Ivan Glasenberg

03. Dezember 2011 13:23; Akt: 03.12.2011 22:06 Print

Der Kohlehändler

von Sandro Spaeth - Er ist quasi unbekannt, sein Geschäft diskret – und lukrativ. Rohstoffhändler Glasenberg ist Top-Aufsteiger im Schweizer Ranking der Reichsten. Wer ist dieser Mann?

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Glencore-CEO Ivan Glasenberg: «Gott hat die Rohstoffe leider auf der ganzen Welt verteilt. Jetzt müssen wir eben in immer abgelegenere Gegenden.» (Bild: Keystone)

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«Reden ist Silber, schweigen Gold.» Das hat Ivan Glasenberg verinnerlicht wie kein zweiter. Glasenberg ist Chef des Zuger Rohstoffgiganten Glencore. Mit Silber und Gold kennt er sich auch sonst bestens aus.

Interviews gab der gebürtige Südafrikaner bis zum Börsengang seines Milliardenkonzerns im Frühjahr 2011 keine. Einzig einer Zeitung seiner Universität stand er vor Jahren einmal Red und Antwort. Liess das Gespräch aber später aus dem Internet entfernen. Glasenberg ist keiner, der sich bei Partys in St. Moritz ablichten lässt. Diskretion ist alles.

Am Briefkasten seiner Villa in Rüschlikon mit Blick über den Zürichsee hängt nicht mal ein Namenschild. Überhaupt bekommt man ihn dort selten zu Gesicht. Höchstens wenn er am frühen Morgen noch in der Dunkelheit seine Joggingrunde dreht – und dennoch als erster in der Glencore-Zentrale in Baar eintrifft.

Der grosse Geldsegen

Aller Diskretion zum Trotz: Richtig reich gemacht hat ihn die Entscheidung, ein Stück seiner Verschwiegenheit aufzugeben. Im Frühjahr brachte Glasenberg den Rohstoffkonzern Glencore, den einst der legendäre Marc Rich gegründet hatte, an die Börse. Davor hatte das Unternehmen seinen rund 500 Führungskräften gehört. 14 Millionen hatte Glasenberg für seine Anteile einst bezahlt. Heute ist sein Paket rund 600 Mal mehr Wert. Ein Börsengang aus Geldgier? Wohl eher nicht . Schon im Vorjahr wurde Glasenbergs Privatvermögen auf 1,5 bis 2 Milliarden geschätzt. 2011 ist sein Vermögen um fast fünf auf sieben Milliarden Franken gewachsen. Das macht ihn zum Aufsteiger des Jahres im «Bilanz»-Ranking der reichsten Schweizer.

Den Börsengang begründete Glasenberg mit der Wachstumsstrategie. Es brauche Kapital für Zukäufe. «Wir werden dem Konzern so führen, dass maximale Profite und maximale Renditen für unsere Investoren herauskommen», sagte Glasenberg im Frühling zur «Financial Times». Sich in den Dienst der Investoren zu stellen ist vorbildlich, nicht aber uneigennützig: Das Management besitzt auch nach dem Börsengang den Grossteil der Firmenaktien. Glasenberg selbst sollen rund drei Prozent des Milliardenimperiums gehören.

«Es ist viel praktischer, kein börsenkotiertes Unternehmen zu sein. Dann müssen sie keine Informationen geben», bemerkte Unternehmensgründer Marc Rich noch im Frühjahr in einem Interview mit der «Weltwoche». Trotzdem wagte Glasenberg den Börsengang.

Deals mit dem Apartheid-Regime

Marc Rich hatte den Südafrikaner schon im Alter von 27 zu seiner Rohstoffhandelsfirma in New York geholt: Für Kohlendeals mit Südafrika – obwohl die Uno Geschäfte mit dem Apartheid-Regime mit einem Embargo belegt hatte. Dennoch fand Glasenberg einen Weg. Die Länder wollten Kohle – Glasenberg hat geliefert. Mit 34 Jahren wurde er oberster Kohlehändler. In dieser Funktion kaufte er günstig Bergwerke in Südafrika und Australien und verkaufte sie teuer weiter.

Dass Glasenberg im Rohstoffbusiness tätig ist, hat er nach eigenen Angaben einem Zufall zu verdanken. Als ausgebildeter Controller besuchte er ein Rohstoff-Seminar an der Universität Johannesburg und sei vom Handel inspiriert gewesen. Daraufhin schloss er sein MBA an der University of Southern California ab und bewarb sich bei Marc Rich + Co. – dem grössten Rohstoffhändler der Welt.

