuckerbergs Informationen in den Datensatz kamen, wurde zunächst nicht bekannt.

Bezahl-Variante könnte kommen

Zuckerberg signalisierte in der Befragung im Senat erstmals, dass das weltgrösste Online-Netzwerk eine Bezahl-Variante ohne Werbung bekommen könnte. «Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben», sagte er auf entsprechende Nachfragen und deutete mit dieser Wortwahl Alternativen an.

Er enthüllte zudem, dass Facebook-Mitarbeiter vom Sonderermittler Robert Mueller befragt wurden, der eine mögliche russische Einflussnahme im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 untersucht. Er selbst sei nicht darunter gewesen, erklärte Zuckerberg - und war sich nicht sicher, ob er wegen der Geheimhaltungsklauseln überhaupt darüber reden durfte.

Facebook habe das Ausmass seiner Verantwortung nicht erkannt, sagte Zuckerberg am Dienstag und Mittwoch. «Das war ein grosser Fehler. Es war mein Fehler.» Seine grösste Priorität sei nach wie vor, die Menschen zu vernetzen - und das werde immer wichtiger sein als die Interessen der Werbekunden, «solange ich Facebook führe», sagte Zuckerberg. «Ich habe Facebook gestartet, ich führe es, und ich trage die Verantwortung dafür, was hier passiert.»

Keine konkreten Antworten

Zuckerberg, der für den Auftritt Anzug und Krawatte statt des üblichen grauen T-Shirts und Jeans trug, beantwortete schon am Dienstag diverse Detailfragen nicht direkt, sondern versprach, dass «sein Team» nachträglich in Kontakt treten werde. So hatte Zuckerberg keine konkrete Antwort auf die Frage, wie lange es dauert, bis alle Daten eines Nutzers entfernt werden, wenn dieser seinen Facebook-Account löscht. Es sei komplex und Facebook bemühe sich, das in einer vernünftigen Zeit zu erledigen, sagte der Firmenchef.

Dagegen wies Zuckerberg klar den Verdacht zurück, dass Facebook Gesprächen der Nutzer zuhöre, um ihnen passende Werbung zu zeigen. «Das machen wir nicht», sagte der Facebook-Chef und nannte die seit Jahren andauernden Spekulationen eine «Verschwörungstheorie».

«Fünf bis zehn Jahre»

Zuckerberg verwies immer wieder darauf, dass künstliche Intelligenz in der Zukunft eine viel grössere Rolle im Kampf gegen auf Facebook untersagte Einträge etwa mit Terrorpropaganda oder Hassrede spielen solle. Er rechne damit, dass Software zur Sprachanalyse in fünf bis zehn Jahren soweit sein werde.

Zuckerberg ist schon seit Tagen bemüht, die Situation zu entschärfen und räumte wiederholt Fehler ein. Zudem reduzierte Facebook den Zugriff von App-Entwicklern auf Nutzerinformationen deutlich und Nutzer bekamen mehr Möglichkeiten zum Schutz ihrer Privatsphäre gemäss EU-Datenschutzgrundverordnung. Diverse Senatoren und Abgeordneten sprachen sich dennoch für eine schärfere Regulierung beim Datenschutz aus.

(chi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • m59 am 11.04.2018 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    heuchlerisch

    Im Senat sitzen doch die,die am meisten Interesse an den Daten haben.

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  • Panama044 am 11.04.2018 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Grill den Zuckerberg!

    Er wird ja wohl teuer bezahlte Coaches haben, die ihm sagen, wie er auf welche Frage antworten und welche Körperhaltung er dabei annehmen sollte. Die Frage ist doch, ob das Ganze nicht ein Schmierentheater ist, mit vorher durch Spenden gekauften Senatoren oder ob daraus richtungsweisend etwas Konkretes für den zukünftigen Umgang mit Personendaten entschieden wird.

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  • Maler50 am 11.04.2018 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Show

    Kurz y gut alles eine Show ohne sichtbare Folgen für Facebook,einige kleine scheinbare Verbesserungen,weiter geht das Geschäft. Eventuell wird hinter den Kulissen mit der Regierung (Geheimdienste) ein Gegengeschäft in Gang gesetzt,leichterer Zugang zu den Daten y sie lassen Facebook in Ruhe!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dan y el am 15.04.2018 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Uniform

    Dass er jetzt auch eine Cravatte traegt muss nicht unbedingt ein gutes Zeichen sein.

  • Peter Hugo am 15.04.2018 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Was hat der Zuckerberg

    mit meinen Daten zu schaffen? Diese Sammlerei ist 100x gefährlicher als die Datenschnüffelei von seinerzeit Cinc. & Co seinerzeit in der Schweiz. Aber niemand zieht ihn zur strafrelevanten Verantwortung?! America first?

  • DavTeu am 14.04.2018 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überwachung trotz Nichtmitglied bei Facebook

    Wir sammeln Daten von Nicht Facebookusern, aus Sicherheitsgründe?!??? Aha und wie bitte? Dann lösche ich diese Apps auch geich mit!

  • Walter Portmann am 13.04.2018 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    sollte verboten werden

    Tja, selber schuld, wer auf solchen Platt- (und Verblödungs-)formen dabei ist.

  • No FB am 12.04.2018 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Dieser Typ Zuckerberg ist mir unheimlich. Im Prinzip ist er der mächtigste Mensch momentan. Was meint ihr dazu? Wollt ihr ihn weiterhin mit euren Daten füttern und noch reicher machen?