Tabak-Ersatz

30. November 2010 16:27; Akt: 01.12.2010 11:40 Print

Der Konsum von Snus explodiert

von Alex Hämmerli - Der Zigarettenkonsum sinkt, Snus wird immer populärer. Der Import des Mundtabaks aus Schweden ist innert vier Jahren um das 18-fache angestiegen. Nun geht Schweden in die Werbeoffensive.

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Die Schweden erobern Europa – zumindest mit ihrem Mundtabak Snus. 7500 Tonnen produzieren sie mittlerweile pro Jahr, Tendenz stark steigend. Auch in der Schweiz wird das «Snusen» immer beliebter - nicht nur unter Eishockeyspielern.

Die Popularität von Snus spiegelt sich in der Importstatistik der Zollverwaltung wieder. Demnach wurde 2006 noch eine Tonne des Mundtabaks aus Schweden importiert. 2009 waren es bereits 14,9 Tonnen. Die Schweizer konsumierten also innerhalb von nur drei Jahren 15 Mal mehr Snus. Und der Trend scheint nicht abzubrechen: Von Januar bis August kamen 11,7 Tonnen über die Grenze. Hält der Konsum an, dürften dieses Jahr rund 18 Tonnen Snus unter Schweizer Lippen rutschen.

Handelsministerin verordnet Snus-Werbung

Diese Entwicklung will nun die schwedische Regierung nutzen und unterstützen. Unter der Regie von Handelsministerin Ewa Björling sollen die Botschaften rund um den Globus die Snus-Werbetrommel rühren. Björling ist selbsterklärte Snus-Liebhaberin. In Bern war für heute Dienstag ein solcher Promo-Anlass geplant.

Die Veranstaltung wurde aber abgeblasen. «Unser Hauptreferent Michael Kunze hat leider abgesagt», klagt Botschafts-Sekretär Per Sjonell gegenüber 20 Minuten Online. Der Wiener Sozialmediziner Kunze vertritt die Meinung, man dürfe Nikotinsüchtigen eine weniger gefährliche Variante des Konsums nicht vorenthalten. Damit ist Kunze genau auf der Wellenlänge der Schwedischen Regierung. Einen Grund für das Fernbleiben Kunzes wollte Sjonell nicht nennen. Das Seminar sei nun auf unbestimmte Zeit verschoben.

Diskriminierende Regelung

Zum Anlass waren Schweizer Parlamentarier sowie Vertreter des Zolls und des Bundesamts für Gesundheit geladen. «Die Schweiz ist eng mit dem europäischen Markt verbunden», sagt Sjonell. Daher sei es wichtig, dass die Argumente für Snus auch hier vorgebracht würden. «Vieles spricht für Snus», so Sjonell. Es sei beispielsweise unverständlich – gar diskriminierend – dass Tabak-Varianten wie Snuff oder Kautabak erlaubt seien, Snus aber nicht. Zudem helfe Snus, wenn man mit dem Rauchen aufhören wolle. Das hätten schwedische Studien belegt.

Tabak-Präventions-Vereinigungen in ganz Europa stemmen sich derweil gegen die Legalisierung des Snus-Handels. Sie argumentieren, dass auch Snus krebserregende Stoffe enthalten und abhängig machen.

sentifi.com

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