Dort zeigte Glasenberg Ausdauer und Ehrgeiz. Eigenschaften, die er während seiner Sportlerkarriere gelernt hatte: Glasenberg war mehrere mal Landesmeister in der Disziplin Gehen und verpasste die Olympischen Spiele 1984 einzig, weil Südafrika wegen dem Apartheid-Regime ausgeschlossen wurde. Glasenbergs grosser Traum war geplatzt. «Für mich war das ein Schlimmes Erlebnis», erinnert er sich in einem Gespräch mit der «Bilanz».

Cholerischer Boss?

Umso härter kämpfte er sich im Job die Karriereleiter hoch. Über Sydney, Hongkong und Peking kam er nach Baar. Mit 45 Jahren folgte die Krönung: 2002 bestieg er den Thron als CEO. Ein langjährige Weggefährte beschreibt Glasenberg als «Vulkan », der gelegentlich ausbreche, wenn etwas anders laufe als der Chef es wolle.

Auch wenn der Top-Manager dank Börsengang einer der reichsten Schweizer ist, hat er den ganz grossen Reibach noch nicht gemacht. Um sich nicht dem Vorwurf der Gier auszusetzen, wurden die Haltefristen äusserst lange angesetzt. Das Top-Management von Glencore darf die Aktien erst in fünf Jahren verkaufen. Überhaupt, bemerkte Glasenberg, werde er keine einzige Aktien abstossen, so lange er bei Glencore arbeite.

Der 55-jährige Vater zweier erwachsener Kinder besitzt seit 2010 auch den Schweizer Pass. Mit Handkuss und ohne Gegenstimme hat die Zürcher Seegemeinde Rüschlikon ihrem besten Steuerzahler das rote Büchlein gegeben. Eine kluge Anlage.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Caesar Monetas am 03.12.2011 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Reiches Rüschlikon

    Wenn man einem eingebürgerten Schweizer wie diesem netten Herrn einen Vermögenszuwachs von etwa 5 Milliarden nachweisen kann, werden diese wohl als Einkommen zu versteuern sein. Bei nur 10 Prozent Gemeindesteuer macht dies nach meiner Berechnung rund 500 Millionen. Es lebe der Rohstoffhandel, von dem auch einzelne einfachere Bürger abhängig sind. Vielleicht könnte man noch Rückstellungen für zukünftige Co2-Abgaben in Abzug bringen, damit weniger Steuern anfallen.

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  • chipmunk am 03.12.2011 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Vier Punkte dazu

    1) Die kochen auch nur mit Wasser, gemischt mit einigen 'Tricks'. 2) Nicht alles ist Platinum/Gold/Silber/Zerealien/Kohle/Aluminum was glänzt. 3) Alles hat sein Preis dort arbeiten zu dürfen 4) wartet ab bis HFT's (High Frequency Trading) fangen an mit deren Aktien zu spekulieren :-)

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  • Hänsel am 03.12.2011 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Heiligsprechung?

    Ei! Welch ein netter Mann und solch ein liebes Unternehmen......

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Binder am 04.12.2011 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute steuerzahler

    Ich finde es super das solche firmen in derschweiz sind und auch die mitarbeiter hier steuern zahlen.das bringt der ganzen schweiz einnahmen

  • fsdervv44 am 03.12.2011 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Gier auf Kosten der Völker

    Der Handel nit Lebensmittel und Heizmaterial MUSS verboten werden

    • Max Muster am 03.12.2011 16:57 Report Diesen Beitrag melden

      das ist die Welt

      Die Leute und Länder wollen Lebensmittel und Heizmaterial wieso ihnen nicht liefern??'

    • Heidi K. am 03.12.2011 17:09 Report Diesen Beitrag melden

      Wie wahr.

      solche Menschen ziehen ganzen Völker die Lebensgrundlage unter den Füssen weg. Kein Wunder flüchten sie in Strömen. Wer da noch glaubt, die Menschen kommen weil es hier Sozialsystem zum austricksen gibt, der tut mir leid. Wir haben sie zuerst ausgetrickst, ausgeraubt und ausgenutzt und das über Jahrzehnte, Jahrhunderte gar Jahrtausende. Und wir tun es noch immer. Wieso? Wieso schaust du nicht hin? Stehst du AUCH nur auf Profitmaximierung?

    • swiss abroad am 03.12.2011 17:32 Report Diesen Beitrag melden

      seltsame Vorstellung

      ...und wie gedenkst du deine Lebensmittel und dein Heizmaterial zu kaufen, wenn es dafür keinen Handel gibt? Dann leben wir alle ohne?

