Bob Dudley

27. Juli 2010 09:20; Akt: 27.07.2010 13:49 Print

Der Manager mit James-Bond-Erfahrung

von Othmar Bamert - Er musste schon aus Moskau flüchten und eine Firma aus einer geheimen Zentrale führen. Doch nun steht der neue BP-Chef vor seiner grössten Herausforderung.

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Wo immer es brennt, ist er zur Stelle: «Feuerwehrmann» Robert Dudley vor dem BP-Hauptquartier in London. (Bild: Keystone)

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Als Robert «Bob» Dudley im Juni das von BP-CEO Tony Hayward verkachelte Krisenmanagement der Ölpest im Golf von Mexiko übernahm, hiess es noch, er helfe damit, den Job seines Chefs zu retten. Es kam ganz anders: BP-Chef Tony Hayward tritt nach Angaben des Konzerns am 1. Oktober zurück. Bob Dudley wird sein Nachfolger.

Dudley war bisher so etwas wie der Aussenminister von BP. Und gilt als der Mann für die schwierigen Fälle. Mit dem CEO-Posten wartet nun eine Schadensbegrenzung der noch grösseren Art: Dudley soll den schwer geschädigten BP-Konzern vor dem Abgrund bewahren.

Dudleys Job: Schadensbegrenzung

Die Vorschusslorbeeren für Dudley sind gross: «Wo auch immer ein Sturm tobt, er ist das Auge des Sturms, in dem die Leute in Ruhe denken und analysieren dürfen, um zu einer Entscheidung zu kommen», lobte ein ehemaliger Geschäftspartner Dudley in der «New York Times» über den grünen Klee.

Dabei sind vor allem Dudleys diplomatische Qualitäten gefragt. Er soll dafür sorgen, dass der Wutpegel in den USA und in der US-Regierung über die vielen Pannen und Versäumnisse bei der Bekämpfung der Ölpest endlich wieder sinkt. Dies nachdem sein Noch-Vorgesetzter Hayward darin jegliches Gespür vermissen liess und sich mit ungeschicktem Verhalten in Windeseile jegliches öffentliche Vertrauen verspielte und in den USA regelrecht zu einer Hassfigur wurde.

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(Video: APTNVideo)


Vorteil US-Pass

Im Vergleich zu seinem Noch-Chef verfügt der studierte Chemieingenieur Dudley über einen entscheidenden Vorteil. Er ist Amerikaner, geboren 1955 in New York, aufgewachsen in Mississippi - genau in jener Region also, die jetzt am stärksten von der verheerenden Ölpest betroffen ist. Dudleys breiter Südstaatenakzent soll ihm weitere Sympathien verschaffen.

Ein Blick in die BP-Annalen zeigt: Der Mann ist krisenerprobt. Immer wenn es irgendwo im Konzern heikel wurde - etwa in Indien oder China - erschien Dudley als Feuerwehrmann auf der Bildfläche. So auch in Russland. 2008 bewahrte dort der «Troubleshooter» das russisch-britische Joint-Venture TNK-BP vor dem Untergang, nicht ohne persönliche Risiken einzugehen. Ein Streit mit dem Oligarchen-Konsortium AAR hatte sich dort zu einem politischen Machtkampf ausgeweitet, worauf Dudley Moskau gar fluchtartig verlassen musste. Er liess sich jedoch von den mächtigen Oligarchen nicht einschüchtern und leitete das Unternehmen zeitweise von einem geheimen Ort aus erfolgreich weiter.

Schon einmal Top-Kandidat

«Feuerwehrmann» Dudley galt schon einmal als Kronfavorit für den BP-Chefposten, 2007 schnappte ihm Tony Hayward jedoch die Position vor der Nase weg. Auch dieser soll nach Informationen der Nachrichtenagentur AP bei BP bleiben: Er werde ab Oktober einen Posten bei TNK-BP erhalten, einem Joint Venture in Russland, hiess es am Montag.

Mit Material der Agenturen SDA und AP