Entspannung

27. August 2014 19:56; Akt: 27.08.2014 19:56 Print

Der Immobilienblase geht die Luft aus

Erstmals seit Anfang 2013 stuft der Immobilien-Report von ETH und Comparis keine Region mehr als kritisch ein. Nur noch in fünf Bezirken bestehen leichte Anzeichen für eine Immobilienblase.

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Ist das die lang ersehnte Entspannung auf dem Immobilienmarkt – obwohl sich die Hypozinsen nahezu auf rekordtiefem Niveau befinden? Glaubt man dem jüngsten Immobilien-Report der ETH Zürich und dem Vergleichsdienst Comparis, hat sich der Immobilienmarkt seit Jahresanfang entspannt. Starke Anzeichen einer Blasengefahr gibt es nirgendwo mehr, weshalb im Immobilen-Report erstmals seit 2013 kein einziger Bezirk als «kritisch» eingestuft wird. Zum Vergleich: Noch vor anderthalb Jahren galten elf Bezirke als «kritisch».

Zuletzt wurde noch lediglich die Region Bülach als «kritisch» beurteilt, wobei der Preisanstieg auch dort abflachte. Der Bezirk wurde folglich auf die Stufe «zu überwachen» heruntergestuft. «Wir beobachten eine Abkühlung auf dem Schweizer Immobilienmarkt», so das Fazit von Studienleiter Didier Sornette von der ETH Zürich. Der Professor und sein Team stützen ihre Analyse auf Angebotspreise von über einer Million Häuser und Wohnungen ab.

«Bubble»-Gebiete liegen neben den Zentren

Schwache Anzeichen einer Blasengefahr zeigen sich aktuell auf dem Wohnungsmarkt in fünf Bezirken. Es sind Bülach, Pfäffikon (ZH) sowie das dem Kanton St. Gallen zugehörige, aber nach Zürich ausgerichtete Gebiet See-Gaster. Hinzu kommt die Region Hochdorf im Kanton Luzern sowie der Tessiner Bezirk Lugano. Die Analyse zeigt: Die «Bubble»-Gebiete liegen häufig nicht in den als überhitzt genannten Immobilienmärkten in den Städten Zürich und Genf selbst. Stattdessen findet man sie in deren Einzugsgebieten.

Laut Sornette war es zu erwarten, dass es in der Schweiz trotz der angespannten Situation zu keinem Immobilen-Crash kommt. Als Grund dafür führt er die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Schweiz an. Unablässig hatten Nationalbank und Finanzmarktaufsicht vor dem Platzen einer Immobilenblase gewarnt und die Banken zu strengeren Vergabekriterien gedrängt. «Die Massnahmen der Nationalbank und der Finma haben mit Sicherheit eine positive Wirkung gehabt», so Sornette zu 20 Minuten. Laut Sornette platzen Blasen in der Schweiz in Anbetracht der Stabilität nicht plötzlich, sondern sie lassen langsam Luft ab.

Das Modell der ETH basiert nicht auf den absoluten Preisen, sondern dem Preisanstieg. An oberster Stelle steht der Bezirk Entremont mit dem bekannten Kurort Verbier, wo der Medianpreis pro Quadratmeter für Wohnungen seit 2007 um 120 Prozent gestiegen ist. An zweiter Stelle steht mit einem Preisanstieg von 77 Prozent der Bündner Bezirk Imboden, wozu unter anderem die Gemeinden Flims und Domat/Ems gehören.

Schwierige Zukunftsprognose

Was bedeutet die eingesetzte Entspannung auf dem Immobiliensektor nun für Eigenheiminteressierte? Comparis weist auf gute Kaufgelegenheiten in jenen Regionen hin, in denen sich die Preisdynamik beruhigt hat. Vorsicht geboten ist hingegen in Bezirken mit dem Status «zu überwachen» oder «zu beobachten». «Wer dort gerne kaufen möchte, aber keine Eile hat, sollte lieber noch warten», rät Comparis-Sprecher Felix Schneuwly.

Was die Zukunft der Immobilienpreisentwicklung anbelangt, will sich Sornette nicht festlegen, da sein Berechnungsmodell keine Prognosen zur kommenden Entwicklung beinhaltet. Anzumerken ist, dass der Schweizer Immobilienmarkt stark von internationalen Entwicklungen abhängt, darunter vom Libor-Zins, dem Euro-Franken-Wechselkurs sowie vom Verlauf des Schweizer Bruttoinlandprodukts und der Zuwanderung.

Preisentwicklung von Wohnungen seit 2005

Quelle: Comparis

(sas)

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