    • thierry am 03.12.2011 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @sfdervv44

      haha also jeder beruf mit dem man viel geld verdienen kann soll verboten werden? ist das neid oder was? also verbieten wir doch: banker, anwaelte, aerzte etc etc

    • fsdervv44antwort am 03.12.2011 18:12 Report Diesen Beitrag melden

      bla bla

      es MUSS eigentlich alles verboten werden!

    • Mr Anonym am 03.12.2011 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      unlösbar

      nicht der Handel ansich muss verboten werden, sondern die rein gewinnorientierten Spekulationen mit Rohstoffen. Leider gibt es wohl kaum Firmen, welche dies nicht tun, auch weil sie kaum chancen hätten im Markt. Das Problem muss politisch angegangen werden und jeder muss am selben Strang ziehen. Ihr seht also: Unlösbar für unsere Spezies.

    • Zumstein Peter am 03.12.2011 22:08 Report Diesen Beitrag melden

      Etwas kritisch sein tut gut!

      Ich bin zwar auch nicht der Meinung, dass der Rohstoffhandel verboten werden muss, aber was in diesem Business abgeht ist echt fragwürdig! Geld verdienen ist ja gut und recht, solange die ethischen Grundsätzen gerecht wird! Und dies trifft auf Glencore ganz sicher nicht zu. Da häuft Glasenberg eiskalt unglaublich viel Geld auf Kosten des Leids tausender Personen an, welche unter miserablen Bedingungen in der Rohstoffgewinnung tätig sind!

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  • Caesar Monetas am 03.12.2011 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Reiches Rüschlikon

    Wenn man einem eingebürgerten Schweizer wie diesem netten Herrn einen Vermögenszuwachs von etwa 5 Milliarden nachweisen kann, werden diese wohl als Einkommen zu versteuern sein. Bei nur 10 Prozent Gemeindesteuer macht dies nach meiner Berechnung rund 500 Millionen. Es lebe der Rohstoffhandel, von dem auch einzelne einfachere Bürger abhängig sind. Vielleicht könnte man noch Rückstellungen für zukünftige Co2-Abgaben in Abzug bringen, damit weniger Steuern anfallen.

    • Markus Mustermann am 03.12.2011 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Aktien

      Falsch, es sind Aktien, d.h. wird es als Vermögen besteuert.

    • Lorenz Käsermann am 03.12.2011 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Steuern?!

      Sorry aber dieser Her zahlt höchsens 50 millionen an steuern, wenn überhaupt.

    • muchos kohle am 03.12.2011 19:06 Report Diesen Beitrag melden

      nix einkommensteuer

      als einkommen wohl kaum. die aktien haben dem netten herrn aus rüschlikon bereits gehört. somit handelt es sich um einen reinen kurzsanstieg. kaptialgewinn ist in der schweiz steuerfrei. jedoch wird er ganz schön vermögenssteuer abdrücken.

    • F. Schnider am 03.12.2011 22:09 Report Diesen Beitrag melden

      nur 50mio

      Herr Käsermann: Ihnen muss es ja gut gehen wenn sie von "höchstens 50mio" sprechen. In meiner Wohngemeinde belaufen sich die gesamten Steuereinnahmen nicht ein mal auf die Hälfte.

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  • chipmunk am 03.12.2011 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Vier Punkte dazu

    1) Die kochen auch nur mit Wasser, gemischt mit einigen 'Tricks'. 2) Nicht alles ist Platinum/Gold/Silber/Zerealien/Kohle/Aluminum was glänzt. 3) Alles hat sein Preis dort arbeiten zu dürfen 4) wartet ab bis HFT's (High Frequency Trading) fangen an mit deren Aktien zu spekulieren :-)

    • LADARE am 03.12.2011 17:17 Report Diesen Beitrag melden

      Was??

      Wow, super Beitrag - Was willst du uns damit genau sagen? Vor allem, was HFT mit oberem Beitrag zu tun??

    • Timo am 03.12.2011 20:20 Report Diesen Beitrag melden

      halo

      Gold, Platin, Kohle, usw..... alles aus Afrika!! Und wir fragen uns warum wir so viele Asylanten bei uns haben..??? klar haben die nichts mehr!! Gebt Ihnen das Geld zurück! Gebt ihnen deren Anteil zurück, und schafft sie aus! Problem gelöst!

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  • Hänsel am 03.12.2011 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Heiligsprechung?

    Ei! Welch ein netter Mann und solch ein liebes Unternehmen......